Was machen wir aus dem Jetzt? Was wird die Zukunft bringen? Wird es eine lebenswerte Zukunft geben? Oder überhaupt eine? Wie wird der Platz oder die Rolle der Menschheit in einer möglichen Zukunft aussehen? Philosophische und existenzielle Fragen, die bei einem meditativen, aber ebenso intensiven Klangerlebnis an Tiefe wie auch Weite gewinnen können. Neurosis, Cult Of Luna oder Isis sind mögliche Kandidaten für solch eine musikalische Begleitung. Eine moderne Auswahl würde aus The Ocean oder Amenra bestehen. Wer mutig in diesen Diskurs einsteigen möchte, dem sei Dimscûa– nach eigenen Angaben ausgesprochen wie Dim Skewer – ganz stark ans Herz gelegt. Das Quintett aus Berkshire liefert mit seinem Erstlingswerk Dust Eater einen wahrhaft stimmigen und abwechslungsreichen Zusammenklang aus Post Metal, Doom und Drone.
Wenn die Welt aus den Fugen gerät, helfen keine einfachen Antworten
Die vier Kapitel auf Dust Eater dienen dem leidenschaftlichen Exkurs über Sein oder Nichtsein. Sich wiederholende Harmonien treffen auf leises Gitarrenspiel, schwere Rhythmen auf sphärische Passagen, verzweifelte Schreie auf langes Ausklingen mit flüsternden Erzählungen. Dimscûa machen nicht viel anders als ihre Kollegen, doch sie wirken frischer, motivierter und einfacher. Sie treten auf der einen Ebene nicht so intellektuell auf wie die drei erstgenannten Bands, auch nicht so progressiv wie die anderen beiden und wiederum nicht so schroff und monolithisch wie die Schweizer Post-Metal-Garde.
Was Dimscûa an Argumenten beitragen können, ist eine saubere und beherrschte, aber nicht weniger hingebungsvolle Variante der Melange aus Post Metal, Doom und Drone. Sie ist weiterhin düster und hoch emotional, hat aber weniger Schichten und Spielereien und ist doch besinnlich und mitreißend. Die musikalischen Widersprüche dieses Cocktails verbinden sie gekonnt und souverän wie die großen Könner ihres Fachs. In den etwas mehr als dreißig Minuten kommen keine Längen auf, keine Silbe wird unnötig wiederholt, und doch kommt das Gefühl auf, dass mit Elder Bairn, The Dusteater, Existence-Futility und Being And Nothingness viel zum Genre beigetragen wurde, die Briten aber noch viel mehr zu sagen haben.
Warum alles komplizierter machen, als es sein muss?
Es ist nicht so, dass Dimscûa Fragen offenlassen – ganz und gar nicht –, doch die Vorstellung zu hegen, noch mehr aus ihrem Repertoire genießen zu dürfen, brennt förmlich auf der Seele. Die halbe Stunde lässt einen etwas im Regen stehen. Die Möglichkeit, die Repeat-Taste zu drücken, drängt sich nicht nur auf, sie ist die einzige Lösung, wenn man in diesem Moment nicht auf Altbewährtes zurückgreifen möchte. Wenn Dust Eater auch nur eine Schwäche hat, dann ist es die zu kurze Spielzeit. Der andere Teil fügt dem zeitgenössischen Post Metal eine weitere faszinierende Facette hinzu.
Hier geht es lang für weitere Informationen zu Dimscûa – Dust Eater in unserem Time For Metal Release-Kalender.



