Kurz-Interview mit Petra Peters von Remedy Records im Zuge des Record Store Day 2020

Petra erweist sich als kompetente Gesprächspartnerin und hat auf meine Fragen die passenden Antworten zum Record Store Day

Im Zuge des Record Store Day 2020 (Kolumne zum RSD hier) war ich ja bei Remedy Records in Hamburg. Eigentlich wollte ich mit Jörn Rüter, dem Gründer von Remedy Records, einige Worte wechseln. Da wir verkehrsbedingt spät dran waren, war der aber schon los, da er mit seiner Band, den Kneipenterroristen, noch einen Auftritt hatte. So hatte ich aber die Freude, mir mit Petra Peters, Mitinhaberin und Geschäftsführerin von Remedy, die Fragen zum RSD beantworten zu lassen. Petra hat sich dann auch viel Zeit genommen und es entwickelte sich ein angeregtes Gespräch, bei dem einiges geklärt werden konnte. Dabei wurde nicht nur der Record Store Day 2020 behandelt, sondern auch andere Themen kamen zum Zuge.

Time For Metal / Kay:
Hi, schade, dass der Jörn nicht da ist, aber du bist ja mehr als nur eine kompetente Ansprechpartnerin.

Remedy Records / Petra:
Ja, das kann man sagen. Ich bin schon seit Anfang an dabei. Der Jörn ist mit den Kneipenterroristen in Heide. Die haben da einen Auftritt unter dem Funkturm, und vor knapp zwanzig Minuten musste er los.

Time For Metal / Kay:
Stimmt, das ist ja heute. Ein Kollege von mir ist dahin und berichtet (Bericht hier). Schade, aber es war so viel Stau, dass wir es nicht eher geschafft haben. Aber du kannst mir bestimmt auch was zum Record Store Day erzählen.

Seit wann macht ihr da mit?

Remedy Records / Petra:
Puh gute Frage, bestimmt schon seit Anfang an. Da hatten wir unseren Laden noch im Schanzenviertel. Da kamen die ersten Sammler und haben das Zeug gut weggekauft. Das wurde dann aber weniger, als die Label erkannt haben, dass man da richtig viel Geld mit machen kann, und haben die Preise angezogen. Das haben die Jäger und Sammler aber nicht mitgemacht.

Time For Metal / Kay:
Lohnt sich das denn dann überhaupt noch?

Remedy Records / Petra:
Ja, das ist ok so. Um das besser unter Kontrolle zu haben, bestellen wir eben nicht mehr alles. Der Jörn hat so eine Sammlergruppe gegründet und schickt dann, nicht nur zum RSD, sondern auch so, besondere Ausgaben rum. Dann kann das bestellt werden. Beim RSD ist das ähnlich. Einige Sachen gehen immer, aber wie gesagt, wir bestellen nicht alles. Oftmals sind ja auch Popscheiben oder andere Genres dabei. Diesmal gibt es ja einige Sachen von Bowie, die haben wir nicht bestellt. Wir bleiben da dem Metal schon treu, obwohl Pink Floyd oder U2 auch immer gut gehen. Mit der Zeit hast du da so deine Erfahrungen gemacht und orderst dementsprechend. Die Platten sollen ja auch nicht im Regal verstauben, sondern schon verkauft werden.

Time For Metal / Kay:
Wer gibt die Platten eigentlich vor, die zum RSD veröffentlicht werden oder nach welchen Kriterien werden die ausgesucht?

Remedy Records / Petra:
Das kann ich gar nicht so genau sagen. Oftmals werden es die Labels sein, die da was machen. Leider haben die auch erkannt, dass man damit Geld verdienen kann. Das war schon so schlimm, dass wir kollektiv protestiert haben. Immerhin müssen wir in Vorkasse gehen, und wenn die Platten dann liegen bleiben, ist das unser Risiko. Deshalb nehmen wir auch nicht alles ins Programm auf. Aber bei Interesse kannst du vorbestellen und dann bestellen wir die Sachen und legen die zurück (hat diesmal auch toll geklappt).

Time For Metal / Kay:
Gibt es je nach Land unterschiedliche Releases?

Remedy Records / Petra:
Ja, es gibt auf jeden Fall unterschiedliche Veröffentlichungen. Oftmals werden dann heimische Bands mit aufgenommen. Es gibt aber auch übergreifende Sachen. Je nach dem Bekanntheitsgrad. Zum Beispiel die Manilla Road, die ist nur in Deutschland erhältlich. Da habe ich bereits Anfragen aus anderen Ländern, falls welche übrig bleiben.

