Interview mit den Regensburger Progressive Metallern Burden Of Life

Genie und Wahnsinn liegen ganz nah beieinander ...

Artist: Burden Of Life

Herkunft: Regensburg, Deutschland

Genre: Melodic Death Metal, Progressive Metal

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre – Christian „Kötti“ Kötterl
Gitarre – Michael „Schafi“ Schafberger
Bass – Karl Arnold Bodarwé
Schlagzeug – Matthias „Babl“ Babl

Links: www.burdenoflife.de
www.facebook.com/burdenoflife/

Bereits Mitte März erschien das vierte Album The Makeshift Conqueror der Progressive Metaller Burden Of Life, doch dann machte die Corona-Krise alle weiteren Pläne zunichte. Die konzertfreie Zeit haben wir nun zum Interview genutzt – aufgrund der aktuellen Situation mit Kontakt- und Quarantäne-Vorgaben natürlich per Mail. Lest hier, was die vier Regensburger zu sagen hatten:

Time For Metal / Andreas F.:
Moin, schön, dass ihr euch Zeit für ein Interview mit unserem Magazin nehmt.

Euch gibt es nun auch schon seit 2003 und ihr habt über die Jahre vier Alben, eine EP und Demos auf die Metalgemeinde losgelassen. Dennoch denke ich mal, dass nicht jeder unserer Leser schon einmal von euch gehört hat. Wer seid ihr und was macht ihr so?

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Hallo, wir sind Burden Of Life, eine Progressive Metal Band aus Regensburg in Bayern. Außer mir, Kötti, an Gesang und Gitarre, sind noch Karl am Bass und Backinggesang, Michael an der Gitarre und Babl am Schlagzeug in der Band. Unsere Diskografie hast du ja schon ganz schön zusammengefasst!

Time For Metal / Andreas F.:
Beschreibt eure Musik mal jemandem, der noch nie etwas mit Metal am Hut hatte und überhaupt keine Ahnung von der Materie hat.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Gitarrenlastige Songs, oft mit Spannungsbögen, die nicht zu leicht zum Mitnicken sind.

Burden Of Life / Matthias Babl:
Harter, lauter und schneller Krach mit ein bisschen Chartfieber im Refrain.

Time For Metal / Andreas F.:
Habt ihr vorher schon in anderen Bands gespielt? Wenn ja, welche waren das, und was hat euch dann 2003 dazu bewogen, Burden Of Life zu gründen?

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Also, für Babl und mich ist das die erste wirkliche Banderfahrung. Der Tag, an dem wir beide uns kennengelernt haben, war auch der Tag, an dem wir zum ersten Mal zusammen Musik gemacht haben. Wir kennen uns quasi von Beginn an nur als Bandkollegen und sind seit den ersten Schritten dabei. Am Anfang gab es noch eine ganze Handvoll anderer Bandmitglieder und Bandnamen. Michael ist dann dazu gestoßen, als wir uns gerade in Burden Of Life umbenannt hatten und wir wussten, dass es in Richtung Metal gehen soll.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Genau, ich habe vorher in einer Punkband gespielt. Das waren die ersten wirklichen musikalischen Gehversuche. Aber ich wollte schon immer in einer Metalband spielen, weshalb ich froh war, ab 2005 bei Burden Of Life mitmachen zu dürfen. Bei denen hat Raffi (damaliger Sänger) von der Gitarre zum Gesang gewechselt, deshalb war ein Posten als Gitarrist frei. Daraufhin habe ich dann meine alte Punkband verlassen, denn ich hatte nur einen Verstärker, den ich nicht immer hin- und herschleppen wollte.

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Ich bin dann erst 2008 zur Band gestoßen. Damals bin ich frisch von der Schule gekommen und habe Kötti im Zivildienst am Uniklinikum kennengelernt. Zufälligerweise haben Burden Of Life da einen Bassisten gesucht und ich hatte lange Haare, fiel also prompt in die nähere Auswahl. Auch schon ganz schön lange her. Ich habe vorher auch in anderen Bands gespielt, auch Auftritte, aber nichts Größeres oder Erwähnenswertes produziert.

Time For Metal / Andreas F.:
Wenn man im Buch eurer Geschichte zurückblättert, stellt man schnell fest, dass das „Aller Anfang ist schwer …“ durchaus auf euch zutrifft. Da wurde ziemlich häufig mal ordentlich ausgemistet, besonders an vorderster Front tauchen zwischen 2003 und 2008 insgesamt vier Namen auf, die das Mikro alle nicht besonders fest in der Hand hielten. War das der ganz normale Selbstfindungsprozess, oder was war da los?

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Naja, in so jungen Jahren ändern sich eben Interessen und Charaktere.

Burden Of Life / Matthias Babl:
Ja, am Anfang war das alles noch eher ein „Kumpelding“. Wir haben uns oft keine Gedanken gemacht, ob jemand gut am Mikro ist. Man kannte jemanden, der Bock hatte, und der durfte dann seine Stimmbänder zerfetzen.

Time For Metal / Andreas F.:
Und jetzt seid ihr ein eingeschworener Haufen – seit gut elf Jahren gab es ja bei euch keine Besetzungswechsel mehr, mal abgesehen davon, dass Tobias Haimerl am Keyboard nicht mehr dabei ist?! Was verbindet euch als Band?

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Über die Jahre sind wir ganz schön zusammengewachsen. Ich bin dieses Jahr, als letzter in der Band, 30 geworden. Die letzten zehn Jahre stellten für uns alle die heiße Zeit zwischen 20 und 30 dar, in der sich Lebenssituationen ständig ändern, Beziehungen, Freundeskreise, Ausbildungen, Jobs, Wohnorte wechseln. Die Band ist in all dieser Zeit eine Konstante geblieben und wir sind schon lange nicht mehr nur Bandkollegen, sondern richtig gute Freunde. Klar kriegen wir uns auch regelmäßig in die Haare, aber am Ende macht einem das gemeinsame Musizieren, Rumblödeln und einfach Freunde sein einfach Spaß.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Und neben einer sehr langen Freundschaft teilen wir natürlich, mehr oder weniger, die gleichen musikalischen Interessen.

