Jinjer Macro World Tour 2020 – zusammen mit Ghost Iris und Aeries am 21.09.2020 beim Strandkorb Open Air in Mönchengladbach

Der Konzertentzug hat ein Ende?

Eventname: Jinjer Macro World Tour 2020

Bands: Jinjer, Ghost Iris und Aeries

Headliner: Jinjer

Ort: Sparkassen Park Mönchengladbach

Datum: 21.09.2020

Kosten: 25,00 € bis hin zu 49,00 € pro Person zzgl. Servicegebühren (pro Strandkorb = zwei Personen = zwei Tickets)

Genre: Death Metal, Progressive Metal, Djent, Metalcore, Groove Metal

Besucher: ca. 500 – 600 keine Abendkasse

Link: https://sparkassenpark.de/strandkorb-open-air/

Setlisten:


  1. lainnereP
  2. Teacher, Teacher
  3. Sit Stay Roll Over
  4. Ape
  5. Judgement (& Punishment)
  6. I Speak Astronomy
  7. Who’s Gonna Be the One
  8. Noah
  9. Retrospection
  10. Perennial
  11. On the Top
  12. Pit Of Consciousness
  13. Home Back
  14. Words Of Wisdom

Zugabe:

  1. Pisces
  2. The Prophecy


Wird nachgereicht

  1. Impact
  2. Aleinate
  3. U763
  4. Gisma
  5. Waves
  6. Viridian

Wenn ihr ehrlich bin, war ich eigentlich persönlich selbst nie der größte Jinjer Fan, doch nach dem letzten Album Macro kam selbst ich nicht an den Ukrainern um Sängerin Tatiana Shmailyuk vorbei. Jetzt kam noch dazu, dass das gesamte Team und ich dank der Coronakrise total auf Konzertentzug sind – mein letzter Konzertbericht ist wirklich das Five Finger Death Punch Konzert im Februar dieses Jahres gewesen. Beides zusammen hat dann wohl dafür gesorgt, dass wir heute hier vor dem Pressetor des Sparkassenparks in Mönchengladbach stehen, um beim Strandkorb Open Air sowohl die Bands Aeries aus Köln, Ghost Iris aus Dänemark als auch die Headliner Jinjer seit der langen Zeit der Konzertdürre wieder live zu erleben.

Etwas spannend ist das Konzept, so konnte sich jeder Fan im Voraus einen Platz in einem Strandkorb mieten. Zu 50 Körben in eine Gruppe (nach deutschen Inseln benannt) und das zu einem für das Line-Up nicht ganz günstigen Preis von ca. 48 € / Platz. Da man aus Hygienegründen die Plätze in den Körben nur im Doppelpack vermietet hat, kam ein Einzelgänger nicht daran vorbei, gleich zwei Plätze zu buchen. Dafür versprach der Veranstalter im Voraus auch einige Boni für die Gäste. Darunter einen Lieferservice für Gastroartikel, der erstaunlich schnell sowohl Getränke, Merchandise Artikel und Lichterketten zum Schmücken des eigenen Strandkorbs zur Verfügung stellen soll. Damit möglichst keine Schlange entsteht und man die Kühlung der Artikel gewährleisten kann, gibt es passend zur 330 ml Flasche auch einen Kühlakku, der in der zum Strandkorb gehörenden Kühlbox seinen Platz finden soll. Da man im Idealfall nicht alleine in seinem Strandkorb sitzt, ist der Mindestbestellwert von 10,00 € aus unserer Sicht vollkommen in Ordnung. Da über die Webseite des Sparkassenparks bestellt wird, sind sogar Zahlungsmöglichkeiten wie PayPal und Co. kein Problem – ich denke, das könnte als Konzept auch in der Zukunft sinnvoll eingesetzt werden, um unnötige Warteschlangen zu vermeiden.

Das Bühnenkonzept ist aufgrund der Strandkörbe auch ein wenig speziell. So wurden die Bretter, auf denen die Bands des Abends sich bewegen, auf ca. sechs Meter Höhe gehoben. Das wirkt auf dem ersten Blick zwar absolut übertrieben, doch wenn man den Blickwinkel aus einem Strandkorb betrachtet, dann muss die Bühne so positioniert sein, um die sich darauf bewegenden Musiker auch aus dem letzten Strandkorb noch sehen zu können. Für denjenigen, für den die Band zu weit weg ist, der hat die Möglichkeit, auf zwei neben der Bühne positionierten Leinwänden dem Treiben zu folgen.

