Bands: Doro, Eat The Gun

Location: Docks, Hamburg

Homepage: http://www.docks.de/

Datum: 18.12.2011

Kosten: VVK / AK 28 Euro

Besucher: ca. 500

Der vierte Advent steht ja eigentlich für Vorfreude und Besinnlichkeit, doch nicht an diesem Sonntag. Doro ist in der Stadt und möchte die Fans in Hamburg auf ihrer Winter Tour beehren. Das Wetter ist genauso typisch winterlich und mit Schneeregen wird für das passende Feeling gesorgt. Das Docks öffnet pünktlich um 19 Uhr die Pforten und die große Zuschauerschar, die sich bereits davor versammelt hat, strömt in die warmen Räume. Die Location liegt im Zentrum der Reeperbahn und bietet ausreichend Platz für ein paar hundert Menschen. Nicht nur vor der Bühne sondern auch hoch über den Köpfen der tanzenden Meute kann man ein gemütliches Plätzchen finden. Der Club ist kein reiner Metalladen und präsentiert das ganze Jahr Konzerte und Veranstaltungen aller Musikrichtungen und kann somit viele Bereiche abdecken.

Für das Konzert in Hamburg wurde Eat the Gun aus Münster als Support gewählt, die sehr gut zum Konzept von Doro passen und vorab für Stimmung sorgen sollen. Das Trio kombiniert Metal mit Rock und zeigt eine außergewöhnliche Mischung, die einfach nur Spaß bringt. Und genau diese Lebensfreude spürt man auf der Bühne, denn die Songs strotzen vor positiver Energie. Sie spielen ohne Pause und wer die Band nicht kennt, wird auch erst einmal auf die Folter gespannt. Denn erst nach dem dritten Titel stellen sich die Münsteraner vor. Dem Publikum gefällt die Darbietung und sie klatschen und jubeln lautstark. Eat The Gun präsentieren eine Menge neuer Kompositionen von ihrem aktuellen Album Runner, wie beispielsweise Daredevil Supreme oder Down In The Fire. Musikalisch kann man sagen, dass es schon Songs sind, die ins Ohr gehen und zum Bewegen anregen. Sänger Hendrik hat ein lautes Organ und kann sowohl aggressive als auch sanfte Töne hervorbringen und für wechselnde Stimmung sorgen. Auch seine perfekten Soli nehmen das Publikum ein und man zollt gehörigen Applaus. Da der Sound gut abgemischt ist, bleiben die Instrumente im Gleichklang und das Schlagzeug kann seine starken Beats spielen. Wie angesprochen, spürt man die Freude der Jungs deutlich, denn sie flitzen auf der Stage hin und her und animieren die Zuschauer zum Mitmachen. Ihr Repertoire ist abwechslungsreich und lebendig, sodass keine Langweile aufkommt. Gerade bei Daredevil Supreme erinnert mich die Truppe in den anfänglichen Riffs etwas an die amerikanische Band White Stripes, die ähnliche einfache Akkorde benutzt. Dennoch klingt nichts abgekupfert oder identisch und sie liefern eine gute Show. Nach 45 Minuten ist ihr Auftakt beendet und eine lange Umbaupause von mindestens 30 Minuten beginnt.

Da man sich in der Menschenmasse nicht bewegen kann, muss ich auf meinem Platz verweilen und so werden die Sekunden zu Stunden. Auch die Leute um mich herum bleiben auf ihren hart erkämpften Zentimetern stehen. Ich habe somit nicht wirklich die Möglichkeit, das Treiben zu betrachten und kann recht wenig über die Stimmung der Besucher sagen.

Das Licht wird gedämmt, die ersten Klänge von Burn It Up ertönen und die Band betritt die Bühne. Das Publikum rastet aus und jubelt ihr zu. Es wird geklatscht und die Arme werden geschwungen. Nach dem ersten Song bedankt sich Doro für das Kommen und freut sich, dass sie zum Abschluss ihrer Wintertour in Hamburg Station machen konnte. Sie wünscht allen einen schönen Abend und rockt mit Burning Witches und Hellraiser weiter. Die vorderen Reihen gehen ordentlich ab und schwingen die Haare oder singen mit. Das kann ich leider von den Leuten, die ich so überblicken kann, nicht behaupten. Das Publikum ist wohl im Altersdurchschnitt 40+ und hat „einen Stock im Hintern“. Man klatscht brav Beifall aber mehr passiert auch nicht. Ich finde es sehr schade, denn immerhin sind wir hier auf einem Rockkonzert und nicht beim Kaffeeklatsch. Die Atmosphäre ist somit bescheiden und hat nichts vom typischen Metalfeeling. Unter anderem wird man angepflaumt, wenn man sich etwas bewegt oder sogar böse angeschaut, wenn man bangt. Ich kann absolut nicht nachvollziehen, wie man so steif sein kann.

