“Was will man am Ende mehr?”

Eventname: Rock Im Park

Bands:  Rise Against, Casper, Snow Patrol, Marilyn Manson, Avenged Sevenfold, Stone Sour, A Perfect Circle, Parkway Drive, Bilderbuch, Good Charlotte, Milky Chance, Kaleo, Bullet For My Valentine, Trailerpark, RAF Camora, Kettcar, Chase & Status, Hollywood Undead, Jimmy Eat World, Enter Shikari, Body Count Feat. Ice-T, Kreator, Beth Ditto, Alexisonfire, Shinedown, Jonathan Davis, Babymetal, Black Stone Cherry, Bausa, Ufo361, Asking Alexandria, Greta Van Fleet, Walking On Cars, The Bloody Beetroots, The Neighbourhood, Meshuggah, Taking Back Sunday, Thursday, Vitalic, Yung Hurn, Baroness, Heisskalt, Milliarden, ….

Ort: Nürnberg – Zeppelinfeld

Datum: 01.06.2018 – 03.06.2018

Kosten: 189 €

Genre: Rock, Metal, Indie, Hip Hop

Link: http://www.rock-im-park.com/

Rock Im Park

Die Zwillingfestivals Rock Im Park und Rock Am Ring, welche jedes Jahr Anfang Juni stattfinden, präsentieren die wohl wichtigste Festival-Kombi in Deutschland – auch wenn durchaus Stimmungen des Unmuts aufkommen und dieses Jahr zum ersten Mal weniger Tickets verkauft worden sind. Insgesamt fällt die Größe bei Rock Im Park in Nürnberg etwas entspannter aus als beim Bruder am Ring.

Anreise

Normalerweise ist es üblich, dass Festivals bzw. die Tickets für die Festivals bereits eine Bahnfahrt beinhalten, sodass Besucher stärker animiert sind, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Dieses Jahr hatte man sich bei Rock Im Park dagegen entschieden und es gab auch keinen Shuttle vom Hauptbahnhof zum eigentlichen Gelände. Wer also mit der Bahn ankam bzw. wahlweise mit dem Bus, musste sich die letzten Kilometer zum Gelände noch selbst erarbeiten – kein Meisterwerk, dennoch hätte man hier wohl durchaus eine bessere Lösung finden können als gar keinen Service in Bezug auf Fahrt anzubieten – insbesondere, da die Anreise am Donnerstag auf einen Feiertag fiel und somit recht viele Leute unterwegs waren. Zumindest bringen einen die Bahnen direkt vor die Tür – und da geht es eigentlich doch recht zügig, was die Bändchenausgabe und das Prüfen des Gepäcks angeht – Letzteres wird auch gerne mal von den Kontrolleuren übersprungen. Nach kurzer Zeit hatte man es also dann auf den Campingplatz geschafft, der sich bereits seit den Morgenstunden gut gefüllt hatte. Teilweise recht eng und vor allem am Hang zeigte sich der eine oder andere Standort als leicht ungeeignet, was wohl das Gelände mit sich bringt.

Donnerstag

Sobald die Anreise und das Aufbauen sowie das Finden der Leute hinter einem liegt, kann der eigentliche Spaß losgehen. Durch die großen Parkplätze muss man von den Autos nicht zu weit zu den jeweiligen Campingplätzen schleppen, insgesamt zeigt sich das Gelände als sehr kompakt. So ist auch der riesige LIDL Rockshop recht zentral und passenderweise direkt auf dem Weg zum eigentlichen Festivalgelände. Ein Luxus, der einem doch das Mitbringen der einen oder anderen Sache erspart. Insgesamt zeigt sich der eigentliche Anreisetag zwar ohne Bands und mit leicht regnerischem Wetter, jedoch alles ohne Drama – ganz anders als beim Bruder am Ring, der erneut von schweren Blitzen kurz vor Start heimgesucht wurde. Das Wetter in Nürnberg ist an diesem Tag gnädiger und belässt es mit einigen kurzen, eher abkühlenden Schauern. Die Vorfreude ist groß und zeigt sich im Gesicht jedes Festivalbesuchers.

