Megadeth – Megadeth

23.01.2026 - Speed-/Thrash Metal - BLKIIBLK Records - 47:13 Minuten

Der olle Dave hat kurz vorm Erscheinen dieses Albums angekündigt, Megadeth nach 40 Jahren aufzulösen und dem bisherigen Release‑ und Tourzirkus den Stecker zu ziehen. Manch einer wird sich darüber freuen, gilt Mega-Dave ja nicht unbedingt zu den uneingeschränkten Sympathieträgern der Szene. Dass er aber trotzdem eine riesige und vor allem treue Anhängerschaft aufgebaut hat, ist nicht zuletzt das Ergebnis harter Arbeit und der Veröffentlichung einiger unsterblicher Szeneklassiker wie Peace Sells oder Rust In Peace. Keine so leichte Aufgabe also, den passenden Schwanengesang als Schlusspunkt unter diese große Karriere zu setzen.

Das schlicht selbstbetitelte und von einem zur Hälfte in Flammen stehenden Vic Rattlehead gezierte letzte Album liegt nun also vor und startet mit Tipping Point gleich betont klassisch. Eine kurze Einleitung, ein schnelles Solo und schon kreist der Thrash‑Hammer. Der Opener geht gleich gut nach vorne los, bleibt dabei kontrolliert, wuchtig und simpel gestrickt. Der Kopf nickt also schon mal ordentlich mit und man hofft, dass es gleich so weitergeht.

I Don’t Care geht aber gleich in eine andere Richtung, weniger thrashig nach vorne, dafür deutlich punkiger, und lässt an diverse Skate‑Thrasher denken. Irgendwie erinnert man sich dabei an die New‑Yorker Urgesteine Overkill, die ja auch immer mal wieder mit diesen Elementen kokettiert haben. Das herrlich in den Vordergrund gemixte Bass‑Lick tut dabei sein Übriges. Starker Song und ein Highlight der Platte.

Das recht Midtempo‑lastige und eher durchschnittliche Hey God?! funktioniert als Puffer zwischen der Punk‑Nummer und dem nächsten Ausrufezeichen. Let There Be Shred hätte vom Anfangsriff her auch auf Kill ’Em All stehen können. Eine schnelle Nummer mit wunderschön klischeetriefendem Text („The amps start to roar, a tsunami of sound, controlling the air, shaking the ground“). Das macht Spaß und schon ist das Kopfnicken auch wieder da.

Drei richtig starke Nummern aus vier Tracks, klar, dass es nicht in diesem Maße weitergehen kann. Und so sind Puppet Parade, Another Bad Day und Made To Kill zwar gute und grundsolide Songs, bieten aber auch die Gefahr, beim unkonzentrierten Hören mal durchzurutschen. Der Chorus von Another Bad Day hat trotzdem Ohrwurmcharakter und kann einen auch schon mal länger verfolgen.

Made To Kill ist neben I Am War einer der beiden Antikriegs‑Songs auf dem Album und wird vorrangig vom starken Drumming geprägt. Nicht nur der Anfang, sondern auch die Einleitung zum schnellen und mitreißenden Chorus stellt die Trommelmaschine in den Vordergrund. Der Drumsound ist allgemein sehr stark geworden, wuchtig und sauber, aber mit jeder Menge Dynamik versehen.

In Obey The Call versucht Dave noch mal, den Sänger heraushängen zu lassen, und damit wären wir auch schon fast wieder durch – könnte man denken. Das stimmt zumindest teilweise; die letzten beiden Tracks sollte man aber auf keinen Fall unterschlagen, denn sie werden noch mal emotional. The Last Note ist, wie der Titel schon andeutet, so etwas wie der Abschiedssong einer Legende. Begleitet vom klassischen Metal‑Riffing à la Accept, steigert sich das Stück in einen fulminanten Chorus, in dem Dave noch mal die richtigen Worte findet und seine Karriere in wenigen Zeilen Revue passieren lässt. Dabei kann man schon wehmütig werden.

Am Ende schließt sich noch mal der Kreis zu den Anfängen, als ein junger Dave Mustaine noch zur Besetzung von Metallica gehörte. Mit Ride The Lightning lässt er es sich nicht nehmen, einen der besten Songs vom zweiten Album der Kalifornier wiederzugeben, welchen er nachweislich zumindest in Teilen noch selbst komponiert hatte. Vermutlich auch, um sich selbst noch Genugtuung zu geben, setzt das Stück einen Schlusspunkt unter eine starke Platte und die große Karriere einer Band. Dave selbst kann sich vorstellen, als Solokünstler weiterzumachen; ob das etwas wird, steht in den Sternen. Bis dahin kann man sich ja am großen Backkatalog der Band gütlich tun, der mit Megadeth jetzt noch mal um eine starke Nuance erweitert wurde.

HIER! geht es für weitere Informationen zu Megadeth Megadeth in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Megadeth – Megadeth
Fazit zu Megadeth
Megadeth ist ein erstklassiges Album geworden, welches nicht zu den absoluten Highlights der Bandgeschichte zählen wird, aber das man immer gern auflegt. Die Scheibe lebt insbesondere von einigen herausragenden Songs, dem starken Sound und der guten Produktion. Man geht weniger progressiv als so manches Mal in der Vergangenheit vor und bietet hier ein erstklassiges Speed‑Thrash‑Album mit starkem Songwriting. Danke und RIP.

Anspieltipps: Tipping Point, I Don't Care, Let There Be Shred und The Last Note
Matthias W.
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