Zu Gast im Probenraum der Coffin Crew

Ein Interview mit freundschaftlichem Flair und feucht-fröhlichem Verlauf

Artist: Coffin Crew

Herkunft: Lunden, Deutschland

Genre: Hardrock, Thrash Metal

Link: http://www.facebook.com/CoffinCrewBand

Bandmitglieder:

Gesang – Igel
Gitarre – Achim
Gitarre – Chris
Bassgitarre – Manni
Schlagzeug – Torsten

Meilensteine:

2012 gegründet
2014 – Shelter Therapy
2015 – Undead Army
2018 – Open your Gates

Coffin Crew haben es nicht leicht auf dem Fuck Cancer Festival zu Beginn des Jahres. Als erster musikalischer Act starten sie ihren Gig planmäßig bereits kurz nach 15 Uhr. Die Erwartung, zu diesem Zeitpunkt vor einem großen Publikum zu spielen, ist somit eher gering. Dies bestätigt sich anfangs auch. Geradezu schüchtern beäugt ein überschaubares Publikum aus den hinteren Reihen des Zuschauerraums das Geschehen. Doch Coffin Crew grooven sich richtig gut ein und können das Publikum für sich gewinnen. Nach ein paar Songs füllen sich auch die Reihen vor der Bühne und die Crowd beginnt die eingängigen Refrains mitzusingen. Für mich ist es auch die erste Begegnung mit Coffin Crew und ich bin sofort begeistert. Was für ein geiler Sound, dazu noch die optischen Gemeinsamkeiten von Bassist Manni zu Lemmy Kilmister. Nach ihrem Auftritt bekomme ich Backstage die Möglichkeit, ein kurzes Gespräch mit Coffin Crew zu führen. Schnell wird klar, die Jungs leben den Rock ’n‘ Roll way of Life. Das Gespräch ist anregend, aber uns fehlt die Zeit, schließlich geht das Fuck Cancer Festival weiter. Achim lädt mich kurzerhand nach Lunden ein. Doch durch den, kurz nach dem Fuck Cancer Festival angeordneten, Corona bedingten Lockdown, ist ein kurzfristiger Termin nicht mehr zustande gekommen. Jetzt ist es endlich so weit, die Reise nach Lunden in den Probenraum der Coffin Crew steht an. Selbstverständlich habe ich ein paar Interviewfragen vorbereitet. Als ich zum verabredeten Zeitpunkt eintreffe, ist erst mal niemand zu sehen. Während ich mich sortiere und die Kamera aus dem Auto wühle, taucht aber schon Achim hinter mir auf. Im Probenraum erwartet mich bereits die Crew. Nach der Begrüßung und etwas auflockerndem Small Talk starten wir mit ein paar Fotos, bevor die Jungs meine Fragen beantworten.

Time For Metal / Lars T.
Als wir uns kennengelernt haben, habt ihr euch als fünf Freunde aus Lunden vorgestellt. Ihr habt alle bereits in anderen Bands gespielt, bevor ihr in Coffin Crew zueinandergefunden habt. Wie ist es dazu gekommen?

Coffin Crew / Manni
Nachdem Painmachine, wo ein Großteil der heutigen Besetzung bereits zusammengespielt hat, auseinanderging, haben Igel und ich Coffin Crew gegründet. Achim ist kurz danach eingestiegen. Wenig später suchten wir einen neuen Schlagzeuger, es sollte jemand sein, den wir kennen. Ich habe Torsten angesprochen, der hat vier Sekunden überlegt und dann zugesagt. Später wurde ein weiterer Gitarrist gesucht. Es haben sich drei Bewerber vorgestellt. Bei dem Vorspielen von Chris hat es gleich gepasst, es war Liebe auf den ersten Riff. Bei der Wahl der Bandmitglieder achten wir auf das Musikalische – worauf wir auch sehr viel Wert legen, ist das Menschliche. Das ist nicht nur eine Band, wir sind Freunde. Wir legen ganz viel Wert auf unsere Freundschaft. Es sind fünf Freunde, die auch privat zusammenkommen, die zusammen feiern und wo auch die Frauen mit dabei sind.

Time For Metal / Lars T.
Wörtlich übersetzt nennt ihr euch Sarg Besatzung. Wie entstand euer Bandname, steckt eine Geschichte dahinter?