Freitag

Und da ist er auch schon: Der erste Festivaltag steht vor der Tür. Während manche Festivalbesucher früh das Gelände aufsuchen, um genau dieses genauer zu erkunden, müssen sich Andere erst einmal vom ersten Kater erholen. Die meisten Besucher findet man jedoch pünktlich um Mittag beim Eingang. Hier bildet sich auch direkt eine Schlange, welche dann doch etwas Zeit kosten würde. Viele Besucher kennen den anderen Eingang wohl nicht, denn ein paar Meter weiter befindet sich ebenso eine Einlassstelle, welche weitaus weniger besetzt ist. Eine kleine Beschilderung würde hier wohl ganz guttun. Insgesamt zeigt sich hier die Organisation mit extremer Vorsicht, so wird doch jeder Besucher mehr als nur einmal auf Bändchen und Inhalt der Bauchtasche überprüft. Nach diesen ganzen Kontrollen wird es aber Zeit für die ersten Bands.

Nothing But Thieves

Den Anfang auf der Zeppelin Stage machen Nothing But Thieves. Die Briten, die bereits letztes Jahr beim Southside zur recht ähnlich frühen Stunde aufzufinden waren, können sich bereits über ein sehr zahlreiches Publikum freuen. Mit abwechslungsreichem Alternative Rock berühren und bewegen Nothing But Thieves die Zuschauer und der eine oder andere Song wird bereits fleißig mitgesungen. Wie die Band es selbst beschreibt, bewegt sich ihre Musik über verschiedene Genres und auch Launen hin und her, was am Ende auch das Besondere an der Gruppe selbst ist. Insbesondere zum letzten Song Amsterdam verliert sich das Publikum im Springen und im Pit. Nothing But Thieves dürfen wohl weiterhin eine stetig steigende Fanbase ihr Eigen nennen. Zum Ende des Jahres soll auch wieder eine Headlinertour für die Jungs hierzulande anstehen. Wer sie noch nicht gesehen hatte, sollte dies spätestens dann also nachholen. Es ist vor allem die Stimme von Sänger Conor Mason, die einen immer wieder in den Bann zieht und selbst die große Bühne eines Festivals zu füllen versteht.

PVRIS

Denn die gesangliche Qualität kann durchaus entscheidend wirken, wenn es um die Performance geht.  Genau dies zeigt dann auch der Auftritt von PVRIS, die nur wenig später die Zeppelin Stage betreten. Hier zeigt sich der Gesang jedoch leider schief an mehreren Stellen, was dem Auftritt selbst sehr viel Energie und Magie nimmt. Denn es ist vor allem die Instrumentation, die bei PVRIS für Aufsehen sorgt. Sängerin Lyndsey Gunnulfsen zeigt sich dabei nicht nur am Mikro, sondern auch am Schlagzeug und den Saiten – ihr Talent geht also nicht unter und auch die hohen Töne liefert sie ab, auch wenn die Perfektion ausbleibt. Das Publikum scheint dies zumindest weniger zu stören und genießt den Auftritt in vollen Zügen. Ein wenig Enttäuschung bleibt aber dennoch haften.

Bad Religion

Musikalisch ganz anders zeigt sich dann auch schon der nächste Act: Bad Religion müssen wohl auch nicht weiter vorgestellt werden. Die Punk-Rock Band aus Los Angeles braucht keine fünf Sekunden, um das Publikum für sich zu gewinnen und schmettert dabei einen Klassiker nach dem anderen von der Bühne. Das Publikum singt, schwingt mit, springt und schreit. Bad Religion ist eine Band für jede Gemütslage und für einen Festivalauftritt mehr als nur geeignet. Und mit dem Auftritt einer der wohl bekanntesten Bands im Punk Genre werden auch gleich die zwei nächsten Acts wunderbar eingeläutet.

