Accept: 40 Jahre „I’m A Rebel“, ein Rückblick auf das zweite Album der Heavy Metal Kapelle aus Solingen

Das war noch nicht wirklich rebellisch, die ersten typischen Accept Ansätze lassen aber Großes erahnen

Tja, da hab ich gerade erst vor ein paar Tagen mit Wolf Hoffmann von Accept über die neue Scheibe Too Mean To Die gesprochen (hier nachzulesen). Dabei kamen wir auch auf die Anfangstage von Accept ins Sinnieren. Vierzig Jahre ist es her, dass I’m A Rebel als zweites Accept Album erschien. Der eine oder andere wird sich da noch dran erinnern und auch Jäger und Sammler dürften das Album im Schrank stehen haben. Nach dem selbst betitelten und nur mäßig erfolgreichen Erstlingswerk, hörte sich die zweite Platte schon etwas mehr nach Accept an, was aber auch noch mit Vorsicht zu genießen ist. Wie bereits zuvor saß Dirk Steffens an den Reglern und hat die Platte produziert. Die Besetzung bestand aus Sänger Udo Dirkschneider, Gitarrist Wolf Hoffmann, Bassist Peter Baltes, Drummer Stefan Kaufmann und als zweiter Gitarrist war Jörg Fischer mit an Bord. Noch bei der ersten Platte aus dem Jahre 1979 spielten Gerhard Wahl Gitarre und Frank Friedrich saß am Schlagzeug. Die im Vordergrund stehende Stimme Udo Dirkschneiders und die Gitarrenarbeit Hoffmanns hatten bis dahin die eingängigen Hardrock Nummern geprägt. Die Rhythmusgitarre wurde in den Hintergrund gemischt, sodass das gesamte Album nicht rifforientiert erscheint. Bei den Kritikern wurde Udo noch als Schreihals betitelt und im eigenen Land war die Reaktion auf das Debüt eher mittelmäßig. So bezeichnete das damals populäre Magazin Sounds die Platte „schön sauber produziert, schön sauber arrangiert, schön langweilig“. Die Platte verkaufte sich auch nur knapp 3000 Mal, was als Misserfolg zu werten war.

Beim zweiten Album war das erste recht stabile Line-Up der Bandgeschichte gefunden. Nur beim zweiten Gitarristen war man sich noch nicht so einig. So durften mal Jan Koemmet und auch Herman Frank mitmachen, der dann ja bei der Reunion 2009 wieder mit von der Partie war. So ging es dann auch durch die frühen Achtziger. Mit I’m A Rebel sollte das nun alles besser werden. Musikalisch geht das zwar noch in die gleiche Richtung, aber die ersten guten Ansätze in Richtung dessen, was man mit Accept verbindet, sind zu finden. Auch wurde mit dem Titeltrack ein kleiner Hit gelandet, der bei vielen einschlägigen Radiosendern oft zum Zuge kam. Ohne nennenswerte Unterstützung der Plattenfirma und kaum Promotion stieß Im A Rebel jedoch wieder auf Desinteresse. Irgendwie war 1980 die Zeit noch nicht reif für diese Truppe. Die Plattenfirma versuchte Accept auf den Trend der Neuen Deutschen Welle umzumodeln und verlangte, dass die Band auf Deutsch singen möge, was die aber zum Glück nicht für sich adaptierte. Auch ein Auftritt bei Manfred Sexauers Musikladen brachte keine Wende und so beschlossen Accept, sich von hinderlichen Störfaktoren zu trennen. Schlechtes Management und hohe Schulden sollten verschwinden und wenn die Band geschäftlich auf festem Boden steht, dann sollte es bergauf gehen. Bereits mit Album Nummer drei Breaker (1981) wurde diese Wende eingeläutet. Deutlich beim NWOBHM angelehnt, konnten die ersten internationalen Erfolge verbucht werden. Mit dem Song Son Of A Bitch rechnete die Band mit den unseriösen Machenschaften des Managements und der schlechten Entlohnung ab. Das hatte zur Folge, dass der Text nicht in der Platte abgedruckt werden durfte. 1981 stieß Gaby Hauke zu der Band, die das Management übernahm und auch in Zukunft Texte und Songs schreiben sollte. Sie wurde zu einem der wichtigsten Erfolgsgaranten für die noch junge Band aus Solingen. Die nachfolgende Tour als Support von Def Leppard und Judas Priest kann als erfolgreich gewertet werden, obwohl sie viel Geld kostete

Wie ging es weiter? Die Entwicklung zur Rifforientierung war richtig und das, was sich auf Breaker bereits abzeichnete, wurde mit Restless And Wild (1982) konsequent fortgesetzt. Die sirenenartige Stimme Dirkschneiders und das Twin-Gitarren-Konzept wurden zum Markenzeichen – so erarbeiteten sich Accept auch in Deutschland ein treues Publikum. Der Rest ist Geschichte. Erfolgreiche Alben wie Balls To The Wall (1983), Metal Heart (1985) und Russian Roulette (1986) bescherten ihnen den gebührenden Erfolg. Der sich öffnende Weg in die Staaten konnte vermeintlich nur ohne Udo Dirkschneider erfolgreich sein und so trennte man sich 1986 von der Stimme Accepts. Das folgende Album Eat The Heat (1989), auf der David Reece als Sänger fungiert, wurde ein kommerzieller Flop und nach Streitigkeiten entschloss man sich, Accept aufzulösen. Danach trennten sich Accept für ein paar Jahre, fanden aber 1993 wieder zusammen, um ein Album aufzunehmen und erneut auf Tour zu gehen. Bereits 1997 trennten sich Accept erneut, um dann 2005 für ein paar Festivals noch mal zusammenzukommen. Erst ab 2009 mit dem neuen Sänger Mark Tornillo können Accept an die frühen Erfolge anknüpfen und haben sich bis heute mit guten Alben wie Blood Of The Nations (2010), Stalingrad (2012), Blind Rage (2014) und The Rise Of Chaos (2017) in der Metalwelt etabliert. Wolf Hoffmann hält die Zügel fest in der Hand und ein Ende der Erfolgsgeschichte ist nicht in Sicht. Das im Januar 2021 erscheinende 16. Studioalbum dürfte dies deutlich machen.

