Das Impericon Festival 2018 am 28. April 2018 in Leipzig

“Anstrengender als so manches 3-Tages Festival“

Festival: Impericon Festival

Bands: Heaven Shall Burn, Boysetsfire, Eskimo Callboy, Comeback Kid, Silverstein, Neaera, Bury Tomorrow, Lionheart, Attila, Any Given Day, Alazka, Knocked Loose, We Came As Romans, Obey The Brave, Rings Of Saturn, Boston Manor, Novelists, Polaris, The Plot In You, Black Tooth Scares

Ort: Messe, Leipzig

Datum:  28.04.18

Kosten:  ab 74,90 € VVK

Veranstalter: Impericon/Kingstar

Link: https://www.impericon.com/de/

Wenn es um die Core Genres geht, kann man durchaus sagen, dass Impericon ganz vorne mit dabei sind und nicht nur den schönsten Merch präsentieren können, sondern auch mit sowohl Touren als auch Festivals zu überzeugen wissen. Insbesondere natürlich mit der jährlich stattfindenden Impericon Festival Tour, welche durch verschiedene Städte in Europa zieht und dabei in jeder Stadt ein leicht abgewandeltes Line-Up zu präsentieren hat. Den Höhepunkt feiert die Impericon Tour dann wie immer in Leipzig, wo sie nicht nur die Messehalle füllt, sondern auch stets ein mehr als ausgeprägtes Line-Up auffährt. Auch im April dieses Jahres war es wieder so weit – und das Spektakel lässt sich auch Time For Metal nicht entgehen.

Bereits früh am Morgen auf dem Weg zur Messehalle sieht man sie: Aufgeregte Fans, die sich in sommerlichen Mosh Hosen und entsprechenden Shirts gekleidet (und auch dem einen oder anderen Morgenbier) gemütlich zum Festival aufmachen. Ein besonderer Respekt gilt dabei auch den Festivalgängern aus München, die sich extra mit dem Bus nach Leipzig bringen lassen, um gleich am nächsten Tag noch einmal das Impericon Festival genießen zu können. Die Meute sieht leicht müde aus, aber scheint gewillt auch am zweiten Tag alles mitzunehmen. Der Einlass verläuft recht reibungslos, auch wenn sich alle Gäste zunächst Bändchen holen müssen und dann noch einmal durch eine Einlasskontrolle müssen. Fast kann man es schon als schade beschreiben, dass das Impericon Festival in der Halle stattfindet, denn das Wetter hätte an diesem Tag durchaus gereicht, das erste Outdoor Festival zu genießen. Mit zwei Bühnen, die Monster und die Marshall Stage, welche sich stetig abwechseln, kann man als Zuschauer jede Band sehen – anstrengend, aber machbar. Wie man es natürlich vom Impericon Festival gewohnt ist, ist auch für ein entsprechendes Rahmenprogramm gesorgt: Mehr als genügend Essensstände (Getränke ja wohl sowieso), eine Selfie Box, ein Karaoke Wagen, ein Friseur und natürlich die Signing Sessions ausgewählter Künstler. Alles hier zu beschrieben würde nun eventuell doch den Rahmen sprengen, konzentrieren wir uns also lieber auf die Bands:

Black Tooth Scares

Black Tooth Scares waren die Gewinner des Next Generation Contests, bei welchem unter anderem verschiedene Bands vorgestellt werden, für die dann Leser und Fans voten können. Am Ende hatte man quasi zwei Gewinner: Black Tooth Scares aus Deutschland und Cabin Boy Jumped Ship aus UK. In Leipzig waren Erstere mit dabei und durften als Opener das bereits recht zahlreiche Publikum begrüßen. Für vermutlich einen der bisher größten Auftritte der Gruppe nutzen Black Tooth Scares ihre Chance und zeigen da durchaus, was sie drauf haben. Insbesondere die Bühne wird von den einzelnen Mitgliedern stark genutzt, die Screams wissen zu gefallen und der Sound lässt sich auch durchaus als etwas abseits von der typischen Norm beschreiben. Noch fehlt es allerdings am wahren Wiedererkennungswert, und insbesondere die Cleans könnte man wohl live noch etwas besser hinbekommen. Es wird sich durchaus interessant gestalten, was aus Black Tooth Scares werden wird.

