Beartooth + The Amity Afflicion: The Disease Tour am 21.02.2020 in der Turbinenhalle in Oberhausen

Nicht die einzige ausverkaufte Show

Eventname: Beartooth + The Amity Afflicion: The Disease Tour

Headliner: Beartooth

Vorband: The Amity Affliction, Higher Power

Ort: Turbinenhalle, Im Lipperfeld 23, 46047 Oberhausen

Datum: 21.02.2020

Kosten: VVK 37,85 €

Genre: Metalcore, Post Hardcore, Melodic Hardcore, Hardcore Punk

Besucher: ca. 3000

Veranstalter: Cold Life Productions UG

Link: https://www.eventim.de/event/beartooth-the-disease-tour-turbinenhalle-12089325/

Setlisten:


  1. Coffin
  2. All My Friends Are Dead
  3. Open Letter
  4. Feels Like I’m Dying
  5. Soak Me In Bleech
  6. Shine On
  7. Ivy (Doomsday)
  8. Don’t Lean On Me
  9. Pittsburgh
  10. Death’s Hand


  1. The Lines
  2. Enemy
  3. Hated
  4. Aggressive
  5. Afterall
  6. Bad Listener
  7. I Have A Problem
  8. You Never Know
  9. Manipulation
  10. Drum Solo
  11. Fire
  12. Beaten In Lips
  13. Sick Of Me
  14. Body Bag
  15. Disease
  16. In Between (Zugabe)

Wenn ein Konzert ausverkauft ist, kann man sich auf etwas gefasst machen. Ein unglaubliches Spektakel ereignet sich am Freitagabend in der für Konzerte begehrten Turbinenhalle. Beartooth, in Begleitung von The Amity Affliction und Higher Power lassen diesen Freitag die Halle bis hinten und vor allem oben füllen. Hier wird auch mir der Zugang nach oben ermöglicht, um mir die heiße Metalcore-Show von oben anzusehen, Genaueres dazu später. Erst mal drehen Higher Power auf und machen ihrem Namen alle Ehre. Auch, wenn die Halle sich noch füllt, kommt bereits beste Laune auf, was wiederum auf die Band selber zurückzuführen ist. Power haben die fünf Engländer genug, um den Ofen vorzuheizen. Die Brüder Jimmy Wizard (Gesang) und Alex Wizard (Schlagzeug), Louis Hardy (Gitarre), Max Harper (Gitarre) und Ethan Wilkinson (Bass) sind seit fast einem Monat mit ihrer neuen Platte 27 Miles Underwater unterwegs. Zuvor veröffentlichte die Hardcore Punk Band aus dem Longplayer die Single Low Season, die Ende letzten Jahres das Licht erblickte. Die Nummer grooved und sorgt für Kopfbewegung im angenehmen Tempo, zum warm werden.

Eine Pause zum Abkühlen muss jedoch sein, denn bei The Amity Affliction wird es mit wesentlich mehr Geschrei direkt mal eine Nummer heftiger. Sie haben bereits Festivals wie das Wacken Open Air besucht und dort auf der Party(Louder)-Stage schon vor mehreren Tausend Metalheads die Fetzen fliegen lassen. In der Turbinenhalle sind nur ein Bruchteil der Menge an Schaulustigen bei Laune zu halten. Daher lassen es Joel Birch am Gesang, Ahren Stringer am Gesang und Bass, Daniel Brown an der Gitarre und Joe Longobardi am Drumset auch hier ordentlich krachen. Sie kommen aus Australien und veröffentlichen ausgerechnet an diesem großartigen Tag des Konzerts auch noch ihr siebtes Album Everyone Loves You… Once You Leave Them, wovon sie bereits drei Songs für ihre Liveperformance einstudiert haben – davon ist Coffin der erste, gefolgt von All My Friends Are Dead. Soak Me In Bleech spielen sie am Ende ihrer ersten Hälfte.

Währenddessen füllt sich die Halle nicht nur bis nach hinten, sondern auch der obere Bereich wird ausgereizt. Aus dem VIP-Bereich kann ich ein Spektakel der Spitzenklasse erleben. Von Moshpits über Crowdsurfer sehen die Flammen nicht mehr ganz so groß aus. Aber auch aus in der Menge vor der Bühne hat man Vorteile, wenn man das Erlebnis aus direkter Nähe sehen und sich vor allem mitreißen lassen will. Doch für Kandidaten mit gewissem Potenzial zu Platzangst empfehle ich eher den Rand des Geschehens, denn gerade bei Metalcore-Shows geht es in der Regel, wie das Genre selbst, hart an den Kragen. Das zeigen uns nun die Headliner des Abends. Beartooth starten gleich mit einem Knall in Verbindung mit Konfetti, das nach oben Richtung Decke und Fans schießt. Aus dem Grund dürfen wir Fotografen auch nicht wie üblich am Anfang des Konzertes ab dem ersten Song knipsen. Umso besser kann ich mir den Startschuss der Disease Tour mit The Lines anschauen, bevor es in den Graben geht.

