Excelsis – Bluetmond

Talerschwingen, Besenklopfen und Maultrommel

Artist: Excelsis

Herkunft: Koppigen, Kanton Bern, Schweiz

Album: Bluetmond

Spiellänge: 71:07 Minuten

Genre: Folk Metal, Power Metal

Release: 16.10.2020

Label: Czar Of Crickets Productions

Link: www.facebook.com/Excelsis.ch/

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre, Sackpfeife, Maultrommel, sonstige Pfeifen – Münggu
Gitarre, Gesang, Flöten, sonstige Pfeifen, Sackpfeife – Lüku
Gitarre, Backgroundgesang, Besenklopfen – Rölu
Bassgitarre, Mundharmonika – Mäk
Keyboard, Backgroundgesang, Flöten, sonstige Pfeifen – Ädu
Schlagzeug, Talerschwingen – Küsu

Tracklist:

1. Intro
2. In Taverna
3. Münnebärg
4. Drei Brüeder
5. Sigbert
6. Guntram
7. Brueder Tod
8. Es Letschts Mou
9. Rache
10. Bluetmond
11. Ohni Reui
12. Mühlirad
13. D Chräjie
14. S Vermächtnis

Bereits seit 25 Jahren (1996 gegründet) sind die Schweizer Folk Metaller Excelsis auf den Bühnen der Welt unterwegs. Anfänglich ging es eher im Power Metal mit Folk Einflüssen zur Sache. So landete der Song The Dragonslayer als Gastbeitrag auf dem 99er-Werk von Iron Savior mit Namen Unification. Es wurde größtenteils englisch gesungen, auch wenn die Alben teilweise recht interessante Namen hatten. Ein Beispiel wäre Kurt Of Koppigen. So nennt sich das Release der Herren aus dem Jahre 1998. Koppigen lässt sich noch leicht ergründen. Das ist der Heimatort der Band. Wer Kurt ist oder war, entzieht sich meiner Kenntnis. Dazu gelang es, das Line-Up über all die Jahre relativ stabil zu halten. Gerade einmal drei ehemalige Bandmenber sind zu verzeichnen. Mit Bluetmond erscheint nun das neunte Langeisen von Excelsis. Im Gegensatz zu den Anfangsjahren ist man nun mehr in der heimatlichen Mundart unterwegs, das bedeutet Schwyzerdütsch. Der Titel der Scheibe ist natürlich auch Schwyzerdütsch. Hier findet man die Übersetzung jedoch auf dem Artwork mit einem Blick. Auffallend sind die Instrumente, welche während der Produktion zum Einsatz gekommen sind. Talerschwingen sorgt nicht für einen Geldregen, aber es hat etwas mit Geld zu tun. Es wird ein Fünffrankenstück in ein tönernes, konisches Milchbecken geworfen und mit dieser Kombination sehr spezielle Töne erzeugt. Die Truppe hat einen gewissen Hang zur eignen Kultur und so ist Bluetmond wieder ein Konzeptalbum, wo eine Schweizer Geschichte musikalisch aufgearbeitet wird.

Was gibt es zu Hören von den Herren mit den Talerschwingen? Nach dem ca. zweiminütigen Intro erwartet den Hörer In Taverna. Ein sehr intensiver, insgesamt recht harter Folk Metal Track, getragene Stimmung und im Midtempo gehalten. Sehr gut zu hören und für Liebhaber von düsterem, folkloristisch angereichertem Schwermetall sehr interessant. Das Schwyzerdütsch ist für den „Flachlandtiroler aus dem Norden“ natürlich nicht zu identifizieren, passt aber gut zu der Musik. Als Referenz wären – wenn überhaupt – Eluveitie oder Falconer zu nennen, aber das auch nur vom folkigen Metal. Gesang und Komposition sind anders und speziell. Einen leichten epischen Touch durch den Backgroundgesang bekommt Münnebärg und das metallische Element drängt den Folkpart etwas in den Hintergrund. Drei Brüeder kommt mit mehr Tempo um die Ecke, Sigbert nimmt den Fuß vom Gas, legt dafür einen fast schon hymnenartigen Refrain auf das Parkett. Guntram folgt auf Sigbert, das Tempo wird wieder kräftig angezogen und Guntram liefert einen melodischen Bogen im Midtempo als Refrain. Die Brueder Tod mixen Englisch mit Schwyzerdütsch und als besonderes Instrument gibt es hier eine Maultrommel zu hören. Die Nummer könnte so auch Chrigel Glanzmann von Eluveitie singen, sehr starkes Teil. Es Letschts Mou ist ein ca. zweieinhalbminütiges Interlude mit Sprechgesang und Orgelklängen zur Rache, welcher genauso rüberkommt, wie man es vom Titel erwartet. Hart, düster, folkloristisch mit einer guten Power und coolen Melodiebögen in englischem Schwyzerdütsch. Der Mix hat was und gibt den Herren ein klares Alleinstellungsmerkmal. Der Bluetmond bringt den epischen Part wieder ins Spiel und wird von Flötentönen und Doublbass getrieben, die Gitarren im hinteren Teil hätten etwas intensiver sein können, aber trotzdem insgesamt hörenswert. Ohni Reui könnte anfänglich der Talerschwingen sein, auf jeden Fall begrüßen den Hörer interessante Instrumente. Der epische Part bleibt, das Tempo wird ab und wann variiert zu dem bereits bekannten Mix. Etwas speziell das Ding, aber dafür spannend zu verfolgen. Mühlirad bewegt sich etwas mehr vom folkloristischen Schwermetall weg. Fast schon lupenreiner Power Metal dröhnt aus den Boxen. Im hinteren Teil gibt es Maultrommeln und ähnliche Instrumente zu hören, so wird es nicht langweilig. D Chräjie lässt die Raben fliegen und das Gewitter grollen, bevor Chöre und Gesang die Regie übernehmen. Der Einsatz der Doublebass Drums ist teilweise etwas übertrieben und stört die Atmosphäre. Zum guten Schluss heißt es S Vermächtnis. So wie man angefangen hat, hört man auch auf. Es geht schleppender vorwärts, die Folkinstrumente mischen noch mal kräftig mit und entlassen den Hörer nach mehr als 70 Minuten aus dem Longplayer.

Excelsis – Bluetmond
Fazit
Wer unter Folk Metal nicht Humppa und Bierseligkeit von zum Beispiel Alestorm versteht, sondern eher Gefallen an Eluveitie oder Falconer findet, sollte unbedingt mal ein Ohr in die Scheibe aus der Schweiz stecken. Das ist nicht alles perfekt, teilweise auch etwas langatmig, aber anders als viele andere Werke in dem Genre. Die Truppe kreiert einen eigenen, nicht unbedingt leicht zu konsumierenden Sound. Es fehlen eingängige Nummern, wo der Metalhead einfach nur das Haar schütteln muss. Das tut dem Hörvergnügen aber keinen Abbruch. Ab und wann sind die Songs mit etwas zu viel des Guten bzgl. des Einsatzes von Drums, Folkinstrumenten und mehrstimmigen Gesang ausgestattet und der Hörer geht in der Sounddichte etwas verloren. Trotz des einen oder anderen Kritikpunkts eine klare Empfehlung für Freunde folkloristischer Töne im Metaluniversum.

Anspieltipps: Brueder Tod, Ohni Reui und S Vermächtnis
Jürgen F.
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