Ayreon – Transitus

Mehr Musical als progressive Musik

Artist: Ayreon

Herkunft: Den Haag, Niederlande

Album: Transitus

Spiellänge: 80:49 Minuten

Genre: Progressive Rock, Hard Rock, Melodic Rock, Symphonic Metal, Symphonic Rock, Musical

Release: 25.09.2020

Label: Mascot Label Group / Music Theories Recordings

Links: https://www.arjenlucassen.com/content/
https://www.facebook.com/ArjenLucassenOfficial

Bandmitglieder:

Gitarre, Gesang und vieles mehr – Arjen A. Lucassen

Gastmusiker:
Tommy Karevik (Kamelot) als Daniel
Cammie Gilbert (Oceans Of Slumber) als Abby
Simone Simons (Epica)
Dee Snider (Twisted Sister)
Joe Satriani
Marty Friedman
Johanne James (Threshold)
Noa Gruman (Scardust)
Marcela Bovio (MaYan)
Caroline Westendorp (The Charm The Fury)
Paul Manzi (Arena)
Michael Mills (Toehider)
Amanda Somerville (Avantasia, Trilium)
Tom Baker als Storyteller

Tracklist:

  1.    Fatum Horrificum
  2.    Daniel’s Descent Into Transitus
  3.    Listen To My Story
  4.    Two Worlds Now One
  5.    Talk Of The Town
  6.    Old Friend
  7.    Dumb Piece Of Rock
  8.    Get Out! Now!
  9.    Seven Days Seven Nights
  10.    Condemned Without A Trial
  11.    Daniel’s Funeral
  12.    Hopelessly Slipping Away
  13.    This Human Equation
  14.    Henry’s Plot
  15.    Message From Beyond
  16.    Daniel’s Vision
  17.    She Is Innocent
  18.    Lavinia’s Confession
  19.    Inferno
  20.    Your Story Is Over!
  21.    Abby In Transitus
  22.    The Great Beyond

Ayreon ist ein Projekt oder besser das Projekt von Arjen Lucassen. Mit unterschiedlichen Musikern kreiert er eine musikalische Geschichte, die den roten Faden zu den jeweiligen Werken bilden. Der Anfang war der Erstling The Final Experiment im Jahre 1995. Die Geschichte spielt im Jahre 2084, wo die Erde kurz vor der finalen Zerstörung durch den Menschen steht. Der Wissenschaft gelingt es jedoch, Botschaften in Form von Traumvisionen in die Vergangenheit zu senden. Die Technologie soll genutzt werden, um Menschen aus vergangenen Tagen über den drohenden Schrecken zu informieren. Die Visionen erreichen Ayreon, einen blinden Minnesänger im Mittelalter. So gibt es auch noch Hoffnung für die Menschheit im Jahre 2084. Der Zweitling (Actual Fantasy) ist eine Sammlung von unabhängigen Songs, die von verschiedenen Themen aus dem Bereich Fantasy und Science-Fiction handeln. Werk Nr. drei (Into The Electric Castle) wurde eine Rockoper mit verschiedenen Figuren aus verschiedenen Epochen der Menschheit, welche sich dem Schrecken des Electric Castle stellen müssen. The Dream Sequencer und Flight Of The Migrator, welche dieses Jahr den 20. Geburtstag feiern, knüpfen an das Debütwerk an und schildern die Geschichte eines Marskolonisten, der als einziger den in The Final Experiment thematisierten Krieg überlebt und sich durch eine Maschine, den Dream Sequencer, in verschiedene Epochen der Menschheitsgeschichte und des Universums begibt. Weitere Langeisen sind The Human Equation mit der Geschichte eines Mannes, der nach einem Autounfall im Krankenhaus im Koma liegt und einen inneren Konflikt mit seinen Gefühlen austrägt. 01011001 greift wieder auf die Außerirdischen von Forever zurück und ist quasi die Vorgeschichte von The Final Experiment. Die binäre Zahl 01011001 steht für die hexadezimale Zahl 59 (dezimal 89), die im ASCII-Zeichensatz den Buchstaben Y repräsentiert. Es folgten noch The Theory Of Everything und The Source 2017. Transitus ist das zehnte Studiorelease unter der Flagge von Ayreon, dazu gab es noch einige Livemitschnitte und Compilations. Ein weiteres Markenzeichen der Ayreon Releases sind die verschiedenen Gastmusiker, die Liste ist lang, ein kleiner Auszug: Sharon den Adel (Within Temptation), Mikael Åkerfeldt (Opeth), Russell Allen (Symphony X), Bob Catley (Magnum), Bruce Dickinson (Iron Maiden), Johan Edlund (Tiamat), Tom Englund (Evergrey), Fish (Marillion), Anneke van Giersbergen (The Gathering), Daniel Gildenlöw (Pain Of Salvation und The Flower Kings), Floor Jansen (After Forever, Nightwish), JB (Grand Magus), Tommy Karevik (Kamelot, Seventh Wonder), Timo Kotipelto (Stratovarius), Hansi Kürsch (Blind Guardian), James LaBrie (Dream Theater), Jørn Lande (Masterplan), Steve Lee (Gotthard), Neal Morse (Spock’s Beard und Transatlantic), Tobias Sammet (Avantasia, Edguy), Cristina Scabbia (Lacuna Coil), Simone Simons (Epica), Devin Townsend, Joost van den Broek (After Forever), Ken Hensley (Uriah Heep), Keith Emerson (Emerson, Lake & Palmer), Steve Hackett (Genesis), Clive Nolan (Arena), Michael Romeo (Symphony X), Jordan Rudess (Dream Theater), Rick Wakeman oder Gary Wehrkamp (Shadow Gallery).