Da es das Mönchengladbacher Wetter gut mit uns meint, die Sonne beginnt zu ihrem Untergang zu Beginn des Gigs von Aeries mit einem schönen Farbenschauspiel am Himmel, kommt zumindest ein wenig Festivalfeeling auf. Schade ist es, dass man mit Aeries so früh startet, denn das Maximum von 1.000 Gästen ist nicht mal zu einem Viertel ausgelastet zu diesem Zeitpunkt. Doch schlagen sich die noch jungen Progressive Metaller um Sängerin Laura Kiddo echt nicht schlecht. Mit einer sechs Song starken Setlist bekommen die Gäste des Abends eine heftig harte Mischung aus klarem Gesang und progressiven Riffs geboten. Dass noch nicht so die Stimmung eines Open Airs rüberkommen will, liegt zum einen an der Uhrzeit und zum anderen daran, dass durch die großen Abstände von Fan zu Fan Mitmachaktionen (Singen & Klatschen) durch den bisher fehlenden Alkoholkonsum bei einigen Fans ein wenig verhaltener ist – so zumindest meine These. Denn das, was man geboten bekommt, sollte eigentlich einen Fan des Headliners begeistern. Sicher ist noch Luft nach oben, aber mal ehrlich, dafür, dass Aeries wirklich erst seit 2019, existieren braucht man sich nicht hinter den Genrekollegen verstecken.

Nach kurzer Umbaupause ist nun Zeit für die Dänen von Ghost Iris. Zum Glück sind Teile von Dänemark erst nach dem Event zu Corona-Risikogebieten erklärt worden, denn sonst hätte man eventuell noch Schwierigkeiten mit der Einreise bekommen können. Doch da das nicht passiert ist, geht es nun etwas Core-lastiger weiter. Nach dem Release ihres neuen Albums Apple Of Discord im Februar ist klar, dass wir natürlich auch Songs wie Save Yourself zu hören bekommen. Da sich das Stadion bzw. die Strandkörbe so langsam füllen, ist auch die Stimmung ein wenig besser. Doch wirklich mehr als Aeries schafft man auch hier nicht, aus dem Publikum herauszuholen. Am Klang kann es nicht liegen, denn der Sound ist glasklar und man meint jeden doch so kleinen Fehler der Bands zu hören.

Die anschließende Umbauphase ist ein wenig länger. Langsam wird es auch etwas kühler, aber nicht so kalt, dass man es nicht mit einem Pullover aushalten könnte. Das Intro der Ukrainer macht obligatorisch der Track LainnereP, der dann direkt in Teacher, Teacher übergeht. Die Single aus 2019 ist klar ein „Must Have“ für jedes Jinjer Konzert und so ist es nicht abwegig, dass man direkt hiermit durchstartet. Während fast alle, mit Ausnahme Pausing Death, Tracks des aktuellen Releases auf die nun komplett stehenden Besucher niederprasseln, freut es mich umso mehr, dass ein wenig die Atmosphäre dem gleicht, wie es bei einem kleinen Festival ist. Es wirkt alles trotz Distanz sehr harmonisch, fast schon privat, während Tatiana Shmailyuk Songs wie Home Back und Words Of Wisdom vorträgt. Doch noch schöner ist es zu sehen, dass wirklich einige mitsingen und sich von der Energie, die durch die Boxen über Mönchengladbach niederregnet, mitreißen lassen. Top.

Nach dreizehn Songs verabschieden sich die Ukrainer. Während das Publikum so laut wie möglich nach „We Want More“ schreit, schaue ich schnell mal in die Setliste und freue mich, dass gleich „Das“ Jinjer Lied kommen wird. So schließen Pisces und The Prophecy den Abend und wir können endlich aufhören zu zittern. Nicht von der Kälte. Nein. Vom kalten Konzertentzug, den wir über die Coronazeit durchmachen mussten.

Abschließend würde ich sagen, dass die Stimmung sicher noch besser gewesen wäre, wäre das Event ausverkauft gewesen. Doch man merkt schon, dass die Fans Lust haben auf solche Veranstaltungen, und dass man es mit Konzepten wie dem hier in Mönchengladbach schaffen kann, wenigstens ein wenig das Gefühl von Open Air und Festivals zu vermitteln. So hoffe ich, dass sich das für Veranstalter, Bands und Crew lohnt und dass die Strandkorb Open Airs nicht nur ein Hilfeschrei vor dem Ertrinken sind.

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