Burden Of Life / Matthias Babl:
Und die Liebe zu Wein und Spielen!

Time For Metal / Andreas F.:
So, wie sich das Line-Up im Laufe der Jahre verändert hat, so haben sich auch eure Musik und euer Stil laufend verändert und weiterentwickelt. Anfangs noch im gradlinigen, klassischen Melodic Death Metal verwurzelt seid ihr mittlerweile im Melodic Death / Progressive Metal beheimatet, den ihr zudem auch noch mit allerlei Elementen verfeinert. Waren das jedes Mal bewusste Entscheidungen, oder einfach eine logische Weiterentwicklung, die auf Alter, aktuelle musikalische Vorlieben … etc. zurückzuführen sind?

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Ja! Also, um das kurz zu erläutern: sowohl als auch. Wir sind alle vier die Art von Musiker, die sich nicht mit einem irgendwann erreichten Level zufriedengeben. Bei jedem neuen Song wird, ob bewusst oder unbewusst, die Messlatte höher gelegt. Auch persönlich haben wir uns in der Zeit entwickelt und die Musik, die man hört und die Musik, die man macht, gehen ja oft Hand in Hand.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Letzteres. Je länger man sich mit Musik – aktiv wie passiv – beschäftigt, desto größer wird die Auswahl von Richtungen, die einem gefallen und dann natürlich auch beeinflussen. Dazu kommt, dass ich so was früher auch einfach nicht auf der Gitarre spielen konnte … ?

Burden Of Life / Matthias Babl:
Es war eine bewusste Entscheidung, die natürlich auch auf unseren musikalischen Vorlieben aufbaut.

Time For Metal / Andreas F.:
Jede Band will mit ihrer Musik ja möglichst viele Leute erreichen. Mit euren Experimenten sprecht ihr wahrscheinlich immer wieder eine ganze Reihe von Leuten an, die eure Musik neu für sich entdecken, aber habt ihr dabei nicht Angst, eure alten Fans, die engstirnigen Melo-Deathheads, zu enttäuschen, die sicherlich immer noch hoffen, dass die Reise mal wieder back to the Roots geht?

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Ich glaube in erster Linie muss es uns selbst gefallen, um das Ganze auch glaubhaft rüberzubringen und zu zeigen, dass man mit Leidenschaft dabei ist. Das würde bei „engstirnigen Melo-Death-Songs“ nur begrenzt funktionieren. Wenn es, neben uns, auch noch anderen Leuten gefällt, dann ist das toll! Wir haben uns ja auch nicht abrupt stilistisch verändert, sondern kontinuierlich. Wenn wir auf dem Weg von Ashes Of Existence zu The Makeshift Conqueror Fans verloren haben, ist das zwar schade, aber kein Grund umzukehren.

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Ich glaube, ich spreche da für uns alle, wenn ich sage, dass wir noch nie Musik gemacht haben, damit sie möglichst vielen Leuten gefällt, sondern in erster Linie machen wir Musik, die uns gefällt. Wir freuen uns riesig über jeden Fan und Zuhörer, der uns auf unserem Weg begleitet und hoffen eben, auch die eingefleischten „Oldschool Fans“ für Ausgefalleneres begeistern zu können.

Time For Metal / Andreas F.:
Welche Bands haben euch in all den Jahren am meisten beeinflusst, damals und heute?

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Eine Konstante und permanentes Vorbild sind auf jeden Fall Iron Maiden. Kaum eine Band hat sich unter unseren Favoriten so stark gehalten. Und dann sind die musikalischen Vorbilder auch an der Musik ablesbar. Waren es früher eher die klassischen Melodeath Bands – Children Of Bodom, In Flames, Arch Enemy … etc. – sind es jetzt eher die Progressiveren. Heute würde ich Between The Buried And Me, Haken, Opeth, Steven Wilson, Queen, Devin Townsend … etc. erwähnen.

Burden Of Life / Matthias Babl:
Children Of Bodom, Wintersun, Iron Maiden, Metallica, Soilwork, Dimmu Borgir, Judas Priest.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Between The Buried And Me, Haken, Opeth, The Aristocrats, also viel Prog-Zeug. Damals waren es eher Bands wie Dark Tranquillity, Children Of Bodom und Soilwork.

Time For Metal / Andreas F.:
Mitte März ist euer viertes Album The Makeshift Conqueror erschienen, mit dem ihr euch wieder ein gutes Stück weiterentwickelt habt. Das ganze Album ist eine Gratwanderung zwischen den Genres und Stilen und treibt garantiert jeden Kritiker in den Wahnsinn. Genreübergreifend nehmt ihr alles auf, was gerade im Weg rumliegt, Melo-Death, Modern Metal-Elemente, Alternative-Passagen, Folkige Momente, Psychedelic-Anleihen, Power Metal-Elemente, Prog-Einflüsse … Mit jedem einzelnen Song beginnt die Entdeckungsreise von Neuem. Selten habe ich ein Album gehört, das einerseits so vielfältig und facettenreich ist, aber andererseits dennoch den roten Faden nicht verliert und auf extrem hohem Level angesiedelt ist. Schubladen interessieren euch einen Scheißdreck, oder?

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Danke für die netten Worte! Für uns macht es einfach am meisten Spaß und auch Sinn, unsere Musik ohne Scheuklappen zu kreieren. Wenn etwas in eine Schublade passt, ist das schön, aber wenn es das mal nicht tut, ist das kein Grund, es zu verwerfen.

