ASP und Two Minds Collide am 17.01.2020 in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln

Düstere Zeiten auf der Kosmonautilus Tour

Event: Kosmonautilus Tour 2020

Headliner: ASP

Support: Two Minds Collide

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr. 7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 17.01.2020

Kosten: 45,00 CHF AK

Genre: Rock, Gothic Rock, Dark Rock

Besucher: ca. 600

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch Extratours Konzertbüro https://www.extratours-konzertbuero.de

Link: https://www.facebook.com/events/1217545491759775/

Setlist Two Minds Collide:
01. An Unknown Identity (Intro)
02. Person X
03. The Misery And The Man
04. Dead Lines
05. Keep Up The Place!
06. The Loneliness Of A Dying Sun
07. Of Mistakes And Dreams
08. Raindrops In A Storm

Der Himmel über Pratteln verdunkelt sich zusehends und auch in der Konzertfabrik Z7 herrscht heute eher düstere Stimmung. Musikalisch gibt es heute etwas ungewöhnlichen Sound auf die Ohren, denn deutschsprachiger Gothic Rock findet im Z7 nun auch nicht tagtäglich statt. Doch die Kult-Event-Location an der Kraftwerkstraße ist dafür bekannt, gerne auch mal über den Tellerrand von Rock & Metal hinauszublicken. Das macht sich auch am Publikum bemerkbar, denn das übliche Kutten-Volk bleibt heute weitestgehend fern. Stattdessen sind die Besucher rein optisch gesehen eher der schwarzen Szene zuzuordnen. Das ist jedoch nicht weiter verwunderlich, denn mit ASP gibt sich heute die ungeschlagene Spitze des deutschen Gothic Rocks die Ehre.

Übrigens wird es zu diesem Bericht heute kein Fotomaterial geben. Wir von Time For Metal waren zwar im Vorfeld für das Konzert akkreditiert, doch musste der Gastgeber die Akkreditierung heute im Laufe des Tages kurzfristig auf Wunsch des Bandmanagements wieder zurücknehmen. Ganz offenbar ging es aber nicht nur uns so, denn kurz vor Beginn des Konzertes sind gerade einmal zwei Fotografen vor Ort, was für das Z7 eher ungewöhnlich ist. Auch darf bei der Hauptband der Fotograben nicht genutzt werden. Die akkreditierten Fotografen dürfen ausschließlich aus dem Publikum heraus fotografieren. So etwas gibt es ja schon mal, wenn z. B. eine Live-DVD mitgeschnitten wird, doch das ist hier heute Abend nicht der Fall. Nichtsdestotrotz, die Band möchte es so haben und so werden wir uns heute eben einfach mal nur ganz entspannt das Konzert ansehen. Auch Handys sind heute Abend nicht gern gesehen und so werden die Besucher gleich an der Abendkasse mit einem Aushang informiert, dass filmen per Handy streng verboten ist, dass auch für Fotos das Handy nur mal kurz ohne Blitz benutzt werden darf und dass bei Zuwiderhandlungen der Ausschluss vom Konzert droht. Konsequent, passt!

Den musikalischen Auftakt bilden heute Abend jedoch Two Minds Collide, eine Dark Rock Band aus dem Saarland. Der Publikumsansturm vor der Bühne lässt noch stark zu wünschen übrig, als das Trio gegen 20:15 Uhr die Bühne entert und mit dem Intro An Unknown Identity in sein Set einsteigt. Etwa 150 Besucher haben sich vor der Bühne versammelt und vielen geht es offenbar wie mir auch, denn sie stehen abwartend und gespannt, auf das, was kommt. Ich bin der dreiköpfigen Band aus Saarbrücken bisher nie begegnet, weder auf der Bühne, noch von Konserve. Etwas überrascht bin ich dann jedoch schon vom ersten Anblick der Band, denn die Dark Rocker würde ich rein optisch schon eher der Punkszene zuordnen, da Frontmann und Sänger Lias Schwarz, bekannt auch als Gitarrist der mittlerweile aufgelösten Mittelalterband Spielbann, einen ordentlichen Iro zur Schau trägt. Musikalisch trifft hier jedoch moderne Rockmusik auf düstere Elektroklänge und die Band gibt gleich von Beginn an Vollgas. Der Schwerpunkt der Setlist liegt natürlich auf dem aktuellen Album Person X (An Unknown Identity) (2019). Mit The Misery And The Man und Dead Lines schaffen es heute nur zwei Songs vom Debüt The Mean Mile (2018) auf die Bühne. Vom Einsatz her kann man der Band nicht viel vorwerfen. Mit viel Energie rocken sie sich den Allerwertesten ab, doch überträgt sich dieses nicht auf das Publikum. Auch mich haut der Auftritt nicht vom Hocker, was zuallererst an dem Songmaterial liegt, denn die Songs sind quasi austauschbar und ohne jeden Wiedererkennungswert. Die Band ist total happy, ASP auf der Tour begleiten und heute Abend im Z7 spielen zu dürfen. Das betonen sie das eine oder andere Mal voller Begeisterung, doch von dem immer noch abwartenden Verhalten des Publikums kann man eigentlich gar nicht so begeistert sein. Einzig und allein mit dem letzten Song Raindrops In A Storm wandelt sich das Bild etwas und es kommt ein Hauch von Konzertstimmung in den ersten Reihen auf. Dennoch kann man sagen, dass die noch sehr junge Band Potenzial hat und in den nächsten Jahren noch an ihren Aufgaben wachsen kann.

