Tombstoner – Victims Of Vile Torture

Überaus talentierte neue US-Combo, die wunderbar Death Metal der Marke Cannibal Corpse und frühen Six Feet Under ballern kann, sich ihren Schwung aber mit Einflüssen aus dem Thrash Metal und Hardcore raubt

Artist: Tombstoner

Herkunft: USA

Album: Victims Of Vile Torture

Spiellänge: 41:45 Minuten

Genre: Death Metal

Release: 30.07.2021

Label: Redefining Darkness Records

Links: https://tombstoner-us.bandcamp.com/album/victims-of-vile-torture
https://www.facebook.com/TombstonerBand

Produktion: Bobby Torres

Bandmitglieder:

Gitarre – Dan Megill
Gesang, Bass – Thomas Megill
Gesang, Gitarre – Jesse Quinones
Schlagzeug – Jason Quinones

Tracklist:

1. Victims Of Vile Torture
2. Sledgehammer
3. Breaking Point
4. Fractured Souls
5. Grave Dancer
6. Nothing’s Sacred
7. Frozen in Fear
8. Armageddon
9. The Witch
10. Trepidation

Zwei Brüderpaare sind zusammen Tombstoner aus Staten Island. Gegründet 2019, debütierte die Truppe 2020 mit der EP Descent To Madness. Nun das erste Vollzeit-Album Victims Of Vile Torture. Zu hören ist Death Metal amerikanischer Prägung der Marke Cannibal Corpse oder auch früherer Six Feet Under. Dazu kommt hier und da ein Schuss Hardcore und Thrash Metal wie zum Beispiel bei Power Trip. Der Sound, speziell der Drums und Gitarren, ist ein Fest und erinnert etwas an die Alben von Machine Head in den 90ern ab dem Album Burn My Eyes.

Richtig Fahrt nimmt das Album erst etwas später auf. Nach dem eröffnenden, überdurchschnittlichen Titeltrack, der gesanglich mit Thrash Metal und Hardcore-Schlagseite beginnt, unterbrochen von fiesen Death-Metal-Growls, gibt es anschließend zwar immer wieder Momente, bei denen der Genrefreund angenehm berührt die Augenbraue hebt, mehr kommt dabei aber nicht rum. So hat Sledgehammer zwar ein fieses Hauptriff und erinnert von der Grundrhythmik wunderbar an Großtaten früherer Six Feet Under (also zu Zeiten von Warpath, Haunted oder Maximum Violence). Mehr als eine Ehrerbietung ist es aber nicht. Auch Breaking Point hat durchaus starke Momente wie das Bassspiel zu Beginn oder das Hauptriff, das alle Hörnerven zersägt, die ihm in den Weg kommen. Allerdings irritieren die Backing-Vocals im Refrain, die direkt aus den 80er- oder 90er-Jahren von Thrash-Metal-Bands wie Nuclear Assault stammen könnten. Das wirkt stilistisch sehr unhomogen und zu wenig eingebunden.

Beim anfangs schleppenden Fractured Souls zeigt der Drummer sein Können und kleistert alles zu – heftig. Grave Dancer hat zu Beginn eines der besten Gitarrenriffs der letzten Jahre, nur verliert der Song nach diesem fulminanten Einstieg seinen Schwung und mutiert eher zu einem donnernden Groover, was aufgrund des schnellen, grandiosen Anfangs-Riffs irgendwie leicht vertan wirkt. Dafür ist der Break-Down gegen Ende hin monströs. Bei Nothing`s Sacred winken erneut frühere Six Feet Under mit dem blutigen Zaunpfahl. Für ein Debütalbum ist das ein erstaunlich hohes Level und braucht sich vor keinem Genrekollegen zu verstecken.

Glaubte man noch, das Anfangs-Riff von Grave Dancer ist geil, so toppt es das von Frozen In Fear noch mal. Wer da nicht mitgeht, kann kein Metalhead sein. Allerdings wird es trotz dieses hammermäßigen Riffs kein hammermäßiger Song. Der Track wirkt irgendwie unrund, als hätten die Musiker nach dem Riff keine weiteren Ideen gehabt, um es zu einem Ganzen zu veredeln. Armageddon überrascht in der Mitte mit einem langen, gefühlvollen Gitarrensolo mit Streicher-Untermalung und Orchester-Samples. Das ist zwar sehr gekonnt, will aber so gar nicht zum traditionellen Death-Metal-Gestampfe in der ersten Hälfte des Songs passen.

Also weiter zu The Witch. Rasendes, schneidendes Gitarrenriff zu Beginn, das dann leider kurz ausgebremst wird. Hier wünscht man sich, dass die thrashigen Vocals wegblieben und der Song einzig und allein als Death-Metal-Nummer durchbrettert. Das donnernde Gedröhne im Midtempo ab Mitte des Songs ist okay, aber zu lang. Wieder hat man das Gefühl: Hier wurde die Chance zu einem richtig guten Song vertan. Trepidation beginnt mit fiesem Riff und hasserfüllten Growls und man hofft, dass die Band es diesmal durchzieht. Aber nee. Wieder der Wechsel zu den thrashigen Vocals mitsamt gedrosseltem Tempo. Das soll vermutlich wie eine Dampfwalze alles plattmachen, tut es aber nicht. Stattdessen juchzt man als Hörer vor Freude, wenn Mister Growls am Mikro übernimmt und es wieder abgeht noch einmal garniert mit Orchester-Samples.

Tombstoner – Victims Of Vile Torture
Fazit
Tombstoner legen mit ihrem Victims Of Vile Torture ein recht ambivalentes Debütalbum vor. Überraschend fetter Sound, immer wieder grandiose Ideen und eine hohe musikalische Qualität. Die Schlagzeugarbeit ist erstklassig, die Soli sind kreativ und auf sehr hohem Niveau und zwei Hauptriffs (bei Grave Dancer und Frozen In Fear) lassen die Konkurrenz sehr alt aussehen. Und auch die Growls können was und versprühen einiges an hitziger Aggressivität. Trotzdem überzeugt das Album nicht. Nur wenige der Songs wirken rund und ausgereift. Die zur Abwechslung eingebauten thrashigen Vocals rauben den Tracks fast immer den Schwung und man trauert den angedeuteten Großchancen zu wirklich starken Death-Metal-Songs nach. Tombstoner sind überaus talentiert, machen zwischendurch immer wieder viel Spaß, haben aber offenbar noch nicht für sich selbst herausgefunden, was sie wirklich gut können und wie sie klingen sollten. Ein Tipp: Death-Metal-Geballer und -Geshredder könnt ihr, das thrashige Gegroove könnt ihr in dieser Form getrost weglassen.

Anspieltipps: Nothing`s Sacred, Grave Dancer und Frozen In Fear
Tobias K.
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