Paganfest 2013 am 10.03.2013 in der Hamburger Markthalle

”Ein barbarisches lautes, heidnisches Winter-Inferno 2013!”

Band: Alestorm und Arkona

Vorbands: Varg, Kalmah, Thyrfing, Ex Deo, Wolfchant & Bornholm

Location: Markthalle Hamburg

Homepage: http://www.markthalle-hamburg.de/

Datum: 10.03.2013

Einlass: 15:00 Uhr / Konzertbeginn: 15:15 Uhr

Kosten: VVK: 33,45 €; AK: 36 €

Besucher: ca. 700

Veranstalter: Rock The Nation (http://www.rtn-touring.com/)

Die Paganfest-Tour gehört bei vielen Heiden seit Jahren als fester Termin in den nordischen Metalkalender. Daher ist es kaum verwunderlich, dass die Tour bereits vor Beginn auf großes Interesse stößt, da die schottischen Piraten den Headliner Slot erobert haben, die russischen Arkona davor zum Tanz bitten und in fünf Städten die Extended Edition mit den beiden zusätzlichen Bands Varg und Kalmah auftrumpft. Über eine dieser Shows, die zugleich den Tourabschluss in Hamburg bildet, berichten wir heute.

Nach dem pünktlichen Einlass um 15 Uhr in der wieder verschneiten Hansestadt in Hamburg dürfen sich als erstes die Ungarn Bornholm beweisen, die bereits kurz nach Öffnung der Pforten die Bühne betreten. Für den Opener hat sich bereits eine gute Scharr an Metalheads im Konzertsaal der Markthalle eingefunden, um die variablen Gesangsfarben von Frontmann Sregh zu begutachten. Leider fallen diese viel zu leise aus, das Schlagzeug hingegen schraubt sich in den Vordergrund und ballert fröhlich alles weg, was sich ihm in den Weg stellt. Auch der mäßige Sound und die Tteilweise monotonen Melodienbögen bringen das Partyvolk nicht zum verzweifeln, vielmehr wird gut gelaunt gefeiert und der Truppe ein gebührender Tourabschluss beschert!

Im Anschluss stehen die Bayern von Wolfchant bereit, die erst vor ein paar Tagen das fünfte Album Embraced by Fire in zehn Jahren Bandgeschichte veröffentlichten, und auch heute unter anderem den Song Element für das hungrige norddeutsche Publikum dabei haben. Auch der vorangegangene Longplayer Call Of The Black Winds kommt nicht zu kurz, genauso wie alte Klassiker, die bei der Band einfach nicht fehlen dürfen. Die Kursänderung mit doppeltem Gesang hat Wolfchant sichtbar gut getan. Professioneller und musikalisch gereift beweisen die beiden Sänger und ihr Gefolge zur frühen Stunde genug Feingefühl, um Haare zum Wehen, Fauste zum Schwingen und gute Stimmung zu bringen. Neben dem gewohnt englisch- und deutschsprachigen Stücken zieht A Pagan Storm das Los, die Tour für die Bayern zu beenden und die finale Schlacht zu ihren Gunsten zu entscheiden.

Alle, bei denen das Death Metal-Herz am schnellsten schlägt, bekommen mit Ex Deo und Frontman Maurizio Iacono, der gewöhnlich bei Kataklysm auf Raubzug geht, die gewünschte Prise Epic Death Metal auf die Lauscher gedrückt. Wie in eine unerbittliche Schlacht und durch die heranstürmenden Angreifer führt Maurizio, als einer der besten Death Metal-Sänger, die unverwundbare Metal-Fraktion. The Final War nutzt er, um seinen Großeltern den brachialen Song, der wie alle andere Stücke durch fette Bassschläge und einen grandiosen Sound besticht, zu widmen. Grade einmal zwei Alben mit dem Projekt veröffentlicht, legen Ex Deo eine gnadenlos professionelle Performance an den Tag, die trotz der abgeklärten Art und Weise Spaß macht und Platz für Highlights – wie Romulus – bereithält, die stets durch ordentlich Hall im Gesang in den Kampf ziehen.

Mittendrin statt nur dabei sind die Schweden Thyrfing, die seit Jahren konstant zwischen dem Support und Headliner agieren, um im Vorprogramm kräftig einzuheizen. 1995 als Viking Metal-Kapelle gegründet, hat die Band aus Tyresö sieben Studioalben veröffentlicht und präsentiert auf der Paganfest Tour 2013 ihr neustes Werk De Ödeslösa. Mit einer Mixtur aus Death und Black Metal versüßen die Skandinavier den frühen Abend und bilden die Halbzeit des Konzertmarathons. Was schon den ganzen Tag auffällt, wird auch bei Thyrfing deutlich: Das Schlagzeug steht im Soundgebilde im Vordergrund und führt teilweise zu heftige Doublebass, denen die Melodien zum Opfer fallen. Gesanglich kann Jens Rydén seine Fans mitreißen, alle anderen gönnen sich ein kühles Bier, einen kleinen Snack oder machen es sich im gemütlichen Indoor-Raucherbereich gemütlich. Ein grundsolider Auftritt, dem nur wenig am individuellen Feuer fehlt.

