Metal Around The World – Mexiko

Prä-hispanische Mythen und Sagen in metallischem Gewand

Neuer Monat – neuer Halt auf unserer Time For Metal Musikreise. Diesmal zieht es uns westlich in den Süden. Durch tiefe Regenwälder kämpfen wir unseren Weg mit metallischen Macheten frei. Um uns herum ertönen die verschiedensten Tierstimmen und die Luftfeuchtigkeit lässt uns schwitzen wie nach einer intensiven Trainingsrunde im Circle Pit. Wie bestellt, schafft uns einer der zahlreichen Traumsandstrände an der Küste Abkühlung. Ob kleine, eher versteckt liegende Buchten oder weite lange Strandabschnitte, das Land hat beides zu bieten. Wir kämpfen uns zurück und fühlen uns wie in einem Indiana Jones Film, als plötzlich, wie aus dem Nichts, vor uns eine antike Ruine auftaucht. Die große Pyramide, ein Ballsportplatz und viele andere Gebäude lassen keinen Zweifel mehr. Wir befinden uns heute in Mexiko. Dort, wo einst Hochkulturen wie die Maya und Inka lebten, faszinieren ihre Hinterlassenschaften und Ruinen viele Menschen aus aller Welt. Die ehemalige Zeremonienstätte Chichén Itzá gehört seit 2007 zu den neuen sieben Weltwundern. Beim Anblick dieser Anlage ist das auch nachvollziehbar. Ein besonderes Ereignis zeigt sich zweimal im Jahr zur Tagundnachtgleiche: Durch die einfallende Sonne zeigt sich das Bild einer Schlange, die über die Treppen der Kukulkán-Pyramide hinauf- und hinabgleitet.

Die Mexikaner sind stolz auf Ihre Vorfahren. Zahlreiche Mythen und Sagen, aber auch Traditionen, die auf die der Vorfahren beruhen, sind noch heute präsent. Zudem sind das Land und dessen Bewohner bekannt für ihre ausgiebige Feierlaune. Feste und Feiertage gibt es in Mexiko ca. 5000 Stück. Manche sind mittlerweile auch bei uns bekannt. So ist auch in unseren Kreisen nicht nur der Karneval eine große Nummer.

Dass die Nachfahren der Maya, Azteken und Inka auch mit dem Thema Tod keine Berührungsängste haben, zeigt sich am wichtigsten Fest des Jahres. Der Día de los Muertos am 1. und 2. November zählt zu den bedeutendsten Festen Mexikos. Anders als bei uns ist dies aber kein Trauertag, sondern eines der farbenprächtigsten und rauschendsten Volksfeste des Landes. In Mexiko ist der Tod kein Tabuthema. Er gehört zum Leben dazu und ist ein gern gesehener Gast.
Bereits Wochen vorher werden Waren als Totenköpfe, Knochen oder Skelette angeboten. In der Nacht zum 2. November werden die Verstorbenen ausgiebig auf der Erde in Empfang genommen. Auf Friedhöfen wird gegessen, ausgelassen gesungen und getanzt.
Das Fest gehört seit 2008 zum geistigen und immateriellen Kulturerbe der Menschheit und ist auch ein Touristenmagnet geworden. Das Make-up der La Catrina, die eine der Hauptfiguren im Día de los Muertos ist, ist auch in unserer Halloween- und Karnevalskultur angekommen.

Inmitten dieser traditionsreichen Kultur entstand 2008 eine Band, die sich genau diesen Traditionen ihrer Vorfahren verschrieben hat. Cemican – in der Muttersprache Nahuatl heißt das so viel wie „Die Dualität von Leben und Tod“ – arbeiten mit Mythen von großen Kriegern, Göttern und Göttinnen aus mexikanischer, mayanischer und anderen Herkünften. Dabei ist es den Musikern nicht nur wichtig, den eigenen Volksleuten diese Mystik näherzubringen. Es ist auch Ziel, dem Rest der Welt zu zeigen, wie das Leben vor den spanischen Eroberern hier so war.

Dabei spielt der Einsatz von traditionellen Instrumenten eine große Rolle. Verschiedene Flöten, Schlaginstrumente, Pfeifen und Rasseln kommen bei den Folk Metallern zum Einsatz. Meist sind diese Repliken von antiken Originalen und können schon einmal aus Schlamm, Holz oder Leder gemacht sein. Manchmal bedienen sich Cemican auch außerhalb der Grenzen an den Instrumenten aus Bolivien oder Peru. Die Instrumente in die Metalklänge zu integrieren, ist aber nicht immer einfach, wie uns die Band erklärt.

Der prähispanischen Kultur haben sich einige Metalbands in Mexiko verschrieben. Dabei versucht natürlich jede Band, ein Alleinstellungsmerkmal zu etablieren. Cemican haben dies bisher am besten hinbekommen und so spielten sie auch schon zum 30. Jubiläum auf dem Wacken Open Air 2019. Das dritte Studioalbum In Ohtli Teoyohtica In Miquiztli wurde 2019 veröffentlicht. Dass die Metalszene in Mexiko an sich nicht von schlechten Eltern ist, ist sicher bekannt. Große Festivals und Touren diverser bekannter Bands stehen hier normalerweise auf dem Plan. Hier zeigen sich die Mexikaner auch von ihrer ausgelassenen und freudigen Stimmung und machen damit das Konzert oder Festival auch auf der Bühne zu einem einzigartigen Liveerlebnis.

Nach diesem farbenfrohen und traditionsreichen Input machen wir uns ganz landestypisch singend und tanzend auf den Heimweg. Den letzten Taco und Burrito tunken wir noch einmal in die Guacamole und zum Abschied genehmigen wir uns noch einen Tequila. Schön war’s! Adiós Mexico!

Podcast
Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast
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