Burden Of Life / Matthias Babl:
Ja, Schubladen sind nützlich, aber haben in der Musik nichts verloren.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Und warum mit einer Schublade zufrieden sein, wenn man einen ganzen Schrank haben kann? 😉

Time For Metal / Andreas F.:
Ihr habt euch dieses Mal vier Jahre Zeit gelassen mit dem Album, so lange wie noch nie, obwohl ihr, wie schon beim letzten Output, mit Noizgate Records zusammengearbeitet habt. Woran lag es, dass eure Fans diesmal mehr Geduld brauchten?

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Hauptsächlich an uns. Nein, eigentlich nur an uns. Wir hatten Pläne, haben diese ausgemacht, dann wieder verworfen. Dann kamen persönliche Entwicklungen dazwischen, Studiengänge und Abschlussarbeiten, Jobwechsel etc., die Aufmerksamkeit forderten. Die Band läuft ja bei uns als Hobby nebenher und muss dann leider auch manchmal hinten anstehen.

Burden Of Life / Matthias Babl:
Mir ist es gar nicht so lange vorgekommen. Was man aber sicherlich sagen kann, ist, dass so ein Album, angefangen beim Songschreiben, bis hin zur Veröffentlichung, auch eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt.

Time For Metal / Andreas F.:
Kein Song gleicht dem anderen, keine Struktur ähnelt der anderen, keine zwei Songs passen in eine Schublade. Songs in Überlänge mit ausladenden Kompositionen, die vollgepackt sind mit brachialen Riffs, Akustikgitarren, mehrstimmigem Gesang, passioniertem Klargesang, wütenden Growls, klassischen Einflüssen, Pianoparts, Flöten, Streicher, choralartigen Gesänge, brachialem Blast-Beat-Gewitter, Samba-Elementen, epischen Refrains, verzerrten Death Metal-Gitarren …, das ganze Album ist eine Achterbahnfahrt und selbst nach Stunden in Dauer-Rotation entdeckt man noch immer Neues. Habt ihr nicht die Befürchtung, eure Hörer zu überfordern? The Makeshift Conqueror verlangt dem Hörer einiges ab …, einfache Kost ist definitiv etwas anderes?!

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Genau diese Vielschichtigkeit ist es, was The Makeshift Conqueror ausmacht. Klar, wer stundenlang nur ein Riff hören mag, ist hier falsch, aber es gibt mit Sicherheit noch mehr Leute wie uns, die es mögen, wenn in den Songs viel passiert.

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Aber der Gedanke kommt bei der Entwicklung der Songs durchaus mal auf. Versteht das überhaupt noch jemand? Findet das überhaupt jemand gut? Die Lösung ist für uns dann meistens, mit dem zu gehen, was sich für uns gut anfühlt. Macht es Spaß, zu spielen? Bringt es uns zum Lächeln, wenn wir es hören? Löst es in uns Emotionen aus? Wenn das mit Ja beantwortet werden kann, machen wir es.

Time For Metal / Andreas F.:
Wie nahe liegen Genie und Wahnsinn in eurer musikalischen Grenzenlosigkeit beieinander?

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Es wäre definitiv verwegen zu behaupten, wir würden das alles hundertprozentig ernst meinen. Wir erlauben uns auch definitiv, Scherze mit dem Hörer zu machen und manche Passagen bringen uns auch zum Lachen, wie, wenn man einen blöden Witz untereinander erzählt. Ob das Wahnsinn ist, weiß ich nicht zu sagen. Spaß macht es auf jeden Fall!

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Ich mag diesen Ausspruch mit „Genie und Wahnsinn“ ganz gern. Ob wir jetzt wirklich genial und/oder wahnsinnig sind, weiß ich nicht, aber ich finde, dass es sinnbildlich für zwei Seiten einer Medaille steht, und diese Vorstellung der Mehrdimensionalität bedienen wir mit unserer Musik eigentlich mithilfe aller uns zur Verfügung stehenden Parameter.

Time For Metal / Andreas F.:
Manchmal hat man den Eindruck, dass die Songs irgendwie miteinander verbunden sind, dann aber wieder gar nicht. Gibt es eine Geschichte hinter den Songs, die alles miteinander verbindet?

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Bei diesem Album: nein. Alle Texte der neueren Alben sind von Kötti geschrieben und er verarbeitet in den Songs immer wieder persönliche Erlebnisse und Themen, die ihn beschäftigen. Man könnte also von einer gemeinsamen „Perspektive“ sprechen, die die Songs verbindet.

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Ich glaube, dass diese gefühlte Geschlossenheit dem Umstand geschuldet ist, dass alle Songs im selben Lebensabschnitt derselben Personen entstehen. Das ist es ja, was die Kohärenz eines Albums ausmacht. Die Geschichte, die die Songs verbindet, findet sich also nicht in ihnen selbst, sondern eher in ihrem Entstehungsprozess. Zudem sind ein paar der Songs auch tatsächlich untereinander verknüpft, aber es ist definitiv kein Konzeptalbum im engeren Sinne.

Time For Metal / Andreas F.:
Ihr habt euch im Laufe der Zeit ja schon immer weiter von den Growls entfernt, doch diesmal kommen sie, meiner Meinung nach, sogar ein bisschen zu kurz. Ist der nächste logische Schritt, euch ganz von den Growls und somit endgültig vom Melo-Death zu verabschieden?

