Clawfinger am 05.10.2019 in der Kieler Pumpe

Eventname: Autumn Club Tour 2019

Band: Clawfinger

Support: Freezes Deyna

Ort: Die Pumpe, Kiel, Hassstr.

Datum: 05.10.2019

Kosten: VVK 32,15 €

Genre: Crossover, Rap Metal

Besucher: 720 (Ausverkauft)

Links: www.clawfinger.net
www.facebook.com/clawfinger.net

Setlisten:

Freezes Deyna

  1. Intro
  2. Gallows On The Playground
  3. Pussy´s Paradise
  4. Breakpoint
  5. Nature Fucks Back
  6. Too Loud To Ignore
  7. Boublee
  8. Brand New Dawn

Clawfinger

  1. Prisoners
  2. Nothing Going On
  3. Recipe For Hate
  4. Hold Your Head Up
  5. Catch Me
  6. Rosegrove
  7. Nigger
  8. Warfair
  9. Don´t Get Me Wrong
  10. Tear You Down
  11. Money Power Glory
  12. None The Wiser
  13. Burn In Hell
  14. Two Sides
  15. Biggest & The Best
    Zugabe:
  16. The Price We Pay
  17. The Truth
  18. Do What I Say

Nach dem Riesenerfolg ihrer letztjährigen Tour mit zahlreichen ausverkauften Konzerten geben Clawfinger jetzt in diesem Oktober eine Zugabe. Die schwedische Crossover-Hitfabrik hatte angekündigt, dabei erneut ihr bahnbrechendes Debütalbum Deaf Dumb Blind aus dem Jahr 1993 in voller Länge zur Aufführung bringen. Diese Pläne haben die sympathischen Schweden jedoch gecancelt und eine erweiterte „Best-Off“-Setliste für diese Clubtour geschnitzt. Sie haben sich eine Tour durch sieben ihrer Lieblingsstädte oder Lieblingsclubs zusammengestellt. Heute ist in Kiel Die Pumpe dran. Keine vierhundert Meter von hier legen die großen Fährschiffe nach Schweden ab.

Als Support eröffnet die Schweizer Truppe Freezes Deyna den Abend. Diese Jungs spielen reinen Rapmetal ohne in ein Crossover abzurutschen. Die Band steht mit folgender Besetzung auf der Bühne: Sänger Rib Robinson, Flow Ryan am Bass, Fluffy Chillvan an der Gitarre, Dee Razor versteckt sich hinter dem Schlagzeug und das letzte hinzugekommene Bandmitglied ist DJ Skeptic an den Turntables. Durch die Aufbauten der Hauptband bleibt den Jungs nicht viel Platz. Vielleicht begründet das, warum der Beleuchter nur eine dunkle Bühne und Stroboskoplicht bevorzugt. Frontlicht ist ein Fremdwort und findet nicht statt. Uns Fotografen hinterlässt er mit ratlosen Gesichtern. Dabei wäre die noch junge Band sicher für die eine oder andere Dame im Publikum schmuck anzusehen gewesen. So bleibt nur die Musik. Ihr Programm dauert 40 Minuten und bildet einen Querschnitt ihrer bisherigen Schaffenszeit ab. Für mich etwas zu eintönig, einem Großteil des Publikums scheint es zu gefallen, ähnelt es im Groben doch dem, weswegen wir alle heute gekommen sind.

„Mjam Majm, German Beer!“
André Skaug immer in Pose

Pünktlich um 21:00 Uhr stehen dann Clawfinger im Großen Saal auf der Bühne. Zehn Fotografen drängen in den wieder einmal nur ein paar Zentimeter breiten Graben. Den Opener Prisoners nahm das Publikum wohlwollend auf und Sänger Zak Tell grollt durch den Saal. Danach zollt er den Gästen Respekt: „Thank you so much for selling out!“. 720 Gäste drängen sich im stickig heißen Saal. Es folgt Nothing Going On vom 2001er-Album A Whole Lot of Nothing. Ständig über den Köpfen der Fotografen mit dem Publikum spielend rollt Zak sein Ramones-Shirt zu einem Bauchfrei-Top zusammen. Zum Vorschein kommt ein Bäuchlein, was mit einem „Mjam Mjam, German Bier!“ kommentiert wird. Die Lightshow ist von weiter hinten richtig schick, für die Fotografen und die vorderen Reihen eher suboptimal. Die geplante Setlist des Album-Play vom Debütalbum Deaf Dumb Blind ist nun bunt gemischt. Natürlich dürfen die Kracher wie das gesellschaftskritische Nigger oder Warfair im Verlauf des Abends nicht fehlen. Bevor es jedoch so weit ist, lässt sich Zak zu den Klängen von Catch Me einmal auf den Händen des Publikums durch den Saal tragen. Crowdsurfing einmal anders herum. Auf das letzte Konzert in Braunschweig war er nicht so gut zu sprechen.

Crowdsurfing

„They grabbed my Penis“ moniert er lautstark. Diesmal geht alles gut, die Kieler verhalten sich brav. Mit Tear You Down bringen sie die Menge etwas herunter. Es ist die neue Single, die gerade erst erschienen ist. Scheinbar haben sich noch nicht alle im Publikum damit bekannt gemacht. Bassist Andre‘ Skaug, verwegen wie immer, versteht es, mit dem Publikum zu interagieren, ohne ein Wort zu sagen. Als der Saal den Refraing von The Price We Pay nach Ende einfach weiter singt, lobt Tell auf seine Weise: „What the fuck is wrong with you?“ Als Zak Tell den letzten Song ankündigt, erschallen einige Buh-Rufe aus dem Publikum. Er nimmt das persönlich, ermuntert den Rest des Publikums, in die Buh-Rufe einzustimmen. Schließlich werden sie danach mit den Überhits The Truth und Do What I Say zum Abschluss des Konzerts belohnt. Hier singt der Saal schon, bevor die Band überhaupt eine Note gespielt haben.

Zwei Stunden lang begeistern die Skandinavier. Verschwitzt stehen viele nach dem Konzert nur im T-Shirt vor dem Kulturverein und dampfen bei einem Bier ein wenig in der feuchtkalten Oktobernacht ab. Die einhellige Meinung: Jungs, gerne wieder. Der Abend schreit nach einer Wiederholung!

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