Sirius Curse – Time Knows No Lies (EP)

Keine Innovation ist auch mal erfrischend

Artist: Sirius Curse

Herkunft: Rottweil, Deutschland

Album: Time Knows No Lies (EP)

Spiellänge: 36:55 Minuten

Genre: Heavy Metal

Release: 15.03.2021

Label: Eigenproduktion

Link: https://www.sirius-curse.de/

Bandmitglieder:

Gesang – Peter Hirsch
Gitarre – Andreas Spitznagel
Gitarre und Begleitgesang – Frank Würthner
Bassgitarre – Dominikus Sautermeister
Schlagzeug – Simon Wilde

Tracklist:

  1. Rain Time
  2. Loud
  3. Relax (It’s War)
  4. No Tomorrow
  5. Crucified
  6. Time Know No Lies
  7. The Sense
  8. Bondage

Wenn ein Kollege aus unserem Magazin mich fragt, ob ich eine Rezension über eine Platte von ihm schreibe, dann ist das für mich persönlich eine Ehre und zeitgleich auch ein Problem. Denn ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass ich zumeist eher pro Band bin, wenn ich eine persönliche Bindung zu einem der Bandmitglieder habe. Doch ich gebe mir in diesem Review Mühe, das vollkommen außen vor zu lassen.

Fangen wir mit dem an, was einem bei Sichtung der EP als Erstes ins Auge fällt – das Coverartwork. Von Schrod – The Pixlpunishr in Szene gesetzt wurde eine Sanduhr, die sowohl den Titel der EP als auch einen melancholischen Blick auf die Lebenszeit selbst wirft und darauf, dass das menschliche Dasein unweigerlich voranschreitet. Gelungen, wenn auch für meinen Geschmack ein wenig zu wenig los. Doch jetzt mal Butter bei die Fische, wir sind ja nicht hier, um Bilder zu schauen, sondern um eine Debüt-EP auseinanderzunehmen. Die aus Rottweil stammende Heavy Metal-Kapelle Sirius Curse hat es nun nach knapp sieben Jahren der Bandgeschichte geschafft, eine EP auf den Markt zu werfen. Da, wo die einen bei 36:51 Minuten bereits eine LP ausrufen, gibt sich die Rottweiler Kapelle etwas zurückhaltender und nennt die Zusammenstellung ihrer acht Tracks einfach mal EP.

Dann wollen wir mal einen Blick auf das legen, was transportiert werden soll – die Musik. Angefangen mit dem Intro Rain Time. Hier spielt man mit einer Mischung aus Atmosphäre, Fernweh und dem Thema Zeit. Der Opener geht nicht bündig in den ersten sehr groovigen Track Loud über. Da wird auch klar, wo Sirius Curse mit ihrem Erstling hinwollen. Mit einem irgendwie rohen, fast schon nach Old School Heavy Metal klingenden Sound durchdringt Time Knows No Lies das Maschengitter meiner Boxen. Positiv finde ich, dass man es schafft, beinahe gänzlich auf modernen Firlefanz zu verzichten. Einzig die Verzerrung der Gitarren und das eine oder andere Echo auf der Stimme von Fronter Peter Hirsch zeigen, dass der Verzicht auf den erwähnten Klimbim kein Zufall ist. Wo wir gerade beim Fronter sind, so trifft die ganz leicht rauchige Stimme jeden Ton zu 100 % und bewegt sich in einer für das Genre üblichen Tonalität.

Mit Crucified bekommt der Hörer einen Song geboten, der gerade durch sein Melodiegerüst und die Songstruktur lebt. Die Strophen hätten auch von Hammerfall stammen können – wobei die Vergleichsband ein wenig mehr Bombast auf die Platten presst. Der namensgebende Track Time Knows No Lies gibt ein wenig mehr Gas und bringt einen herausstechenden Doublebass-Part sowie auch ein Gitarrensolo, welches seinesgleichen sucht. Wer bei Bondage nicht mit dem Kopf nickt, der hat das Wort Groove noch nicht verinnerlicht oder gänzlich nicht verstanden. Hier wird auch noch mal die Qualität an den Saiten klar – da, wo mir auf der Platte ein wenig die Komplexität fehlt, zeigen Sirius Curse im letzten Lied der EP, dass man auf dem richtigen Weg ist und es schafft, neben der Rhythmik auch eine eingängige Melodie einzubauen. Ach ja, ich hatte den Basser Dominikus Sautermeister noch gar nicht erwähnt, was wohl daran liegt, dass ich die Platte beim ersten Durchlauf auf meiner Anlage gehört habe. Doch wenn ich nun auf Kopfhörer umsteige, wird zum Beispiel bei Relax (It’s War) oder No Tomorrow eine echt hörenswerte Bassline bemerkbar.

Sirius Curse – Time Knows No Lies (EP)
Fazit
Was ist Time Knows No Lies nun? Aus meiner Sicht haben Sirius Curse das abgeliefert, was heutzutage durch glattproduzierte Platten nicht mehr so oft zu finden ist – einen echt fetten Old School Sound. Hier fragt keiner nach Innovationen oder nach einem Shout, Scream oder anderem gutturalem Gesang. Man macht einfach das, was man gut kann, und das ist eben ein Old School-Stil. Mir fehlt jedoch leider ein Song mit richtigem Ohrwurm- oder Hitcharakter. Denn auch wenn Time Knows No Lies ein gelungenes Erstlingswerk ist, welches wirklich sehr gut hörbar ist, fehlt mir etwas, woran man wirklich hart hängen bleibt. In einem Satz zusammengefasst: Ein sehr gutes Debüt leider mit fehlendem wirklichem Highlight.

Anspieltipps: Relax (It’s War), No Tomorrow und Crucified
Kai R.
7.5
Leser Bewertung6 Bewertungen
5
7.5
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