The Plot In You

Mit der nächsten Band kommt nicht nur irgendeine Band aus Ohio auf die Bühne, sondern eine Gruppe, welche mit ihrem letzten Album zum Einen einen radikalen Stilwechsel präsentierten und zum Anderen mich persönlich damit komplett umgehauen haben. Die Rede ist dabei von The Plot In You, die für viele eventuell eher unter dem Radar bisher liefen. Die Metalcore bzw. Alternative Rock Gruppe hat mit ihrem neuen Album Dispose definitiv die Meinungen gespalten. Der typische Aufschrei des Sell Outs mussten sich die Jungs natürlich anhören, wer jedoch dem Album eine Chance gibt und sich dabei auch mit den vorherigen Alben beschäftigt (insbesondere dem Meisterwerk Happiness In Self Desctruction) wird erkennen, dass es bei dieser Musik um weitaus mehr geht als Wut und harte Riffs – auch wenn sich beides noch immer in jedem Song manifestiert. Im Fokus der Gruppe steht natürlich auch Sänger und Gründungsmitglied Landon Tewers, welcher durchaus die fokussierteste und stärkste Stimme an diesem Tag präsentiert. Gefühlvoll und unschlagbar ergreifend fesseln The Plot In You mit sowohl ihrem Sound als auch dem Bühnenbild. Momentan sind sie zusammen mit Alazka, We Came As Romans und Polaris auf Tour unterwegs – wer also die Gelegenheit hat, sollte sich dieses Package nicht entgehen lassen.

Polaris

Speaking Of Polaris: Bereits bei der Never Say Die! Tour 2017 konnte die australische Gruppe als eine der ersten Bands des Tages das Publikum von sich überzeugen. Dass dies Eindruck hinterlassen hat und sich seitdem das Können und auch die Musik der Band wohl rumgesprochen hat, erkennt man sofort während ihres Auftritts beim Impericon Festival. Die Menge tobt und Textzeilen werden sicher und laut mitgesungen (oder eben geschrien). Insbesondere Jamie schafft es sich mit viel Energie über die Bühne zu bewegen, und dem Publikum ordentlich einzuheizen. Ein Metalcore, welcher sowohl an Architects, aber auch an „sanftere“ Gruppen wie The Word Alive erinnert, gepaart mit einer emotionalen Stimme, die diesen Wert auch nicht in den Screams verliert. Polaris besitzen definitiv das Potenzial sich hochzuspielen und die erste Headliner Tour durch Deutschland dürfte hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Rings Of Saturn

Musikalisch unglaublich spannend und gänzlich anders als das restliche Line-Up des Impericon Festivals zeigen sich auch Rings Of Saturn. Berühmt und berüchtigt für ihre Instrumentals sind es vor allem neugierige Blicke, die auf die Bühne gerichtet sind. Leider schaffen es die Herren in Rings Of Saturn nicht ganz, das, was sich so faszinierend auf der Platte anhört, auch mit auf die Bühne zu bringen. Insbesondere, wenn es um die Vocals geht, die hier live leider komplett untergehen. Aber auch die restliche Tonalität kommt nicht wirklich an, womit man hier definitiv ein wenig mehr erwartet hatte.

