„Für eine Konzertparty wohl brauchbar, S.O.D. lassen grüßen“

Artist: Insanity Alert

Herkunft: Österreich

Album: 666-Pack

Spiellänge: 32:24 Minuten

Genre: Thrash Metal

Release: 25. Januar 2019

Label: Season Of Mist

Link: www.facebook.com/insanityalert

Produktion: Recording Studio: Nautilus Sounds Studio (Dornbirn, Austria); Produzent / Sound Engineer: Toni ‘Meloni’ Loitsch; Mixing Studio und Engineer: Toni ‘Meloni’ Loitsch; Mastering Studio und Engineer: Mammoth Sound Mastering, Dan Randall (USA)

Bandmitglieder:

Gesang – Heavy Kevy
Gitarren – The Dave of Death
Bassgitarre – Marcy Brownnose
Schlagzeug – Don Melanzani

Tracklist:

1. Thirstkiller
2. The Body Of The Christ Is The Parasite
3. All Mosh / No Brain
4. Cobra Commander
5. Saturday Grind Fever
6. Echoes Of Death
7. Windmilli Vanilli
8. Stop….Slammertime!
9. Why So Beerious?
10. Mosh Mosh Mosh
11. One-Eye Is King (In The Land Of The Blind)
12. Welcome To Hell
13. Two Joints
14. Chronic State Of Hate
15. I Come / I Fuck Shit Up / I Leave
16. A Skullcrushin‘ Good Time
17. The Ballad Of Slayer
18. Demons Get Out!
19. 8 Bit Brutality
20. Death By Wrecking Ball
21. Dark Energon

Insanity Alert haben sich 2011 in Innsbruck gegründet. Drei der vier Musiker spielten vorher bei Indyus, hinzu kam Heavy Kevy als Sänger, der aus den Niederlanden nach Tirol zog. 666-Pack ist das dritte Album der Truppe, und kann als CD, Download oder 12″-Vinyl in verschiedenen Farben bezogen werden.

Das startende instrumentale Thirstkiller macht mit satten Gitarren und Drums schon mal neugierig. Dann bolzt The Body Of The Christ Is The Parasite mal so richtig rein. Der Sänger rotzt sich schreiend die Seele aus dem Leib und die Gitarrenfraktion schreddert knackig mit hardcorelastigem und 80er-Jahre-Trash-Sound. Die Produktion ist völlig ok und unterstreicht das Old-School-Feeling. Auch Muncipal Waste hören sich musikalisch und soundtechnisch ähnlich an und hier und da erinnern Insanity Alert auch an Nuclear Assault. All Mosh/ No Brain hat erstmals Gang-Shouts zu bieten und ist simpel, aber einfach ein prima Mosher. Cobra Commander legt nach einem Intro mächtig los, drosselt dann das Tempo und ist außer dem ganz guten Anfangsriff sehr ereignislos. Das folgende Saturday Grind Fever zieht den Bee Gees-Hit Staying Alive durch den Kakao, was für ein Schmunzeln beim Hörer reicht. Echoes Of Death macht anfangs richtig Spaß, schöner Old-school-Trasher!

Windmilli Vanilli rauscht am Ohr vorbei, genauso Why So Beerious. StopSlammertime! ist ein erruptionsartiger, ultra-kurzer Ein-Satz-Brüller mit Gitarrengeschredder und Drumwirbel, wie man ihn zum Beispiel von S.O.D. kennt. Mosh Mosh Mosh hat eine starke Punk-Attitüde – auch dank der Gang-Shouts und eine klare Aussage: Lasst uns moshen und eine gute Zeit haben! Und zack war es das auch schon und der Song ist vorbei nach 47 Sekunden. Das wirkt so, als habe die Band keine Ideen gehabt, um die Grundidee weiter zu einem richtigen Song auszubauen. Ähnlich verhält es sich mit One-Eye Is King (In The Land Of The Blind), wenn am Ende ein in seiner softer Tonalität überraschender Refrain kommt und man denken kann: Ok, jetzt geht der Song in eine andere, interessante Richtung. Aber nö, danach kommt nix mehr. Auch hier wieder das Gefühl, das mehr auch mehr gewesen wäre.

