Party.San Open Air 2018 vom 09.08. – 11.08.2018 in Schlotheim

„Party.San Open Air 2018 vom 09.08. – 11.08.2018 in Schlotheim“

Festivalname: Party.San Open Air 2018

Bands: Anaal Nathrakh, Benighted, Brujeria, Carpathian Forest, Coffins, Dead Congregation, Deserted Fear, Dying Fetus, Emperor, Endseeker, Engulfed, Evil Warriors, Exciter, Exhorder, Goath, Gorilla Monsoon, Graveyard, Grim Van Doom, Gruesome, Guineapig, Gutrectomy, Harakiri For The Sky, Hierophant, Masters Hammer, Nail, Obscenity, Our Survival Depends On Us, Pestilence, Pillorian, Possession, RAM, Razorrape, Revenge, Sadistic Intent, Skelethal, Tankard, The Black Dahlia Murder, The Committee, The Spirit, Toxic Holocaust, Tribulation, Ultra Silvam, Unanimated, Unleashed, Venom, Watain, Wolfheart

Ort: Schlotheim, Deutschland

Datum: 09.08.2017 – 11.08.2018

Kosten: 89,10 € VVK

Genre: Thrash Metal, Death Metal, Black Metal, Doom Metal, Extreme Metal

Besucher: ca 9.000

Veranstalter: Party.San GmbH

Link: http://www.party-san.de/news/

Bericht von Rene W. und Henning H., Bilder Rene W. (mit Time For Metal Logo) und Stefan Bollmann

Donnerstag

Die Anreise zum Party.San auf dem Donnerstag Mittag/Nachmittag ist gewohnt entspannt. Die meisten Besucher hängen bereits seit Mittwoch auf dem Gelände in Schlotheim herum und warten nur darauf, dass mit Kanonenschlägen der Stage Bereich eröffnet wird. Um 14.30 Uhr ist es dann so weit: Our Survival Depends On Us eröffnen die Auflage in diesem Jahr. Die Österreicher aus Salzburg zementieren eine Mixtur aus Post Rock, Sluge, Doom, Psychedelic und Black Metal. Unter der Flagge von Vàn Records segeln sie unter steifen Brisen seit 1999 durch den Underground und konnten dort einen angemessenen Status erspielen, den man heute bewundern kann. Our Survival Depends On Us machen Lust auf mehr und machen die Bühne für Gruesome frei.

Gruesome kommen mit dem neuen Output Twisted Prayers aus den USA zu uns nach Schlotheim. Bei Relapse Records schreddern sie ihren tödlichen Death Metal, der in unseren Gefilden wohlwollend angenommen wird. Matt Harvey an der Gitarre und am Mikrofon lässt nichts anbrennen so dringt Dimensions Of Horror/Trapped In Hell aus den Boxen und bringt die Nacken früh zum Knacken.

Never Change A Winning System ist das Motto des Party.San. Nicht nur das Gelände bleibt konstant, sondern das gesamte Umfeld. Die Extreme Metaler aus ganz Europa kommen neben den Bands auch im Gesamtpaket voll auf ihre Kosten. Der Bierpreis bleibt konstant bei drei Euro für 0,4 Liter und auch die anderen Getränke sind im Querschnitt der anderen Veranstaltung als human einzuordnen – dafür wird auch ordentlich umgesetzt, denn trinkfest sind die meisten. Das dürfte auch auf die Schweden Unanimated zutreffen, die bereits um 16.30 Uhr das Zepter in die Hand nehmen. Frontmann Micke Jansson peitscht seine Mannen voran, wie ein tödlicher Sturm fegen sie über das Flugplatzgelände. Das soll bei Dead Congregation blanke Realität werden. Nach etwas mehr als der Hälfte der Spielzeit von den Griechen verdunkelt sich der Himmel und eine Staubwolke kann man in der Ferne erkennen. Wer es wie wir schafft, verpisst sich schnurstracks ins Auto, welches von den harten Salven getroffen gar anfängt zu wackeln. So was haben selbst festivalerprobte Besucher noch nicht oft erlebt. 90% der Pavillons liegen zertrümmert auf dem Grund oder fliegen gerade über die benachbarten Felder. Ganze Zelte fliegen an einem vorbei – da kann man froh sein, wenn das eigene Hab und Gut verschont bleibt. Der Veranstalter reagiert folgerichtig und bricht die Show von Dead Congregation ab, nachdem ganze Händlerstände der Natur Tribut zollen mussten.

