Manticora – To Live To Kill To Live

Brillantes progressives Konzeptalbum

Artist: Manticora

Herkunft: Kopenhagen, Dänemark

Album: To Live To Kill To Live

Spiellänge: 63:15 Minuten

Genre: Progressive Metal, Power Metal

Release: 28.08.2020

Label: ViciSolum Records

Links: https://de-de.facebook.com/ManticoraBand/
http://www.manticora.dk/

Bandmitglieder:

Gesang – Lars F. Larsen
Gitarre – Kristian Larsen
Gitarre – Stefan Johansson
Bassgitarre – Kasper Gram
Schlagzeug – Lawrence Dinamarca

Tracklist:

  1. Katana – The Moths And The Dragonflies/Katana – Mud
  2. To Nanjing
  3. The Farmer’s Tale, Pt. 3 – Eaten By The Beasts
  4. Slaughter In The Desert Room
  5. Through The Eyes Of The Killer – Filing Teeth
  6. Katana – Death Of The Meaning Of Life
  7. Tasered/Ice Cage
  8. Goodbye Tina
  9. Tasered/Removal
  10. Stalin Strikes (instrumental)
  11. Ten Thousand Cold Nights
  12. Katana – Beheaded

Manticora kommen aus dem Großraum Kopenhagen und wurden 1997 gegründet. Gründer waren die beiden Brüder Lars Larsen (Gesang) und Kristian Larsen (Gitarre) sowie Mads Volf (Schlagzeug). In den Anfängen war die Band ein Quartett und Bassist Rene vervollständigte die Truppe. Musikalisch war man mit hartem progressivem Power Metal inkl. epischen und thrashigen Elementen unterwegs. Die erste Scheibe namens Roots Of Eternity wurde 1999 auf den Markt geworfen. Der Nachfolger ließ nicht lange auf sich warten und so erblickte Darkness With Tales To Tell zwei Jahre später das Licht der Welt. Am Bass gab es einen Wechsel – Rene ging und Kapser Gram kam, eine weitere Gitarre übernahm Martin Arendal. Das 2002er Werk Hyperion war das erste Konzeptalbum, basierend auf dem Science-Fiction-Roman Hyperion von Dan Simmons inkl. einer Tour durch Europa. Anfang 2004 die nächste Veröffentlichung. 8 Deadly Sins, ein weiteres konzeptionelles Album, wurde in den Jailhouse Studios mit dem Produzenten Tommy Hansen (Helloween, Pretty Maids, etc.) aufgenommen. Im Februar 2005 tourte die Band zusammen mit Angra und Edenbridge durch Europa inkl. Abstecher zum ProgPower Festival in Atlanta, GA. Wenn man sich schon mal in Konzeptalben eingearbeitet hat, dann macht man am besten genauso weiter. Nun aber gleich zweiteilig. The Black Circus – Part 1 (2006) und Part 2 (2007) kamen auf den Markt und die Tour führte die Dänen nun auch in die USA bzw. insgesamt 16 Ländern, u.a. mit Jon Olivas Pain und Circle II Circle. Der siebte Streich hieß 2010 Safe inkl. europäischer Headliner Tour. 2012 stand man erstmalig beim W:O:A auf der Bühne. Es folgten Veränderungen in der Bandbesetzung, Stefan Johansson kam als neuer Gitarrist und Sebastian Andersen übernahm den Bass. 2014 verließ auch der langjährige Drummer Mads Volf Manticora die Band. Während dieser Zeit arbeitete Sänger Lars an einem Roman, welcher am Ende einen Umfang von 334 Seiten hatte. Dieser Roman To Kill To Live To Kill ist eine Gewalt- und Horrorgeschichte, welche im Großraum Kopenhagen spielt. Mit dem Roman erschien im August 2018 das achte Langeisen To Kill To Live To Kill, also mit dem gleichen Namen wie der Roman. 2018 und 2019 führte die Tour zum Release die Herren durch die ganze Welt (Europa, Nordamerika, Japan) und man spielte zum ersten Mal überhaupt in Ländern wie Kanada, Japan oder Mexiko. Seit 2019 ist Kasper Gram als Bassist wieder an Bord und die Drums spielt Lawrence Dinamarca, welcher mittlerweile ebenfalls permanentes Bandmitglied ist. Im August 2020 nun als der zweite Teil zum Roman von Lars und die Fortsetzung des 2018er Release, jedoch mit leicht anderen Namen: To Live To Kill To Live.