Coffin Crew / Manni
Das Wort Coffin habe ich mal irgendwo gehört und seitdem ging es mir nicht mehr aus dem Kopf. Wir saßen zusammen und dann war die Überlegung, was passt zu Coffin. Uns fiel das Stück Wrecking Crew von Overkill ein. In der Kombination entstand daraus Coffin Crew. Das kann man behalten, das hört sich geil an, es ist ein Name, der hängen bleibt. Das war eben CC, das passt.

Coffin Crew / Achim
Und wie gesagt, wir hatten auch 3,8 im Kessel…

Coffin Crew / Igel
Wir haben auch keinen Namen mit Intellekt gesucht. Der Name stand schon vor der Band. Wir hätten vorher auch keine Band gemacht, Manni ist da sehr eitel, vorher gibt es keine Band, bevor kein Name steht.

Coffin Crew / Manni
Der Name ist cool, damit kannst du was machen, damit kannst du dir ein geiles Logo ausdenken. Unser Logo haben wir ja auch noch mal verbessert. Meine Tochter Melina hat es noch mal neu gezeichnet und ein Kumpel hat es anschließend digitalisiert.

Time For Metal / Lars T.
Euer Frontmann hört aus den Namen Igel, wie kam er zu seinem Spitznamen?

Coffin Crew / Igel
Das kommt aus der Schulzeit. Damals hatte ich einen Vokuhila, der Spitzname Igel leitet sich also von der Frisur ab, die ich damals hatte.

Time For Metal / Lars T.
In unseren Gesprächen vor diesem Interview hat Achim erzählt, dass in diesem Jahr euer neues Album veröffentlicht werden sollte. Die aktuelle Situation führte aber zwangsläufig zu einer Verschiebung dieses Projektes. Wie ist der Stand der Dinge und gibt es schon einen neuen Zieltermin für das Release?

Coffin Crew / Manni
Der Plan steht für nächstes Jahr. Bisher gibt es schon sechs Songs, die auf das neue Album rauf sollen. Ziel sind zehn bis zwölf Songs für die neue CD. Wir versuchen aber, mehr zu schreiben, sodass wir uns die besten daraus auswählen können. Wir wollen ein Album haben, bei dem wir alle sagen, dass wir zufrieden sind. Die aktuelle CD ist zwar auch gut, aber wir können das besser. Die Zeit, in der wir jetzt nicht auftreten können, nutzen wir, um an dem Album zu arbeiten.

Time For Metal / Lars T.
Wie entstehen bei euch neue Songs?

Coffin Crew/ Achim
Wir treffen uns hier meistens und dann fangen wir an. Einer hat eine Idee im Ohr und spielt diese vor, daraus entwickelt es sich dann. Jeder bringt sich in die Songs ein. Die Lyrics kommen dann zum Schluss. Dazu setzt sich Igel mit seinem Büchlein hin und fängt an zu schreiben. Der Rest der Band hält sich aus den Lyrics raus.

Time For Metal / Lars T.
Das letzte Album Open Your Gates entstand in Eigenregie. War das bewusst so angelegt und wie ist der Plan für das kommende Werk?

Coffin Crew / Manni
Wir sind da im Moment am Hadern mit uns selber, wie wir das am besten gestalten. Mitch, selber Keyboarder bei Die Bilderwelten, ist als Mixer und Produzent bereits beim letzten Album dabei gewesen. Er wird bei uns im Probenraum die Aufnahme gestalten. Wir sind auch in Verhandlungen mit einem Plattenlabel, je nachdem, wie es läuft, könnte die Veröffentlichung dann auch darüber laufen, aber das steht noch in den Sternen. Wichtig ist uns, dass sich ins Songwriting nicht eingemischt wird. Sollte es diesbezüglich keine Einigung geben, dann werden wir auch das kommende Album wieder komplett in Eigenregie machen. Die neue CD soll fetter klingen, mehr Dampf haben.

Time For Metal / Lars T.
Zu den Plattenverträgen, Konzertgagen und Merchandise Verkäufen, kommen auch noch fette Einnahmen durch die diversen Streamingplattformen. Rockstars sind also alle Millionäre, nicht war? Nun, diese Frage kann ich mir selber beantworten, aber wie finanziert sich eine kleine Band wie eure und wie können Fans euch am besten supporten, insbesondere, wenn mal keine Gigs stattfinden (dürfen)?