Bury Tomorrow

Bury Tomorrow könnte man durchaus als Dauergäste in Deutschland beschreiben – zumindest sprechen die drei Plektren der Band in meiner Sammlung eine eindeutige Sprache. Doch das scheint wohl auch keinen Besucher zu stören, so füllt sich doch der vordere Bühnenbereich noch um einiges mehr und kaum beginnt die Gruppe das Set, kommt man aus dem Springen und Moshen auch nicht mehr raus. Auch für die Briten dürfte das Jahr 2018 nicht unspannend werden. Vor wenigen Wochen veröffentlichten Bury Tomorrow die erste Single ihres neuen Albums Black Flame, welches am 13. Juli erscheinen wird. Genau dieser Song wird natürlich auch zum Besten gegeben und bringt das anwesende Publikum noch einmal mehr in Bewegung. Auch hier steht eine eigene Tour im Sommer an, bei der unter anderem auch auf den großen Festivals Rock Am Ring/Rock Im Park gespielt wird. Das Schönste an der Gruppe ist, dass sie sich nicht verbiegen und genauso sympathisch anzutreffen sind, wie sie auf der Bühne erscheinen. Wer also Fan ist und Lust auf einen Plausch hat: Ja, hier findet man tatsächlich die Band stets bei ihrem Merch Stand.

Neara

Für diese Band waren wohl extra viele Fans extra nach Leipzig gekommen: Neara hatten sich bereits im Jahre 2015 aufgelöst, und auch wenn es kein offizielles Statement gibt, ob denn nun die Band doch weiter macht, so wurden zumindest zwei exklusive Shows dieses Jahr gespielt, sowohl in Leipzig als auch in Oberhausen. Wie sich später herausstellt, liegt dies unter anderem am Auftritt von Heaven Shall Burn, da beide Bands eine lange Freundschaft verbindet und Neara hier wohl doch Teil der Party sein wollten. Dass die Fans sich auf diese Rückkehr insbesondere gefreut haben, erkennt man an der regelrechten Zerstörung, welche sich direkt vor der Bühne abspielt. Insbesondere wenn Sänger Benny sich in die Meute stürzt, gibt es für das Publikum kein Halten mehr und ja, da machen Neara Heaven Shall Burn durchaus Konkurrenz, was die Energie im Publikum angeht. Die Band selbst scheint jedenfalls mehr als glücklich wieder auf der Bühne zu stehen und wer weiß? Man kann nur hoffen, dass sie nun Blut geleckt haben und noch mehr Auftritte wie diese haben wollen.

Heaven Shall Burn

Und während wir die einen wieder neu begrüßen bzw. Willkommen heißen, müssen wir uns von anderen (etwas) verabschieden: Heaven Shall Burn verabschieden sich in ihre wohlverdiente Pause, um unter anderem auch ein neues Album aufzunehmen. Die damit gepaarte Nervosität über eben diese letzte Show lassen sich die Herren zwar nicht anmerken, dennoch sind die meisten Fans ja durchaus über die Tatsache im Bilde, womit man auch noch einmal extra Energie herauslassen möchte. Ähnlich wie bei ihren Headlinershows bringen Heaven Shall Burn ein krasses Bühnenbild und ordentlich Pyrotechnik mit. Zu der Livegenialität der Gruppe muss an dieser Stelle nicht mehr viel gesagt werden, aber Heaven Shall Burn ist eine Band, die man mal gesehen haben sollte. Und auch der massive Circle Pit, welcher sich hier über die Barrikaden hinweg durch die komplette Halle zieht, raubt einem schlichtweg den Atem. Man kann nur hoffen, dass die Pause nicht allzu lange dauert. Die Fans sind wohl jetzt schon gespannt, wie genau diese neue Platte denn dann klingen wird. Hier ist aber wohl oder übel noch Geduld gefragt.

Das Impericon Festival 2018 in Leipzig kann man als vollen Erfolg beschreiben, auch wenn es hier den Rahmen sprengen würde auf jede Band im vollsten Detail einzugehen. Von den kleinen Akustikmomenten von BoySetsFire, dem Feature zwischen Comeback Kid und Knocked Loose oder auch dem Attila Part während des Songs The Scene von Eskimo Callboy – an diesem Tag stimmte einfach das gesamte Paket und durch die vielen, intensiven Bands, die man auch noch alle mitnehmen konnte, zeigte sich das Impericon Festival 2018 fast schon anstrengender, als so manches 3-Tages-Festival – wir würden es aber nicht anders wollen!!

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