Profanity – Fragments Of Solace

Technischer Death Metal, so wie er klingen sollte

Artist: Profanity

Herkunft: Deutschland

Album: Fragments Of Solace

Spiellänge: 40:34 Minuten

Genre: Technical Death Metal

Release: 04.12.2020

Label: Eigenproduktion

Link: www.profanity.de

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Thomas Sartor
Bassgitarre – Lukas Haidinger
Schlagzeug – Armin Hassmann

Tracklist:

  1. Disputed Territory
  2. Progenitor Of The Blaze
  3. Reckless Souls
  4. Where Forever Starts
  5. Towards The Sun
  6. Ceremony Of The Rotten
  7. The Autopsy

Ach ja, da sind sie wieder, meine alten Kollegen von Profanity. Mit Tom und Armin, seines Zeichens Gitarrist und Schlagzeuger der Bayern, habe ich Anfang 2000 sehr viel Zeit verbracht, da wir zusammen mit unseren Bands auf Tour waren. Zweimal die United Underground Days Tour und viele andere Gigs wurden absolviert. Profanity haben es dann sogar zu einer Tour mit Cryptopsy gebracht, aber dann wurde es ruhig um die Band, obwohl man mit Slaughtering Thoughts (2000) ein echtes Juwel am Start hatte. Die in 1993 gegründete Band machte Pause und kam dann 2014 zurück. Der alte Basser Martl wurde durch den ganz alten Basser Daniel Unzer ersetzt. Dieser ist mittlerweile auch nicht mehr dabei und seit 2017 zockt Lukas Haidinger dieses Gerät. The Art Of Sickness, Album Nummer drei, erschien ebenfalls im Jahre 2017 und nun liefert man Album Nummer vier ab, wieder in Eigenregie, nachdem man bei Apostasy Records unter Vertrag war.

Zugegeben, meine Zeiten des technischen Death Metals sind vorbei. Irgendwie habe ich mich, wie so viele, auf den guten Old School Death Metal eingeschossen. Natürlich höre ich auch weiterhin Grindcore und brutalen Death Metal, aber es muss mich mittlerweile abholen. Auf technisches Zeug, mal abgesehen von Origin oder Cryptopsy, komme ich im Moment nicht so wirklich klar. Aber, so viel vorweg, dieses Album überzeugt mich.

Gleich der Opener Disputed Territory zeigt die Komplexität und die Verspieltheit der Band. Dabei bleibt man aber fokussiert und brutal. Die Brutalität und Aggressivität geht von dem guten Armin aus. Was der da an den Drums zaubert, ist mal wieder allererste Sahne. Schnell wie Hulle und bei den groovigen Parts sehr druckvoll. Ich vermute mal, dass es bei dem Riffing gar nicht so einfach ist, die Drumparts so zu platzieren. Aber es ist auch schon starker Tobak, was sie hier bieten, denn so richtig eingängig ist es natürlich nicht. Trotzdem kommen immer wieder auch straighte Parts vor, teilweise sogar melodische Leads. Diese dann überraschend platzieren und fertig ist so ein technischer Satansbratzen. Dave Suzuki (u.a. Vital Remains) ist hier mit einem Solo als Gastmusiker vertreten.

Die anderen Songs gehen natürlich in dieselbe Ecke. Das nachfolgende Progenitor Of The Blaze ist mir zwar mit 6:29 Minuten zu lang, aber das Riffing, besonders dieser melodische Teil, ist echt hervorragend. Dann kommt ein Mörder Death Metal Riff und Armin zerstört dieses total. Geil. Break und wieder nach vorne. Alles kaputtkloppen. Argh. Zerstören. Brett hoch zehn. Und dann der Groove. Kein 08/15 Stampfer, wie es so viele von diesen Slam Death Bands zelebrieren, sondern richtig abgefahren. Sehr verspielt, aber eben groovend. Fetter Song, straight forward und absolut komplex.

Wenn ich hier das Drumming im Besonderen lobe, muss man klar feststellen, dass die Gitarrenarbeit natürlich 1A ist. Ist klar. Das Riffing wurde zum Vorgänger noch einmal verfeinert und Thomas spielt sich wieder einmal mehrere Knoten in die Finger. Teilweise hat man das Gefühl, er hätte sechs Finger an jeder Hand. Wer weiß das schon so genau, hehe. Der Bass steht dem natürlich im Nichts nach, ist klaro. Die drei wissen, wie man die Instrumente hält – keine Frage.

Trotz der ganzen Spielereien kommt man immer wieder zum Punkt, so wie z.B. Towards The Sun. Besonders Cryptopsy Fans dürften hier begeistert sein und der teilweise doppelte Gesang kommt hier so richtig geil zur Geltung.

Trotz der ganzen Hyperspeedgeschichten hat man das Gefühl, dass sie sogar ein wenig die Ballerparts reduziert haben, dafür mehr grooven und die melodischen Elemente erhöht haben. Diese werden aber dann teilweise auch schön vermöbelt. Klasse.

Mit knappen 2:00 Minuten ist der Rausschmeißer The Autopsy der kürzeste Song und vermöbelt einen noch einmal so richtig. In der Kürze liegt die Würze. Dieses Motto verwenden Profanity aber nur beim letzten Song.

Die vielen Rhythmen- und Tempiwechsel haben Profanity echt drauf.

Dass die Burschen riesengroße Suffocation Fans sind, weiß ich schon seit 20 Jahren. Umso mehr freut es mich, dass sie jetzt guten Kontakt zu den Amis haben und Terrance Hobbs auch als Gastmusiker auf diesem Album tätig wurde. Was willste mehr?

Wer auf technischen Death Metal abfährt, für den ist Fragments Of Solace eine Pflichtveranstaltung. Die Augsburger Puppenkiste sollte mal Ceremony Of The Rotten als Soundtrack verwenden, hehe.

Profanity – Fragments Of Solace
Fazit
Profanity anno 2020 sind eine wahre Freude und eine wahre Macht, sofern man auf technischen und brutalen Death Metal abfährt. Natürlich wird auch gefiedelt, aber man hat ein gutes Händchen für Songwriting und kommt trotz der komplexen Strukturen immer auf den Punkt. Technischer Death Metal, wie er klingen sollte.

Anspieltipps: Disputed Territory, Progenitor Of The Blaze und Ceremony Of The Rotten
Michael E.
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