The Pighounds – Hilleboom

In Namen des Grunge von Hille bis nach Boom

Artist: The Pighounds

Herkunft: Dortmund, Deutschland

Album: Hilleboom

Spiellänge: 36:55 Minuten

Genre: Grunge, Alternative Rock

Release: 23.04.2021

Label: Noisolution

Link: https://www.facebook.com/ThePighounds

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Peter Bering
Schlagzeug – Alessandro “Sandro” de Luca

Tracklist:

  1. Neon
  2. Doing Doe
  3. Love Yourself
  4. Save Your Lies
  5. Rutger Hauer
  6. AGAB
  7. Tree Pee
  8. Chairclimber
  9. Milk & Honey
  10. Superstar
  11. YouMe (Bonus)

„Zwei Köpfe und zwei Herzen – eine Seele und eine Leidenschaft“, so bezeichnet das 2018 gegründete Dortmunder Duo The Pighounds ihre Passion. Die Schweinehunde Peter Bering und Alessandro de Luca machten bereits bei den Stoner Rockern Fitches gemeinsam die Bühnen unsicher – auf ca. 150 Shows in sechs Ländern. Die Tinte beim Berliner Label Noisolution ist trocken und The Pighounds sind mit ihrem eingängigen Mix aus Grunge, Alternative Rock und Blues gut zwischen Genrekollegen wie Daily Thompson und The Picturebooks aufgehoben.

Nach dem Debütalbum We Used To Be Innocent aus 2018 erscheint im April der Nachfolger Hilleboom. Eingespielt und produziert in Eigenleistung des Duos. Die Zeit zwischen den Outputs nutzten die Dortmunder in erster Linie für ihre schweißtreibenden Liveshows. Da diese aus bekannten Gründen ausbleiben müssen, veröffentlichte das Duo im November 2020 die EP A Few Seconds, um dem Corona-Blues zu entkommen.

Zum Albumtitel durfte ich folgende schöne Story von Drummer Sandro erfahren: „Der Albumtitel ist im Grunde ein Dankeschön an unsere Freunde. Es wird oft als Floskel verwendet, aber ohne „Friends & Family“ geht’s nicht und macht vor allem auch weniger Spaß. Ausschlaggebend für die Namensgebung sind zum einen das kleine Örtchen Hille, dort haben wir eine Woche lang den Bauernhof unserer Freunde Tina und Dirk in Beschlag genommen, unser komplettes Studio aufgebaut und in alter DIY-Manier das Album aufgenommen. Boom ist eine Region in Belgien, da wohnt unser Freund Peter (oder zumindest fahren wir da immer durch), den wir vor ca. 10 Jahren – auch über die Musik – kennengelernt haben. Seitdem ist er auch ein sehr guter Freund, der schon so einige Kilometer auf sich genommen hat, um uns live zu sehen. Und wenn wir in Belgien spielen, schlafen wir eigentlich immer bei ihm und seiner Familie, selbst wenn es mal eine Stunde Umweg bedeutet. Und stellvertretend für diese großartigen Menschen, nicht nur in Hille und Boom, sondern überall, wo man uns immer so herzlich empfängt, steht eben Hilleboom.“

Duos sind vor allem in der Livesituation immer so eine Sache: Fehlt da nicht irgendetwas? Nun ja, erfolgreiche Mainstream-Rocker wie The White Stripes oder Urgewalten wie Mantar beweisen das Gegenteil. Rockgrößen wie Nirvana, Queens Of The Stone Age und Alice In Chains werden von den Dortmundern als Klischeevorbilder genannt. Da mir von den genannten Bands lediglich die Klischeesongs bekannt sind, erspare ich mir die Vergleiche größtenteils. Als der Grunge seinen Höhepunkt erreichte, war ich damit beschäftigt, weiterhin Metal zu hören. Wie transportieren The Pighounds den alternativen 90er-Sound ins Jahr 2021?