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Die Freude am melodischen Gesang steigt bei uns mit zunehmender Fähigkeit, sage ich mal. Auf den ersten Alben war Kötti gesangstechnisch noch sehr am Anfang. Inzwischen hat er eine Ausbildung zum Ensembleleiter und ein Studium zum Musiklehrer hinter sich und hat über die Jahre viel Erfahrung sammeln können. Und je mehr man selber kann, desto mehr möchte man das eben auch in Songs einbauen. Ich persönlich habe auf diesem Album erstmals Backingvocals beitragen können und möchte das auf jeden Fall mehr ausweiten.

Zur Frage zurück: Growls werden vermutlich bis auf Weiteres noch ein fester Bestandteil unseres Repertoires bleiben.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Ich war eine Zeit lang der größte Verfechter der Growls bei Burden Of Life, aber erstens singt Kötti mit jedem Album besser als zuvor und zweitens lässt sich so mit dem Gesang mehr variieren. Ganz auf Growls werden wir, denke ich, nie verzichten, denn damit würden wir unser Repertoire wieder verringern.

Burden Of Life / Matthias Babl:
Meiner Meinung nach darf sich in Zukunft auch wieder mehr Death in den Songs finden. Außer, wir werden zu alt.

Burden Of Life – Geistesblitz (2020):

Time For Metal / Andreas F.:
Was hat es mit dem deutschen Songtitel Geistesblitz auf sich? Bei der Vielfalt, die The Makeshift Conqueror zu bieten hat, wäre Geistesblitz eigentlich der passendere Albumtitel gewesen.

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Darüber haben wir tatsächlich diskutiert. Am Schluss wäre uns der deutsche Titel aber ein zu großer Stilbruch gewesen.

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Außerdem denke ich, dass der Albumtitel versuchen sollte, eine Art Überbegriff dafür zu sein, was die Songs erzählen. Geistesblitz mag vielleicht eine gute Überschrift für die musikalische Vielfalt des Albums sein, aber im Kern beschreibt The Makeshift Conqueror einfach besser, worum es auf dem Album eigentlich geht. Klar, es passt auch nicht jeder Song zu 100 % unter diesen Schirm, aber es kommt der Sache auf jeden Fall ziemlich nahe.

Time For Metal / Andreas F.:
Wer von euch hat die Pianoparts, Flöten und Streicher eingespielt, oder habt ihr euch dafür Gastmusiker ins Studio geholt?

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Die Flöte hat eine Kommilitonin von mir eingespielt, Anna Guggenberger. Es war ihr erster Studiojob und sie kommt eigentlich mehr aus dem volkstümlichen Bereich. Umso cooler finde ich, wie gut sie abgeliefert hat. Die leichteren Piano-Parts, wie etwa das Klavierriff in Anthem Of The Unbeloved habe ich erstmals eigenhändig eingespielt. Für mehr reicht es allerdings nicht und deshalb haben wir uns für die Klavierballade Trust My Own Heart die Luisa Funkenstein ins Boot geholt. Die sonstigen Keyboards, Streicher, Orgeln und Synthies sind bis auf wenige Ausnahmen von unserem Co-Produzenten Hubi und mir programmiert worden.

Time For Metal / Andreas F.:
Da wir gerade bei Gastmusikern sind: Heraus sticht natürlich auch die Klavierballade Trust On My Own, die du gerade schon erwähnt hast. Fast ein wenig wie ein Fremdkörper, aber ich mag die Nummer. Wer ist die Dame Luisa Funkenstein, mit der ihr euch da vergnügt habt, und was könnt ihr uns über sie sagen?

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Luisa Funkenstein ist eine langjährige Freundin von uns und ich mache mit ihr auch hin und wieder Musik. Die Idee mit dem Duett kam relativ spontan. Es war bereits klar, dass sie das Klavier einspielen würde und kurz bevor sie zum Aufnehmen kam, habe ich den Text noch mal umgeschrieben und so eine zweite Perspektive geschaffen. Luisa dann zu fragen, war sehr naheliegend und so hat sie dann nach erfolgreichem Klavier-Recording auch noch den Gesang beigesteuert.

Burden Of Life feat. Luisa Funkenstein – Trust My Own Heart (2020):

Time For Metal / Andreas F.:
Und wenn wir schon dabei sind, von wem stammt das Cover-Artwork und was könnt ihr mir zu der Idee dazu sagen?

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Das Artwork stammt von einer alten Freundin von mir, Ann-Kathrin Müller. Inzwischen ist sie nach abgeschlossenem Kunststudium als Illustratorin tätig und wir waren sehr glücklich darüber, mit ihr eine so begeisterte Künstlerin gefunden zu haben. Sie hat sich selbst mit den Texten der Songs beschäftigt, diese interpretiert und dazu passenden Zeichnungen gemacht. Alle Zeichnungen im Booklet und Artwork haben einen direkten Bezug zu verschiedenen Textpassagen. Auf die Idee, die Porträts von uns auch als gezeichnet zu machen, um den Stil komplett durchzuziehen, sind wir dann gemeinsam gekommen. Alles in allem hat sie eine fantastische Arbeit geleistet und wir könnten nicht glücklicher mit dem Aussehen des Albums sein. Schaut gerne auch einmal bei ihren Webauftritten vorbei! (https://ann-kathrin-mueller.de)

Burden Of Life / Matthias Babl:
Ich glaube, dass sie am Schluss bis zu sechs Artwork-Ideen ausgearbeitet hatte, und wir haben uns dann für den Mechanical Mushroom Man entschieden.

Time For Metal / Andreas F.:
Wie muss man sich bei euch den Songwriting-Prozess vorstellen? Schreibt ihr die Songs im Kollektiv, oder wie seid ihr da aufgestellt?

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Kötti ist alleiniger Songwriter. Der Rest spielt quasi vom Blatt. Die Songs sind dann zu 95 % fertig und werden in der Bandprobe durchgegangen, an einigen Stellen wird noch der Feinschliff verpasst und dann darf jeder für sich die Songs üben und die entsprechenden Soli schreiben.