Good Charlotte

Denn genau mit Punk geht es weiter, wenn auch hier eher im Pop Punk unterwegs: Good Charlotte wissen, wie man Kindheitserinnerungen bzw. die Jugendzeit zurück in das Hier und Jetzt bringt, und starten ihr Set direkt mit The Anthem. Wer nie Good Charlotte gehört hat, dürfte sich hier eventuell etwas schwertun, so bewegt sich die Gruppe doch recht frei durch ihre Alben, die sich teils mehr, teils weniger im Punk und Pop bewegen. Insbesondere das neuste Werk Actual Pain zeigt die Veränderung im Soundbild, welche Good Charlotte inzwischen durchlaufen haben. Mit einem neuen Album in den kommenden Monaten und einer Tour 2019 werden Good Charlotte sich auf jeden Fall nicht so schnell verabschieden.

Rise Against

Und wenn man schon beim Punk Genre ist, so darf doch da ein ganz wichtiger Vertreter nicht fehlen: Als nächste Band geben sich Rise Against die Ehre, die wohl für viele bereits als kleiner Headliner gelten und die Jungs auch ab der ersten Sekunde an entsprechend feiern. Rise Against gehören ebenso zu solchen Bands, die so viele Klassiker besitzen, dass sich hier ein bekannter Hit an den Nächsten reiht und man aus dem Mitsingen gar nicht mehr herauskommt. Und auch was die Bewegung angeht, kann sich wohl niemand im ersten Wellenbrecher wirklich vor den Mosh und Circle Pits retten – aber man weiß ja vorher, worauf man sich einlässt. Eine gewisse Gerüchteküche bezüglich der schlechten Abmischung der Band bei Liveauftritten bestätigt sich an diesem Tag für mich nicht – auch wenn hier durchaus noch Luft nach oben ist, was die Perfektion angeht.

Foo Fighters

Und von dem kleineren Headliner zum eigentlichen Headliner: Die Foo Fighters betreten wenig später die Zeppelin Stage. Dass hier eine Band auftritt, auf welche wohl das gesamte Festival wartet, merkt man bereits an der Fülle von Menschen, die sich vor der Stage versammelt haben. Egal ob jung oder alt, die Besucher wollen die Foo Fighters sehen. Und auch diese scheinen recht heiß auf ihre Show zu sein, so spielen sie doch mit zweieinhalb Stunden ein sehr langes und ordentliches Set. Die Bühne zeigt sich beschmückt mit einem weiteren Bildschirm, der Momente des Auftrittes immer wieder einfängt. Dabei werden diese auch immer mal wieder mit weiteren Effekten beschmückt. Auch hier bewegt sich die Setlist durch viele Klassiker von sowohl älteren als auch neuen Songs. Auch Schlagzeuger Taylor Hawkins übernimmt einmal das Mikro, wie man später erfährt nicht ganz unabsichtlich, so war Dave Grohl stimmlich doch ziemlich angeschlagen, sodass beim Zwillingsfestival Rock Am Ring das Set verkürzt werden musste. Beim Auftritt auf dem Rock Im Park Festival fällt dies jedenfalls nicht auf und die Band gibt insgesamt mehr als zwei Stunden lang einfach alles, was sie hat.

Gorillaz

Musikalisch etwas anders geht es dann mit Gorillaz weiter, die auf der etwas kleineren Park Stage auftreten und damit auch das Ende des ersten Tages einläuten. Und als den ersten Liveauftritt, den ich persönlich von der eigentlich nicht wirklich existierenden Band erlebe, komme ich auch aus dem Staunen nicht mehr so schnell raus. Was hier musikalisch, sowohl gesanglich als auch instrumental geliefert wird, weiß auf jeden Fall auf ganzer Linie zu überzeugen. Das Staunen verursachen vor allem die stetig wechselnden Künstler, die auf der Bühne auftauchen und dabei verschiedene Songs präsentieren. Und natürlich darf eine Bühnenprojektion mit den zugehörigen Charakteren nicht fehlen. Live liefert diese Gruppierung noch einmal ein ganz anderes Erlebnis ab, welches man absolut nicht verpassen sollte, auch wenn sie sich musikalisch vielleicht nicht immer im eigenen Lieblingsgenre bewegen.