Elf Songs in knapp 37 Minuten klingt nach radiotauglichem Drei-Minuten-Format. Tatsächlich bewegt sich der Großteil der Stücke zwischen drei und vier Minuten. Das war’s auch schon mit der Eignung fürs Mainstream-Radio. Dafür haben die Schweinehunde zu viel Eier und der Sound zu viel Dreck. Hier knarzt es an allen Ecken und Enden. Ich sehe förmlich wie fettige Haare fliegen und Fäuste nach oben schnellen im rockenden Publikum vom Studenten bis zum Mittvierziger. Angefangen beim groovenden Opener Neon, der von den peitschenden Drums nach vorne getrieben wird. In Doing Doe kommt die Stimme von Frontmann Peter gut zum Tragen: Jederzeit authentisch zwischen lässig und aggressiv, braucht er sich hinter keiner Genregröße zu verstecken. Love Yourself ist die erste Singleauskopplung und erinnert mich dank der eingängigen Riffs etwas an die White Stripes. Im Mittelteil hat Drummer Sandro dann seinen eskalativen Auftritt am Mikro – Fazit: More Cowbell!

Bei Save Your Lies wird die Geschwindigkeit des Grunge-Zugs erstmals gestoppt. Erst gegen Ende wird wieder härter in die Saiten gelangt und der herrliche Gesang wird in Fuzz ertränkt. Zeit, die Zügel wieder anzuziehen: Den nächsten Songtitel widmen The Pighounds dem 2019 verstorbenen Kultschauspieler Rutger Hauer (u. a. Blade Runner, Hitcher). Beim bisher aggressivsten Stück der neuen Platte ist es unmöglich, still zu sitzen. Diese Pogoparty lässt den Schweiß von der Decke tropfen. As Good As Blind, wofür die Abkürzung AGAB steht, hält das „Heatlevel“ oben und liefert auch anspruchsvollere Rhythmen. In Tree Pee wechseln sich lässige Funk und Reggae Grooves mit beinharten Riffs ab. Sänger Peter Bering driftet teilweise in Gefilde von Andrew Stockdale (Wolfmother) ab, was mir ausgesprochen gut gefällt. Was hier mit „Shake it, down by the tree“ gemeint ist, bleibt der Fantasie des Hörers überlassen 😉

Wie andere Songs zuvor, beweist auch Chairclimber, dass The Pighounds nicht als x-beliebiger Abklatsch der Szenegrößen durchrutschen. Das Duo rockt nicht einfach nur unglaublich gut, an dieser Stelle muss auch die enorme Hitdichte auf Hilleboom hervorgehoben werden. Milk & Honey steigert sich mit etwas Südstaaten-Flair im Sound von der Ballade zum amtlichen Rocker. Dieses Stück atmet den Grunge förmlich ein und hüllt mich zunächst in weiches Flanell, bevor es in zerrissener Jeans und Chucks zur nächsten 90er-Party geht. Superstar ist einer der wenigen Songs, die bei mir etwas unbeachtet durchläuft – nicht schlecht, aber nichts für die Ewigkeit. Der Bonustrack YouMe erschien bereits 2019 inklusive eines herrlich schrägen Videos. Der neue Mix des Songs schließt das gelungene neue Kapitel der Schweinehunde aus Dortmund.

The Pighounds – Hilleboom
Fazit
Das schönste Duo seit Sonny und Cher kommt aus dem Ruhrpott: The Pighounds erreichen mit ihrem ehrlichen und rotzigen Sound auch einen Nicht-Grungefan wie mich. Hilleboom darf man sich als Fan des Rock- und Alternativesounds der Neunziger gerne ins Regal stellen und in Zukunft bei Bier und Gin live abfeiern. So, Herr oder Frau Virus, bitte beeilen sie sich mit ihrem Abgang – diese Musik gehört auf die Bühne!

Anspieltipps: Doing Doe, Love Yourself, Rutger Hauer und Milk & Honey
Florian W.
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