Wolfheart – Tyhjyys

“Zieht Euch warm an!“

Artist: Wolfheart

Herkunft: Lahti, Finnland

Album: Tyhjyys

Spiellänge: 44:06 Minuten

Genre: Winter Metal, Melodic Death Metal

Release: 03.03.2017

Label: Spinefarm Records

Link: https://www.facebook.com/WolfheartRealm/

Bandmitglieder:

Gitarre und Gesang – Tuomas Saukkonen
Leadgitarre – Mika Lammassaari
Bassgitarre und Backgroundgesang – Lauri Silvonen
Schlagzeug – Joonas Kauppinen

Tracklist:

  1. Shores Of The Lake Simpele
  2. Boneyard
  3. World On Fire
  4. The Flood
  5. The Rift
  6. Call Of The Winter
  7. Dead While
  8. Tyhjyys

 

Gerade habe ich einen der meiner Meinung nach kreativsten Köpfe Finnlands, nämlich Tuomas Saukkonen, noch mit seiner Band Wolfheart als Support für Insomnium live erlebt. Schon bei der Show gab es vom neuen Album Tyhjyys einige Songs als Appetizer, ab dem 03.03. kann man sich das ganze Album genehmigen. Tuomas selbst bezeichnet seine Musik als Winter Metal, profan gesagt ist es Melodic Death Metal in sämtlichen Spielarten. Winter passt da aber auch ganz gut, aber nicht das, was wir hier in Deutschland meistens erleben, sondern den strengen Winter Skandinaviens, der das Land mit Dunkelheit, Eiseskälte und teilweise menschenverachtender Härte überzieht und dabei trotzdem immer wieder für wunderbare Bilder sorgt, die man auch im Video zu The Flood bewundern kann.

Das Kopfkino wird gleich mit dem ersten Track, dem instrumentalen Shores Of The Lake Simpele, eröffnet, das ruhig und nur mit akustischer Gitarre startet, bevor es sich in einen bombastischen und majestätischen Track entlädt, bei dem man gar nicht anders kann, als zu den „Hey Hey“-Rufen die Faust in die Luft zu recken.

Für längere Songs ist Tuomas ja immer gut, und so kommt mit Boneyard auch gleich der längste Track des Albums. Wie in einem Blizzard kommt man sich vor, wo die Schneekristalle wie Stecknadeln unbarmherzig auf alles niederprasseln, hier wird man von Gitarrensalven und Doublebass-Attacken herumgewirbelt und meint, in Tuomas‘ Growls das tiefen Heulen des Orkans zu hören. Während der kurzen Ruhepause hat man dann wirklich das Gefühl, jetzt im Auge des Orkans zu sein, aber dann geht es auch schon gnadenlos weiter.

Mit einem wunderbaren zweistimmigen Gitarrenspiel geht World On Fire los, erinnert ansatzweise an Insomnium, aber der nächste Blizzard ist schon im Anmarsch. Wieder einmal verlangt Tuomas sich und seiner Instrumentalfraktion alles ab. Während der Show mit Wolfheart und Insomnium hörte ich von einem Besucher die Aussage, dass Wolfheart ja nur mehr oder weniger stumpf vor sich hin brettern würden. Dem muss ich auf jeden Fall widersprechen. Natürlich sind die Tracks oft in Höchstgeschwindigkeit gehalten, aber Tuomas hat schon bei seinen Bands Black Sun Aeon, Dawn Of Solace und natürlich Before The Dawn bewiesen, dass er weiss, wie man Tempo und Rhythmus verändert und damit den Spannungsbogen immer wieder neu anzieht.

Von Höchstgeschwindigkeit kann man bei The Flood nicht sprechen, aber mächtig ist der Track nichtsdestotrotz und wartet auch mit einem grandiosen Gitarrensolo auf. Wer das dazugehörige Video gesehen hat, dem wird es bei jedem Hören dieses epischen Tracks immer wieder vor dem geistigen Auge auftauchen.

Kontraste sind das Salz in der Suppe, darum wird mit The Rift zunächst mal der nächste Blizzard entfesselt, wobei gerade dieser Song bestens beweist, dass Wolfheart nicht nur stumpf drauflosballern, sondern bei aller Hatz auch nie das Melodische außer Acht lassen. Und zur Abwechslung sind dann die Tracks Call Of The Winter und Dead While eher im Midtempo gehalten, eignen sich wunderbar zum Headbangen und können im Falle von Call Of The Winter auch mit einem wunderbaren akustischen Part aufwarten.

In Tuomas‘ Heimatsprache Finnisch ist der Titeltrack Tyhjyys gehalten, was ins Deutsche übersetzt „Leere“ bedeutet. Leer ist der Song aber ganz und gar nicht, sondern kommt mächtig und mit einer Erhabenheit daher, dass mir einfach nur der Mund offensteht und ich die anschließende Stille schnell mit einem Druck auf die Repeat-Taste beende.

Damit Ihr wisst, was ich mit dem Video zu The Flood meine, gibt es das hier zu sehen:

Fazit: Kennengelernt habe ich die Kunst von Tuomas über den Song Deadsong aus 2007. Damals war noch Lars Eikind bei Before The Dawn, und ich konnte mir nach seinem Weggang nicht vorstellen, wie es ohne ihn weitergehen soll. Aber Tuomas hatte ja damals schon mehrere Eisen im Feuer, und gleich mit dem ersten Album von Wolfheart hat er bewiesen, dass er ein Tausendsassa ist. Mit Tyhjyys setzt er mit seinen Mitstreitern den eingeschlagenen Weg konsequent fort, und das ist auch gut so. Jetzt wäre eigentlich so langsam mal eine eigene Headlinertour fällig.

Anspieltipps: World On Fire, The Flood, The Rift und Call Of The Winter
Heike L.
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