Gut 75 Minuten später als geplant steigen Anaal Nathrakh in den Ring. Vom noch aktuellen Langeisen The Whole Of The Law aus dem Jahr 2016 bekommt man Depravity Favours The Bold auf die Ohren gebügelt. Angriffslustig bügelt der Brite V.I.T.R.I.O.L. seine Death Grind Vocals aus der blutenden Kehle. Das neue Werk steht zudem in den Startlöchern und hört auf den Namen A New Kind Of Horror. Deutlich kühler, nicht nur auf der Bühne, kann man es jetzt in Thüringen wunderbar aushalten. Bei kühlem Pils knallen Stücke wie Monstrum In Animo oder Hold Your Children Close And Pray For Oblivion.

Toxic Holocaust haben schon länger nichts Neues am Start, übersieht man mal die letzten beiden Singleausgaben. So dringen die Stücke War Is Hell und Wild Dogs schnell in die Ohren. Der Bastard aus Thrash Metal und weiteren Extreme Metal Einflüssen ist immer gern gesehen. Auf soliden Thrash Füßen stimmt das Handwerk des amerikanischen Riff Bombers. Gerne auch mal etwas punkig fliegen nicht nur bei Death Brings Death oder Nuke The Cross die Fetzen. Silence ist alles andere als leise – einziges kleines Manko: die oft wiederholenden Elemente. Dadurch werden einzelne Stücke schnell austauschbar, was den Song Bitch nicht weniger interessant macht.

Hinter Revenge von Season Of Mist steckt J. Read, der live beim Dreier am Schlagzeug sitzt. Der Kanadier rührt Black Death an und ist dabei Kult. So weit, so gut, denn der Auftritt bleibt nicht wirklich positiv hängen. Stücke wie Desolation Insignia oder Banner Degradation (Exile Or Death) darf man zwar als nett bezeichnen, jedoch mehr ist da nicht drin. Über die Platzierung in der Running Order kann man streiten, das ist für meine Person nörgeln auf hohem Niveau, jedoch das, was die Band anbietet, darf ganz klar als schmale Kost bewertet werden. Die Truppe rotzt die Songs wie Traitor Crucifixion gefühllos herunter und eine bahnbrechende Stimmung kommt zu keiner Zeit auf. Die hohen Erwartungen der vielen Besucher wurden daher nicht oder nur bedingt erfüllt.

Emperor zocken zur ursprünglichen Zeit und somit rutschen Masters Hammer hinter die Norweger. Im Vergleich des laufenden Tages legen die Skandinavier deutliche Maßstäbe. Im blauen Licht der Scheinwerfer präsentieren sie Stücke wie Thus Spake The Nightspirit oder With Strength I Burn. Ein starker Auftritt – einem Headliner dieses Formates natürlich mehr als würdig, man könnte gar sagen elektrisiert. The Wanderer und I Am The Black Wizards eben keifende Growls, dafür stehen der Unscheinbare Vegard „Ihsahn“ Tveitan und Emperor aus dem frostigen Norwegen, die zum Ende Opus A Satana abbrennen.

Master`s Hammer also einen Slot nach hinten gerutscht, dürfen zur deutlich späteren Stunde spielen, denn es ist nun bereits deutlich nach Mitternacht. Das scheint den Tschechen um den kauzigen Mastermind Franta Štorm völlig egal zu sein. Das neues Album Fascinator griffbereit, leben die Künstler wie Revenge vom Kultstatus, machen ihre Hausaufgaben jedoch deutlich besser als die Nordamerikaner. Charismatisch, energiegeladen und wahnsinnig kommen die Kompositionen in Landessprache beim Party.San Publikum gut an. Ein erster langer Tag endet um 01.45 Uhr somit erfolgreich und macht Lust auf zwei weitere energiezehrende Tage mit viel Bier und lautem Extreme Metal.