Und weiter, immer weiter: Das schnelle bis stampfende Welcome To Hell hat ein starkes Riff in der Mitte. Nett. Nicht mehr, nicht weniger. Dann kommt Two Joints, das erneut wie eine unausgegorene Idee wirkt, aber nicht wirklich wie ein Song. Vielleicht liegt´s aber auch nur an dem am Ende dieses Reviews thematisierten Dissens zu den üblichen Hörgewohnheiten. Chronic State Of Hate ist da schon eher ein klassischer Thrasher. Textlich ist das Misanthropie in Reinkultur, musikalisch stark an alte Nuclear Assault erinnernd. Ok, aber mehr nicht.

Das kurze I Come / I Fuck Shit Up / I Leave ist eine runtergerotzte, herrliche Abrechnung mit der heutigen Leistungsgesellschaft. Das folgende A Skullcrushin‘ Good Time ist als Gewaltfantasie (einem Typen, der nervt, soll der Schädel eingehauen werden) musikalisch viel zu harmlos, das stampft dröge vor sich hin.

Aber das Besondere an Insanity Alert ist ja, dass der nächste Song schon blitzeschnelle um die Ecke biegt: Auch wenn es sich bei The Ballad Of Slayer nur um einen ultrakurzen Zwischeneinspieler des Reign-in-blood-Riffs von Slayer handelt. Demons Get Out! überrascht mit fiesen Death-Metal-Growls im Refrain, ist aber sonst nur Durchschnittsware. 8 Bit Brutality ist wieder so ein Zwischeneinspieler, aber ganz amüsant, weil er klingt, als würde die Band zusammen mit einem Gameboy drauflosprügeln. Death By Wrecking Ball hat Gang-Shouts, schnelle Riffs und null Wiedererkennungswert. Das Ende läutet am Ende Dark Energon ein, also zumindest der Text, der sich auf einen Welten-Esser im Transformers-Universum bezieht. Musikalisch bietet der Song kaum etwas trotz der superben und langen Soli am Ende.

Insanity Alert – 666-Pack
Fazit: Insanity Alert sollte vor allem live funktionieren, insbesondere da S.O.D. das große Vorbild zu sein scheinen. Bedeutet: Wie bei den amerikanischen Chaoten sind die Songs wenig für ein heimisches Hörvergnügen ausgelegt. Dafür ist die Mucke von irgendeinem musikalischen Anspruch zu weit entfernt und es wird zu sehr auf Schenkelklopfer-Momente gesetzt und witzige, für eine Party taugliche Texte sind in der Überzahl - auch wenn zwischendrin mal mit Sozialkritik überrascht wird. Dieses Fun-Konzept wird knallhart durchgezogen: Ist eine vermeintliche lustige Songidee erzählt, kommt schon der nächste Track. So scheppern 21 zumeist sehr kurze Tracks aufs Ohr, dass man kaum hinterherkommt. Das mag live funktionieren, anderswo, etwa zu Hause, ist das auf Dauer anstrengend, auch weil es mit den eigenen Hörgewohnheiten bricht. Den einen oder anderen Song würde man sich länger wünschen, mehr ausgearbeitet. Und doch macht 666-Pack durchaus Spaß, das kommt alles sympathisch rüber. Dennoch würde mehr musikalische Klasse der Truppe sehr gut tun. Denn auf 666-Pack ist unterm Strich viel zu viel Musik, die man so oder meistens deutlich besser schon mal gehört hat.

Anspieltipps: The Body Of The Christ Is The Parasite, All Mosh/ No Brain, Mosh Mosh Mosh, Echoes Of Death
Tobias K.6.5
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