Eivør Salt Tour am 10.10.2022 im Täubchenthal, Leipzig

Speerspitzen des Symphonic Metal im Doppelpack

Eventname: Eivør Salt Tour

Headliner: Eivør

Vorband: Elinborg

Ort: Täubchenthal, Leipzig

Datum: 10.10.2022

Kosten: 34,50 €

Genre: Folk, Ethnopop

Besucher: ca. 200 Besucher

Veranstalter: Casius Event & Konzert GmbH

Setliste Eivør:

  1. Boxes (Room, 2012)
  2. Nothing to Fear (Segl, 2020)
  3. Salt (Slør, 2015)
  4. Only Love (Segl, 2020)
  5. Let It Come (Segl, 2020)
  6. Lívstræðrir (OST The Last Kingdom, 2018)
  7. Helig (OST The Last Kingdom, 2018)
  8. Skyscrapers (Segl, 2020)
  9. This City (Segl, 2020)
  10. Rain (Room, 2012)
  11. True Love (Room, 2012)
  12. Gullspunnin (Segl, 2020)
  13. Truth (Segl, 2020)
  14. Í Tokuni (Slør, 2015)

Zugabe:

  1. Trøllabundin (Slør, 2015)
  2. Falling Free (Room, 2012)
Elinborg – Taeubchenthal Leipzig – 2022

Hier geht es ausnahmsweise einmal nicht um Metal. Noch nicht einmal um Rockmusik. Das härteste, was ich in diesem Bericht auffahren kann, sind einige skandinavische Ethnosounds ähnlich denen von Projekten wie Heilung, Hagalaz‘ Runedance oder Wardruna. Der Rest ist dann doch eher Singer/Songwriter-Ethno-Pop mit deutlich nordischem Einschlag.

Sehr leer ist es am Anfang, die Mitarbeiterin an der Kasse ist nicht zufrieden. Doch füllt sich das Haus dann recht schnell, als es losgeht und irgendwann ist der Konzertsaal gut gefüllt, sehr viel mehr passen gar nicht hinein ins Täubchenthal.

Bei Eivør bleibt alles in der Familie. Als Vorband hat sie nämlich einfach ihre jüngere Schwester Elinborg mit auf Tour genommen. Musikalisch passt das auch ganz gut. Elinborgs Sound ist ebenfalls eine von der färöischen Heimat geprägte Melange aus Ethnosounds und verträumten Pop-Melodien, wie sie auch in den Balladen ihrer bekannteren Schwester anklingen. Der größte musikalische Unterschied zwischen der Musik der beiden Geschwister dürfte wohl sein, dass Elinborg vor allem auf versponnene Träumereien und leicht feenhaft anmutende Klänge setzt. Alles sehr ruhig, gefällig und hypnotisch eingängig. Interessant, dass sich Elinborg seit ihrem Debüt 2016 eher in den gleichen musikalischen Gefilden wie Eivør bewegt. Aber immerhin gilt die große Schwester als eine Art nationales färöisches Kulturgut und alles überragende Großkünstlerin mit sehr weitem Schaffensbereich und ist damit die bekannteste Kulturbotschafterin der Inselgruppe hoch im Norden. Das kann Frau sich auch zum Vorbild nehmen.

Nachdem ihre Schwester fünf Songs aus ihrem Repertoire gezeigt hat, darunter auch einen, den sie als ganz neu ankündigte, ist nun Zeit für Eivør. Hauptinhalte ihres Sets sind natürlich die neueren Songs vom Album Segl, das mittlerweile allerdings auch schon zwei Jahre alt ist. Eine recht ähnliche Setlist ist auch auf dem Live-Doppelalbum Live In Tórshavn zu finden, das sie 2019 in der Hauptstadt der Färöer aufgenommen hat.

Eivør – Taeubchenthal Leipzig – 2022

Man meint, in ihren Songs, ihrer Stimme Anklänge an Kate Bush zu hören. So gleich im ersten Song des Abends, Boxes. Der Vergleich ist nur recht und billig, denn sie selbst hat schon vor vielen Jahren ein Cover des Kate-Bush-Songs Hounds Of Love von deren gleichnamigem Album von 1985 aufgenommen. In Dänemark (und erst recht auf den Färöern) würde man natürlich sagen, Kate Bush klingt wie Eivør. Doch die Bandbreite nicht nur ihrer Stimme, sondern auch der Sounds der Songs ist groß. Zwischen Vangelis-artigen, kühl-melancholischen Überwältigungs-Soundwänden in Let It Come, wie sie wohl fast jeder aus dem Blade-Runner-Soundtrack im Ohr hat, bis hin zu Pink-Floyd-esk miteinander verwobenen Melodien in der Zugabe Falling Free – ohne jedoch deren Überproduziertheit – setzen die verschiedenen Songs alle eigene Akzente und unterstreichen die Bandbreite der Künstlerin.

Mit Lívstræðrir und Helig sind auch zwei Songs aus der Zusammenarbeit mit dem britischen Komponisten John Lunn für den Soundtrack der Serie The Last Kingdom, die zuerst auf BBC Two lief, spätere Staffeln bei Netflix. Die Fernsehadaption nach den Romanen der populären Uhtred-Saga von Bernard Cornwell spielt im England des 9. Jahrhunderts in den Konflikten zwischen Angelsachsen und dänischen Wikingern. Eivørs nordischer Ethnosound ist dort sehr passend und mit ihrer einzigartigen Stimme unterstreicht sie die archaische Welt aus Romanen und Fernsehen.

Während das ikonische Í Tokuni vom Album Slør, das mit fremdartig strenger Rhythmik im Ohr bleibt, den Schlusspunkt setzt, kommt ihr international wohl bekanntester Song Trøllabundin vom gleichen Album dann in der Zugabe. Mit Kehlkopfgesang und der großen Trommel ist die Performance wie immer ein Erlebnis. Beide Songs sind von einer Art nordischem Ethno-Sound geprägt, wie man ihn in ähnlicher Ausprägung zum Beispiel auch bei Wardruna finden kann. Der letzte Song des Konzertes ist Falling Free, ein älterer Song, vom Album Room der bei Eivørs Konzerten oft als Abschluss zu finden ist und nach dem das zufriedene Publikum mit den Eindrücken des Konzertes der beiden Pálsdóttir-Schwestern in die Nacht entlassen wird.