Time For Metal / Kay:
Hat der Verkauf von Vinyl denn insgesamt spürbar zugenommen?

Remedy Records / Petra:
Ja, das merkt man schon. Allerdings haben wir schon immer Vinyl im Angebot gehabt. Selbst als alle Fachleute gesagt haben, Vinyl ist tot, sind wir den schwarzen Scheiben treu geblieben. Dadurch hatten wir auch immer diverse Liebhaber als Kunden und das ist bis heute so geblieben. Nun hat das seit ungefähr zwei Jahren weiter zugenommen. Die CD-Verkäufe sind auch nicht schlecht, aber Vinyl geht wieder wesentlich besser. Wir haben auch Sammler, die noch Schellack-Platten kaufen. Also lief die Vinyl-Schiene bei uns immer. Aber durch die Digitalisierung der Musik geht es natürlich immer mehr ins Internet. Darunter hat die CD etwas zu leiden. Ich hab erst letztens mit einigen jungen Gästen in unserem Laden, dem Night Light, gesprochen. Einer von denen erzählte dann, dass er 3.000 und ein paar Songs auf seinem Handy hat, aber keine einzige Scheibe zu Hause. Als ich ihn gefragt habe, was er denn denkt, was ein Künstler davon hat, konnte er nicht viel sagen. Aber das ist der Trend bei Jüngeren. Alles digital auf dem Smartphone oder bei einem der Streamingdienste und gekauft wird nichts mehr. Da bleibt bei den niedrigen Margen für den Künstler nix über. Darüber wird sich kein Gedanke gemacht. Der Künstler investiert Gehirnschmalz und Kreativität und am Ende bleiben davon wenige Bruchteile eines Cents übrig. Viele hören auch keine ganze Platte mehr, sondern ziehen sich nur ein oder zwei Songs aufs Handy. Das ist schon krass.

Time For Metal / Kay:
Ja, das ist die Krux mit den Streamingdiensten. Das Haptische geht gerade bei den Jüngeren flöten. Wir Älteren sehen das noch etwas anders. Und gerade bei Vinyl kommt das „Erleben“ einer Platte  ganz anders zur Geltung. Ich gehöre ja zu den Sammlern und freue mich noch über ’ne CD oder Vinyl, die ich mir ins Regal stelle, und gehe auch gern nach einer Show noch zum Merch-Stand und schaue, ob ich da ’ne Platte oder sonst etwas bekomme.

Remedy Records / Petra:
Das ist auch wichtig für den Künstler. Wir waren letztens noch bei Rose Tattoo in der Markthalle und haben uns dann auch brav angestellt, um ein Bild zu machen und ein Autogramm zu erhaschen, was auch geklappt hat.

Time For Metal / Kay:
Die haben wir noch kurz vor Ende der Konzerte in Berlin erleben dürfen. Da waren Thundermother Vorgruppe. War nett, auch wenn Angry Angus schon etwas kauzig wirkt, aber er lebt den Rock ’n‘ Roll Gedanken. Leider kamen die nicht mehr zum Autogramm geben raus. So mussten die Mädels von Thundermother herhalten.

Remedy Records / Petra:
Das machen wir auch nicht mehr immer. Ab und an gehen wir dann aber noch zu Konzerten und versuchen das. Für Jörn ist es eine Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen oder erneuern. Im Moment ja leider etwas eingeschränkt.

Time For Metal / Kay :
Wir sind ja heute noch bei Mono Inc. (Konzertbericht hier), die hier auf dem Cruise Inn Terminal ein Konzert geben. Da sind wir schon gespannt, wie das wird. Das Wetter ist ja toll und es bleibt hoffentlich trocken. Ich bin gespannt, wie das mit dem Sicherheitskonzept gehändelt wird, aber zumindest gibt’s mal wieder ein Konzert. In der nächsten Woche haben wir auch noch Ray Wilson in der Blues Garage in Isernhagen auf der Uhr. Da freu ich mich auch schon drauf.

So, nun soll es erst mal reichen. Ich schaue mich noch ein wenig um und dann müssen wir auch los. Vielen Dank für deine offenen Worte und die Geduld. Ich komme spätestens wieder, wenn die nächsten Termine des Record Store Day (Anm. 26.09.2020 und am 24.10.2020) stattfinden.

Mit dem Record Store Day soll eine neue Rubrik bei Time For Metal starten. Hier findet ihr den dazugehörigen Link.

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