Samstag

Den ersten Tag überlebt, komplett ohne Regen oder Vorkommnisse der besonderen Art – und mit Foo Fighters und Gorillaz, um hier mal nur zwei zu nennen, durfte man musikalisch bereits so einiges Besonderes erleben. Aber mit dem Samstag wartet ein komplett neues Line-Up auf die Besucher.

Callejon

Den Anfang auf der Park Stage machen Callejon, die wohl den meisten Fans im Metal und Metalcore Genre ein Begriff sein sollten. Gewohnt mit schwarzer Farbe im Gesicht präsentiert sich die deutsche Band in bester Festivallaune und bringt die wohl noch etwas müden Besucher schön in Schwung – im Set selbst tummeln sich zwar einige Lieder vom neuen Album, so z.B. Utopia, aber es sind hier vor allem Werke wie das Cover von den Ärzten, Wir Sind Angst und Porn From Spain Part II, die hier die Menge bewegen und dabei gleich den Frühsport abhaken lassen.

Baby Metal

Habt ihr euch mal intensiver mit K-Pop auseinandergesetzt? Nein? Nun, eventuell dürfte man nach diesem Act dann doch neugierig werden, was für Musik der asiatische Raum eigentlich so zu bieten hat: Baby Metal kombinieren typische Metal Instrumentierung mit dem Gesang typischer junger Asiatinnen, die auch eine tänzerische Darbietung zur Musik abliefern und all das noch in entsprechenden Kostümen. Klingt seltsam? Das ist es auch durchaus und hier zählt wohl das Hassen-oder-Lieben-Prinzip. Das Publikum im ersten Wellenbrecher scheint jedoch vorbereitet und wippt ordentlich mit. Was die Gruppierung auf jeden Fall richtig macht, ist sowohl das Intro als auch Outro des Sets ansprechend zu gestalten, sodass es sehr in sich geschlossen und vollständig wirkt. Live auf jeden Fall was ganz Anderes und auch sehr sehenswert – wenn ich persönlich jetzt auch nicht anfangen würde die Songs auf Spotify anzuhören.

Jonathan Davis

Nach dieser sehr experimentellen Angelegenheit, welche durchaus unterhaltsam war, ist es Zeit ein paar Gänge runterzuschalten und da kommt dieser Act genau richtig: Jonathan Davis! Wem der Name nichts sagt, so könnte das Aussehen doch die Wissenslücke füllen, handelt es sich dabei doch um Sänger und Frontmann der bekannten Band Korn. Und obwohl der Sänger bereits länger an seinem Soloprojekt arbeitet, so erschien doch erst dieses Jahr mit Black Labyrinth sein Debütalbum, welches nun auch live zum Besten gegeben wird. Musikalisch kann man hier nicht ein ähnliches Korn erwarten, aber wer ernsthafte Themen mit düsteren, emotionalen Melodien mag, die einen auch an der einen oder anderen Stelle durchaus nachdenklich stimmen, der sollte sich genau dieses Album mal ein wenig näher bringen oder sich direkt das Livespektakel gönnen, welches mehr überzeugt, als die Platte an sich.