Freitag

Alle schon wach? Na klar, denn es gibt Goregrind, wie jedes Jahr am Freitagmorgen zum Frühstück. Dieses Jahr aus Südeuropa, besser gesagt aus Italien, mit den wilden Guineapig. Sonne, leichter Wind und das erste Mal bunt gekleidete Metalheads, die einen Circle Pit bilden und komische Karnevalsverkleidungen abfeiern. Das soll nicht negativ klingen – schließlich darf diese Sause bereits als Tradition gewertet werden. Auf der gut gefüllten Landebahn werden Klobürsten, Lauchstangen und Gummitiere in die Luft gereckt.

Brachialen Black Metal kann man den Belgiern The Committee ohne zu zögern zuordnen. Aus einer hölzernen Kanzel predigt Igor Mortis (The Conspirator) die Tracks Man Of Steel, Weapons Of Chronology (History) oder Not Our Revolution. Nicht nur das letzte Album Memorandum Occultus hat über Folter Records wie eine Bombe eingeschlagen, sondern auch das ältere Material steht für eine lebensverachtende Qualität der Henker aus Brüssel. Alle Musiker sind in schwarze Kapuzen verhüllt und somit die Gesichter nicht erkennbar. Bei dem Wetter ganz klar eine schwitzige Angelegenheit, auch wenn es deutlich abgekühlt ist. Gerne mal mit melodischen Passagen lassen sie Tiefen zu. Bedeckt und deutlich trüber spielt ihnen das Wetter zusätzlich in die stampfenden eindringen Riffs. Gesanglich und technisch überzeugend kein Wunder, dass die vier Männer immer mehr Zuspruch in ganz Europa bekommen.

Über manche Albumtitel muss man tatsächlich schmunzeln – so Dogs Always Bite Harder Than Their Master von Benighted. Die Franzosen stehen für unüberwindbaren Deathgrind, der durch Julien Truchan noch gewaltiger herüberkommt. Let The Blood Spill Between My Broken Teeth, Collapse oder Slut knistern, polarisieren und werden hart abgefeiert. Schnörkellos auf den Punkt, genau ohne Firlefanz, gibt es permanent einen in die Fresse. Wie The Committee auch eine Band für einen späteren Slot!

Pillorian mit John Haughm von Agalloch ziehen in diesem Sommer von einem Festival zum nächsten. Die Liste ist lang und nicht unspektakulär. Das kann man über die Gruppe aus Portland nicht unbedingt behaupten – gut auch mal hörenswert, wird es auf die Dauer doch für mich eine Spur zu platt. Bei dem Trio steht alles im Zeichen des einzigen Albums Obsidian Arc, welches letztes Jahr über Eisenwald Tonschmiede erschienen ist. Die Stimmung könnte schlechter sein, daher haben alle Beteiligten alles richtig gemacht. Auf Pillorian muss man den Geist einlassen, da reichen ein paar Minuten bei Tageslicht sicherlich nicht.

Auf die Plätze, fertig, los. Coffins, die asiatischen Asphyx aus Japan, drehen die Regler nach rechts. Der Sänger Jun Tokita kommt nicht nur in die Regionen von Van Drunen, sondern trägt auch gleich das Shirt der niederländischen Schwergewichte am Leib. Death fucking Metal schallt es über den Hof. Die Jungs sind und bleiben Kult, machen gerne kleine Releases oder Splits. Auf ein neues Album wartet man seit 2013 vergebens, dürfte aber auch bald mal anlaufen. Groovend, mit der zermürbenden Doom Power im Blut ein erster Höhepunkt des Tages. Auch technische Probleme an der Gitarre bringen sie nicht aus dem Konzept und absolut blutig wird weiter dem Tod gehuldigt.

