Die Japaner von Invictus sind seit dem Jahre 2015 dabei und bis heute mit denselben Leuten unterwegs. Okay, ein Trio ist dann ja auch leichter zu regeln, gar keine Frage, trotzdem sind zehn Jahre schon eine schöne Sache. Und was ist in diesem Zeitraum passiert? Nach zwei Singles und einer Split mit Fecundation erfolgte im Jahre 2020 das Debütalbum namens The Catacombs Of Fear. 2024 schob man zwei Demos hinterher, 2025 folgte eine Compilation und man hat sich in den Katakomben von Nagano eingeschlossen und neues Material erarbeitet. Man wechselte von FDA Records zu Me Saco Un Ojo Records und nun erfolgt Album Nummer zwei namens Nocturnal Visions. Auf geht’s.
Es ist Anfang Februar, im Hintergrund im Fernsehen laufen bei mir gerade die olympischen Winterspiele 2026. Da ist es ja wohl mehr als passend, dass ich eine Band aus Nagano reviewe, denn dort fanden im Jahre 1998 ebenfalls die olympischen Winterspiele statt. Ob die Protagonisten, ich denke mal als Kinder, etwas davon mitbekommen haben bzw. sich dafür interessieren, kann ich leider nicht sagen. Spielt das eine Rolle für die Entwicklung der Band? Wahrscheinlich nicht, aber es ist ein schöner Einstieg, hehe.
Undifferenzierter Sound, der aber nicht stört
Der Einstieg bei Nocturnal Visions wird in Form eines Intros vollzogen. In knappen vierzig Sekunden wird eine unheilvolle Kulisse mit einem Klaviersound erzeugt, bevor dann der Bass am Brummen ist. Dieser gehört aber schon zum Opener Abyssal Earth Eradicates. Der Sound ist altbacken, nicht ganz undifferenziert, aber alles gut verständlich. Die Gitarren sind am Schwirren und man gibt ordentlich Gummi. Diese Verdichtung der Instrumente führt dann eben zu dieser gerade angesprochenen Undifferenziertheit im Sound, aber man ist ja auch heutzutage absolut verwöhnt, denn vom Prinzip passt alles. Musikalisch bewegen sie sich im old schooligen Death Metal. Dieses wird spätestens dann deutlich, als die Gitarre alleine rhythmisch vorspielt. Kommt einem schon sehr bekannt vor, das Riff, macht aber eben auch alleine Spaß. Alle setzen ein und das Riff bleibt dominant und bestimmt die Szenerie. Das Tempo ist eher im Midtempo, drückt aber ordentlich. Die tiefen Vocals machen einen Death-Metal-Fan natürlich happy. Dann ein Break und der Hammer wird herausgeholt. Ein schöner Uptempopart zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Wieder ein Break und man nimmt das Tempo förmlich ganz heraus, um dann ein melodisches Solo zu präsentieren. Spielerisch und sehr effektvoll. Dann erhöht man das Tempo, geht wieder ins Midtempo und zaubert ein kongeniales, langgezogenes Lead aus dem Hut. Und so reitet man dann dem japanischen Sonnenuntergang entgegen.
Old School Death Metal – eher amerikanisch
Der Morgen in Japan wird dann gleich mit Geballer gestartet, in Form des Songs Altar Of Devoid Slaughter. Man haut gleich drauflos, als gäbe es kein Morgen mehr, nimmt kurz das Tempo heraus und knüppelt erneut. Alles im old schooligen Sinne. Wechsel ins Midtempo, dann ein Break und ein langsamer Part, der schön aufgebaut wird, groovt ohne Ende, aber auch technisch präsentiert wird. Klingt ein wenig dissonant, sitzt aber und drückt ordentlich in der Magengegend. Besonders im Zusammenhang mit den tiefen Vocals. Wieder ein Wechsel. Ein langgezogenes Gitarrenspiel folgt, danach eine Kreissägen-Gitarren-Attacke und ein wildes und chaotisches Solo. Danach muss noch einmal der Knüppel ran und das ist gut so. Das Ganze klingt sehr wuchtig, kraftvoll und an einigen Stellen dann eben auch morbide.
Und so schreiten sie immer weiter und präsentieren uns ihre Version des old schooligen Death Metals, welche dann doch eher an die amerikanische Szene angelehnt ist. Lucid Dream Trauma ist da eher ein Midtempo-Massaker. Hier kann man mit dem melodischen Gitarrenspiel und dem groovigen Faktor punkten. Sie lullen einen irgendwie ein, bis sie am Ende ein komplettes, wildes Szenario aufbauen. Das Tempo wird absolut erhöht und man wartet mit technischen Momenten und echt krasser Gitarrenarbeit auf. Da muss man absolut aufpassen.
Viele bekannte Sachen in eigenes Gewand verhüllt
Man hat das eine oder andere Riff schon wahrgenommen und woanders gehört. Dieses fällt dann natürlich besonders auf, wenn es sehr markant oder bedeutsam für den Song ist, wie z. B. bei Persecution Madness, aber sie versuchen dieses immer mit eigenen, technischen Momenten zu verbinden, und das schaffen sie auch. Death lassen schon einmal grüßen, aber das ist ja definitiv nichts Verwerfliches. Der Song selber geht gut ins Ohr,
Diese Vorspieler und dann das old schoolige Geballer muss man mögen, und das tue ich auch, und deswegen mag ich auch Songs wie z. B. Dragged Beneath The Grave. Auch hier verwendet man ein Riff, welches sicherlich schon hundertmal woanders vorkam, aber liefert dazu zum Beispiel ein wildes Solo und einen fetten Groove, um dann wieder zu ballern.
Dieser Anfang von Wandering Ashdream ist einfach nur geil. Auch ein geiles Brett.
Und immer wieder diese rauen und dissonanten Momente wie bei Frozen Tomb. Ich glaube, dieses zeichnet die Band Invictus aus und man verliert nie den roten Faden.
Mit Nocturnal Visions hat man dann noch einen atmosphärischen und druckvollen Groover am Ende. Gerade hier knallen die Vocals noch mehr.
Hier geht es für weitere Informationen zu Invictus – Nocturnal Visions in unserem Time For Metal Release-Kalender.