Doro gibt sich redlich Mühe, die Stimmung oben zu halten und animiert die Fans immer aufs Neue. Dennoch wird es nur zaghaft besser. Nun folgt ein Song, der seit 1983 nicht mehr live gespielt wurde und von der Platte Rare Diamonds ist. Without You ist ein ruhiger Song, der sich um eine vergangene Liebe dreht. Der Sound ist satt und zumindest die Intensionen der Songs finden Eingang in die Herzen der Audienz. Jubel und Applaus und auch ein leises Mitsingen kann man beobachten, obwohl ich mir mehr Einsatz gewünscht hätte.

Das nächste Stück ist vom neuen Album, welches noch nicht erschienen ist, und heißt Raise your fist in the Air. Ein erneutes Kracherstück ganz im Stil der vorigen Titel. Die Band rast über die Bühne und sorgt für massig Bewegung, die doch langsam mehr auf die Besucher überschwappt. Mit We are the Metalheads wird die neue Wacken-Hymne vorgetragen, die für viel Furore sorgt und sichtlich Anklang findet. Doro wird auf dem Wacken 2013 ihr 30jähriges Bestehen feiern und da ist es natürlich Pflicht, die Fans schon vorab für sich einzunehmen.

Natürlich darf Für Immer nicht fehlen. Dieses Stück widmet die Sängerin heute Abend zwei Menschen, die wohl an diesem Tag geheiratet hätten, aber der Mann erlag wohl seinen Verletzungen eines Unfalls. Der Song ist intensiv und wird noch ergreifender, wenn man ihn einmal live erlebt. Die Stimmung knistert wie ein Feuer im Kamin und man wird völlig eingenommen und taucht in eine andere Welt. Jeder Besucher kennt den Song und singt auf seine Weise mit. Instrumental geben die Jungs alles, denn sie beherrschen ihre Klangwerkzeuge aus dem FF. Drumer Johnny Dee präsentiert ein granatenstarkes Solo und animiert das Publikum, ihn zu unterstützen. Er trommelt starke Blastbeats als auch heftige Doublbasses und variiert im Tempo. Ihn beim Spielen zu beobachten, macht wirklich Spaß, denn er geht ab wie die sogenannte „Schmitz´ Katze“. Seine positive Aura umgibt sein Schlagzeug wie ein Nebel und begeistert durchweg.

Ein weiteres Stück von der Warrior Soul-Platte ist You´re my family, welches dem heutigen Publikum gewidmet ist, denn ohne die Fans wäre Doro nicht das, was sie heute ist: nämlich die größte Metalqueen der Welt!

Ein sehr schönes Zwischenspiel mit visuellen Effekten wird eingebaut, indem ein Mönch auf die Bühne kommt und eine Weisheitskugel mit sich trägt, die in verschiedenen Farben aufleuchtet. Doro kniet davor und erzählt dem Zuhörer eine Geschichte über ein Mädchen, das ihre Zukunft sehen möchte. Ich hoffe, ihr seid mir nicht böse, aber mir ist dieser Titel unbekannt und ich kann ihn nicht benennen. Ja, auch mir passiert mal so etwas. Mich hat diese Interpretation sehr berührt und die Show zusätzlich aufgepeppt.

Nackenbrecher wie Breaking The Law oder auch Earthshaker Rock dürfen natürlich nicht fehlen und werden zum Besten gegeben. Die Fans bewegen sich jetzt sichtlich mehr und man kann einige sogar tanzen sehen. Dennoch bleibt es verhältnismäßig ruhig und bedächtig. Nach zwei Stunden Spiel und Spaß gibt es noch zwei Zugaben, unter anderem East meets West, welches zum Abschluss noch einmal für Stimmung sorgt.

Fazit: Das Konzert war wirklich großartig und hat mich völlig zufrieden gestellt. Allerdings ist mir die Unbeweglichkeit und das mangelnde Stimmungmachen der Leute auf die Nerven gegangen. Das war kein Rockkonzert, sondern eine Schlafveranstaltung. Und nach dem Konzert wird sich dann beschwert, dass der Sound angeblich zu leise war. Typisch alte Leute, kann ich da nur sagen. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Stonecastle Rock Produktion bedanken, die mir die Fotos zur Verfügung gestellt haben, die natürlich dem Copyright unterliegen.

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