Ian Gillan: Stimme von Jesus wird heute 75 Jahre

Noch immer sagt der Deep Purple Shouter: "Ein Leben ohne Musik kann ich mir nicht vorstellen!"

Er gehört nicht zu den Gründungsmitgliedern von 1967, aber er ist die große Stimme bei den britischen Hardrockern Deep Purple. Mit einigen Unterbrechungen gehört er den Rock-Dinosauriern seit 1969 an, und noch immer gilt der Brite Ian Gillan, der heute seinen 75. Geburtstag feiert, zu den besten und einflussreichsten Rocksängern.

Gillan stammt aus einer musikalischen Familie, sein Onkel war Jazz-Pianist, sein Großvater Opernsänger. Er selbst sang schon früh Sopran im Kirchenchor. In den frühen 1960er-Jahren trat er unter den verschiedensten Künstlernamen auf, darunter Jess Thunder, Jess Gillian oder auch Garth Rockett, und spielte in diversen semi-professionellen Bands, darunter The Moonshiners, The Javelins, The Hickies, Wainwright`s Gentlemen und Episode Six. Mit Letzterer, bei der er auch auf den Bassisten Roger Glover traf, produzierte Gillan neun Singles, das begonnene Album The Story wurde nicht mehr fertiggestellt.

Im Juli 1969 stieg Gillan erstmals als Sänger bei Deep Purple ein, Roger Glover begleitete ihn und wurde Bassist der Band. In der sogenannten Mk II-Besetzung mit Ian Gillan, Roger Glover, Ian Paice, Ritchie Blackmore und Jon Lord veröffentlichte man die wegweisenden Alben Deep Purple In Rock, Fireball, Machine Head und Who Do We Think We Are und somit auch einen der bekanntesten Deep Purple Songs überhaupt, Smoke On The Water.

1970, noch während seiner Tätigkeit bei Deep Purple, sang Gillan die Titelrolle in Andrew Lloyd Webbers Rockoper Jesus Christ Superstar. Er jammerte, fluchte und stieß markerschütternde Schreie in dem Song Gethsemane aus und gab eine stimmgewaltige Vorstellung davon, wie Jesus sich im Angesicht des Todes gefühlt haben muss. Er gab Jesus Christus eine Stimme und half ihm über die letzten sieben Tage vor der Kreuzigung – eine bis heute große Stimmkunst!

Nach Unstimmigkeiten verließ Gillan Deep Purple im Jahr 1973 und versuchte sich an einem ersten Soloprojekt, was aber über Demo-Aufnahmen nicht hinauskam. Stattdessen arbeitete er in genrefremden Branchen, im Management eines Motorradherstellers, leitete das Kingsway Recorders Studio in London und ein Country Club Hotel, bevor er 1975 die Jazz/Rockband Ian Gillan Band gründete. Als ehemaliger Deep Purple Sänger füllte er die Konzertlocations, aber der Erfolg der eigenen Alben stellte sich nur langsam ein. Er arbeite an Projekten anderer Stars mit und trieb seine Solobestrebungen voran.

1978 gründete er mit Keyboarder Colin Towns die Hardrockband Gillan, nachdem der kommerzielle Erfolg der Ian Gillan Band ausblieb. Die Band hatte bis 1982 Bestand, und hier verband Gillan den typischen Hardrock-Sound mit den neuen Klängen der New Wave of British Heavy Metal.

1983 stieg der Brite bei Black Sabbath ein und man veröffentlichte das erfolgreiche Album Born Again. Die Zusammenarbeit ging nur ein Jahr, doch die zwölf Monate waren eine einzige Party und laut Gillan, die besten seiner Karriere. 1984 kam es dann zur Reunion der MK II-Besetzung bei Deep Purple und man nahm das erfolgreiche Perfect Strangers Album und das eher durchwachsene House Of The Blue Light auf, bevor es zwischen Gillan und Blackmore krachte und Gillan die Band nach einer Tour im Jahr 1989 verließ. Einen dritten Einstieg schloss er kategorisch aus; „Ich kann bei Deep Purple nur noch wie an eine Verflossene denken. Wir heirateten 69 und wurden 73 geschieden. 84 heirateten wir noch mal und ließen uns 89 wieder scheiden. Das mach ich nicht noch mal.“

Bis 1992 arbeite er wieder an drei weniger erfolgreichen Soloalben und nutzte auch wieder seinen früheren Künstlernamen Garth Rockett, doch da sein Nachfolger Joe Lynn Turner bei Deep Purple von den Fans nicht akzeptiert wurde, ließ er sich 1992 erneut zu einem weiteren Einstieg bei Deep Purple überreden. Zum 25. Bandgeburtstag wurde das durchwachsene The Battle Rages On veröffentlicht. Schnell kam es wieder zu Streitigkeiten zwischen Gillan und dem exzentrischen Blackmore, doch diesmal nahm Blackmore seinen Hut. 1994 kam es nebenher zu einer Wiedervereinigung seiner alten Band The Javelins. Ebenfalls 1994 stieg Gitarrist Steve Morse bei Deep Purple ein, 2002 wurde John Lord durch Don Airey ersetzt und diese Besetzung mit Gillan, Paice und Glover hat bis heute Bestand. Seitdem werden regelmäßig Konzerte gespielt und Alben veröffentlicht, erst am 7. August 2020 erschien mit Whoosh! das neunte No. 1 Album der Band.

Trotz der sehr erfolgreichen Zusammenarbeit mit Deep Purple veröffentlichte Ian Gillan in unregelmäßigen Abständen noch Soloalben. 2011 gründete er mit Tony Iommi die Band Who Cares, wo die beiden bekannte Musiker für den guten Zweck vereinen. Zwischen den Tourneen von Deep Purple nahm Gillan schon mehrfach an den Rock Meets Classic Touren teil, wo er mit anderen namhaften Musikern auf der Bühne stand. 2018 kam es zu einer weiteren Reunion von The Javelins.

Ian Gillan gehört bis heute zu den besten und einflussreichsten Rocksängern der Musikgeschichte, und seine ungezügelten Schreie werden hoffentlich noch oft zu vernehmen sein. Heute, am 19. August 2020 wird er 75. Jahre alt …, Heavy Birthday!!!

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