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Also, was wir dann schon gemeinsam machen, ist das Arrangement. Wir versuchen durchaus, jeden Song gemeinsam anzuspielen und zu schauen, wie sich verschiedene Sachen anfühlen. Fills, Verzierungen, Soli … etc. ergänzt üblicherweise jeder für sich, immer in Absprache mit allen. Im Studio wird dann meist noch eine Schippe Irrsinn ergänzt, was Backings … etc. angeht.

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Ja, die Fäden laufen zwar definitiv bei mir zusammen, aber jeder hat natürlich das Recht, sich in beliebigem Ausmaß zu den Songs zu äußern und so bekommen sie ihre endgültige Form natürlich erst durch unsere Kooperation. Ich bin auch sehr dankbar, dass mir und meinem Songwriting von den anderen hier so viel Vertrauen entgegengebracht wird und man mich immer erst mal wüten und wildern lässt, wie es mir passt. Würde ich jetzt aber zum Beispiel einen Song präsentieren, von dem ich zwar sehr überzeugt bin, die anderen würden aber alle erhebliche Zweifel äußern, würde ich das schon noch mal ordentlich überdenken und gegebenenfalls sogar verwerfen. Glücklicherweise liegen wir aber eigentlich alle auf einer Wellenlänge.

Time For Metal / Andreas F.:
Die oft üblichen Fantasy-Texte und Spaß- und Sauftexte vermeidet ihr ja konsequent. Um welche Themen geht es üblicherweise in euren Texten?

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
In den Songs geht es hauptsächlich um persönliche Entwicklung, um Erfahrungen und was diese für Spuren hinterlassen. Es geht um die düsteren und die lichten Momente von Freundschaft, Liebe, Selbstreflexion und es gibt dieses Mal erstmals auch einen Song, der sich im allerweitesten Sinne sozialkritisch äußert.

Time For Metal / Andreas F.:
Das Album ist gerade mal einen Monat auf dem Markt und die Kritiken waren durchweg positiv. Wie zufrieden seid ihr im Moment damit, was haltet ihr für besonders gelungen und gibt es schon etwas, das ihr jetzt vielleicht doch anders gemacht hättet?

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Was wir uns jedes Mal, aber auch wirklich jedes verdammte Mal vornehmen, ist, früher mit dem Songwriting anzufangen, um mehr Zeit zu haben, die Songs vorher auszuchecken. Aber wie jedes Mal lief das nicht ganz so wie geplant und es wurde mal wieder knapp. Aber um die großartigen Philosophen Calvin & Hobbes zu zitieren: „You can’t just turn on creativity like a faucet. You have to be in the right mood.“ – „What mood is that?“ – „Last-minute panic.“

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Wir hätten das Album erst nach der Corona-Krise rausbringen sollen, aber wer konnte das ahnen. Tatsächlich gibt es dieses Mal keine Stellen, über die ich mich im Nachhinein ärgere. Bei den vorherigen Alben gab es immer mal wieder einen Ton in einem Solo, oder in einer Melodie, den man schöner hätte spielen können, aber dieses Mal waren wir im Studio gründlicher.

Burden Of Life / Matthias Babl:
Für meinen Teil bin ich sehr zufrieden. Sound und Optik übersteigen einfach alles, was ich mir hätte vorstellen können.

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Ich war noch nie so stolz auf das Gesamtpaket wie dieses Mal.

Time For Metal / Andreas F.:
Im Moment kommt man an dem Thema ja nicht vorbei: Das Coronavirus hat die Welt fest im Griff und ein Ende ist derzeit noch nicht absehbar. Die Menschen sitzen in der Quarantäne und Konzerte und Festivals finden nicht mehr statt. Viele Bands, Veranstalter, Clubs, Bühnentechniker … etc. bangen um ihre Existenz. Wie hart hat euch als Band die Krise getroffen und wie könnten euch eure Fans helfen und unterstützen?

Burden Of Life / Matthias Babl:
Da wir von der Band nicht finanziell abhängig sind, ist es in der Hinsicht kein großer Rückschlag. Ärgerlich ist nur, dass wir das neue Material nicht live performen können. Die Gesundheit steht natürlich an erster Stelle und wir hoffen, dass sich die Lage bald wieder bessert.

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Und trotz des großartigen Echos der Reviews können wir die Songs leider gerade nicht auf der Bühne präsentieren. Wenn wir also um etwas bitten würden, dann um Geduld. Wir wollen alle dringendst wieder auf die Bühne und auf Konzerte, aber jetzt müssen eben alle zusammen die Füße stillhalten, damit das möglichst bald wieder möglich ist. In der Zwischenzeit könnt ihr unser Album natürlich bei den üblichen Verdächtigen streamen. Noch mehr freuen würde es uns, wenn ihr es in unserem Shop (https://burdenoflife.bandcamp.com) kaufen würdet. Da gibt es noch einiges andere an Merch, das euch vielleicht die Wartezeit versüßen könnte.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Persönlich bin ich nicht stark von der Krise betroffen. Ich habe die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, und der Firma geht es soweit noch gut genug, sodass ich von Kurzarbeit verschont bin. Burden Of Life ist jetzt nicht in einer existenziellen Krise, da wir alle, wie gesagt, nicht finanziell von der Band abhängig sind. Im Gegenteil, wir stecken alle mehr Geld in die Band rein, als am Ende wieder rauskommt. Schade ist es trotzdem, dass der Album-Live-Auftakt so ins Wasser fällt.

