The Hirsch Effekt – Der Brauch

30.01.2026 – Artcore, Prog Metal - Long Branch Records – 48:53 Minuten

Am 30.01.2026 erschien mit Der Brauch das siebte Studioalbum von The Hirsch Effekt über ihr Stammlabel Long Branch Records. Erhältlich ist die Platte als CD sowie in mehreren Vinylvarianten (Black, Gold und Splatter), die zusätzlich in diversen Bundles angeboten werden. Inhaltlich wie musikalisch markiert Der Brauch einen besonderen Punkt in der Bandgeschichte und wirkt wie eine bewusste Zäsur innerhalb der eigenen Diskografie.

Die Band und ihr Klangkosmos

The Hirsch EffektNils Wittrock (Gesang, Gitarre), Ilja John Lappin (Bass, Gesang) und Moritz „Mr. Moe“ Schmidt (Schlagzeug) – gehören seit Jahren zu den spannendsten Grenzgängern im experimentellen Metal. Auch auf Der Brauch bleibt die Band sofort erkennbar, entzieht sich aber weiterhin konsequent klaren Genre-Zuordnungen. Die musikalische Handschrift ist unverkennbar, das Ergebnis dennoch schwer vorhersehbar. Große Teile des Songwritings entstanden diesmal unter besonderen Umständen nahezu vollständig durch Nils Wittrock allein. Das verleiht dem Album eine intime, beinahe abgeschirmte Atmosphäre. Im Vergleich zu früheren Werken wirkt Der Brauch reduzierter und aufgeräumter, ohne an Tiefe zu verlieren. Härte und Chaos sind weiterhin präsent, werden aber gezielter eingesetzt und entfalten ihre Wirkung erst im richtigen Moment. Ich persönlich mag es live etwas ruppiger, so habe ich die Jungs auch bereits mehrmals erlebt.

The Hirsch Effekt, Vortex Siegen 2018, Pic by Big Simonski

Songs, Motive und Dynamik

Der Opener und Titeltrack Der Brauch eröffnet das Album mit gezupfter Akustikgitarre und zurückhaltendem Gesang, bevor Schlagzeug und verzerrte Gitarren die Spannung verdichten. Der Faden knüpft daran an und steigert die Dramatik, während Das Seil in großen, epischen Bewegungen zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung pendelt. Das kurze Brauch Reprise greift zentrale Motive erneut auf und stärkt den Eindruck eines geschlossenen Konzepts.

Mit Der Doppelgänger entfesselt die Band ihre extreme Seite: Eine ruhige, bedächtige erste Hälfte kippt in einen wahnwitzigen, finsteren Ausbruch. Noch tiefer führt Das Nachsehen, das wie ein musikalischer Abstieg in einen inneren Abgrund wirkt. Dem gegenüber stehen zugänglichere Momente wie Die Lüge oder Die Brücke, die überraschend hymnisch und beinahe radiotauglich erscheint. Den Abschluss bildet Die Heimkehr, die sich zu einem majestätischen Finale auffächert.

Hier! geht es für weitere Informationen zu The Hirsch Effekt – Der Brauch in unserem Time For Metal Release-Kalender.

The Hirsch Effekt sind demnächst auch wieder live unterwegs. Hier die anstehenden Live-Termine:

25.02. Schweinfurt, Kulturhaus Stattbahnhof
26.02. – CH – Aarau, KIFF
27.02. Karlsruhe, Jubez
28.02. Ulm, Roxy
05.03. Berlin, Badehaus
06.03. Hamburg, Logo
07.03. Düsseldorf, Ratinger Hof
12.03. Wiesbaden, Schlachthof
13.03. Kassel, Goldgrube
14.03. Erfurt, Museumskeller
19.03. Bremen, Tower
20.03. Oberhausen, Druckluft
21.03. Leipzig, Naumanns
21.05. Saarbrücken, Garage
22.05. Münster, Sputnikhalle
23.05. Köln, Helios 37

The Hirsch Effekt – Der Brauch
Fazit zu Der Brauch
Der Brauch ist kein Album der schnellen Erlösung. Es konfrontiert statt zu trösten und hinterlässt bewusst eine Schwere, die nachwirkt. The Hirsch Effekt fahren brachiale Extreme zurück, ohne ihre Identität aufzugeben, und rücken Atmosphäre, Emotion und Songstruktur stärker in den Fokus. Das Ergebnis ist ein in sich geschlossener, persönlicher und fordernder Longplayer, der Aufmerksamkeit verlangt und belohnt. Der Brauch unterstreicht, warum an diesen drei Musikern aus Hannover im experimentellen Metal weiterhin kein Weg vorbeiführt.

Anspieltipps: Der Brauch, Der Doppelgänger und Das Nachsehen
Juergen S.
8.7
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