Enter Shikari

Musikalisch vielseitig bleibt es mit Enter Shikari, die mit ihrem letzten Album dann doch einen ziemlichen Stilwechsel vorzuweisen hatten, mit welchem wohl vor allem Fans der älteren Werke weniger zufrieden gewesen sein dürften. Hatte man doch den typischen Trancecore gegen Alternative Rock eingetauscht, der wohl eher einen Platz im Radio wiederfinden würde. Und auch, wenn von den Bühnenoutfits aus das letzte Album recht treffend untermalt wird, so werden dennoch auch Songs aus älteren Werken gespielt, die auch live immer noch genauso mitreißen und den Mosh Pit ins Rollen bringen, wie man es von der Gruppe nun einmal gewohnt ist. Definitiv eine der verrücktesten und wildesten Crowds an diesem Wochenende.

Hollywood Undead

Und wenn man schon bei verrückt und anders ist: Ja, auch die nächste Band Hollywood Undead lässt sich so beschreiben – wenn auch nicht aufgrund der Trancecore Elemente, sondern eher der Hip Hop Elemente, welche hier entsprechend dem Nu Metal mit harten Gitarren gemischt werden – halt mal mehr oder weniger. Das Publikum benötigt ein, zwei Songs, bevor es so richtig ins Rollen kommt, was wohl eher am Set allgemein liegt. Danach lässt es sich allerdings auch nicht stoppen. Der Höhepunkt vieler Anwesender dürfte wohl im Rammstein Cover von Du Hast liegen. Auch sonst zeigt sich die Nu Metal Gruppe mit Funken und guter Laune auf der Bühne, nimmt Besucher hoch auf die Bühne und erlaubt sich zumindest den einen oder anderen kleinen Witz – immer wieder gut.

Thirty Seconds To Mars

Als Headliner des Samstagabends kann man dann Thirty Seconds To Mars auf der Zeppelin Stage genießen. Und ja, ein wenig bemerkt man hier dann doch den Verlauf der Zeit. Früher noch zu dritt als Rocker auf der Bühne, stehen jetzt die Leto Brüder quasi alleine da und allgemein hat man ein wenig das Gefühl einer One-Man-Show, denn auch die Kameras fokussieren sich hier auf Jared Leto am Mikro. Dieser beweist natürlich, was er stimmlich zu bieten hat, redet aber auch viel mit dem Publikum – zumindest fehlende Persönlichkeit kann man ihm hier an dieser Stelle nicht vorwerfen. Musikalisch bewegen sich Mars durch ein vertrautes Set mit einigen neuen Songs, die live wohl mehr überzeugen könnten, wenn man sie entsprechend instrumental besser rüberbringen würde – das beste Beispiel wäre hier wohl Hail To The Victor, der mit ein wenig mehr Bass durchaus ordentlich Laune gemacht hätte. Der Höhepunkt des Konzertes liegt jedoch ganz klar in der Darbietung von The Kill, zu dem es dann auch mal wieder ein Mosh Pit geben darf – das ist das Mars, wie man es sich live vorstellt! Besonders witzig zeigt sich noch der Ballonregen während Rescue Me, auch wenn dadurch sehr viele Zuschauer eher abgelenkt erscheinen. Als Fazit lässt sich an dieser Stelle sagen, dass Mars durchaus eine solide Performance abliefern und dabei vor allem die Nähe zum Publikum durch Gespräch und Witz immer wieder suchen. Nur zeigt sich hier halt durchaus der musikalische Wandel eher zum Negativen.

Marilyn Manson

Für eine positive Überraschung sorgt dann noch der Abschluss des Abends: Marilyn Manson ist immer wie ein Glücksspiel, ob hier eine gute oder miserable Liveshow geboten wird – die Gerüchteküche besagt, es käme ganz auf die Laune des Herrn selbst an. Nun, wenn man diesem Gedanken Glauben schenkt, so muss er wohl extrem gute Laune gehabt haben, denn Manson scheint so richtig in seiner dunklen Performance aufzugehen. Häufige Outfitwechsel, die aber schnell, wortwörtlich, über die Bühne gehen und eine Performance, die mehr beinhaltet, als eben nur dazustehen und die Lieder zu singen – Manson überzeugt hier an diesem Abend auf ganzer Linie, auch wenn das Set ein wenig abrupt und etwas früher als geplant zu Ende geht. Ob ihn hier am Ende doch noch die Unlust gepackt hat? Die Besucher gehen jedenfalls zufrieden an diesem Abend zurück zu den Zelten.

