Harakiri For The Sky – Arson

“Manchmal fängt es mit dem Namen an“

Artist: Harakiri For The Sky

Herkunft: Wien, Österreich

Album: Arson

Genre: Post-Black Metal, Black Metal

Release: 16.02.2018

Länge: 71:38 Minuten

Label: Art Of Propaganda

Link: https://de-de.facebook.com/HarakiriForTheSky/

Bandmitglieder:

Gesang – J.J. (Michael V. Wahntraum)
Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboard – M.S. (Matthias Sollak)

Tracklist:

1. Fire, Walk With Me
2. The Graves We’ve Dug
3. You Are The Scars
4. Heroin Waltz
5. Tomb Omnia
6. Stillborn
7. Voidgazer
8. Manifesto (Bonustrack)

Manchmal begegnet man gewissen Bands oder auch Künstlern eher aus Zufall. Manchmal klickt man auch einfach nur drauf, weil man den Namen toll findet. Ja, manchmal fängt es mit dem Namen an, nicht mit der Musik. So bei mir der Fall, wenn es um die Band Harakiri For The Sky aus Österreich geht. Und kaum hat man mal angefangen bereut man diese Entscheidung auch nicht – Instinkt ist am Ende eben doch besser als alle Spotify Empfehlungen.

Harakiri For The Sky beginnen das Jahr 2018 goldrichtig, nämlich mit ihrem vierten Album, welches den Namen Arson trägt und am 16. Februar Premiere feiert. Und falls jemand dennoch bisher nicht weiß, um wen es sich handelt: Harakiri For The Sky ist tatsächlich nur ein Zwei-Mann-Projekt, werden doch alle Rollen von J.J., der den Gesang liefert, und M.S. erfüllt – und ja, Matthias/M.S. liefert den ganzen Rest, also alle Instrumente. Ziemliches Multitalent also und dennoch ist dies ein Wissen, welches wohl nur auf dem Papier sonderlich auffällt. Doch taugt auch das musikalische Ergebnis? Eine Tatsache, die man bereits bei näherer Betrachtung des Albums realisiert, ist, dass trotz der eher geringen Anzahl an Songs die Platte eine ganz ordentliche Länge vorzuweisen hat. Dementsprechend sind natürlich auch die einzelnen Werke länger.

Als Opener dient Fire, Walk With Me, der vor allem durch sein Intro bereits in den ersten zehn Sekunden Punkte für sich zu sammeln weiß – auch wenn dieses überraschend kurz ausfällt. Einfach weil man vielleicht bei einer Spiellänge von 9 Minuten erst einmal mit drei Minuten Instrumental rechnet. Doch J.J. lässt nicht so lange auf sich warten und seine Screams wissen dabei, die Instrumente nicht zu überlagern, sondern vielmehr mit diesen sich in einer Einheit zu bewegen. Häufig steht stets ein Element im Vordergrund. Fire, Walk With Me hält diese Waage durchweg im Gleichgewicht, wobei durchaus der instrumentale Anteil überwiegt. Eine solche stolze Länge für einen Song gibt Harakiri For The Sky auch die nötige Zeit, um die gewisse Spannung, welche sie durch ihr Intro aufgebaut haben, zu entfalten. Durchaus gibt es Momente im Song, an welchen man einen Schnitt hätte setzen können. Diese tun aber insgesamt dem Song keinen Abbruch und man hat das Gefühl einfach ewig in einer niemals endenden Songwelle zu schweben.

Der zweite Track The Graves We’ve Dug beginnt mit einer tief atmosphärischen Grundinstrumentation, die bereits binnen weniger Sekunden in den Bann zieht. Im Black Metal bzw. Post-Black Metal sind es stets diese atmosphärischen Züge sowie die tiefgängigen Konzeptionen, welche unfassbar faszinierend wirken und Zuhörer aus allen anderen Metal Genres anlocken. The Graves We’ve Dug überschreitet sogar die 10 Minuten Grenze und man könnte sich durchaus fragen, ob es so etwas wie ein Limit gibt, welches ein einzelner Song nicht überschreiten sollte. Harakiri For The Sky wissen allerdings ihre Songs entsprechend zu konzipieren und eine „normale“ Länge würde für diese tiefe Wirkung wohl auch gar nicht ausreichen. The Graves We’ve Dug präsentiert dabei noch besser als sein Vorspieler, worauf es bei den Österreichern wirklich ankommt: Die Songs bewegen sich nicht nur auf einem Fleck, dennoch haben sie nicht eine normale Struktur in Bezug auf Verse und Chorus. Viel mehr gleichen sie einer Reise, welche sich stetig verändert, zusätzliche Elemente freigibt und dabei andere kombiniert.