Kalmah, die finnische Melodic Death Metal-Band springt als erster Spezial-Gast auf die Bretter der Markthalle. Die Nordeuropäer sind technisch hochversiert und ein seltener Augenschmaus zugleich. Nur selten begeben sich die Nordmänner aus ihrer Heimat auf Tour oder zocken im Sommer die Open Airs. Eine gelungene Bestätigung für die Extended Shows, die in Hamburg wohlwollend angenommen wird. Begonnen wird die Show mit The Hook Monster, einem neuen Track, bei dem man beim besten Willen bei der Ansage den Titel nicht heraushören kann, der sich aber als mitreißendes Melodienschlachtschiff entpuppt. Je weiter die Setlist abgearbeitet wird, umso sicherer werden Pekka Kokko, der neben seinem gesanglichen Können auch an der Gitarre glänzt und dessen Ansagen langsam verständlicher werden, und seine Männer. Glänzende Augen hinterlassen die am Ende angespielten Songs Heroes To Us und Hades bevor die Band für Arkona die Bühne räumt.

Wie viele andere habe auch ich gedacht, dass Varg spätestens jetzt auf Beutezug gehen, so ist es aber nicht – der eigentliche Tour Co-Headleiner und zugleich russischer Metal Exportschlager um Mascha bereitet seinen letzten Paganfest-Auftritt vor. Russische Volksmusik erklingt in den Katakomben, auf der Bühne springt die Frontfrau wie besessen im Takt umher und lässt sich von Dudelsack und Flöte benebeln. Die Euphorie bei den Besuchern steigt und man spürt, wie sich diese auf osteuropäische Liederkunst einlassen, die mit Goi Rode Goi ausschließlich auf das gerade erst herausgebrachte Livealbum Decade of Glory zurückgreift. Keine schlechte Wahl, wenn man das bunte Treiben und die ausgelassene Stimmung beobachtet.

Ständig in Bewegung ist das Wolfsrudel von Varg. Wenn sie nicht gerade irgendwo live auftreten wird geprobt, ein neues Album aufgenommen oder sich hingebungsvoll in einem Interview an die Fans gewandt. Kein Wunder, dass die Band sich immer weiter ins Rampenlicht spielen kann. Nach dem kurzen Intro erklingt Wir Sind Die Wölfe und bläst die letzten Gedanken weg, wie Varg sich die Spielposition nach Arkona ergaunern konnten. Die Stimmung in der Markthalle unterstreicht jedenfalls die Entscheidung. Bereits den ganzen Abend ist es mächtig laut vor der Bühne, doch bei den Deutschen übertrifft es alle Ausmaße. Der Bass drückt nicht nur in den Magen, sondern lässt die Haut wie bei einer monströsen Schlacht erzittern. Am Mischpullt kann man klar erkennen, dass sich die Laustärke ganz deutlich im grünen Bereich befindet – also entweder Täuschung der Sinnesorgane nach dem langen Tag oder die Technik versagt bei Varg, die mit gefühlten 1 Million Dezibel die Markthalle Frei Wie Der Wind verwüsten und damit eine andere Schwertzeit einläuten.

Lange mussten die Fans, die nur wegen den Schotten Alestorm angereist sind, warten, doch dieses Warten hat sich gelohnt. Die Piraten Metaler haben ihren Bekanntheitsgrad in den letzten Monaten extrem steigern können. Ich muss gestehen, dass vor zwei Jahren niemals daran gedacht habe, dass Alestorm mal Headliner einer Tour dieses Ausmaßes werden könnten. Die Klasse konnten sie von Album zu Album immer steigern und mit einem gewissen Witz und Charme neue Fans gewinnen, die heute Abend die Markthalle in Hamburg zum Kochen bringen. Begonnen wird die finale Show mit Back Through Time und Keelhauled, die als gelungene Opener die Stimmung nach oben katapultieren und dennoch noch Luft nach oben lassen. Gut gelaunt bewegt sich Sänger und Keyboarder Christopher Bowes auf der Bühne und kann mit seiner Euphorie das Publikum und die Bandkollegen anstecken. Bei einer guten schottischen Pirate Metal-Party dürfen Hits wie Over The Seas und Wenches & Mead nicht fehlen. Trotz der Tatsache, dass die meisten Besucher am morgigen Montag arbeiten müssen, wird weiter kräftig gefeiert und ohne Captain Morgan´s Revenge und Rum werden Alestorm nicht von der Bühne gelassen. Dieser Wunsch ist der Band Befehl und macht den Konzertmarathon zu einen unvergesslichen Ergebnis!

Fazit: Mein Fazit fällt durch die Bank weg positiv aus, Totalausfälle sind wie bei allen Rock The Nation-Veranstaltungen sind nicht zu vermelden. Einzig und allein das zu laute Schlagzeug hat an manchen Stellen ein wenig an den Melodienbögen gekratzt. Acht Bands für durchschnittlich 35 € pro Person sind ein Hammerpreis bei genialen Auftritten von Wolfchant, Varg und Alestorm sowie mitreißenden Tanzeinlagen von Arkona, der finnischen Melodic Death Metal-Rarität Kalmah und gelungenen Support Acts, die schon zur frühen Stunde eingeheizt haben.

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