The Boomtown Rats: Neues Album „Citizens Of Boomtown“ erscheinen

Video zur ersten Single "Trash Glam Baby"

Nach 36 Jahren erscheint heute das neue Boomtown Rats Album Citizens Of Boomtown erscheinen!

Das Video zur ersten Single Trash Glam Baby:

Und beim Dublin Fimfestival hatte am 3. März die Boomtown Rats Documentary von Billy McGrath/ Sideline Films Premiere.
Links aus der interessanten Doku mit Bono, Sting und vielen mehr findet man hier:

Citizens Of Boomtown

Bob Geldof. Simon Crowe. Pete Briquette. Garry Roberts.

Es ist das Jahr 1975 und sie hatten absolut nichts zu verlieren. Keiner von ihnen. Sie hatten nichts erreicht und auch nichts mehr zu erreichen. Doch durch echt schrägen Scheiss fanden sie sich zusammen: Unter dem Namen The Boomtown Rats.

Echt schräger Scheiss:

1: Irland 1975 – no country for old men. Und auch keins für junge.

2: Kein Familienrückhalt, auf den sich diese sechs Kids hätten verlassen können. Wenn man damals überhaupt von so etwas wie Familie sprechen konnte.

3: Keine Jobs, irgendwelche Zukunftsaussichten oder Kultur, der man sich zugehörig fühlte.

4: Eine allgegenwärtige, beklemmende, klaustrophobische, erstickende und langsam vor sich hin rottende, von Kirche und Staat verordnete… Stille.

Der faulige Geruch von Verwesung schwängerte die feuchte Luft. Der Geruch eines scheiternden Staates. Ein Gestank aus den Kloaken der Korruption, der sich in den Abendnachrichten regelmäßig nach dem Läuten der Angelus-Glocken erhob. Hätten sie nur gewusst, dass die gleichen Glocken das Ende eben jener alten Ordnung einläuteten. Es lag etwas in der Luft, doch diesmal kam es aus einem völlig anderen Kanal. Aus dem Abfluss unartikulierter Wut, Frustration und der Verachtung der versammelten Jugend für dieses… Scheitern.

Es fand seine Stimme in sechs Jungs aus einem trostlosen Vorort irgendwo in County Dublin. Sie würden nicht länger stillschweigen, soviel stand fest. Ihren Bandnamen entliehen sie bei Woody Guthrie, der ebenfalls nie zu Späßen aufgelegt war. Woody, der erste große Musikaktivist. Der, der sich den Slogan „This Machine Kills Fascists“ auf seine Gitarre malte. Yeah, man!!!

Diese Band, diese Boomtown Rats, würde nicht nur harten, schnellen und vagen Lärm spielen – diese Band würde sich grundlegend von allen anderen unterscheiden. Diese Band hatte eine Bestimmung. Diese Band war der festen Überzeugung, Rock ´n´ Roll wäre eine Art musikalischer Aktivismus. Diese Band würde schlussmachen mit irgendwelchen überheblichen Thesen, mit einem Immer-Mehr, mit Einstellungen, mit Fehlschlägen, mit der Falschheit und all der übermächtigen Scheisse, mit der sich das ganze Land herumschlagen musste. So würde man dabei helfen, ein ganzes Land zu verändern…

Und tatsächlich: Sie haben es geschafft.

Man wurde dabei versilbert, vergoldet, mit Platin veredelt und zur Nummer Eins gekürt, von Kreischen und Heulen begleitet und auch dem ganzen Rest… aber… immer schrieb man über die Dinge. Und obwohl ihre Songs simple erschienen, wurden sie doch mit einer solchen Kraft gespielt und mit einer solchen Leidenschaft gesungen, dass sie die Hitparaden in Dutzenden von Ländern stürmten.

