Stagewar – Danger To Ourselves

Die Hessen klingen immer dann am besten, wenn sie simpel nach vorn brettern. Live macht das sicher mehr Spaß als aus der Ton-Konserve.

Artist: Stagewar

Herkunft: Deutschland

Album: Danger To Ourselves

Spiellänge: 38:55 Minuten

Genre: Thrash Metal

Release: 24.09.2021

Label: MDD Records

Links: https://stagewar.com/
https://www.facebook.com/stagewar

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre – Dezius
Gitarre, Backgroundgesang – Kimon
Bass, Backgroundgesang – James
Schlagzeug – Josef

Tracklist:

1. Danger To Ourselves
2. Box Of Dirt
3. Follow Me
4. R.U.N.
5. Enough Is Not Enough
6. Hands Of Time
7. Nothing For Nothing
8. Over And Out

Sympathisch kommt sie auf jeden Fall rüber, die 2003 im Großraum Frankfurt gegründete Vierer-Bande. Man schaue sich das vorab veröffentlichte Video zum Song R.U.N. mit Bandmaskottchen Stumpfi (eine Art Metal-Muppet-Puppe) an und man bekommt ratzfatz Lust, zu einem Konzert der Jungs zu gehen und dort abzumoshen. Laut Infozettel soll sich die Band mit unermüdlichem Live-Auftreten (gut 200 Konzerte seit Gründung) einen Namen gemacht haben. Auf dem nun erst dritten Album ist old schooliger, meist schön geradeaus gezockter Thrash Metal mit groovigen Elementen zu hören. Thrash-Größen wie Exodus und vor allem Death Angel sind als Referenz zu nennen. Auffällig ist der Gitarrensound, der sofort jeden Headbanger packt. Zum knackigen Sound kommt ein hervorragendes Gitarrenspiel, das immer wieder aufhorchen lässt (beispielsweise beim kurzen, aber fetzigen Solo von Enough Is Not Enough). Am besten gefallen Stagewar, wenn sie fröhlich drauflos brettern und mitreißende punkige Backing-Vocals schmettern wie bei R.U.N. oder bei den schnelleren Passagen in Follow Me und Hands Of Time. Auch Enough Is Not Enough weiß durch die Backing-Vocals und hörbare Spielfreude zu überzeugen und schreit geradezu nach einem Live-Auftritt. Da fetzen die Songs sicher noch mehr.

Das müssen sie aber auch, denn aus der Tonkonserve heraus funktionieren die meisten Songs nicht so richtig. Oft fehlt der rote Faden und es wirkt wie eine Aneinanderreihung von netten Ideen, bei denen man oftmals denkt, ja, jetzt packt es einen, was es dann aber doch nicht tut. So plätschert ein Großteil der acht Nummern an einem vorbei und man muss schon fokussiert sein, um sie sich anzuhören. Immer wieder hat man das Gefühl, die Band weiß nicht so recht, wohin sie will mit dem jeweiligen Song. Ein Beispiel dafür ist Enough Is Not Enough: Den Einsatz von Bläsern am Anfang kann man sicherlich als Gimmick machen, mehr aber auch nicht und so ist der nochmalige Auftritt der Bläserfraktion gegen Ende des Liedes einfach nur störend. Anderes Beispiel: Bei Over And Out nerven eingesungene Silbenwiederholungen und stören den an sich ordentlichen Gesamteindruck des Songs nachdrücklich. Schade eigentlich, denn es gibt, wie gesagt, immer wieder gute Ideen, die hervorblitzen.

An den Texten dürfte künftig auch gern noch mehr gefeilt werden. Oftmals sind sie einfach zu krass nach dem Motto „Reim dich oder ich fress dich“ geschrieben worden. Nur ein Beispiel: „Nothing for nothing/ eye for an eye/ born in a world, where to live is to die/ ahes to ashes, dust to dust/ tomorrow we’ve build on yesterday’s rust“ (in Nothing For Nothing). Dazu fehlt Sänger Dezius in den langsameren, groovigen Passagen die nötige Energie, um den Songs an diesen Stellen mehr Punch zu verleihen. An einigen Stellen wirkt der Gesang sogar ziemlich lahmarschig und man wünscht sich einfach deutlich mehr Temperament in der Stimme. Es muss ja nicht immer gleich ein „Yeah“ wie bei James Hetfield angehängt werden, aber etwas mehr Schmackes täte dem Ganzen sehr guttut.

Stagewar – Danger To Ourselves
Fazit
Live werden die old schooligen Thrash Songs sicher noch besser reinhauen, auch weil dann die partielle Lahmarschigkeit des Sängers übertüncht werden dürfte. Das klingt hart, ist aber einer der Hauptgründe, warum die meisten Songs an einem vorbeiplätschern. Dabei haben Stagewar einige gute Ideen verewigt, einen knackigen Gitarrensound und immer wieder aufhorchende Gitarrenarbeit. Auch die punkigen-hardcoremäßigen Backingvocals machen Spaß. Viele der Songideen wirken aber weniger gut zu Ende ausgearbeitet als bei musikalischen Vorbildern wie Death Angel. Dazu passt, dass die Truppe immer dann am besten klingt, wenn sie simpel nach vorn brettert und sich nicht in groovigen, anspruchsvolleren Midtempo-Passagen verstolpert.

Anspieltipps: R.U.N., Follow Me und Hands Of Time
Tobias K.
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Podcast
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