Steel Panther, Gus G. & DJ Matt Stocks am 19.02.2019 im Z7 in Pratteln

Obszönitäten, Titten-Alarm und Songs von Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll!“

Event: Sunset Strip Live! – Europe / UK – Tour 2019

Headliner: Steel Panther

Vorbands: Gus G., Matt Stocks

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr.7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 19.02.2019

Kosten: 55,45 CHF VVK, 56,00 CHF AK, 60,00 € AK

Genre: Glam Rock, Glam Metal, Hair Metal, Sleaze Rock, Hardrock, Heavy Metal

Besucher: ca. 1200

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch

Link: https://www.facebook.com/events/203469637235329/

Setlisten:

01. Fearless
02. Burn
03. Mr. Manson
04. Don`t Tread On Me
05. Letting Go
06. Money For Nothing (Dire Straits Cover)
07. For Majeure
08. Thrill Of The Chace
09. I Am The Fire

01. Eyes Of A Panther
02. Goin` In The Backdoor
03. Jump (Van Halen Cover)
04. Fat Girl
05. Asian Hooker
06. Poontang Boomerang
07. Kickstart My Heart (Mötley Crüe Cover)
08. Crazy Train (Ozzy Osbourne Cover)
09. Guitar Solo
10. Party All Day
11. Pour Some Sugar On Me (Def Leppard Cover)
12. Livin` On A Prayer (Bon Jovi Cover)
13. Community Property
14. Death To All But Metal
15. Gloryhole

Auch zehn Jahre nach ihrem Debütalbum Feel The Steel aus dem Jahr 2009 sind die US-amerikanischen Steel Panther noch immer ein Publikumsmagnet, der für volle Hallen steht. Als ich gegen 18:30 Uhr an der Schweizer Location Z7 ankomme, bin ich dennoch überrascht, denn so lange Schlangen habe ich 30 Minuten vor Einlassbeginn hier den ganzen Winter über nicht gesehen. Für die allererste Steel Panther Show überhaupt in der Konzertfabrik hat sich offenbar die halbe Schweiz auf den Weg gemacht, so sieht es zumindest aus. Das Publikum ist bunt gemischt, vom Jüngling in 80er typischen Spandexhosen, inklusive wilder Langhaarperücke, bis hin zum Metalhead in abgeranzter Kutte ist alles vertreten.

Bevor jedoch die große Glam Metal Party steigen kann, ist erst einmal DJ Mat Stocks an der Reihe, der ab 19:30 Uhr die Besucher mit Metalklassikern von Iron Maiden, W.A.S.P., Alice Cooper, Judas Priest, Kiss und Mötley Crüe auf Betriebstemperatur bringt. Natürlich stehen jetzt immer noch viele draußen, rauchen, trinken, essen und lassen noch weiterhin geduldig die Einlasskontrollen über sich ergehen, doch für einen DJ-Part ist der Laden schon bestens gefüllt und auch die Stimmung ist gut.

