Omnium Gatherum auf „European Tour 2026“ am 12.02.2026 im Knust, Hamburg

Zwei mal Melodic Death und einmal Prog Metal gehen auch an einem Freitag Abend

Event: May The Bridges We Burn Light The Way – Tour 2026

Support: Fallujah, In Mourning

Datum: 12.02.2026

Genres: Melodic Death Doom Metal, Black Metal, Pagan Folk Metal

Besucher: ca. 250

Ort: Knust, Hamburg

Kosten: 34,90 € VVK, 40 € Abendkasse

Setlisten:

  1. Song Of The Cranes
  2. Silver Crescent
  3. North Star
  4. Sovereign
  5. Colossus

  1. In Stars We Drown
  2. Kaleidoscopic Waves
  3. Radiant Ascension
  4. Amber Gaze
  5. Eden’s Lament
  6. Labyrinth Of Stone
  7. The Obsidian Architect
  8. Sapphire
  9. The Void Alone
  10. Xenotaph

  1. The Last  Hero
  2. Gods Go First
  3. Slasher
  4. The Darkest City
  5. Frontiers
  6. Walking Ghost Phase
  7. The Unknowing
  8. My Pain
  9. Reckoning
  10. Ignite The Flame
  11. Skyline

Encore:

  1. Luoto
  2. New Dynamic
  3. New Worls Shadows

Der heutige Abend ist fast gänzlich dem Melodic Death Metal gewidmet. Mein Chefredakteur hat so lieb gefragt, dass ich gar nicht nein sagen konnte und mich zur Omnium-Gatherum-Tour nach Hamburg bequeme. Eigentlich mögen wir diese Bands ja auch, und somit kommen wir in den Genuss, bei der zweiten Station der May The Bridges We Burn Light The Way-Tour dabei zu sein. Gestern war Tourauftakt in Kopenhagen, morgen geht es für den Tross weiter nach Leipzig. Mit dabei sind Fallujah und In Mourning, auf die ich mich ganz besonders freue, da sie regelmäßig in meiner Death/Doom-Playlist auftauchen. Leider steht der Auftritt von Omnium Gatherum unter keinem ganz so guten Stern: Stammsänger Jukka Pelkonen ist wegen einer akuten Krebserkrankung ausgefallen. Als Ersatz ist Henry Hämäläinen von Shade Empire eingesprungen und übernimmt zunächst für diese Tour den Dienst am Mikro. An dieser Stelle sei Jukka alles Gute und eine hoffentlich baldige Genesung gewünscht.  Einlass ist tatsächlich erst um 20:00 Uhr, um halb neun soll es dann losgehen. Vor der Tür warten im leichten Regen gut 100 Menschen, und als der Soundcheck den Einlass zusätzlich verzögert, sind nicht alle begeistert. Doch das Knust hat ein Einsehen, sodass man zunächst hineindarf, bevor sich die Türen zum kleinen Saal öffnen. Wie immer kommen wir problemlos ins Knust. Nachdem wir kurz einen Blick aufs Merch geworfen und die Jacken abgegeben haben, suchen wir uns einen Platz an der Treppe zur Galerie, die heute nicht geöffnet ist. Es sind schlicht zu wenige Gäste, um den Bereich zu öffnen. Durch die Verzögerung dauert es dann nur noch kurz, bis die erste Band die Bühne betritt.

Schwedischer Melodic Death lässt den Abend gut an

In Mourning, Knust, 12.02.2026, Pic: Kay L.

Zu unserer Verblüffung beginnen In Mourning, obwohl ich eigentlich mit Fallujah gerechnet hatte. Der Vierer aus Vansbro wird durch Bassist Erkki Silvennoinen ergänzt, der sonst bei Omnium Gatherum spielt. Der eigentliche In-Mourning-Bassist ist nur bei den Plattenproduktionen dabei und geht nicht mit auf Tour. So hat sich Erkki bereiterklärt, einzuspringen, und absolviert auf dieser Tour jeden Abend gleich zwei Auftritte. Das scheint ihm aber zu gefallen, denn er macht seine Sache, als wäre er schon immer Teil von In Mourning. Sie starten mit Songs Of The Cranes vom aktuellen Album The Immortal, das ich zufällig auch zum Signieren dabeihabe. Sänger Tobias Netzell, sehr schwedischer Name, überzeugt von Anfang an. Er ist nicht nur Frontmann, sondern fungiert auch als dritter Gitarrist, was dem Sound deutlich mehr Volumen verleiht. Drummer Cornelius Althamer, der nächste Nichtschwede in der Band, ist seit 2024 dabei und, wie wir später erfahren, Berufsdrummer. Munter geht es durch die insgesamt fünf Songs, und live ist das schon ein echtes Brett. Gefällt mir richtig gut. Leider bleiben ihnen nur knapp 35 Minuten Spielzeit. Das ist schade, denn immerhin haben die Jungs bereits acht Alben veröffentlicht und somit genügend Material für ein längeres Set. Nun ja, so ist das manchmal.

Amerikanischer Technical Death Metal überzeugt nicht gänzlich

Fallujah, Knust, 12.02.2026, Pic: Kay L.