Nach einer kurzen Umbaupause ist es dann aber Zeit für den Hauptact des Abends, die Meister der eher dunklen Farben, bzw.  Nichtfarben. Erst im November veröffentlichten ASP ihr neuestes Klanggemälde und zeigten uns den Weg in die nächste Zwischenwelt. Doch wie immer gilt: Eine neue Welt sollte man nicht leichtfertig und unvorbereitet betreten, denn sie kann düster, kalt und lebensfeindlich sein. Wie der Name Kosmonautilus schon verrät, werden in der neuen Welt Parallelen zwischen Weltall und Weltmeer gezogen. Ein Nautilus ist gut vorbereitet, eine Art lebendes Fossil aus der Gattung der Perlboote. Ein Kopffüßler mit einer spiralförmigen Schale, die ihn vor den Gefahren des Lebensraumes Weltmeer schützt. Ob das Schweizer Publikum sich auch solch eine Schale für den Abend zugelegt hat und ob man mit solch einer Schale noch die positiven Einwirkungen an sich heranlassen kann, das wird das folgende Programm zeigen.

In der Umbaupause füllt sich jedenfalls der Raum vor der Bühne zusehends und auch, wenn die Konzertfabrik nicht annähernd ausverkauft ist, so dürften es nun doch etwa 600 Besucher sein, die ungeduldig darauf lauern, dass das Licht ausgeht. Als wenig später dann tatsächlich das Licht ausgeht und die Musik aus der Dose verstummt, wird die Band unter lautem Jubel begrüßt.

Der Einstieg gelingt mit Rückfall aus dem aktuellen Werk Kosmonautilus und vom ersten Moment an ist in den ersten Reihen gemeinschaftliches Ausrasten angesagt. Während die Supportband im Vorfeld regelrecht um Unterstützung gebettelt hat, braucht jetzt niemand mehr animiert werden. Der Chor ist vollzählig angetreten und folgt der Stimme des Meisters und Frontmannes Alexander Frank Spreng. Die Band aus Frankfurt am Main ist ein echtes Phänomen, denn noch nie zuvor habe ich eine Band auf der Bühne erlebt, die mit so wenig Bewegung die Fans begeistert hat. Klar, Schlagwerker Stefan Günther hockt hinter seinem Drum Kit und macht keinen Kopfstand auf der Bühne. Aber auch die Gitarristen Lutz Demmler und Sören Jordan sowie Bassist Andreas Gross stehen wie festgenagelt auf der Bühne und ziehen ihren Stiefel durch. Einzig und allein Dark Rock Übervater Spreng schreitet unentwegt über die Bühne und hat allein mit seiner Präsenz das Volk im Griff. Die Setlist ist ein (schwarz-)bunter Strauß aus alten und neuen Melodien, mal rockig, mal zart, mal ernst, mal ironisch, ein Auf und Ab der Gefühle. Egal ob alter Klassiker oder neues Material, das Publikum erweist sich als absolut textsicher und ist in Feierstimmung. Aber nicht nur vor der Bühne tobt der Mob, sondern bis in die hinteren Reihen wird getanzt und mitgemacht. Die Zeit vergeht wie im Fluge und manch einer wirkt überrascht, als nach gut zwei Stunden schon mit Schwarzer Schmetterling der letzte Song des Abends angesagt wird. Rundum zufrieden wird das Publikum in die kalte Winternacht entlassen.

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