Time For Metal / Andreas F.:
Das Leben in der Pandemie hat sich ja komplett geändert. Viele andere Bands stürzen sich aktuell ins Songwriting für die nächste Veröffentlichung, weil sonst fast nichts mehr möglich ist, nicht mal mehr gemeinsames proben. Nun habt ihr aber gerade erst euer neues Album rausgehauen, sodass das Songwriting sicher nicht oberste Priorität hat. Touren könnt ihr mit dem neuen Material aber auch nicht, also wie nutzt ihr die konzertfreie Zeit, oder habt ihr einfach euren Winterschlaf verlängert?

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Ja, man könnte von verlängertem Winterschlaf reden. Besonders ärgerlich ist natürlich, dass wir gerade auch nicht proben können. Und jetzt nach dem Release wäre natürlich die „kritische Zeit“ für Auftritte. Ganz ehrlich, ich bin ein bisschen ratlos, hoffe aber, dass wir bald Möglichkeiten finden, wieder zusammen zu musizieren.

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Was die Band betrifft, kann ich mich dem nur zu 100 % anschließen. Ich sammle nebenbei schon wieder neue Riffs und spiele eben zu Hause vor mich hin. Ich hoffe allerdings auch, dass wir bald wieder gemeinsam proben können.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Ich habe angefangen, Klavier zu lernen.

Time For Metal / Andreas F.:
Viele andere Band lassen sich das Musikmachen nicht verbieten und spielen derzeit Geisterkonzerte und streamen diese im Netz. Einerseits, um den Fans trotz Quarantäne etwas zu bieten, andererseits aber auch, um trotz Konzertverbots ein paar Euro in die leeren Bandkassen zu spülen, indem sie um Unterstützung und Spenden bitten. Wie seht ihr das und plant ihr vielleicht auch etwas in diese Richtung?

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Da wir alle in getrennten Haushalten leben, können wir nach den aktuellen Regelungen der Regierung nicht guten Gewissens zusammen Musik machen. Über Liveschaltungen miteinander live zu musizieren ist der Latenz wegen unmöglich, daher sind solche Sachen für uns im Moment keine Option. Da wir ja finanziell gerade nicht in Problemen stecken, versuchen wir eher, uns und die Fans mit anderen Kleinigkeiten, Videoschnipseln, Playthroughs und Social Media-Kram bei Laune zu halten.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Ich bin kein Fan davon. Man müsste ja zusammen spielen können, aber das ist, zumindest in Bayern, nicht erlaubt und nur Gesang und Akustikgitarre geht bei 95 % unserer Songs nicht gut.

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Ich hatte mir schon überlegt, vielleicht mal einen kleinen Livestream zu machen und ein paar Songs in reduzierter Form zum Besten zu geben. Aber wie Michael schon sagt, eignet sich nur wenig Material von uns für so eine Umsetzung. Vielleicht würde ich das dann auch etwas allgemeiner halten, auch ein paar Cover spielen, oder was mir eben einfällt, und es nicht so sehr im Zusammenhang mit der Band machen.

Time For Metal / Andreas F.:
Viele glauben, die Situation hat sich in ein paar Wochen entschärft und das Leben kann wie gewohnt weitergehen. In der Metalszene sind das natürlich vor allem die Leute, die immer noch hoffen, dass sie nicht auf die Sommerfestivals verzichten müssen. Andere sind überzeugt davon, dass wir eine lange Durststrecke vor uns haben und dass dieses Jahr gar nichts mehr geht. Das Robert-Koch-Institut geht sogar davon aus, dass sich alles bis zu zwei Jahren und vielleicht noch länger hinzieht. Nach all den abgesagten Konzerten und Touren, geht es nun aber auch langsam den geliebten Sommerfestivals an den Kragen. Einige, wie z. B. das französische Hellfest, das österreichische Nova Rock, das britische Download, das dänische Roskilde und das britische Glastonbury sind schon abgesagt, nur das Rock Am Ring / Rock Im Park und Wacken bleiben bisher dabei, dass die Festivals trotz Corona stattfinden werden. Was glaubt ihr, geht dieses Jahr noch was und werdet ihr noch die ein oder andere Bühne entern, oder ist 2020 gelaufen?

(Die Angaben sind mittlerweile natürlich nicht mehr aktuell, da zwischenzeitlich alle Sommerfestivals abgesagt sind, aber da sich das momentan fast täglich ändert, ist es schwierig, aktuell zu bleiben … Anm. d. Red.)

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Das ist zum jetzigen Zeitpunkt natürlich ziemlich unklar. Keiner von uns ist Epidemiologe, daher halten wir uns an die offiziellen Aussagen der Regierung. Im Moment sieht es ja eher so aus, als wäre der Festivalsommer gestrichen, aber selbstverständlich hoffen wir noch auf Auftritte. Ich bin allerdings auch der Meinung, dass allzu viel Spekulation in der derzeitigen Situation auch einfach nicht hilfreich ist. Die Top-Experten der Wissenschaft sitzen weltweit gerade an quasi keinem anderen Thema mehr, und selbst diese Leute halten sich mit Aussagen und Prognosen reichlich bedeckt. Uns bleibt da leider nicht viel anderes, als abzuwarten.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Ich glaube, 2020 ist definitiv gelaufen. Die Frage ist eher, wie 2021 wird.

Time For Metal / Andreas F.:
Nun finden aktuell zwar keine Konzerte statt, aber in den letzten Jahren war immer mehr zu beobachten, wie sich das Konzertverhalten der Menschen maßgeblich verändert hat. Die Leute sind bereit, für Tickets der ganz großen Acts wie Metallica, Rammstein, Iron Maiden, Slayer, Kiss … etc. teils utopische Summen zu zahlen, sind aber kaum noch bereit, 20 € für ein kleines Clubkonzert mit drei lokalen Undergroundbands auf den Tisch zu legen. Und während des Konzertes sind viele damit beschäftigt, durch das Display ihres Handys zu glotzen, um ein verwackeltes Video mit miesem Sound für YouTube aufzunehmen, anstatt das Konzert zu genießen und der Band so etwas zurückzugeben. Wie bewertet ihr solches Verhalten?