Auch Tag 2 zeigte sich komplett ohne Regen und mit einem durchweg genialen Line-Up. Der Höhepunkt, so zumindest für mich, steht aber noch bevor.

Sonntag

Tag Nummer drei zeigt bereits am frühen Morgen, dass sich wettermäßig hier nichts weiter verändern wird, ganz im Gegenteil: Ohne eine einzige Wolke zeigt sich der Himmel in Nürnberg und man kriecht schon morgens früh aus dem zu heißen Zelt. Aber gut, dass die erste, wichtige Band sowieso früh spielt, so hat man hier keine faulen Ausreden, was das Ausschlafen angeht. Die ersten Besucher sieht man auch bereits beim Packen der Zelte und des übrigen Hab und Guts. Ja, das Ende naht, doch vorher gibt es noch eine Menge guter Bands zu sehen.

Bury Tomorrow

Den Anfang machen Bury Tomorrow auf der Park Stage. Die Briten hatten quasi am ersten Tag des Festivals eine neue Single veröffentlicht, welche durchaus mit voller Härte überzeugen konnte – und das Publikum feiert diese auch entsprechend. Der Staub vor der Bühne wirbelt inzwischen noch schneller auf, als es die letzten zwei Tage eh schon der Fall war – hier hätten die Veranstalter durchaus reagieren können mit ein wenig Wasser auf dem Boden. So muss man leider die halbe Staubvergiftung während des Konzerts in Kauf nehmen. Bury bringen am 13. Juli mit Black Flame ihr neues Album heraus, und wenn man diesem Auftritt vertrauen mag, so freuen sich die Fans jetzt bereits wie gierig darauf.

Nothing More

Danach geht es direkt mit Nothing More weiter, die wohl vor allem mit ihren drei Grammy Nominierungen die letzten Monate von sich haben hören lassen – und wer noch nicht über die Herren gestolpert ist, sollte genau dies genau jetzt nachholen, denn spätestens live wird man davon überzeugt, dass hier eine Band steht, die mal riesig werden könnte – oder eben ein ewiger Geheimtipp. Denn momentan ziehen Nothing More durch kleinere Clubs, um ihr Können zu beweisen und ja, auch hier auf Time For Metal werden wir ganz aufmerksam aufpassen. Aber zurück zum Festival. So eine große Bühne ist natürlich wie gemacht für Frontmann und Sänger Jonny Hawkins, der wie ein wildes Tier springt, klettert, sich zu Boden fallen lässt und dabei einen Gesang von sich gibt, der definitiv nicht der normalen Norm entspricht. Insbesondere zum letzten Song dreht er noch einmal richtig auf und klettert auf ein etwas seltsames Instrument, welches dabei hochklappt – es bleibt spannend, wie das genau in den Clubs umgesetzt werden soll.

The Neighbourhood

Danach heißt es entspannen und träumen an der Zeppelin Stage, denn The Neighbourhood geben ihre eher ruhigeren Songs zum Besten und verzaubern dabei alle Anwesenden in einen ruhigen Bann, den man an dieser Stelle am dritten Tag definitiv gebrauchen kann. Durchaus steht hier eine Gruppe auf der Bühne, die eher emotionale Tiefe und Ruhe vorzuweisen hat. Der Stilwechsel, den auch diese Jungs durchlaufen haben, geht auch bei diesem Auftritt nicht ganz verloren. Im schwarz-weiß Bild laufen die Aufnahmen der Bühne über die Bildschirme, ein gewisser Kontrast, der den Blick dabei auf sich zieht. Natürlich darf der Klassiker Sweater Weather nicht fehlen – den kennt dann wohl auch der schwerste Hartrocker.