Eröffnet wird der Abend dann aber erst so richtig mit dem Supportact Gus G., der den Anwesenden bis zum Tittenalarm von Steel Panther die Zeit versüßen darf. Obwohl er in der Vergangenheit auch schon für Szenegrößen wie Mystic Prophecy, Nightrage, Arch Enemy und Dream Evil tätig war, muss ihn vor allem wegen seiner Dienste beim Prince of Darkness Ozzy Osbourne und bei der griechischen Power Metalband Firewind hier niemand mehr vorstellen und auch hier gilt wieder, selten habe ich bei einem Supportact so viele Leute vor der Z7 Bühne stehen sehen. Das Ausnahmetalent Konstantinos Karamitroudis ist so etwas wie die griechische Version von Slash, nur eben ohne Zylinder und ein paar Jährchen jünger. Nach Zakk Wyldes Rückkehr zum Madman Ozzy im Jahr 2017 erlebte Kostas so etwas wie einen Downgrade ins Reich der Normalsterblichen, was dazu führte, dass er fortan zweigleisig fuhr. Mit Firewind feuert der Gitarrenvirtuose Melodic Power Metal aus der Hüfte und als Solokünstler bewegt er sich im Grenzbereich zwischen Hardrock und Metal. Heute ist er mit seiner eigenen Soloband und dem Fearless Album im Gepäck angereist. Ähnlich wie auch Slash es macht, hat Kostas Karamitroudis eine Band im Schlepptau, die mit Sänger / Bassist Dennis Ward (Pink Cream 69, Unisonic) und Schlagzeuger Will Hunt (Black Label Society, Evanescence) komplettiert wird. Als das Powertrio die Bühne entert, legt man mit dem instrumentalen Titelsong Fearless des noch aktuellen Albums gewaltig los und der griechische Sechssaiter zeigt sich sogleich von seiner besten Seite. Mal abgesehen von den ruhigeren Tönen im Intro bewegt man sich hier fast auf einer powermetallischen Ebene, die durchaus an Firewind erinnert. Beim nachfolgenden Burn, einem Track von Brand New Revelution, zeigt Dennis Ward, dass auch seine markige Stimme gut zu den Songs passt. Das aktuelle Mr. Manson startet mit einem dominanten Bass und liefert dann einen melodischen Hardrockerguss vom Allerfeinsten. Don`t Tread On Me erinnert dann ein wenig an die Deutsch-Schweden von Jaded Heart und Letting Go knallt aus den Boxen, dass es sich gewaschen hat. Hier zeigt der Gitarrist sein wahres Können und feuert aus allen Rohren, während er wie ein Derwisch über die gesamte Bühne post. Im Anschluss folgt mit dem Dire Straits Cover Money For Nothing ein zunächst etwas ungewöhnlicher Track, der sich dann aber als sensationell passend erweist. Auch beim Publikum zündet der Dire Straits Klassiker sofort, nicht zuletzt, weil ihn eben ein jeder mitsingen kann. Spätestens jetzt hat die Stimmung ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht und Kostas könnte sich entspannt zurücklehnen. Tut er aber glücklicherweise nicht, sondern mit Force Majeure wird noch eine Schippe draufgelegt. UFO Gitarrist Vinnie Moore, der im dazugehörigen Video noch einen Gastauftritt hatte, vermisst hier heute jedoch niemand. Zuallererst steht Gus G. aber für virtuose Instrumentalnummern und mit Thrill Of The Chase stellt sich der Grieche problemlos auf eine Stufe mit Größen wie z.B. George Lynch (Dokken, Lynch Mob), Paul Gilbert (Mr. Big), oder eben Slash (Guns n’ Roses). Mit I Am The Fire vom gleichnamigen Album aus 2014 hat man jedoch nur einen eher mittelmäßigen Track für das große Finale ausgewählt. Zwar ist der Song mit eingängigen Refrains ausgestattet und lädt zum Mitgrölen ein, jedoch wird er einem Meister an der Gitarre kaum gerecht. Nichtsdestotrotz, ein gelungener Gig, der das Publikum bestens für den Headliner aus Los Angeles aufgewärmt hat.

In der Umbaupause wird dann noch einmal DJ Matt Stocks aktiv und legt noch ein paar Klassiker auf, die nun aber mit Guns n’ Roses, Def Leppard, Kiss, Mötley Crüe, Poison, ect. wesentlich Glam Rock / Metal orientierter ausfallen. Schon bevor die stählernen Raubkatzen die Bühne betreten, ist die Stimmung so ausgelassen, dass selbst Musik aus der Konserve zum Mitsingen bewegt. Als letzten Song legt er Queens Bohemian Rhapsody auf und nahezu das gesamte Z7 grölt die Nummer mit und kramt sogar die guten alten Feuerzeuge hervor, anstatt der sonst mittlerweile üblichen Handydisplays.

