Pityhole – Anancastia

Eine Mixtur, die es in sich hat

Artist: Pityhole

Herkunft: Weil Am Rhein, Deutschland

Album: Anancastia

Spiellänge: 40:00 Minuten

Genre: Alternative Metal, Progressive Metal, Stoner Doom

Release: 05.12.2020

Label: Eigenproduktion

Link: http://pityhole.de/

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre, Bassgitarre, Keyboard – Patrick Hanemann
Schlagzeug – Norman Lonhard

Tracklist:

  1. Fall Down
  2. Down By The Walls
  3. Still Loving You
  4. The Sun Woke Up
  5. Kill The Masters Of The World
  6. Stop For A While
  7. Black Soul
  8. I Am Hating Myself
  9. Fading Memories
  10. Trumpet Thrilled The Night

Wenn du am Aufräumen bist und dir dann ein übersehenes Album in die Hände fällt …

So erging es mir mit dem Metalprojekt Pityhole von Patrick Hanemann. Dieses Projekt feierte 2007 mit der ersten Scheibe Whishes Are Gone sein Debüt. Vier weitere Studioalben folgten jeweils im Abstand von zwei Jahren. Für die aktuelle Produktion hat es diesmal rund fünf Jahre Zeit seit dem letzten Longplayer Last Breath On Earth (2015) gebraucht. Hier galt das Motto: Gut Ding will Weile haben. Am 5. Dezember 2020 veröffentlichte Multitalent Hanemann schließlich sein sechstes Studioalbum Anancastia, das in Zusammenarbeit mit Drummer Normann Lonhard (ex-Tryptikon) und Co-Produzent Christoph Brandes in den Iguana Studios in Freiburg (Ortsteil March) aufgenommen wurde.

Das Album Anancastia bietet zehn groovige Songs aus experimentellem, doomigem sowie psychedelischem Metal in gut 40 Spielminuten. Einem festen Genre zuordnen kann man den musikalischen Stil von Pityhole nicht. Das Ganze darf man als eine dunkle Mixtur aus diversen Stilrichtungen, die sich verschiedenster Elemente aus Industrial-, Hardcore-, Doom-, Trash Metal, Djent etc. bedienen, verstehen. Es ist schon erstaunlich, wie die einzelnen Komponenten miteinander funktionieren.

Der Opener Fall Down eröffnet mit einem eiskalt wehenden Windhauch, begleitet von akustischen Gitarrenklängen. Danach legen düstere Gitarrenriffs und aufbegehrende Leads eine härtere Gangart ein, passend dazu der aggressive Gesang. Down By The Walls setzt den eingeschlagenen Weg mit Djent- und Hardrock-Einflüssen, aber auch deftigen Breakdowns weiter fort. Still Loving You macht dann einen Abstecher in doomigere Gefilde. Dieser Schmachtfetzen setzt auf groovige Gitarrenlinien, verzerrte sowie echoartige Gesangsparts und eine wehmütige Melodie. Der Gesang wechselt von schnulzigem Singsang bis hin zu Hardcore-Geschrei, eine schaurig schöne Mischung. The Sun Woke Up kehrt wieder zu den Anfängen zurück. Die schrillen, djentlastigen Leads schrauben sich unaufhaltsam durch die Gehörwindungen hinauf bis zum Hirn. Kill The Masters Of The World hat es sich auf die Fahnen geschrieben, etwas zur Lockerung der Nackenmuskulatur beizutragen. Die Rhythmik der Riffs lädt sofort zum Mitbangen ein, achterbahnartig geht es bei den Melodiebögen zur Sache. Stop For A While taucht danach in eine ganz düstere Region hinab. Dramatische Breakdowns wechseln sich mit Sprecheinlagen und harschem Geschreie ab. Den Gesang umgibt für kurze Momente ein Hauch von Marilyn Manson. Das ist der erste Track dieser Scheibe, der mich komplett überzeugt. Danach galoppiert Black Soul im lockeren Midtempo durch, ohne bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Dagegen löst das prägnante Riffing von I Am Hating Myself sofort Assoziationen zu Mein Teil (Reise, Reise – 2004) von Rammstein aus, daran kommt man als Fan der Industrial-Legende nicht vorbei. Der Sound von Fading Memories wiederum hat was von Parkway Drive mit ein paar Thrash-Einsprengseln eingestreut. Rausschmeißer Trumpet Thrilled The Night lässt es im gleichen Maße zum Schluss noch mal ordentlich krachen.

Ich bin mal wieder überrascht, welche Genres miteinander kombinierbar sind – geht nicht, gibt’s nicht!

Format: CD, Digital Album

Pityhole – Anancastia
Fazit
Auch wenn Anancastia kein Überfliegeralbum ist, kann es ein großes Spektrum musikalischer Genres abdecken, für die es reichlich Fans gibt, die man mit diesen zehn Songs begeistern kann. Ich schließe mich da eindeutig mit ein. Meine bevorzugten Tracks beginnen ab Mitte des Albums. Das kann man natürlich auch anders sehen, weil es eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Patrick Hanemann versteht es ohne Zweifel, mit seinem Musikprojekt diverseste Stilelemente unter einen Hut zu bringen. Das verdient schon einen gewissen Respekt. Ich kann diese Scheibe für Metaller empfehlen, die auf genreübergreifende Musik stehen.

Anspieltipps: Kill The Masters Of The World, Stop For A While, I Am Hating Myself und Stop For A While
Sandra R.
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8.1
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