Das Transitus-Konzept basiert auf einer mit Gothic- und Horror-Elementen angereichten, im Jahr 1884 spielenden Geschichte um Leben, Tod und allerlei übernatürliche Phänomene. Als prominenter Storyteller fungiert der britische Schauspieler Tom Baker, der in den 1970er-Jahren als Star der von der BBC produzierten Fernsehserie Dr. Who Berühmtheit erlangte. Die Transitus-Storyline weist Reminiszenzen an Mystery- und Psychothriller wie The Others, Das Grauen und Ghost – Nachricht von Sam auf. In der Musik spiegeln sich neben Einflüssen von Komponisten wie John Carpenter, Ennio Morricone und Jerry Goldsmith auch solche aus Lucassens liebsten Rockopern wie Jesus Christ Superstar, Tommy und Krieg Der Welten wider. Arjen beschreibt Transitus als sein bislang filmischstes und im positiven Sinne ungeheuerlichstes Oeuvre. Er erklärt: „Der Spirit von Progressive Rock besteht darin, zu experimentieren und immer wieder Neuland zu betreten. Genau das hatte ich mit Transitus im Sinn. Deshalb ist es anders geworden, als man es von Ayreon bisher kennt – theatralischer und ein bisschen wie ein Musical.Die beiden Hauptfiguren sind Daniel, gesungen von Tommy Karevik (Kamelot) und Abby, welche von Cammie Gilbert (Oceans Of Slumber) interpretiert wird.

Viel Text für ein Werk mit 80 Minuten Laufzeit. Der Opener Fatum Horrificum ist mit mehr als zehn Minuten der Longplayer auf der Scheibe. Tom Baker führt zum Intro in die Geschichte, nach drei Minuten beginnt die Musik im Style eines Musicals oder einer Rockoper, reichlich Keyboard und bombastischer Sound inkl. Chöre, der sich mit Pink Floyd Gedächtnis Passagen abwechselt. Gesang kommt erst zum Ende, in den letzten zwei Minuten dazu. Daniel’s Descent Into Transitus eröffnet wieder der Storyteller, es folgt ein Track, welcher irgendwo zwischen symphonischem und progressivem Rock einzuordnen ist. In dem Muster geht es weiter, der Story folgt die Musik. Listen To My Story ist nun Abby, musikalisch würde ich die Nummer gleich dem Vorgänger einsortieren. Two Worlds Now One klingt etwas nach Pink Floyd und hat reichlich Klavier dabei, Talk Of The Town hat einiges mehr an folkigen Elementen am Start und einen netten Spannungsbogen. Tommy am Mikro macht einen richtig guten Job. Old Friend ist eine Art Interlude, Dumb Piece Of Rock ein mehr oder weniger normaler Rocksong. Get Out! Now! legt an Bombast und Dramatik zu, als progressiven Powerrock oder Metal könnte man das Ding klassifizieren. Mit Seven Days Seven Nights und einer Ballade von Cammie gesungen, endet der erste Teil. Condemned Without A Trial klingt nach Jethro Tull, die Querflöte kommt zum Einsatz, es gibt nun ein Gesangsduo und einen mehrstimmigen Refrain, irgendwie ziemlich viel Musical, ist aber trotzdem ganz cool. Daniel’s Funeral wird wieder bombastischer, Hopelessly Slipping Away kommt als Ballade um die Ecke. This Human Equation knüpft an seinen Vorgänger an, mit zunehmender Dauer wird das Tempo angezogen und der bombastische Sound wird dominanter. Henry’s Plot macht noch mal einen auf Ballade, Message From Beyond schleppt sich als symphonischer, progressiver Rock mehr als fünf Minuten vorwärts. Daniel’s Vision ist wiederum eine Interlude Ballade mit 90 Sekunden, She Is Innocent die Antwort mit ein paar Sekunden mehr Laufzeit, nun ist man endgültig beim Musical angekommen und die Tracks werden mehr oder weniger zu kurzen Gesangspassagen. Ob Lavinia’s Confession, Inferno, Your Story Is Over!, Abby In Transitus oder der Abschluss The Great Beyond. Es wird an Dramatik zugelegt, viel bombastischer bzw. symphonischer Sound dazu und so geht man dem Ende der Rockoper bzw. des Rock Musicals entgegen.

Ayreon – Transitus
Fazit
Du stehst auf bombastische Musicals und symphonische Rockopern? Dann dürfte die neue Ayreon genau dein Ding sein. Du magst eher die progressiven Werke von Arjen? Dann geht es dir wahrscheinlich so wie mir. Das ist zu viel Musical und zu wenig progressive Musik. Cammie geht im bombastischen Sound gesanglich für mich fast unter. Im Vergleich zu den Werken von Oceans Of Slumber ist sie hier fast unterrepräsentiert. Da wäre eine symphonische Sängerin aus dem Metal ggf. eine bessere Wahl. Tommy klingt wie bei Kamelot. Technisch ist das alles top und auch kompositorisch, so ein Werk muss man erst mal entwickeln. Nur trifft das Langeisen leider nur bedingt meinen Geschmacksnerv.

Anspieltipps: Talk Of The Town und Condemned Without A Trial
Jürgen F.
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