RAM sorgen für das Kontrastprogramm. Der Song Gulag steht für den Frieden. Der Heavy Metal von Oscar Carlquist bleibt im Schweden. Selbst bei harten Jungs bewirken die Schweden ein Gänsehautfeeling. Dick aufgetragen setzen sie nicht nur ihr Label Metal Blade Records in Flammen, sondern können den Asphalt in Schlotheim zum Glühen bringen. Geballte Fäuste fliegen durch die Nachmittagssommersonne und verwandeln das Party.San zu einer ausgelassenen Partyhochburg. Neuere Stücke wie Wings Of No Return zeigen den langen Atem – während die Formation alles gibt, verausgabt sich Oscar Carlquist ebenfalls emotional gestikulierend bis zur letzten Sekunde.

The Black Dahlia Murder wurden im Vorfeld von vielen eher skeptisch beäugt. Oh ja, moderner als die meisten anderen Kapellen, schlagen sie nicht in die staubige Schublade. Viel mehr bilden sie die natürlich Brücke zwischen technischem melodischem Death Metal und modernem Metal(Death)core. Old School Kuttenträger müssen zugeben, dass die Amerikaner eine kraftvolle Session hingelegt haben und dabei sogar in Thüringen für ein Inferno sorgen. Ihr geforderter Big Ass Circle Pit dreht voll auf und sorgt vor der Stage für Bewegung. Ein guter Auftritt mit viel Power unterm Arsch, bei dem der quirlige Trevor Strnad alles, aber nicht auf der Stelle stehen bleibt.

Als 2017 Dead Shores Rising über Century Media Records erschien, ging vielen alten Anhängern von Deserted Fear ein Herz auf. Spätestens jetzt haben es die Thüringer geschafft, hat man gedacht, und genauso ist es auch gekommen. Diverse erfolgreiche Shows und Festivals lassen die sympathischen Localheros des Party.San zu einem der spannendsten Death Metal Senkrechtstarter weltweit emporsteigen. Neben der Pyrotechnik, die beim zweiten Song zündet, brennt erst mal ein Flammenwerferkasten ab, danach zündet der Rest unregelmäßig. Da hat leider die Technik versagt. Das interessiert Sänger Manuel Glatter überhaupt nicht – er und seine Kollegen brennen weiter Schlotheim nach allen Regeln der Kunst ab. Die tödlich Salven schallen gen Mischpult und zurück. Auf der Landebahn hält es keinen mehr ruhig. Die Party beginnt und endet erst mit dem letzten Takt. Dazwischen immer wieder Feuerbälle und wüstes Gekeife von Manuel Glatter. Das Abklatschen zu Beginn und zwischen den Tracks immer wieder am Schlagzeug zeigt, was für ein Teamwork Deserted Fear verbindet – wie beflügelt. Bury Your Dead zementiert diesen Eindruck als letzter Output in Stein!

Exhorder gelten als Erfinder des Groove-orientierten Thrash Metal, einem Stil, der in den 1990er Jahren bekannt wurde. Eins der bekanntesten Gesichter ist Gitarrist Vinnie LaBella. Nicht nur optisch ein Hingucker, der Tracks wie Unforgiven noch stärker macht. Die Ansagen von Kyle Thomas leben von der Thematik und servieren ernste Hintergründe. Es werden viele nicht hören wollen: Der Schwachpunkt von Exhorder bleibt eben Kyle, der gesanglich einfach nicht den Unterschied machen kann und in vielen Gesangslagen nur breites Mittelmaß ist. Legions Of Death und (Cadence Of) The Dirge setzten rustikal gar holzige Akzente. Während die Sonne dem Horizont langsam Lebewohl sagt, läuft das Finale mit Desecrator.

Ich mag Johnny Hedlund von Unleashed wegen seiner gradlinigen Haltung. Gut, bei den Schweden dürfte es ab und zu mal etwas unberechenbarer werden, ansonsten blickt man auf diverse Hits, die man nicht nur live bei verfilzten Haaren feiern kann. Dead Forever und Black Horizon brechen flink den Bann. Tomas Måsgard und Fredrik Folkare schreddern wie die Blöden mit ihren Äxten zu The Longships Are Coming oder dem alten Kracher The Dark One. Mit ihrem Wiking Death Metal bilden sie eine immer tödliche Allianz gegen alles, was nicht für den Todesblei steht. Where Is Your God Now nur eins der Fingerzeige. Into The Glory Ride darf da auch nicht fehlen – ein neuer Silberling kommt zudem Ende des Jahres. Death Metal Victory wird für meinen Geschmack zu sehr gestreckt, aber wir wollen mal nicht nörgeln, schließlich wartet noch Before The Creation Of Time!