Dann ist es aber endlich so weit und die US-Sleaze-Boys von Steel Panther entern in ihrer ganzen schrillen Pracht und unter lautem Jubelchor die große Z7 Bühne und gehen erwartungsgemäß mit dem Bandklassiker Eye Of The Panther gleich in die Vollen. Die Location ist mittlerweile rappelvoll und Leoparden-Spandexhosen, Netzshirts, Stirnbänder und mit ordentlich Haarspray hochtoupierte Perücken prägen das Bild vor der Bühne. Und das Publikum geht direkt steil und feiert die Glam Rocker, die heute zum ersten Mal hier aufspielen. Goin` In The Backdoor kann das Niveau locker halten, auch wenn es nun etwas schlüpfriger wird, doch für ihre klischeehaften, ironischen Texte über Frauen, Sex und Drogen sind die Panther ja bekannt. Da man ja nicht nur für Glam Metal, sondern auch für Parodie- und Comedyeinlagen, bekannt ist, werden im Anschluss erst einmal die Rollen für den Abend verteilt…, Michael Starr, Leadsänger und selbst ernannter Weiberheld, prahlt gleich mal ein bisschen mit seinen erotischen Eroberungen, während Lexxi Fox, Bassist und selbstverliebter Bandschönling, sich seinen Spiegel reichen lässt, um die Pause zum Nachsprayen seiner Haare und Nachziehen seiner Lippen zu nutzen. Drummer Stix Zadinia lässt den Coolen raushängen und spielt lieber mit dem Gummischwanz an seinem Drumkit, und überlässt das Reden lieber Gitarrist Satchel, der dann auch redet und redet und redet. Zwangsweise muss man hier an die Berliner Die Ärzte denken, die auch einen Großteil ihrer Konzerte mit unterhaltsamem Gequatsche bestreiten und für jeden Satz groß bejubelt werden. Niveauvoller wie bei Farin und Co. geht es hier natürlich auch nicht zu, aber die oftmals schlüpfrigen Einlagen wirken ausgefeilter. Es ist schon spannend zu beobachten, wie sehr sich das Schweizer Publikum auf dieses absurde Spektakel einlässt. Musikalisch können die US-Rocker jedoch auf ganzer Linie überzeugen, sofern man mit Sleaze- und Glam Metal etwas anfangen kann. So wird als Nächstes der Van Halen Klassiker Jump zum Besten gegeben und, oh Wunder, das Publikum frisst der Band aus der Hand und feiert, als würde David Lee Roth höchstpersönlich auf der Bühne herumspringen. Danach wird es aber dringend wieder Zeit für eine kurze Unterbrechung, denn Lexxi muss seine Lippen nachziehen, wobei er immer wieder für die anwesenden Fotografen posiert. Nun gut, wer ein Steel Panther Konzert besucht, der weiß, dass neben den Nackenmuskeln eben auch die Lachmuskeln gleichermaßen beansprucht werden. Hier werden alle Rockstarklischees aufs Korn genommen, was auch okay ist, jedoch sollte man sich bald mal etwas Neues einfallen lassen, denn seit Jahren müssen die gleichen Gags herhalten und spätestens nach ein paar besuchten Konzerten kann man die genauso mitsprechen, wie die Songs mitsingen. Alles ist einstudiert bis ins letzte Detail, Überraschungen leider Fehlanzeige. Dafür überzeugen die Amis, sobald es wieder musikalisch wird, ob nun bei Fat Girl, Asian Hooker oder Poontang Boomerang, wobei neue Songs genauso gut angenommen werden, wie die alten Klassiker. Auch bei den eingestreuten Coversongs kann die Band überzeugen, so auch mit der Mötley Crüe Nummer Kickstart My Heart. Der Song ist der Band auf den Leib geschrieben, aber es geht mit Crazy Train noch besser. Die Ozzy Osbourne Imitation von Michael Starr ist einfach nur genial und so richtig schön geschmacklos. Damit ist die Halbzeit dann auch schon überschritten und Satchel darf in seinem Solo zeigen, welch guter Gitarrist er ist. Das Publikum ist voll dabei, johlt, klatscht und lässt die falschen Haare kreisen. Das Lexxi nach jedem Song ein Dauerabo mit seinem Schminkspiegel hat, muss ich hier wohl nicht gefühlte 100x erwähnen. Auch Party All Day wird gut angenommen, und wenn das Z7 „… oh oh oh, hey, hey, hey …“ mitgrölt, dann ist zwar nicht jeden Tag Party, zumindest aber in diesem Moment gute Stimmung garantiert. Das Fuck All Night – Gegröle funktioniert natürlich ebenfalls textsicher. Eigentlich sollte man meinen, dass Steel Panther in neunzehn Jahren Bandgeschichte ausreichend eigene Klassiker angesammelt haben, aber dennoch wird fleißig drauflos gecovert. Def Leppards Pour Some Sugar On Me reiht sich da genauso ein wie Bon Jovis Livin` On A Prayer. Der Partystimmung ist das natürlich nur förderlich, aber nach mittlerweile fünf Coversongs innerhalb einer guten Stunde frage ich mich langsam, ob ich hier bei Steel Panther oder einer x-beliebigen Coverband gelandet bin. Nun ja, das Eine schließt das Andere offenbar nicht aus. Das Highlight, zumindest für alle Mädels aus der ersten Reihe, kommt natürlich, als diese alle zur Band auf die Bühne geholt werden. Als die Musiker so zwischen all den weiblichen tanzenden Fans herumlaufen, ist die Grenze zwischen Künstler und Publikum nahezu aufgehoben und das große Grapschen ist von beiden Seiten eröffnet. Beim Tittenalarm ist Weiberheld Michael Starr dann aber offenbar nicht besonders überzeugend, denn nur ein einziges Mädel kommt der Aufforderung bereitwillig nach und zieht vor über 1200 Z7 Besuchern blank und präsentiert ihre kleinen, nackten Brüste. Offenbar haben aber nicht nur sie selbst und die Musiker mächtig Spaß dabei, sondern auch das Publikum, denn den ganzen Abend über wurde nicht so laut gejohlt und gegrölt und vor allem auch nicht so viele Handys gezückt. Damit geht das Konzert dann auch schon langsam in den Endspurt und mit Community Property und Death To All But Metal werden nun die großen Klassiker hervorgekramt, ohne die ein Steel Panther Konzert natürlich nicht zu Ende gehen kann. Das große Finale folgt dann in Form von Gloryhole, mit dem die Fans dann endgültig in die Nacht entlassen werden. Ein paar Bandklassiker mehr hätte ich mir schon gewünscht, dafür hätte ich dann gerne auf den einen oder anderen Gag oder auch Coversong verzichtet, aber bekanntlicherweise kann man nicht alles haben. Die Witze der Jungs haben mittlerweile zwar Bärte, die länger sind als der von Heidis Alm-Öhi, aber davon abgesehen sind sie erstklassige Musiker und eine extrem unterhaltsame Liveband, deren Siegeszug wahrscheinlich noch lange nicht zu Ende ist.

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