Seit eineinhalb Jahren sind die fünf Bären Caleb Shomo (Gesang), Kamron Bradbury (Gitarre), Zach Huston (Gitarre), Oshie Bichar (Bass), Connor Denis (Schlagzeug) mit dem Prachtwerk auf Tour und stürmen jetzt erneut die Bühnen mit aggressivem Feuer. Zwischen Aggressive und Fire passiert schon einiges. I Have A Problem ist der Song, bei dem Vokalist Caleb das erste Mal zum Circlepit auffordert. Hier bekomme ich aus bester Sicht von oben die Größe und Energie des rotierenden Bodens zu spüren. Nachdem bei You Never Know zum Mitsingen animiert wird, legt Drummer Connor eine fünf Minuten lange Soloshow ein. Nun richten sich alle Augen und Ohren nach dem Rhythmiker ganz oben auf der Bühne.

Nach einem kurzen ruhigen Moment heißt es wieder für die ganze Band Feuer frei ins letzte Drittel der Show, in dem sich alle noch mal richtig austoben können. Als Beartooth mit Sick Of Me starten, fordert Caleb alle im Raum auf, sich in den Arm zu nehmen. Sogar die Securitys schließen sich dem an. Was in diesem Moment wiederum von oben zu sehen ist, lässt den Mund und die Augen aufstehen. Doch das ist noch nicht alles, denn jetzt geht es erst richtig los, sobald der Song startet und alle zugleich im Takt hochspringen.

Zum Ende des Konzertes nimmt sich unser bärtiger Frontmann, der seine Frisur im Gegensatz zu den veröffentlichten Videos der Disease Songs kurz trägt, noch mal Zeit für eine ordentliche Rede. Während liebliche Gitarren klingen, lässt er uns wissen, dass die letzten zwei Wochen die wohl härtesten überhaupt waren, wegen einer Menge Gründe. Caleb bedankt sich bei den unglaublichen Bands, die sie in der ganzen Zeit begleiten und bittet um Applaus für Higher Power und The Amity Affliction. Er weißt mit der Hand auf seine Brust: „Wenn ihr diese Scheiße in euch habt, müsst ihr es rauslassen. Ihr müsst verdammt noch mal reden und es die Leute wissen lassen, denn es frisst euch sonst von innen auf.“ Inzwischen bricht ein Jubel und Geklatsche bis in die hintersten Reihen aus. Er fährt mit etwas betrübter Stimme fort: „Und ich habe es bei einem der wichtigsten Menschen in meinem verdammten Leben beobachtet. Ich kann verdammt noch mal niemanden verlieren… und ich will nur, dass ihr das wisst… Sogar, wenn ihr gebrochen seid, ein wichtiges Teil von euch vermisst, heißt das nicht, dass ihr dahin seid. Also gebt nicht auf, sondern schaut nach vorne. Ladys & Gentlemen, danke vielmals für alles. Ich muss sagen, jedes Mal, wenn wir hier spielen… und ich meine das… Deutschland ist zweifellos Beartooths Lieblingsort auf der Welt zum Spielen.“

Ein großer Applaus entfacht sich. In der Mitte des vorderen Bereiches ist immer noch ein Loch des stillgelegten Moshpits zu sehen. Er schließt seine Rede ab und kündigt als Ende des Konzertes den Albumtitel Disease an, dessen Lyrics man in dem Fall genau zuhören sollte. Auch hier sollen alle noch mal mitsingen. In den ersten paar Sätzen hört man den beherzten Caleb noch etwas bedrückt in der Stimme, doch dann gibt er sich und uns ein „Come On!“ und das Loch in der Mitte beginnt wieder zu beben. Alle Instrumente sind wieder voll im Gang. Als dieser vermeintlich letzte Song sein Ende erreicht, gehen die fünf bärenstarken Jungs von der Bühne, bis sie zu den Rufen der Fans ein allerletztes Mal zurückkommen, um wie bei Rock Am Ring im letzten Jahr den krönenden Abschluss mit In Between einzuleiten, wo so viele Crowdsurfer wie nie zuvor aufsteigen. Den Schluss machen sie wie am Anfang mit knallendem Konfettiregen und hinterlassen einen Geruch aus Feuerwerk.

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