Melodisch traurig wird es dann auch bei Track Nummer Drei Your Are The Scars – nicht dass Arson bisher einen fröhlichen Ton hatte, so etwas wie fröhlichen Black Metal sollte es auch nicht geben. Aber hier verstehen es Harakiri For The Sky entsprechend sanftere Töne klingen zu lassen, scheint doch nun das Keyboard im Vordergrund zu stehen. Ein wenig muss man an Melodic Death Metal denken. An einen Sturm an Gefühlen, welcher einen zu übermannen zu scheint. Und am besten gar nicht groß drüber nachdenken, sondern einfach genießen und bewegen lassen.

Heroin Waltz hält den Stimmungsbogen, den bereits Your Are The Scars so unglaublich berührend gestaltet hat. Hier scheint der Grad zwischen typischen Metal Elementen und trauriger Instrumentation noch fließender zu verschwimmen – eine Tatsache, welche den Black Metal so hörenswert macht und eine Fähigkeit, die Harakiri For The Sky definitiv zur Genüge einzusetzen zu wissen. Heroin Waltz entwickelt sich dabei zum Favoriten der Platte, wenn man sich diese mehrmals angehört hat. Die atmosphärischen Ebenen waren selten so wirkend wie hier.

Stillborn nimmt sich noch einmal besonders Zeit ein passendes Intro zu kreieren, welches durchaus ähnliche Spannungen sowie Atmosphären, wie es auch schon bei den Vorgängern der Fall war, heraufzubeschwören. Im Vergleich bleibt Stillborn auf der Platte im ersten Part etwas zurück, entwickelt sich dann im weiteren Verlauf überraschend flott und scheint fast ein wenig an Folk zu erinnern. Wieder ein guter Beweis, dass sich hier die extremen Längen für Harakiri For The Sky lohnen, da so die Werke ganz andere Entfaltungsmöglichkeiten besitzen. Voidgazer, der eigentliche letzte Song, lässt nicht lange ruhige Töne anklingen und baut von Beginn seine Strukturen mit einem ähnlichen Tempo wie Stillborn auf. Erst im Verlauf wird eben dieses Tempo dann etwas gezügelt, womit auch der Fokus wieder etwas stärker auf den Gesang weicht. Voidgazer besitzt durchaus einen gewissen Endzeitcharakter, ist er doch atmosphärisch in einer ausgewogenen Mitte gehalten zwischen Energie und Trauer. Wer als Fan aber dennoch nicht genug haben kann: Als Bonustrack wartet dann doch noch Manifesto auf die Zuhörer, um die Platte Arson aber nun gebührend zu beenden. Insbesondere der hier eingesetzte weibliche Gesang sorgt für eine überraschende Abwechslung, die Harakiri For The Sky sehr gut steht, da auch so die Screams von J.J. in ein neues Licht geschoben werden. Und nach dem Anhören hat man eigentlich nur noch das Gefühl andere Welten betreten zu haben und die Welt von einem anderen Augenwinkel zu betrachten.

Fazit: Soll Musik wehtun? Darf Musik so anstrengend sein, dass man eine Platte nicht mehr als einmal durchhören kann? Diese Fragen stelle ich mir da durchaus, wenn es zum neuen Album Arson der österreichischen Band Harakiri For The Sky kommt. Innerhalb dieser Platte gelingt es dem Duo tiefe, fast endlose Atmosphären aus Wahrheit und Traurigkeit hervorzurufen, die wohl jeden Zuhörer einfach mitreißen. Arson ist dabei definitiv keine Platte, die man sich einfach mal nebenbei anhören kann, sondern welche man wohl eher konzentriert genießen sollte. Wer sich aber gerne mit Gefühlswelten auseinandersetzt, sollte hier dran nicht vorbeigehen.

Anspieltipps: Your Are The Scars, Manifesto Heroin Waltz
Anabel S.9
Leser Bewertung5 Bewertungen6.2
9

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