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Also wir hatten neulich unser Releasekonzert. Ein kleiner lokaler Club, drei mehr oder weniger lokale Bands, unter 20 € Eintritt. Ich mag mich irren, aber ich habe extrem wenige Smartphones gesehen. Nicht zuletzt steht es jedem und jeder frei, wie er oder sie Livemusik genießen möchte. Und ganz ehrlich, wenn der Smartphonezombie genügend von unserer Musik begeistert ist, um auf das Konzert zu kommen, dann ist er herzlich willkommen, zu filmen. Möglicherweise muss er halt mit fliegenden Haaren in der Kamera rechnen.

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Ich sehe das schon ein bisschen anders, muss ich sagen. Bezüglich unseres eigenen Konzertes stimmt es, dass wir eigentlich sehr aufmerksame Zuhörer hatten, wenig Smartphones und viel Interaktion mit dem Publikum. Aber generell finde ich das viele Filmen etc. schon eher unschön. Natürlich darf das jeder selbst entscheiden, ob er filmt, ob er aufmerksam zuhört oder ob er lieber mit dem Nachbarn quatscht. Ich verstehe nur die Herangehensweise einfach nicht, wenn jemand das Konzert lieber durch ein Display verfolgt. Ich kann mir auch kein Szenario vorstellen, in dem ich solche wackeligen Videoschnipsel mit dürftigem Sound noch mal anschauen möchte. Da nehme ich doch lieber die Atmosphäre mit und behalte mir eine schöne Erinnerung. Die scheint aber in einer Zeit, in der jeder alles sofort dokumentieren kann, nicht mehr so viel wert zu sein, und das finde ich persönlich sehr schade.

Time For Metal / Andreas F.:
Wie würde eure Wunschtour/euer Festivalauftritt aussehen und mit welchen Bands würdet ihr dort gerne einmal spielen?

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Am coolsten wäre, denke ich, jede Art von Auftritt mit Bands, die wir entweder persönlich gerne hören – dazu verweise ich noch mal auf die Auflistungen weiter oben – oder Bands, mit denen wir gut befreundet sind, zum Beispiel Sweeping Death und All Will Know. Das macht auch immer sehr viel Spaß!

Burden Of Life / Matthias Babl:
Ein absoluter Traum wäre, mal wieder mit allen befreundeten Bands ein Festival unsicher zu machen. So was gab es schon in der Vergangenheit, wo ich leider wegen meiner beruflichen Tätigkeit nicht das ganze Wochenende dabei war, sondern nur die Stunden vor und nach dem Auftritt.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Mit Devin Townsend auf Tour zu gehen hätte schon was.

Time For Metal / Andreas F.:
Manche Bands träumen ja davon, einmal im Leben auf dem Heiligen Acker in Wacken zu spielen. Wovon träumt ihr, bzw. welche Hürden würdet ihr gerne in nächster Zukunft nehmen?

Burden Of Life / Matthias Babl:
Ein großer Traum wäre mal eine Tour. Einfach mal ein paar Wochen auf Achse sein und die Alltagsscheiße vergessen.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Wacken war jahrelang ein Traum, aber an sich täte es jedes größere Festival.

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Wacken fände ich immer noch absolut geil, aber wie Michael schon sagt, wären auch andere größere Festivals ein würdiger Meilenstein. Ich wünsche mir aber einfach generell erfolgreiche Auftritte, das heißt, dass die Logistik reibungslos läuft und die Leute Bock haben. Wenn das gegeben ist, kann schon gar nicht mehr so viel schief gehen und die Show bleibt einem in freudiger Erinnerung.

Time For Metal / Andreas F.:
Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Burden Of Life / Matthias Babl:
Hoffentlich immer noch zusammen am Musizieren.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Ja, hoffentlich noch immer zusammen im Proberaum.

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Auf irgendeiner Bühne, noch ein oder zwei Alben aufgenommen, noch genügend Haare auf dem Kopf und so wenig Bierbauch, dass er noch nicht aus dem T-Shirt hervorkriecht. Nein, ganz ehrlich, wir haben irgendwann aufgehört, von dem großen Durchbruch zu träumen. Wir machen die Musik, weil sie uns Spaß macht und es uns Spaß macht, sie Zuschauern zu präsentieren. Und weil wir Freude am gemeinsamen Musizieren haben. Wenn ich eines wirklich hoffe, dann, dass uns das nie ausgeht.

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Diese Band ist so ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass sie in fünf Jahren nicht mehr existiert. Deshalb hoffe ich einfach auf viele tolle Songs, geile Auftritte und eine gute Zeit mit den anderen dreien!

Time For Metal / Andreas F.:
Nur wenige Musiker können von ihrer Kunst allein leben. Ihr habt ja auch durchblicken lassen, dass ihr auch nur semiprofessionell Musik. Was macht ihr sonst für Jobs?

Burden Of Life / Matthias Babl:
Ich bin Buchbinder/Medientechnologe in einem grafischen Großbetrieb.

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Ich bin an der Universitätsbibliothek in Regensburg in der IT tätig.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Ich bin Projektmanager bei Alten GmbH. Da hat sich die Promotion gelohnt 😀

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Ich habe mir nach meinem Lehramtsstudium für Musik/Englisch an der Realschule, welches ich letztes Jahr mit dem ersten Staatsexamen beendet habe, noch ein bisschen Auszeit gegönnt und jobbe momentan in verschiedenen Bereichen. Das Referendariat, quasi der letzte Abschnitt meiner Lehrerausbildung, nehme ich dann demnächst in Angriff.