Shinedown

Nach dieser kurzen Pause (und einer kleinen Mahlzeit) geht es dann auch wieder etwas stärker zur Sache, denn niemand Geringeres als Shinedown geben sich auf der Park Stage die Ehre. Erst vor Kurzem veröffentlichte die Band mit Attention Attention ihr neustes Album und ja, sie konnten damit definitiv für einige Attention der Zuhörer sorgen – auch hier dürfen Songs von der neuen Platte nicht fehlen. Die Show insgesamt liefert aber Songs aus ganz unterschiedlichen Alben, scheint wie eine Hommage an die Fans und Shinedown hinterlassen durchweg einen sympathischen und komplett bodenständigen Eindruck. Definitiv eine Band, die man mehr als einmal sehen kann und hier wäre ein eigenes Konzert mehr als wünschenswert.

Don Broco

Mit wachsender Fangemeinschaft kann wohl auch diese britische Gruppe rechnen: Don Broco waren bereits vor den großen Zwillingsfestivals öfter im Gespräch, zumindest im Core Bereich, so kombinieren sie doch recht poppige und auch eingängige Songs mit härteren Strukturen und Breakdowns – eine Kombination, die nicht nur Spaß macht, sondern auch live so richtig zum Tanzen (also Moshen) einlädt. Klar dürfte der hier präsentierte Stil nicht jedermanns Sache sein, doch keiner kann sich wohl das Schmunzeln und Wippen verkneifen beim T-Shirt Song, wenn dann auch noch plötzlich alle ihre Shirts ausziehen.

Bullet For My Valentine

Hatte ich erwähnt, dass der eigentliche Höhepunkt von Rock Im Park noch auf die Besucher wartet? Nun, hier ist er endlich: Mit Bullet For My Valentine präsentiert nämlich das Festival ein 3-Gänge-Menü, welches sich gewaschen hat. Die Briten veröffentlichen noch diesen Monat ihr nächstes Album Gravity und waren bereits 2016 auf dem Festival anzutreffen – allgemein kann man sie wohl als sehr gern gesehene Gäste betrachten. Die neuen Songs, darunter auch Letting You Go, werden im Set natürlich zum Besten gegeben und die Fans, welche bisher den Single Auskopplungen kritisch gegenüberstanden, sollten spätestens jetzt überzeugt sein. BFMV präsentieren sich in absoluter Perfektion, dabei motiviert dieses besagte Festival irgendwann zu headlinen. Das Publikum wäre wohl damit einverstanden. Wer sich jedoch jetzt bereits komplett verausgabt hat, dessen Überlebenschancen stehen wohl nicht allzu gut.

Parkway Drive

Denn eine andere Band hat bereits ihr neues Album veröffentlicht und ist höchst motiviert, uns alle zu töten oder in die Luft zu jagen: Parkway Drive stehen auf der Bühne! Es ist mein inzwischen vierter Festivalauftritt von der australischen Band und jede Show scheint dabei die nächste zu toppen – und so auch dieses Mal wieder! Neben dem vorletzten Album IRE steht natürlich die aktuelle Platte Reverence im Fokus, welche den einen oder anderen Fan nicht überzeugen konnte – zu ruhig, zu durchdacht oder halt einfach nicht Metal genug? Live ist das alles wohl schnell wieder vergessen, denn die hier präsentierten Songs hauen rein und zeigen, dass sie den älteren Werken dabei durchaus die Waage halten können. Ältere Werke wie Carrion werden zwar schmerzlich vermisst, aber man kann nun mal nicht die ganze Diskografie in einen Auftritt packen. Dafür dürfen die Besucher von Rock Im Park noch etwas ganz Besonderes erleben: Zum letzten Song Bottom Feeder holt Sänger Winston nämlich seine Mutter auf die Bühne, um ihr mal ein richtiges Metal Publikum zu zeigen – genau dafür sind die deutschen Festivalauftritte wohl wie gemacht! Durchaus zuckersüß und komplett bodenständig geben sich die Australier und nach diesem Auftritt ist jeder Zweifel über die Qualität der letzten Platte dahin. Für Parkway Drive wird der Weg eindeutig weiter nach oben gehen – und ja, auch sie haben durchaus das Potenzial solche Festivals als Headliner zu betreten!