Katana – The Moths And The Dragonflies/Katana – Mud wartet zum Einstieg mit knapp 15 Minuten Laufzeit auf. Episch geht’s los, nach zwei Minuten mischen sich Powermetal mit gutturalem Gesang und schnellen thrashigen Elementen. So reichen sich die verschiedenen musikalischen Elemente die Hand und passen wie geformte Bausteine zueinander, welche dem Hörer reichlich Abwechslung bescheren. Ganz großer Sport. To Ninjang klingt, wie es der Titel schon vermuten lässt, es wird mit orientalischen Klängen eröffnet, mischt sich mit anständigen Riffs der Saitenbearbeiter und ist ein wenig das instrumentale Interlude zu The Farmer’s Tale, Pt. 3 – Eaten By The Beasts. Es wird progressiver, aber nicht weniger spannend und abwechslungsreich als beim Opener. Auch hier kann ich nur sagen alle Daumen hoch. Slaughter In The Desert Room ist keineswegs ein schlechter Track, er ist ein gut gespielter progressiver Metaltrack mit hervorragendem Gitarrenspiel, welcher gegen Ende noch mal richtig aufdreht. Zum Feuerwerk der ersten beiden Dinger fällt er jedoch etwas ab, wir reden hier aber über Nuancen. Through The Eyes Of The Killer – Filing Teeth geht ins Midtempo, Lars wird stimmlich dominanter und die Gitarren treten etwas zurück. Katana – Death Of The Meaning Of Life bleibt progressiv, bringt aber den Powermetal Anteil wieder auf die Scheibe, wie beim Opener wird auch wieder geknurrt und die Nummer ballert sich gelungen durch mein Büro. Ein weiterer ganz starker Song! Tasered/Ice Cage bleibt zunächst bei seinem Vorgänger, nimmt aber auch noch mal ruhige, melodische Passagen mit auf und wird mit jeder Minute der Laufzeit progressiver und intensiver. Ein Track, der mit jeder Umdrehung an Spannung zunimmt. Top! Die Verschnaufpause heißt Goodbye Tina, für Manticora 2020 ein fast einfach gestricktes Machwerk – keinesfalls schlecht, aber kein Feuerwerk wie viele andere Nummern. Das Feuerwerk startet aber gleich wieder bei Tasered/Removal, eine Soundwand an Gitarren, knurrender und klarer Gesang, aber auch ausreichend eingängig genug, um den Hörer nicht zu verlieren. Stalin Strikes ist ein instrumentales ruhiges Interlude, welches in ein Stimmeninterlude und Ten Thousand Cold Nights übergeht, bevor der Rausschmeißer Katana – Beheaded den Hörer episch erwartet. Wie bei den Katana Tracks üblich, wird mächtig Tempo aufgenommen. Natürlich wird hier nicht simpel epischer Powermetal heruntergespielt – chorale Elemente läuten den progressiven Teil ein, welcher sich mit den schnellen Powermetal Gitarren verbindet und nochmals ein Feuerwerk an Saitenarbeit abbrennt.

Manticora – To Live To Kill To Live
Fazit
Da kommt ganz große metallische und auch lyrische Kunst aus Dänemark. Einen Roman zu schreiben, dazu zwei Langeisen zu komponieren – da kann ich nur meinen höchsten Respekt zollen. Es gibt keinen Song, der nach unten durchfällt, weit mehr als die Hälfte der Spielzeit sitze ich mit großem Staunen vor meiner Anlage. Viel besser geht ein hartes progressives Metalmachwerk nicht. Es sind zwei Tracks dabei, die nicht unbedingt die Kracher sind, aber das Konzept an sich ist für mich ein Kracher. Geniale Scheibe und eine klare Empfehlung für Menschen, die harte, anspruchsvolle, progressive Musik mögen.

Anspieltipps: Katana – The Moths And The Dragonflies/Katana – Mud und The Farmer's Tale, Pt. 3 – Eaten By The Beasts, die beiden Tracks laufen knapp 20 Minuten
Jürgen F.
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