Nun schauen wir uns aber noch mal I’m A Rebel genauer an. Mit etwas über 33 Minuten und acht Songs ist die Platte nicht wirklich lang. Der Opener I’m A Rebel ist dabei ein Stück, das von Alexander Young geschrieben wurde. Der Australier ist, wen wundert es, kein Geringerer als der Bruder der AC/DC Gitarristen Angus und Malcolm Young. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, der Track sollte mal auf einem AC/DC Album erscheinen, wurde aber nie veröffentlicht. Dieser Song ist der einzige Accept Song, der nicht von der Band komponiert wurde. Eigentlich ist I’m A Rebel aber eher unspektakulär. Die im Vordergrund zu hörende Gitarre zeigt allerdings bereits das Potenzial von Wolf Hoffmann auf – auch wenn hier noch Luft nach oben zu erkennen ist. Das Riff von Jörg Fischer und die sirenenartige Stimme von Udo sollten zum Markenzeichen werden, wie erwähnt, aber erst ab Breaker. Ebenfalls erst ab da markierten die Twin-Gitarren den typischen Accept Sound und inspirierten viele andere Bands. Zu I’m A Rebel gab es das erste Video der Band, das ich euch nicht vorenthalten möchte. Sorry für die Qualität, aber die Aufnahme ist wohl von 1980.

Save Us, der nächste Track, hört sich irgendwie unfertig an. Das einfache Riff wird durch Dirkschneiders Stimme dominiert. Das, was zu einem späteren Zeitpunkt das Markenzeichen werden sollte, ist hier noch gewöhnungsbedürftig. Auch der mehrstimmige Chorus reist das Ruder nicht rum, deutet aber schon in die richtige Richtung. Erst in der zweiten Hälfte des Liedes kommt eine Harmonie zustande, bei der dann Wolf Hoffmann mit einem guten Solo überzeugen kann. No Time To Loose kann als Ballade durchgehen. Gesungen wird das Stück nicht von Udo, sondern von Peter Baltes. Das hört sich schon etwas besser an als Dirkschneiders Sirenengesang. Damit kommt der Song gut rüber. Das Gitarrenspiel von Hoffmann ist kurz und knackig. Thunder And Ligtning beginnt mit Donner- und Gewittersound, der durch eine flotte Melodie abgelöst wird. Hier kommen die ersten Accept typischen Klänge zum Tragen. Das Riff gefällt gut und auch die Geschwindigkeit lässt hoffen. China Lady, Track Nummer fünf, beginnt ebenfalls munter und ist für damalige Verhältnisse eine gute Rocknummer – nicht mehr aber auch nicht weniger. Weiter geht es mit I Wanna Be No Hero. Dieser Song geht einen ordentlichen Schritt zurück. Das eher simple Stück kann so gar nicht überzeugen. Der Refrain mit einem zweifelhaften Chorus ist zum Abgewöhnen. Die zweite Ballade The King, ebenfalls von Baltes eingesungen, entschädigt dafür. Das macht der sehr souverän und dieses Stück könnte heute noch gut gehen. Schöne Ballade mit einer tollen Melodie und einem engagierten Wolf Hoffmann, der akustisch unterwegs ist. Schön auch der Baltsche Bass, der hier pumpend zur Geltung kommt. Mit der beste Track der Platte. Zum Abschluss gibt es noch Do It. Da darf Udo noch mal ran und zeigt zum einfachen Song, dass er mit seiner markanten Stimme das Ruder noch herumreißen kann. Damit ist die knapp über dreißig Minuten lange Platte zu Ende. Wer das Werk besitzt, der weiß vielleicht, dass es zwei unterschiedliche Cover gab und gibt. Einmal eins für den deutschen Markt, oben zu sehen und die englische Version, auf der ein Löwe in einem Schwert abgebildet ist.

Spricht man heute mit den beteiligten Musikern, dann sehen sie das nicht wirklich als Highlight ihrer Schaffenskunst. Ebenso wie die erste Platte kann man das als Erfahrung abtun. Das sollte sich dann in Zukunft ja bessern. Leider ist neben den unglücklichen Songs, der schlechten Produktion und der mangelnden Promoaktivitäten das Verkaufsergebnis nicht so berauschend und blieb hinter den Erwartungen zurück. Natürlich kann nicht jede Band mit einem monstermäßigen Album anfangen, sondern Steigerungen müssen oftmals hart erkämpft werden. Immerhin war bei I’m A Rebel schon ein Aufwärtstrend erkennbar, wenn auch nur im einstelligen Bereich. Trotzdem haben es Accept ja letztendlich geschafft und zeichnen, neben ihrem eigenen Erfolg, auch verantwortlich für den Speed- und True Metal vieler Bands. So hatten sie nicht unwesentlichen Einfluss auf die Frühphasen von Iron Maiden und Metallica.

Das lassen wir dann mal so stehen.

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