Crystal Lake – Helix

“Vielseitigkeit mit Gefühl und Härte“

Artist: Crystal Lake

Herkunft: Tokyo, Japan

Album: Helix

Spiellänge: 73:20 Minuten

Genre: Metalcore, Hardcore

Release: 08.02.2019

Label: SharpTone Records/Cube Records

Link: https://www.crystallake.jp/

Bandmitglieder:

Gesang – Ryo Kinoshita
Gitarre – Yudai Miyamoto
Gitarre – Shinya Hori
Bassgitarre – Bitoku Sakamoto

Tracklist:

  1. Helix
  2. Aeon
  3. Agony
  4. +81
  5. Lost In Forever
  6. Outgrow
  7. Ritual
  8. Hail To The Fire
  9. Devilcry
  10. Just Confusing
  11. Apollo
  12. Sanctuary

Vor wenigen Jahren wohl noch Insider, haben sich Crystal Lake aus Japan doch inzwischen fast als Dauergast innerhalb der europäischen Metalcore Szene platziert und durften schon auf der einen oder anderen Tour sowie den größeren Festivals live erlebt werden. Die vierköpfige Gruppe mag zwar aus dem fernen Japan kommen, die im Metalcore und Hardcore gesiedelten Songs zeichnen sich allerdings alle durch die englische Sprache aus – womit wohl für die meisten Zuhörer die Herkunft gar keine so große Rolle spielt. Am 8. Februar veröffentlichten Crystal Lake nun ihr neustes Album Helix, das zeigt, dass die japanische Gruppe durchaus mit den hier bekannteren Bands mithalten kann.

Nach dem kurzen Intro und Titeltrack Helix, welcher wahrlich etwas zu kurz dauert, um hier große Bemerkungen abzulassen, startet das Album mit der zuvor veröffentlichten Single Aeon, die wohl keinem Zuhörer einen großen Gewöhnungsraum gibt, schlägt der Song doch eher schnell und hart zu und versteht vor allem durch eher dunklere Atmosphären und einen perfekten Mix aus Hard- und Metalcore den Zuhörer vom Sitz zu reißen oder zum innerlichen Moshen zu bewegen. Auch das Video der japanischen Gruppe kann sich dabei sehen lassen.

Etwas mehr durchdacht und strukturierter erscheint dafür Agony, welcher dennoch nichts zurückhält, aber mehr Elemente kombiniert, unter anderem auch ruhigere Momente, die Raum für Gesang lassen, und dadurch eine fast noch stärkere Wirkung erzielen. Hier kommt es wohl auf die eigenen Vorlieben an, ob der Ansatz von Agony oder Aeon besser funktioniert – beide Songs zeigen sich stark und bisher präsentieren sich Crystal Lake vor allem stark und mit Präzision.

Während Agony etwas mehr Struktur und Raum für Wechsel lässt, zeigt sich auch +81 mit leicht differenziertem Muster, halten sich hier die schnellen Riffs etwas mehr zurück, um den Fokus stärker auf den Gesang zu legen, welcher sich hier mehr zwischen Hardcore und Cleans bewegt, als wirklich in die Vollen zu gehen. Fast schon eine kleine Verschnaufpause, in der Crystal Lake mehr Seiten von sich präsentieren können und dabei fast schon spielerisch in der zweiten Hälfte unterschiedliche Elemente vermischen.

Der darauf folgende Track Lost In Forever scheint sich dann in der Mitte einzufinden, irgendwo zwischen den starken Riffs von Aeon und den doch eher leichteren Tönen von +81. Und auch wenn Lost In Forever ein für sich stehend starker Song ist, so scheinen sich Crystal Lake hier fast zu sehr der „üblichen“ Metalcore Norm anzuschließen, womit der besondere Sound der Gruppe dann doch etwas leidet – ein kleines Manko, präsentiert sich Lost In Forever dennoch als gefühlvoller, starker Song, der auch vor allem in der zweiten Hälfte noch einmal an Fahrt gewinnt.

Für einen weiteren Wandel sorgt dann Outgrow, in welchem zunächst extrem ruhigere Töne angeschlagen werden und dabei fast schon ein wenig an Linkin Park erinnern, fokussieren sich Crystal Lake doch auf ihre emotionalen Stärken und zeigen auch eine ganz neue Seite von sich. Selten schien die Gruppe so offen und so ehrlich. Die Gefühle, welche Outgrow mit sich bringt kommen natürlich nicht ohne Riffs und entsprechende Härte, dennoch zeichnen sich hier Crystal Lake wieder einmal mehr als eine Band mit einem eher einzigartigen Soundbild aus.

Das kurze Interlude Ritual leitet dann über zu Hail To The Fire, wo ganz offensichtlich wieder die volle Energie zurückkehrt. Das Tempo, welches durch Outgrow etwas runtergeschraubt wurde, geht dabei recht schnell wieder auf 100% rauf, wobei der Song vor allem live für den einen oder anderen Circle Pit wunderbar funktionieren würde – und in gewissen Stellen ein wenig an Parkway Drive erinnert.

Devilcry lehnt sich dann wieder etwas stärker an Outgrow an, wobei es fast wie eine Fortsetzung erscheint, womit Hail To The Fire eventuell nicht perfekt platziert erscheint, aber somit zumindest für einen interessanten Stimmungswechsel innerhalb des Albums sorgt. Devilcry präsentiert sich im kompletten Bild als wohl eine der stärksten Singles. Es scheint fast, als ob alle bisher präsentierten Vielseitigkeiten der japanischen Gruppe innerhalb Devilcry Platz finden und sich die Gruppe hier von allen Seiten zeigen kann.

Für ein kleines Überraschungsgefühl sorgt dann am Ende noch einmal der Song Apollo, der inzwischen doch schon knapp ein Jahr alt ist und irgendwie fast schon zu bekannt ist, um Teil der neuen Platte zu sein. Dies demonstriert noch einmal stärker, wie lange wohl Helix in der Mache war und das Endergebnis kann sich sehen lassen. Zwar fast schon ein „alter Hut“, aber dennoch einer der stärksten Songs der Gruppe.

Fazit: Oft kann man es in der westlichen Musikwelt schwer haben, wenn man den Sprung aus dem asiatischen Raum wagt - wohl einer der Gründe, warum die bekannten und etablierten Namen sich vielleicht dann doch in Grenzen halten. Mit ihrem neuen Album Helix zeigen sich Crystal Lake nicht nur als starke Metalcoreband, sondern auch von vielen unterschiedlichen Facetten, die sie gekonnt kombinieren, um so nicht an Stärke nachzulassen und dennoch ihr eigenes Soundbild zu festigen, welches Helix perfekt zur Schau stellt. Während wohl dem einen oder anderen entweder die brachiale Härte oder die eher emotionalen Songs besser gefallen werden, so dürfte die japanische Gruppe mit dieser Platte auf beiden Seiten Eindruck hinterlassen haben.

Anspieltipps: Devilcry, Aeon, Outgrow
Anabel S.9
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