Time For Metal / Andreas F.:
Ihr seid ja nun alle schon einige Jahre aktiv. Was würdet ihr ändern, wenn ihr im Musikbusiness was zu sagen hättet?

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Es wäre schön, wenn es einfach mehr um die Musik ginge und weniger um das Drumherum, also die Präsentation auf sozialen Medien, die Streamingzahlen … etc. Aber vermutlich gab es das in anderer Form früher auch schon.

Burden Of Life / Matthias Babl:
Man sollte Newcomerbands mehr unterstützen!

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
No Pay-To-Play

Time For Metal / Andreas F.:
Welche Highlights aus eurer bisherigen Bandgeschichte sind euch besonders im Gedächtnis geblieben und woran denkt ihr nicht so gerne zurück?

Burden Of Life / Matthias Babl:
Ein großes Highlight waren die Metal Hammer Awards. Ein riesen Publikum, ein paar „Legenden“, die man als junger Metaller verehrte, und vom „Checker“ angekündigt werden.

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Ein wirklich schönes Erlebnis war auch das Out&Loud Festival 2014, wo wir mit zehn anderen Bands des Projekts „New Wave Of German Metal“ eine eigene Bühne hatten und einige wirklich tolle Konzerte gemeinsam erlebt haben. Ganz zu schweigen von den extrem lustigen Erlebnissen auf dem Campingplatz.

Auf der negativen Seite: Wir haben uns durchaus schon das ein oder andere Mal gefetzt, wir hatten Auftritte quasi ohne Zuschauer, wir haben mit selbst organisierten Gigs minus gemacht, wir hatten technische Probleme auf der Bühne und im Auto … Da kommt in den ganzen Jahren einiges zusammen. Schön ist, dass wir immer noch dabei sind.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Auf dem von Karl genannten Out&Loud Festival bin ich ins Schlagzeug gefallen. Das war unser größter Auftritt bis dahin und somit High- und Lowlight zugleich.

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Die genannten Gigs würde ich auch als absolutes Highlight bezeichnen. Zudem hatte ich immer sehr viel Freude daran, wie sich unsere Songs im Studio von der Schlagzeugspur bis zum fertigen Werk entwickelten. Das dann zum ersten Mal fertig anzuhören, ist jedes Mal ein großartiges Erlebnis. Und natürlich auch die tolle Zusammenarbeit mit unserem Label Noizgate Records, das uns alle künstlerischen Freiheiten lässt und mit Begeisterung dabei ist!

Bezüglich der Tiefpunkte schließe ich mich dem Karl an. Unser Bandname war schon öfter Programm, aber alles in allem sind wir, glaube ich, meistens glimpflich davongekommen und wir haben vor allem nicht aufgegeben.

Time For Metal / Andreas F.:
Geht ihr privat auch noch auf Konzerte? Wenn ja, welche Bands und Genres bevorzugt ihr da?

Burden Of Life / Matthias Babl:
Wenn meine Schichtarbeit es zulässt, versuch ich schon Zeit zu finden, um auf Konzerte zu gehen. Meistens sind es dann irgendwelche Punk-Konzerte von Kumpels.

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Ja, aber ich bin seltener unterwegs und tendiere inzwischen eher zu prog-lastigen Konzerten, aber ich bin durchaus auch gerne mal vor der Bühne.

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Relativ selten, aber wenn, dann die Bands, die man eben privat hört. Animals As Leaders fehlen mir noch …

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Sicherlich nicht oft genug. Das werde ich vielleicht wieder etwas mehr in Angriff nehmen, sobald die Pandemie es zulässt.

Time For Metal / Andreas F.:
Welche fünf Alben haltet ihr jeweils für die besten aller Zeiten?

Burden Of Life / Matthias Babl:
AC/DCBack In Black
Between The Buried And MeColors
Dimmu BorgirDeath Cult Armageddon
MastodonBlood Mountain
Wintersun – s/t

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Between The Buried And MeThe Parallax II: Future Sequence
Iron MaidenBrave New World
Nine Inch NailsWith Teeth
QueenA Night At The Opera
Steven WilsonGrace For Drowning

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Eine unmöglich zu beantwortende Frage. Es ist schon schwer, nur fünf Bands auszuwählen. Meine Top 5 Alben im Moment (das kann sich aber schnell wieder ändern):
The Aristocrats – s/t
Between The Buried And MeThe Parallax II: Future Sequence
OpethPale Communion
SoilworkThe Living Infinite
Devin TownsendDeconstruction

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Das ist jetzt nicht in Stein gemeißelt, aber diese fünf sind schon relativ zeitlos für mich:
AC/DCBack In Black
Between The Buried And MeThe Parallax II: Future Sequence
Dream TheaterMetropolis Pt.II: Scenes From A Memory
The CardigansLong Gone Before Daylight
Iron MaidenPowerslave

Time For Metal / Andreas F.:
Ich bin soweit durch mit meinen Fragen. Gibt es etwas, was ihr den Time For Metal Lesern zum Schluss noch sagen wollt?

Burden Of Life / Christian „Kötti“ Kötterl:
Danke fürs Lesen! Wenn ihr neugierig geworden seid, dann checkt unsere Online-Präsenzen aus. Facebook und Instagram versorgen euch mit Infos. Wer reinhören will, checkt Spotify, YouTube und Konsorten und wer uns supporten will, wirft einen Blick in unseren Shop unter https://burdenoflife.bandcamp.com. Ich bin mir sicher, dass ihr den Rest gegoogelt kriegt! 😉

Burden Of Life / Michael „Schafi“ Schafberger:
Genau, hört euch unser Zeug an und kauft das Album, wenn es euch gefällt. Stay Safe!

Burden Of Life / Karl Arnold Bodarwé:
Und gesund bleiben!

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