Crossover-Thrash ist eine dieser Spielarten harter Musik, die sich jedem Zeitgeist entzieht – entstanden aus Notwendigkeit, Wut und Eigenantrieb und deshalb bis heute relevant und unverwüstlich. Future Is Calling fügt sich genau in diese Tradition ein. Auch wenn der Nachfolger des 2017er-Albums Twenty Last Century nicht ganz dessen ungezügelte Wucht erreicht, beweisen Toxic Shock erneut, dass diese Mischung aus Hardcore und Thrash Metal kein nostalgischer Rückgriff ist, sondern eine dauerhaft funktionierende Ausdrucksform. Die Songs sitzen, auch wenn das Album insgesamt etwas zerstückelter wirkt und nicht permanent dieselbe Dringlichkeit entfaltet wie der Vorgänger.
Alles zu spät? Oder doch Zukunft?
Im hohen Tempo, im aggressiven Anschlag und in der kompromisslosen DIY‑Attitüde knüpfen Toxic Shock hörbar an Attitude Adjustment an: kurze Zündschnüre, direkter Impact, keine falsche Coolness. Gleichzeitig ist die Nähe zu den frühen Corrosion Of Conformity unüberhörbar – technisch souverän, klar strukturierte Riffs, engagierte Texte und kein sinnloser Lärm. Genau dieser Schulterschluss erklärt die Zeitlosigkeit von Crossover-Thrash: Rasende Geschwindigkeit trifft auf handwerklichen Anspruch und klare Haltung. Dass Toxic Shock dabei konsequent ihren Untergrund-Charakter bewahren, verleiht Future Is Calling zusätzliche Glaubwürdigkeit. Keine Retro-Show, kein Kalkül – sondern dieselbe Mentalität, aus der das Genre seit 1985 sein Lebenselixier bezieht: laut, direkt und voller Überzeugung.
Der längste No-Trend im Metal
Die Thrasher aus Antwerpen verplempern manchmal aber etwas die Zeit, in der sie eine Rakete hätten herausfeuern können. Das überflüssige Intro gehört dazu, zweieinhalb Minuten verschwendet. Auch Track Nummer zwei. Reborn, ist zwar ein fetter Mosher, aber so richtig vermag er keine Falten zu glätten. Erst mit 1239 feuert der Fünfer aus allen Rohren, bevor Quick To Forget den Puls auf die notwendigen 220 BPM beschleunigt. Immer wieder verfahren und verheddern sie sich im Midtempo-Mosh. Wenn die Tracks wie etwa Creepy Reaper in den roten Drehzahlbereich gepusht werden, dann machen Toxic Shock am meisten Bock. Zwei Minuten und fertig. Zu den besonderen Momenten zählt das rotzig-freche The-Gun-Club-Cover Sex Beat, das die Belgier mit Hardcore-Dreck und Punk-Spirit aufladen, ohne den anarchischen Kern zu verwässern.
Hier geht es lang für weitere Informationen zu Toxic Shock – Future Is Calling in unserem Time For Metal Release-Kalender.