Coffin Crew / Manni
Wir finanzieren alles aus eigener Tasche. Die Einnahmen aus unseren Gigs gehen alle in den Probenraum und in die Aufnahmen. Als Band wird man nicht reich. (“Davon kann man nicht mal Saufen”, merkt Igel an.) Wir freuen uns, wenn Fans ein Shirt von uns kaufen und uns bei den Konzerten supporten. Uns ist auch der Austausch mit den Fans wichtig.

Time For Metal / Lars T.
Am 18.09.20 ist der 50. Todestag von Jimmy Hendrix. Spielt dieses oder andere Rock-historische Jubiläen für euch eine Rolle?

Coffin Crew / Manni
Klar haben Leute wie Jimmy Hendrix oder Chuck Berry als Wegbereiter den Metal geprägt, aber auf uns hat das musikalisch keinen Einfluss und wir feiern solche Termine nicht.

Time For Metal / Lars T.
Zu eurem Song Too Drunk habt ihr ein Musikvideo gedreht. Sieht man euch dort in euren tatsächlichen Jobs? Wie ist es zu dem Video gekommen?

Coffin Crew / Torsten
Nee, man sieht uns da nicht in unseren echten Jobs. Die Idee kam von Manni, dass wir nicht so ein Video machen, wie viele andere. Es sollte eine lustige Geschichte werden, eine Anekdote. Entstanden ist das Video durch einen Bekannten, der Hochzeitsvideos dreht. Dem haben wir unsere Ideen erzählt und dann hat er versucht, das umzusetzen, soweit es möglich ist. Das hat lange gedauert, die ganzen Einstellungen so zu drehen. Für die letzte Szene spendierte die Dithmarscher Brauerei 100 Liter Bier.

Time For Metal / Lars T.
Mit Slow Riders huldigt ihr einem Motorradklub aus Lunden. Seid ihr selber Biker oder wie ist die Freundschaft zu den Slow Riders entstanden?

Coffin Crew / Manni
Wir haben unseren Probenraum hier im Clubhaus der Slow Riders. Früher war das eine Schenke und der Teil, in dem wir unseren Probenraum eingerichtet haben, war ein Schießstand. Eine Szene zu unserem Video zu Too Drunk haben wir auch bei den Slow Riders im Saal gedreht.

Time For Metal / Lars T.
Wie haben sich die Einschränkungen der Corona-Pandemie auf euch ausgewirkt?

Coffin Crew / Torsten
Direkt nach dem Fuck Cancer Festival kam der Shutdown. Drei Monate haben wir nicht mehr geprobt. Manni hat immer wieder beim Gesundheitsamt angerufen, bis dann irgendwann die ersten Lockerungen kamen, und wieder geprobt werden durfte. Das war eine ganz schlimme Zeit, in der wir unsere Freunde nicht treffen durften. Fünf bereits gebuchte Gigs konnten nicht gespielt werden. Diese hätten die Aufnahmen für das neue Album finanzieren können.

Coffin Crew / Manni:
Das Schönste war es für uns, als es dann hieß, dass wir offiziell wieder proben dürfen. Wir sind hier reingekommen, haben uns erst mal einen gegönnt, dann haben wir geprobt und wir haben uns nachher in den Armen gelegen und waren rotzbesoffen, wie wir hier rausgegangen sind.

Fast eine Stunde plaudern wir über die diversen Themen rund um Coffin Crew. Danach wird es gesellig. Neben der obligatorischen Hintergrundbeschallung spielt Igel schon mal ein paar Stück von dem Material für die neue Scheibe vor. Bis zu der ist es zwar noch eine Weile hin, aber die Hörproben machen in jedem Fall Lust auf mehr. Nur so viel schon mal vorab, es wird eine Spur thrashiger werden. Einige Bier und Mischgetränke später zeigt mir Manni noch seine heilige Halle. Der Raum ist wirklich beeindruckend. Neben den schier endlos erscheinenden Regalen, mit weit über 2000 Rock und Metal CDs, finden sich diverse Fanartikel von Motörhead. Es ist ja unübersehbar, dass Manni ein Fan von Lemmy ist, und das zeigt sich auch in seinem Rockparadies. An der Bar seines eigenen kleinen Metal Reiches lassen wir den Abend bei guter Metalmusik mit einem letzten Absacker ausklingen.

Vielen Dank an Manni, Igel, Achim, Torsten und Chris für den unvergesslichen Abend und die vielen Eindrücke aus dem Bandleben, die wir erfahren durften.

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