Delain und Arkona am 23.11.2019 in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln

Zu früher Stunde vor voller Hütte

Event: The Masters Of Destiny Tour 2019

Headliner: Delain

Support: Arkona

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr.7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 23.11.2019

Kosten: 36,05 € VVK

Besucher: ca. 1200

Genre: Symphonic Metal, Folk Metal, Pagan Metal

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch

Link: https://www.facebook.com/events/373099899912125/

Setlisten:

Arkona:

Weil`s einfacher ist … ?!

Delain:
01. Invidia
02. April Rain
03. The Glory And The Scum
04. Get The Devil Out Of Me
05. Burning Bridges
06. Hurricane
07. Masters Of Destiny
08. Here Come The Vulture
09. Let`s Dance
10. One Second
11. Combustion
12. Hands Of Gold
13. Not Enough
14. Don`t Let Go
15. The Gathering
16. Fire With Fire
17. We Are The Others

Santa muss heut häufig schiffen,
er hat heut zum Glühwein gegriffen.
Nun sitzt er seinem Schlitten
und hat schon ganz gut gelitten.
Der nächste Schornstein muss nun warten,
denn er hat ja noch die Karten.
Jedes Jahr das gleiche,
aber sonst müsste er Delain / Arkona streiche.

Während einige im November schon auf die ersten offenen Weihnachtsmärkte rennen und bei viel zu hohen Herbsttemperaturen heißen Glühwein in sich reinkippen, heißt es für uns wieder einmal, hinweg mit dieser geheuchelten Besinnlichkeit und stattdessen `ne ordentliche Portion Metal auf die Ohren. Die niederländischen Symphonic Metaller Delain sind auf The Masters Of Destiny Tour und machen heute Halt in der Konzertfabrik Z7. Ziemlich kurzfristig wurde das Konzert noch via Facebook Post zeitlich nach vorne verlegt, da der Tour-Tross noch in der Nacht lockere 1.000 Kilometer bis zur nächsten Location in Budapest / Ungarn vor sich hat. Somit hält sich der Ansturm noch arg in Grenzen, als sich pünktlich um 18:00 Uhr die Tore öffnen.

Bis zum Konzertbeginn um 18:50 Uhr füllt sich die Location jedoch stetig und die Bühne ist schon früh von den zahlreichen Delain Fans belagert. Zuvor ist es jedoch an der Zeit für die russische Folk / Pagan Metal Formation Arkona, die nun auch schon seit 2002 existiert, jedoch in unseren Breitengraden noch nicht ganz so bekannt ist. Natürlich weiß ich, was mich beim folgenden Auftritt soundtechnisch erwartet, jedoch habe ich die Band aus Moskau bisher noch nie live gesehen und bin auch mit dem Songmaterial nicht wirklich vertraut. Auch ein kurzer Blick vorab auf die Setlist macht mich nicht wirklich schlauer, der kyrillische Buchstabensalat sorgt bei mir höchstens für weitere Fragezeichen. Deshalb sei es mir verziehen, dass ich hier nicht jeden Song einzeln aufbrösel und bei der Setlist einfachheitshalber kurzerhand ein Foto einfüge … ?.
Zu einem kurzen Intro betritt zuerst Drummer Andrej Ischtschenko die Bühne und nimmt hinter dem Delain Kit Platz, was im blauen Bühnennebel jedoch kaum zu sehen ist. Im Anschluss folgen dann Gitarrist Sergei Lazar, Bassist Ruslan Knjas und Wladimir Volk, bewaffnet mit einer Sackpfeife, die Bühne. Erst ganz zum Schluss stürmt Frontfrau Maria (Mascha) „Scream“ Archipowa hinterher und geht mit ihrer gutturalen Stimme gleich in die Vollen. Auf die Ohren gibt es nun natürlich einen düsteren schwarzmetallisch angehauchten Mix aus Folk und Pagan Metal, der in den ersten Reihen gleich für gute Laune sorgt. Die Band geht von Beginn an sehr engagiert zur Sache und das überträgt sich prompt auf das Publikum, auch wenn das Mitsingen sich hier eher schwierig gestaltet, da die Songs in russischer Sprache vorgetragen werden. Die Band ist in alte verschlissene Kartoffelsäcke gekleidet, was aber gut zum Sound passt, und Maria ist auch erst auf den zweiten Blick als Lady zu erkennen. Die Songs sind sehr abwechslungsreich, mal wird der Knüppel aus dem Sack geholt, dann geht es wieder eher ruhig und sanft zur Sache, Mascha wechselt dazu zwischen sanftem Klargesang und gutturalen Growls und man kann es nicht anders sagen, sie beherrscht die unterschiedlichen Gesangslagen bestens. Neben der Fronterin prägt vor allem Wladimir Volk das Bild der Band, denn mit seinem Dudelsack- und Flötenspiel ist er wesentlich für den außergewöhnlichen Sound verantwortlich. Außergewöhnlich oder nicht, das Publikum, das anhand der Shirts, überwiegend als Delain Anhänger zu erkennen ist, ist in Feierlaune und steigt überraschend gut auf die Russen ein, die nun wirklich meilenweit vom Symphonic Metal des Hauptacts entfernt sind. Auch wenn hier sicherlich kaum jemand fließend russisch spricht, stört die sprachliche Barriere zwischen Band und Gästen nicht wirklich. Auch ist die Musik, die sich nah am Black Metal bewegt, nur schwerlich als Party- oder Feier-Musik zu verkaufen, doch mir gefällt der Auftritt außerordentlich gut und damit stehe ich nicht alleine da. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die klassischen Folk-Instrumente wie Flöte, Dudelsack und Balaleika die Härte von Vocals und Musik abmildern. Die Messlatte ist für den weiteren Abend sehr hoch gelegt und somit wird die Band nach gut 45 Minuten und elf Songs unter tosendem Applaus verabschiedet.