Brutal, schnell und mit der tödlichen Waffe – dem abartigen Growl – dafür stehen Dying Fetus mit ihrem Namen. Wrong One To Fuck With und ab geht die Post. Im lila Nebel setzen John Gallagher und Sean Beasly zum perfiden Duett an. Trumpf ist Trumpf und dann nicht nur bei Grotesque Impalement und From Womb To Waste. Sehr gut ist der Bereich vor der Stage gefüllt, als die derben Beats und das knackige Druming von Trey Williams über den Hof schallt. Beim letzten Werk Kill Your Mother, Rape Your Dog von Dying Fetus ist auch nach Jahren der Lack noch nicht ab – eine geile Nummer, die nicht fehlen darf!

Venom starten mit Black Metal. Kann man mal machen, den bekanntesten Hit gleich als erstes Verschießen. Die Veteranen legen gekonnt mit Welcome To Hell und Bloodlust nach. Danny „Danté“ Needham fällt für den Part als Drummer wegen gesundheitlicher Probleme aus. Der Aushilfskollege fällt jedoch nicht negativ auf und spielt einen sauberen Stiefel, der an der Prozession Venom nichts ändert. Pyrotechnik vergoldet weiter den Auftritt der Black Metal Legende aus Newcastle. Buried Alive, The Evil One und Countess Bathory bereichern die Show, Gleiches gilt für den Evergreen In League With Satan. Unglaublich aber wahr, die Männer aus UK spielen völlig tiefenentspannt ein längeres Set, als eigentlich geplant. Dafür gibt es noch die frohe Kunde, dass ein neues Album bereits in Planung ist. Das Abschlussfeuerwerk setzt dem gelungenen Auftritt die Krone auf. Venom werden ihrem Status gerecht, was keine grundsätzliche Garantie vor der Show war.

Samstag

Sonst als Gäste auf dem schwarzen Fest, heute als Protagonisten aus dem schönen Malmö angereist. Zur Mittagszeit bei Schnitzel und Bürger gibt es Death Metal / Gore Grind von RazorRape für die Magengrube. Leicht windig und erfrischend bei Sonnenschein hat das Trio um 12 Uhr am letzten Festivaltag bereits gute Laune und fragt des Öfteren, ob bereits einer betrunken sei. Anders herum wäre es wohl besser gewesen – ist überhaupt nach den zwei Tagen jemand wieder nüchtern? Wie dem auch sei, Diarrhea Bucket der Bitch Butcher Boogie oder Slammed And Bodybagged könnten nicht vulgärer sein. Faschingsparty 2.0 ebenfalls gut überstanden lässt die müden Gliedmaßen am letzten Tag über sich hinaus wachsen.

Gerade einmal zwei Jahre ist der letzte Graveyard Auftritt in Schlotheim her. Damals zockten sie noch im Zelt, jetzt stehen sie auf der großen Bühne, um zur Mittagszeit Death Metal aus Spanien an den Mann zu bringen. Beim Bandnamen denken viele an die Rocker, musikalisch haben beide Gruppen jedoch rein gar nichts gemeinsam. The Sea Grave, das letzte Langeisen, wurde schon vor fünf Jahren fertiggestellt. Seitdem passierte im Studio nicht mehr viel. Auf der Bühne gehen Graveyard immer besser ab. Das spürt man heute in Thüringen, wo Julkarn am Mikrofon nicht nur die ersten Reihen zum Kopfnicken bringt, eine deutliche Steigerung zu den letzten Shows!

