Nightwish – Human.:II:Nature.

Ein epochales Meisterwerk der finnischen Symphonic Metaller

Artist: Nightwish

Herkunft: Kitee, Finnland

Album: Human.:II:Nature.

Spiellänge: 44:55 Minuten

Genre: Symphonic Metal

Release: 10.04.2020

Label: Nuclear Blast Records

Links: www.nightwish.com/de

Bandmitglieder:

Keyboards – Tuomas Holopainen
Gesang – Floor Jansen
Gitarre, Gesang – Marko Hietala
Gitarre – Emppu Vuorinen
Flöten, Gesang – Troy Donockley
Schlagzeug – Kai Hahto

Tracklist:

  1. Music
  2. Noise
  3. Shoemaker
  4. Harvest
  5. Pan
  6. How’s The Heart
  7. Procession
  8. Tribal
  9. Endlessness
  10. All The Works Which Adorn The World: Vista
  11. All The Works Which Adorn The World: The Blue
  12. All The Works Which Adorn The World: The Green
  13. All The Works Which Adorn The World: Moors
  14. All The Works Which Adorn The World: Aurorae
  15. All The Works Which Adorn The World: Quiet As The Snow
  16. All The Works Which Adorn The World: Anthropocene
  17. All The Works Which Adorn The World: Ad Astra

Wow, was für ein Brett!
Fünf Jahre erschien kein Studioalbum der finnischen Supergoup um Tuomas Holopainen und der niederländischen Sängerin Floor Jansen. Umso eindrucksvoller melden sie sich nun mit dem neunten Werk Human.:II:Nature. zurück.
Die Band betont es ausdrücklich, dass das Album kein Konzeptalbum sei. Dieses kann man allerhöchstens an den Themen der Texte erkennen. Musikalisch ist dieses Album aus einem Guss. Das Album wurde zusammen mit dem The London Session Orchestra eingespielt. Neben Hans Zimmers Orchester in Hollywood ist es eines der besten seiner Art.
Wird auf dem ersten Teil des Albums viel Wert auf Poetik und Stimme in Bezug auf den „Mensch“ gelegt, besteht der zweite Teil aus einem einigen Song. All The Works Which Adorn The World ist unterteilt in acht Kapitel und beschreibt den Part der „Natur“. Vollständig Instrumental bringt es wahre Klanglandschaften hervor.
Am Tage der Veröffentlichung des Albums hat die Band zu jedem gesungenen Part ein entsprechendes Lyric-Video bei YouTube ins Netz gestellt. (Die entsprechenden Videos könnt ihr hier ansehen.)

Nightwish – Promofoto passend zum Album im Londoner National History Museum

Im ersten Song Music versuchen Nightwish, die musikalische Evolution nachzuvollziehen. Aus Klopfen und Stimmen werden Rhythmen und Harmonien, im Verlauf der Jahrtausende führt es schließlich über Bach und Beethoven zu Blues, Rock und Heavy Metal. Ungewohnte elektronische Elemente zu dem orchestralen Monument und eine Story, die in siebeneinhalb Minuten die musikalische Entstehung beschreibt: genial.

Endet Music mit dem Word „Silence“, bricht es ungewohnt düster und aggressiv in Noise los. Floor Jansen gibt stimmlich Vollgas. Ungewohnt politisch klagen Nightwish hier die Gesellschaft an. Noise mit seinem dunklen Video war die erste Auskopplung und spaltete die Fangemeinde.

Mit mittelalterlichen Klängen beginnt Shoemaker, um dann wieder in einen ungewohnt düsteren Sound zu verfallen. Der Schuhmacher soll scheinbar als Symbol verstanden werden. Er als einer der ersten Berufe der Welt benutzt die Natur, um sich gegen die Natur zu schützen.

Harvest beginnt zunächst folkloristisch und leicht wie ein typischer Song der Band. Der Text ist hingegen wieder anklagend und spielt mit Interpretationsmöglichkeiten. Eine Einladung zum Erntedankfest ist es aber ganz bestimmt nicht!

Pan beginnt wie aus der Soundschmiede Hollywoods entsprungen, um dann in metallische Riffs von Emppu Vuorinen zu fallen. Den Text interpretiere ich so, dass aus den Vorstellungen einer perfekten Welt auch Schattenseiten mit Gewalt und unschönen Dingen folgen. Menschen möchten immer Fußabdrücke in ihrem Leben hinterlassen.

How’s The Heart kommt dann musikalisch leichter daher. Troy Donockley mit seinen Uileann-Pipes versprüht schon fast so etwas wie Fröhlichkeit. Textlich ein Appell an die Menschlichkeit, Parallelen zu alten Nightwish Songs klingen klar durch.

Abermals kommt ein dunkler, drohender Song daher. Mit Procession geht der Text zurück in die Vergangenheit. Dorthin, wo der Mensch die Erde übernimmt.

Tribal setzt den Blick in die Vergangenheit fort. Traditionelle Melodien beginnen, bevor moderne Gitarrenriffs sägend einsetzen. Religion und deren abartige Interpretation sind das Thema in einem bösen Text.

Endlessness ist Marko Hietala auf den Leib geschrieben. Hier darf er große Teile des Gesangs übernehmen und seine Bassläufe sind prägend. Thematisch geht es um Zeit und Tod.

Floor Jansen live auf der Decades-Tour 2018

Stimmlich beherrscht Floor Jansen auf diesem Album alle Anforderungen in Perfektion. Dieses Arrangement wäre mit ihren beiden Vorgängerinnen so nicht möglich gewesen. Einer Sängerin wie Tarja Turunen aus der Welt der Oper würde ich große Teile hieraus noch zutrauen, einer eher rockigen Sängerin wie Anette Olzon hingegen auf keinen Fall.

Die zweite CD beinhaltet den achtteiligen Titel namens All The Works Of Nature Which Adorn The World. Hier kommen die sinfonischen Qualitäten Tuomas Holopainens zum Tragen. Der Hauptsongwriter von Nightwish versteht die Suite als „Liebesbrief an diese Welt„. Zwischen Spoken Word Stücken stecken 30 Minuten symphonischen Schaffens, das alle Passagen und Facetten von Launen und Stimmungen widerspiegeln kann. Es fällt mir schwer, dieses Stück mit wenigen Worten zu beschreiben. Nightwish Fans werden diese zweite CD nicht allzu häufig in den Player legen. Von grandiosen orchestralen Teilen verfällt es bis hin zur Esoterik.

Das Album ist nicht nur als 2-CD-Standard Edition erschienen. Zusätzlich ist es als 2CD-Digibook erhältlich. Für die Vinyl-Freunde kann es teuer werden, gibt es doch neben der 3LP Standard Black Edition bei Nuclear Blast Records (Direktlink: hier) noch exklusive Ausgaben in Marigold Vinyl, Mirage Blue Vinyl sowie Summer Bronce Vinyl.

Nightwish – Human.:II:Nature.
Fazit
Nicht kleckern - klotzen! Volle Punktzahl für vollen Sound! Nightwish schaffen es wieder, mit ihrem Album neue Maßstäbe zu setzen.

Anspieltipp: Keinen! Denn dieses Album gehört als Stück zusammen!
Norbert C.
10
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10
Punkte
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