Das Z7 ist zwar nicht ausverkauft, doch mit etwa 1.200 Gästen zwischenzeitlich bestens gefüllt. Da die allermeisten ganz offensichtlich wegen Delain da sind, steigen nun auch vorab der Stimmungspegel und die Vorfreude und es wird richtig eng vor der Bühne. Um etwa 20:15 Uhr wird die Konservenmucke abgestellt und die Bühne wird erneut in blaues Licht gehüllt, als die Niederländer auch schon die Bühne entern und mit Invidia von April Rain aus 2009 in ihr Set einsteigen. Offenbar hat man aufgrund der Abfahrt zur nächsten Location und dem damit verbundenen Zeitdruck die Setlist etwas gekürzt, denn ich weiß zufällig, dass man in den letzten Tagen in Bochum und auch gestern Abend in Karlsruhe mit Pendulum eröffnet hat. Die Fans stört es wenig, sofern es denn jemand weiß, und die Band präsentiert sich vom ersten Moment an voller Spielfreude und gut aufeinander eingespielt. Schade, dass die überaus sympathische und quirlige Gitarristin Merel Bechtold nicht mehr dabei ist, doch Befürchtungen meinerseits, dass die Band dadurch an Wucht verloren hat, bestätigen sich glücklicherweise nicht. Gitarrist Timo Somers, Bassist Otto Schimmelpenninck van der Oije und Joey Marin de Boer, seit 2018 der neue Mann hinter der Schießbude, schaffen es, entsprechen Druck aufzubauen. Obwohl die beiden Bands des Abends unterschiedlicher nicht sein können und Arkona die Messlatte ziemlich hoch gelegt haben, können Delain auf ganzer Linie begeistern und die Fans mitreißen, was nicht zuletzt an einer überragenden Charlotte Wessels liegt. Die Dame ist gut drauf, präsentiert sich super sympathisch und kann alleine mit ihrer Ausstrahlung überzeugen, doch auch gesanglich findet sich kein Grund zum Nörgeln. Einzig derjenige, der ihr Bühnen-Outfit für heute zurechtgelegt hat, sollte nach der Show öffentlich gesteinigt werden. Positiv finde ich vor allem, dass dem Publikum nicht direkt ein neuer Song nach dem anderen um die Ohren gehauen wird. April Rain, The Glory And The Scum und Get The Devil Out Of Me werden genutzt, um die Schweizer auf Betriebstemperatur zu bringen, doch die erweisen sich als textsicher und brauchen nicht erst ans Händchen genommen werden. Besonders mit Letzterem wird gleich ein Klassiker rausgehauen, der für lauten Jubel sorgt, doch mit mittlerweile fünf Alben und zwei EPs im Rücken kann man mittlerweile klotzen statt kleckern. Auch beim ersten neuen Song Burning Bridges ändert sich das nicht, aber das Video zu der Nummer ist ja auch schon eine Weile im Netz. Der Song fügt sich bestens ein, verbindet er doch mit Energie und Bombast die typischen Delain Trademarks. Nun geht es im Wechsel zwischen altem und neuem Material, auf Hurricane folgt das aktuelle Masters Of Destiny, auf Here Come The Vulture das nagelneue Let`s Dance. Die eher poppig geratene Nummer wird auf der Tour erstmals live gespielt und kann mich nicht so wirklich überzeugen, aber das Publikum hüpft begeistert im Takt. Überhaupt können die Holländer jetzt spielen, was sie wollen, die Schweizer hat man sicher im Sack. Auch One Second war schon einige Tage im Netz zu hören. Für das Instrumental-Jam Combustion ziehen sich die Musiker von der Bühne zurück, nur Schlagwerker Joey und Gitarrist Timo zeigen im Schlagabtausch, was sie solo drauf haben. Danach gibt es dann die Rundumvollbedienung für jeden Fan symphonischen Metals, denn mit Hands Of Gold, Not Enough und Don`t Let Go folgt ein Klassiker auf den anderen, bevor mit The Gathering der älteste Song des Abends vom ersten Album der Band herausgekramt wird. Zugaben gibt es heute Abend, wahrscheinlich aufgrund des Zeitdrucks, nicht und so geht der Abend mit Fire With Fire und We Are The Others in einem furiosen Finale aber auch zeitlich gesehen, viel zu früh zu Ende. Zwar ist es aufgrund der Jahreszeit dunkel draußen, aber wenn ich, trotz einer Stunde Fahrzeit, noch vor Mitternacht zu Hause bin, dann war ich vielleicht doch nur auf dem Weihnachtsmarkt …!?

Delain sind live eine Bank, die auch heute wieder einwandfrei abgeliefert haben und das Publikum ordentlich wachgerüttelt haben. Mir persönlich hat allerdings heute Abend die Vorspeise besser geschmeckt als der Hauptgang, Arkona waren definitiv der beste Support-Act, denn ich in diesem Jahr gesehen habe.

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