Tuomas Saukkonen hat progressiven Death Metal in seinen Adern. Nachdem er die Kapitel Black Sun Aeon und Before The Dawn geschlossen hatte, wurde eine neue Etappe seines musikalischen Daseins mit Wolfheart geöffnet. Dass Musiker auf dem Party.San gerne mal nicht wissen, wo sie sind, haben bislang Aborted gezeigt – jetzt greift Tuomas ins Klo. Good morning RockHarz und da war das Kind in den Brunnen gefallen. Ein Schmunzeln bei den Künstlern, das Publikum machen ihre zwei drei Witze und los geht es im Programm. So dringen düstere Riffs von Aeon Of Cold in die Ohren. Viel zu hell für den doomigen Todesblei scheppern Ghosts Of Karelia und Breakwater über den Acker. Die Finnen bleiben eine Macht in ihrer Kunst, die noch viel Luft nach oben haben, trotz des überragenden letzten Albums Tyhjyys alleine durch Mastermind Tuomas Saukkonen.

Wenn wir bei Wolfheart von einem starken letzten Werk sprechen, müssen wir dieses auch bei Harakiri For The Sky tun. Arson vom Januar dieses Jahres zaubert allen Post Black Metal Anhängern ein Lächeln aufs Gesicht. J.J. (Michael V. Wahntraum) und M.S. (Matthias Sollak), die beiden Köpfe der Wiener Combo, stimmen Stücke wie Funeral Dreams und Calling The Rain an. Kalt, durchdringend – dafür stehen die Künstler von Art Of Propaganda, die in allen Belangen überzeugen können.

Aus Norwegen kommt die Black Metal Fregatte Carpathian Forest, die mit Likeim ein Lebenszeichen im April gegeben haben. Laute „Uh“ Rufe von Nattefrost dröhnen über die Landebahn. Die mit Corpepaint und weiteren Accessoires geschmückten Skandinavier setzen auf Konfrontation. Perlen wie Black Shining Leather kommen zum Vorschein, da kann man schon nicht meckern. Rotzig frech und mit angemessen guter Spielfreude macht das Quintett viel Freude, wenn man das bei dem Genre so sagen darf. Vom We’re Going To Hell For This Album glänzt I Am Possessed Song. All My Friends Are Dead von Likeim geht steil wie auf Platte – eine echt brachiale Nummer. Klar vermisst man einzelne Stücke, aber so ist es bei nur 45 Minuten Spielzeit.

Es ist immer gemein aber Exciter bekommen heute die rote Laterne, das haut Heavy Metal Maniac leider auch nicht wieder raus. Dan Beehler macht heute eine überschaubare Leistung, aber alles auf ihn abzuwälzen, wäre nicht fair. Dem Trio fehlt schlicht und ergreifend der berühmt berüchtigte Zugriff. Es ist zwar gut besucht und die Laune wie bei quasi allen Bands blendend, weil das Party.San Publikum weltklasse ist, aber Exciter erwischen nicht ihren besten Tag. Hinter der Schießbude wirbelt Dan Beehler wie ein Verrückter. Thrashig, holzig, überzeugt der gesamte Sound eher mittelmäßig. Die Mühe möchte man Allan James Johnson und John Ricci auf gar keinen Fall absprechen. Dan als einzige Stimmungskanone in Szene zu setzen ist eben wegen der Entfernung nicht immer die beste Option!

Weiter im Programm: Die amerikanischen Death Thrasher von Sadistic Intent, die nicht nur den Coversong Outbreak Of Evil auspacken. Bay Cortez kündigt Nummern wie Numbered With The Dead, Impending Doom oder Ancient Black Earth an. Frisch und deutlich sportlicher unterwegs als ihre Vorgänger, legen die Vier aus Los Angeles zielstrebig vor, denn der Abend ist jetzt noch lang und es warten noch diverse Kracher.

Kult mit diversen neuen Gesichtern, besser kann man Pestilence aus den Niederlanden gar nicht umschreiben. Als einziges Gründungsmitglied bleibt Patrick Mameli mit seiner abgesägten Gitarre und den markanten Growls am Mikrofon. Spheres und Consuming Impulse, die wohl stärksten Outputs der Recken, bei denen (einige dürften es noch wissen) von 1986 bis 1991 tatsächlich Martin Van Drunen aktiv gewesen war. Eine solide Show, die man sacken lassen kann.