Avenged Sevenfold

Und während Parkway Drive ein wunderbares Hauptgericht abgegeben hat, so wartet dann doch noch ein Dessert, wahlweise die eigentliche Hauptspeise, auf die Besucher. Mit Avenged Sevenfold wird so langsam aber sicher das Ende von Rock Im Park 2018 eingeläutet.  Groß weiter vorstellen muss man diese Band nicht, dennoch ist es für mich persönlich der erste Liveauftritt dieser Legenden. Und diese überzeugen natürlich von der ersten bis zur letzten Minute, denn hier stimmt einfach das Gesamtpaket: Phänomenale Bühne, einzigartige Stimme und was da an den Seiten abgespielt wird, wirkt irgendwie wie von einem anderen Planeten. Auch wenn es einem Großteil des Publikums wohl an Energie fehlt, um noch 100 % zu geben, auch mir haben Parkway Drive diese definitiv genommen, so wird mit Avenged Sevenfold Rock Im Park gebührend verabschiedet. Keine weiteren Worte, wo keine benötigt werden: einfach fantastisch!

Alexisonfire

Hat da jemand was von Ende und Abschied gesagt? Moment, so schnell geht es nun auch wieder nicht, denn in der Halle wartet noch eine Gruppe, die sich schon seit sehr Langem nicht mehr hat blicken lassen und wohl nun endlich bereit ist, wieder die Bühnen hier zu betreten: Die Rede ist von Alexisonfire! Dass die Fans die Songs und auch die Band seit den knapp zehn Jahren nicht vergessen haben, merkt man sehr gut daran, dass sich die komplette Halle noch einmal gehen lässt und singt, springt und gibt, was man noch irgendwie aus seinem Körper ziehen kann. Denn ja, wahrlich waren der Tag und das gesamte Festival lang, dennoch ist Alexisonfire auch keine Band, bei der man mal eben so stillhalten kann. Kurz nach 1 Uhr nachts geht mit dieser Band das Rock Im Park Festival 2018 vorbei.

Und wer bis hierher gelesen hat, dem gebührt auf jeden Fall mein Respekt. Man könnte zu jeder gesehenen Band so viel mehr Worte verlieren, als es hier der Fall ist und dennoch lässt sich insgesamt sagen: Rock Im Park 2018 hat dieses Jahr ein unglaublich tolles Line-Up aufgefahren und viele Bands, die gerade mit neuer Musik auf irgendeine Art und Weise unterwegs sind, die Möglichkeit zum Performen gebracht. Ein Line-Up, welches so viele Bands besitzt, dass das Drumherum fast untergeht, auch wenn hier sowohl Positives als auch Negatives aufgefallen ist. Während das Gelände wie immer eine Vielzahl an Essens- und Getränkemöglichkeiten geboten hat, so war es doch, wie es auch schon immer der Fall ist, die Toiletten- und Wasserstellenlage, welche einem als Besucher die Nerven raubte. Zwei Wasserstellen in jedem Field führen zu durchaus mal längeren Wartezeiten. Eine Tatsache, die bei dieser senkenden Hitze ohne Regen zur Qual werden kann. Noch schlimmer zeigt sich allerdings die Situation der Toiletten, da man sich dieses Jahr komplett gegen Dixies auf dem Festivalgelände entschieden hat – viel zu langes Warten als Endresultat! Man könnte jetzt hier noch weiter schreiben, doch genau diese zwei Punkte scheint wohl kein Festival so richtig hinzubekommen. Und so behält man lieber das geniale Line-Up im Kopf!

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