Hamarr – Necrotic Rituals

27.02.2026 - Death Metal - Iron Fortress Records - 26:16 Minuten

Einen Schriftzug, den man nicht lesen kann, finden ja viele grausam. Mich zieht das magisch an. Die Band Hamarr aus Indiana, USA, hat sich auch für solch einen Schriftzug entschieden, obwohl dieser mittlerweile etwas entschärft und leserlich gemacht wurde. Im Jahre 2022 konnte man das erste Lebenszeichen in Form eines Demos wahrnehmen. Es folgten eine Split, eine EP, eine Kompilation, 2024 wieder eine EP, und nun hat man es endlich geschafft, ein ganzes Album aufzunehmen. Dieses wurde über das Label Iron Fortress Records veröffentlicht und trägt den Titel Necrotic Rituals.

Mit bösartigen Geräuschen und einer akustischen Gitarre startet man bei Mortuary das Rennen. Dunkelheit herrscht von Anfang an und beherrscht auch den Sound. Langsam kriecht man vorwärts. Das Riff vom Vorspann nimmt man mit auf. Dann nimmt sich eine Klampfe die Freiheit heraus und spielt vor, bevor dann das Chaos ausbricht. Im feinsten und dreckigen Midtempo knattert man durch das Universum. Die tiefen Vocals sind mit Hall unterlegt und der Sound schmuddelig und erdverbunden, etwas für eine Cave-Death-Metal-Band. Dann nimmt man das Tempo wieder heraus und drückt und kriecht im Midtempo herum. Dieses ist sicherlich nicht originell oder innovativ, erzeugt aber absolut seine Wirkung, wie ich finde. Dann baut man einen düsteren, melancholischen, mit einem Hauch einer Melodie versehenen Part mit ein, der es absolut in sich hat. Auch nicht gerade kompliziert, aber diese Momente sind ja meistens das Beste auf einem Death-Metal-Album. Man kriecht danach wieder zurück in die Katakomben und gräbt und gräbt immer wieder, wird noch einmal kurz atmosphärisch, und ich hätte am Ende noch einmal mit einem Geschwindigkeitsausbruch gerechnet, aber da habe ich die Rechnung ohne die Songwriting-Gedanken der Protagonisten gemacht. Es bleibt bei der schleppenden Grundeinstellung und nach knappen drei Minuten ist der Spaß auch schon zu Ende.

Boneless II kommt auch gleich druckvoll aus den Boxen. Im aggressiven Midtempo und mit interessanten Gitarrenparts drückt man am Anfang sofort in die Magengrube und growlt bösartig dazu. Break und ab in die slammige Region. Hinzu kommen fiese Schreie und am Ende wieder Growls. Man nimmt den vorherigen Part erneut auf, welcher den Song einfach übernommen hat. Nach einem Growl geht man wieder in Richtung Keller und baut einen fiesen, doomigen Part auf. Hierbei bietet man am Ende des Parts immer einen melodischen Moment an, und auch hier muss man sich wundern, denn der Song ist dann auch wieder schnell vorbei. Ich finde es gut, andere hätten diese Parts ausgeschlachtet. Aber das Ende kommt dann schon recht zügig und insgesamt bietet man hier auch nur drei Minuten zum Durchdrehen an. Es fühlt sich für mein Gehör zwar unvollständig an, aber dieses ist ja eine subjektive Wahrnehmung.

Lich kommt dann endlich mal mit einem Uptempo zu Beginn, und auch hier liefern sie wieder Riffs, die einem sehr bekannt vorkommen, deswegen aber nicht weniger interessant oder intensiv sind. Der Sound ist bei dieser Art von Musik sehr wichtig und scheint ein weiteres Instrument darzustellen. Man wechselt danach zwischen langsamen Parts und Midtempo hin und her und verwendet melodische Leads. Diese sitzen. Nach einem Break bietet man Breakdowns an und der screamige Gesang erledigt dann den Rest. Kommt gut, überzeugt mich dann aber nicht zu 100 %. Und dann ist auch wieder Feierabend. Mit rapiden Enden haben die Burschen es anscheinend.

Auch Headstone drückt ohne Ende und arbeitet immer wieder mit Obertönen. Alles nicht neu, alles nicht einzigartig, aber alles sehr gezielt und vernichtend. Hier gibt es Tiefschläge in die Magengrube, die absolut ihre Wirkung zeigen. Hinzu gesellen sich noch einige Breakdowns und fertig ist die banale Verunglimpfung.

So schreitet man auch bei den anderen Songs Necro (cooles Riffing), Violator II, Mausoleum, Embalm und Wither vorwärts und bleibt seinem Stil treu und drückt einem dabei ordentlich die Faust aufs Auge. Hier und da hat man immer mal Geschwindigkeitsausbrüche dabei, wie z. B. bei Wither, aber die halten sich in Grenzen bzw. bestimmen nicht den Alltag der Band Hamarr.

Mit Catacomb endet dann dieses kurze Vergnügen und auch hier werden diese höhlenmäßigen Trademarks ausgelebt und man tobt sich aus, allerdings nur kurzfristig, denn das Stück hat auch nicht gerade Überlänge und endet wieder einmal sehr abrupt:

Hier geht es für weitere Informationen zu Hamarr  Necrotic Rituals in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Hamarr – Necrotic Rituals
Fazit zu Necrotic Rituals
Die Amerikaner von Hamarr gehen auf ihrem Debüt tief in die Katakomben dieser Welt und graben sich von diesen ans Tageslicht. Dabei erlebt man natürlich viel Dreck und Dunkelheit, und um dieses Erlebnis musikalisch zu fühlen, eignet sich natürlich nur der Death Metal. Die Produktion ist düster und schmutzig, der Gesang tief und mit Hall versehen, und die Riffs sind einfach, old schoolig, aber eben auch intensiv. Das Songwriting ist eher auf Wirkung, als auf technisches Vermögen ausgelegt, und dieses fruchtet unheimlich. Überwiegend bewegt man sich im kriechenden Tempo und baut auch viele Midtempos mit ein. Hier und da sind auch schnelle Passagen am Start, aber diese halten sich im Hintergrund. Geht in Richtung Cave Death Metal. Mit knappen 27 Minuten hat man zwar eine kurze Spielzeit und auch viele Songs enden abrupt, aber ansonsten macht das Album echt gute Laune.

Anspieltipps: Mortuary und Necro
Michael E.
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