Jetzt wird es heiß, nicht nur durch die Feuerbälle, mit denen Tribulation die Stage entern. Die beiden grandiosen Alben Down Below und The Children Of The Night. Immer geil Melancolica – ein absoluter Megahit. Die Schweden aus Arvika, die bei Century Media Records ihre Taler verdienen, gelten als die Senkrechtstarter, wo das Ende noch nicht zu sehen ist. Ihr Bastard aus Death Metal, Black Metal und Rock ist nicht nur ergreifend und hat enorme Emotionen, sondern schafft große Atmosphären, die jedem unter die Haut gehen. The Lament bleibt im Kopf und Johannes Andersson, Jonathan Hultén, Adam Zaars und Jakob Ljungberg zaubern, was das Zeug hält. Für uns die Sensation des Festivals, wenn auch erwartet nach den starken Auftritten der letzten Jahre.

Eine Liveband, wie sie im Buche steht: Brujeria! Hier mal ganz persönlich geschrieben – auf Platte frage ich mich jedes Mal, warum feiern alle, incl. mir, diese Chaoten live immer ab. Das Studioalbum taugt maximal für gut, live immer ein Megaabriss der Mexikaner. Schals vor den Mündern, Fuck Donald Trump auf den Lippen. Spanische Ansagen und Druck und Hass kann man den Songs nicht absprechen. Marijuana, der Klassiker schlechthin, sorgt nicht nur für Dunstschwaden unter den Rauchern. Party, Party, Party lautet die Devise. Live unbezahlbar diese Brujeria auf einer Freiluftveranstaltung.

Die nächste Feier im Anschluss mit den deutschen Thrashern Tankard. El Condor Pasa, One Foot In The Grave, The Morning After und Zombie Attack – noch Fragen? Gerre läuft heiß, unser Kampfmonster möchte alle Register ziehen und noch einen draufsetzten und das machen die Hessen. Rapid Fire (A Tyrant’s Elegy) und R.I.B. (Rest In Beer) – vier bekloppte Frankfurt Fans, wie von der Leine gelassen und mit zu viel Bier im Kopf wollen nur eins: auf die Kacke hauen. Rules For Fools, A Girl Called Cerveza und (Empty) Tankard fertig ist die Sause. Spielen wie die Eintracht im DFB-Pokal vor wenigen Wochen gegen die Bayern, nämlich überragend.

Das Ende naht, Watain setzen den letzten Stich. Wie viele große Extreme Metal Bands bei Century Media Records angekommen, dürfen E, H, P, S und A noch mal aus dem Vollen schöpfen. Feuer frei, denn die Bühne soll lichterloh brennen. Umgedrehte Kreuze, brennende Fackeln, blutrotes Licht der Scheinwerfer und Satan persönlich kommt für einen kurzen Besuch aus der Hölle zu uns empor. Live bärenstark, was die Schweden servieren. Stellarvore und Devil’s Blood dominieren am Anfang und gut 9.000 Fans erheben ehrfürchtig die Pommesgabel. Nuclear Alchemy oder Outlaw fesseln alle Blicke auf die immer noch bzw. schon wieder glühende Stage. On Horns Impaled, Waters Of Ain Motherfucker E ist in Rage und antwortet hasserfüllt in die kühle Sommernacht. Watain setzen als letzte Kapelle noch einen oben drauf und lassen den Wunsch auf 2019 bereits jetzt im Herzen entflammen.

Das Party.San ist in jedem Jahr gelungen – auch in dieser Auflage, bis auf dem Sturm am Donnerstag spielt das Wetter mit. Die Bands haben alle ihre Daseinsberechtigung, ein paar schwächere Auftritte gehören zu jedem Open Air über drei Tage dazu – auf der anderen Seite stehen viele abartig gute Performances. Daumen hoch an die Crew, die immer Herr der Lage ist, egal was passiert, die sozialen Preise in allen Lebenslagen und der pauschal ausgelassen guten Stimmung unter allen Besuchern. Im nächsten Jahr warten bereits Testament, Vomitory, Belphegor, Ascension, Solstice, Craft, Firtan und Gutalax. Bleibt schön fit und bis nächstes Jahr in Schlotheim!

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