Dann betrat eine jüngere Gruppe das Rampenlicht, die zu ihrer Generation sprach. Also unternahm diese mächtige Band einen letzten, gigantischen Auftritt, bevor man schließlich die Bühne verließ, um zu helfen, andere Teile der Welt zu verändern, in denen man bis dato nicht Zuhause war. Ungerechtigkeit hat keine Grenzen. Sie existiert überall und immer. Eine Tatsache, die sie immer noch krank machte.

Live Aid war das großartigste Event in der Geschichte des Rock“ – Niall Stokes, Redakteur bei Hot Press

Der Tag, an dem Rock ´n´ Roll die Welt veränderte“ – Time Magazine etc…

Nun ja, das alles ist ja hinlänglich bekannt……   Dann hörten sie auf.

Aus vielerlei Gründen.

1: Wenn man über zehn Jahre lang Seite an Seite isst, schläft, spielt und arbeitet, passiert eine Menge Scheisse. Man darf müde sein, völlig zu Recht.

2: Da sie keine Familien hatten, wurden die Rats zu ihrer Familie. Doch irgendwann gründeten bobgarrypetesimongerryjohnnie (TheRats!) ihre eigenen Familien. Also…

3: Sie hatten es vollbracht. Andere Zeiten verlangen nach anderen Klängen und Stimmen.

4: Sie hatten ihr Leben verändert. Und währenddessen halfen sie ganz nebenbei noch, ihr Land zu verändern. Sie halfen, die Musik zu verändern und später halfen sie auch, die Welt ein Stück weit zu verändern. Und dann, wie schon gesagt, hörten sie auf…

Zeit vergeht.

Ein neues Jahrhundert. Erst läuft es ganz okay, dann nicht mehr so gut. Thingsfallapart/Thecentrecannothold (W.B. Yeats). Das Weltwirtschaftssystem wurde von Kriminellen an die Wand gefahren. Millionen verlieren ihre Jobs, ihr Zuhause, ihr Leben. Ganze Länder werden mitsamt ihrer Bevölkerung gedemütigt. Die Mächtigen sind noch mächtiger. Keiner von ihnen muss mehr ins Gefängnis, stattdessen kichern sie im Schutze ihrer Straffreiheit über all das Leiden, das sie selbst erzeugt haben. Millionen sind auf der Flucht vor wirtschaftlichem Chaos und den daraus resultierenden Kriegen. Man wählt Narren zum Oberhaupt, die in das Gesicht von Mitleid und Erbarmen spucken…

Wo ist der Lärm, der dies alles verkörpert? Wer wird den Trübsinn dieser Zeiten besingen?

Doch da ist etwas, das heute wieder die gleiche, alte Wut auslöst, die sich damals in den verregneten, öden Vororten von Dublin aufstaute. Der gleiche schräge Scheiss, der wieder von vorne beginnt. Einer rief den anderen an, der rief wieder den nächsten an und plötzlich war da dieses gemeinsame „yeah, fuck it, warum nicht“ von der alten Gang.

Sie sind wieder auf Betriebstemperatur. Die Zeit hat ihre alten Rebellenlieder zu echten Hymnen geschliffen. Hymnen, die immer noch Gehör finden und die relevant sind. Die immer noch den Unterdrückten gewidmet sind, den Niedergeschlagenen und den Zusammengeschlagenen und die… irgendwie… lebendig klingen.

Zumindest für die neuen Generationen, die sich hinter die dicken Mauern von Boomtown retten konnten, gemeinsam mit all den älteren Flüchtlingen vor dem Banalen. Jeder konnte wieder ein Bürger werden. Und als diese Männer, diese aus der Vergangenheit zurückgekehrten Krieger die alten Lieder und die neuen Songs für die Gegenwart anstimmten, war jeder – und es ist tatsächlich jeder gemeint – auf ewig ein Bürger dieser Stadt: Citizen Of Boomtown.

Das neue Album der Boomtown Rats mit dem Titel Citizens Of Boomtown erscheint heute. Am gleichen Tag erscheint Bob Geldofs neues Buch Tales Of Boomtown Glory via Faber Music.

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