Der Umbau geht relativ schnell vonstatten, helfen doch alle mit. Das Drumkit bleibt bis auf einige Becken stehen, und auch das Backdrop wird zügig ausgetauscht. Ein paar Kabel werden neu verlegt, andere Gitarren bereitgestellt, und dann kommen Fallujah auf die Bühne. Der erste Höreindruck bei einem der Streamingdienste ließ mich nicht unbedingt als Fan zurück, denn der Death Metal ist teilweise sehr corelastig. Gute Ansätze sind zwar da, aber so richtig meins ist das nicht. Vielleicht ist es live ja anders, wie so oft. Die nach einer irakischen Stadt benannten Amis haben eine zehn Songs umfassende Setlist und beginnen selbstbewusst mit In Stars We Drown vom aktuellen Longplayer. Zu viert stehen sie auf der Bühne, verzichten dabei allerdings auf einen Bassisten. Warum, bleibt unklar, aber Gründe wird es sicher geben. Das Bandkarussell hat sich bei Fallujah ohnehin schon häufiger gedreht. Aktuell stehen Scott Carstairs und Sam Mooradian an den Sechssaitern, während am Schlagzeug der noch recht junge Kevin Alexander sitzt. Sänger Kyle Schäfer gefällt mir zu Beginn recht gut, denn er ist eindeutig die treibende Kraft. Seine Mimik und Gestik machen einiges wett, und so übernimmt er klar die Rolle des Entertainers. Zwischendurch gibt es jedoch immer wieder Passagen, die für mich nicht ganz passen. Der Wechsel zwischen Clean-Gesang und Growls gelingt, allerdings wird der Stimme stellenweise zu viel Hall beigemischt. Trotzdem haben sie immer wieder starke Sequenzen, sodass der Kopf ganz von selbst zu nicken beginnt. Die meisten Tracks stammen vom Album Xenotaph aus dem letzten Jahr. Wirklich abholen können sie mich dennoch nicht. Immerhin kann ich so das komplette Set durchknipsen, auch wenn viel Nebel in der Luft hängt. So richtig spannend ist die Show nicht, aber aus erhöhter Position lassen sich immerhin gute Bilder machen. Durch die ohnehin späte Anfangszeit beenden Fallujah ihren Auftritt um 22:15 Uhr.

Omnium Gatherum werden ihrem Status als Headliner voll gerecht

Omnium Gatherum, Knust, 12.02.2026, Pic: Kay L.

 Nun muss etwas mehr umgebaut werden. Das Grund-Drumset bleibt stehen, aber diverse Becken, Snares und Fahnen werden montiert. War es vor der Bühne bei den ersten beiden Bands noch recht lückig, rücken jetzt einige nach, um möglichst dicht am Geschehen zu stehen. Die Bühne füllt sich ebenfalls, immerhin teilen sich sechs Musiker den Platz. Direkt neben dem Drumkit steht nun Aapo Koivisto an den Keyboards. Davor agieren mit Nick Cordle und Marcus Vanhala zwei Gitarristen sowie der bereits bekannte Bassist Erkki Silvennoinen. Dazu kommt Sänger Henry Hämäläinen, der hier auf den Punkt abliefert. Da hat die Band einen starken Ersatz für Jukka Pelkonen gefunden, dem man die Bürde dieser Rolle nicht anmerkt. Ab dem ersten Song The Last Hero zieht er voll durch und wirkt dabei absolut souverän. Bedingt durch die Menge an Menschen ist auf der Bühne zwar nicht allzu viel Platz, doch der vorhandene Raum wird genutzt. Links stehen oft Erkki und Nick beieinander, lassen die Haare kreisen oder übernehmen gemeinsam den Backgroundgesang. Manchmal gesellt sich Marcus dazu, der bekanntermaßen ja auch bei Insomnium spielt. Vor der Bühne zieht das Publikum mit, die wuchtigen Beats treiben alle an. Der melodische Death Metal kommt bestens an. Bereits nach dem dritten Song und der Begrüßung durch Henry bildet sich der erste Moshpit. The Darkest City sorgt für ordentlich Bewegung, was die direkt an der Bühne Stehenden deutlich zu spüren bekommen. Rempler bleiben da nicht aus, aber alles bleibt im Rahmen. Auch Omnium Gatherum haben mit May The Bridges We Burn Light The Way ein neues Album am Start, von dem rund ein Drittel der Songs auf der Setlist stammt. Der etwas sperrige Titel ändert nichts daran, dass Omnium Gatherum eine erstklassige Melodic-Death-Metal-Band sind. Sie werden ihrem Genre mehr als gerecht und räumen ordentlich ab. Auch ältere Stücke wie das etwas ruhigere The Unknowing oder Skyline vom Album Beyond sorgen für Begeisterung. Man merkt der Band die Spielfreude deutlich an, und selbst Erkki scheint der vorangegangene Auftritt mit In Mourning nichts auszumachen. Das war wohl eher das Warm-up. Die Finnen liefern ab und hinterlassen eine begeisterte Menge. Drei Zugaben gibt es noch, bevor Omnium Gatherum kurz nach Mitternacht die Bühne verlassen. Ein langer Abend. Dass das im Knust problemlos möglich ist, während andere, ebenfalls etwas abseits gelegene Locations früher Schluss machen müssen, überrascht mich schon. Inzwischen haben wir unsere Jacken geholt und treffen am Merch-Stand den Drummer von In Mourning. Der gebürtige Heidelberger hat einiges zu erzählen. Weil das sicher auch für andere spannend ist, laden wir ihn direkt in unseren Podcast Leise War Gestern ein. Natürlich lassen wir uns noch die mitgebrachte Platte signieren. Kurz darauf kommen auch die Musiker von Omnium Gatherum in den Vorraum. Das neue Album wird ebenfalls von allen unterschrieben, und damit habe ich mein Ziel erreicht. Dank eines ehemaligen Telekom-Arbeitskollegen (danke Christian) habe ich sogar noch eine haptische Karte bekommen, sodass auch die Dokumentation passt.

Wir verlassen das Knust gegen Viertel vor eins und machen uns auf den Heimweg. Das hat sich gelohnt. Trotz anfänglicher Skepsis war es am Ende ein hervorragender Abend mit richtig guter Musik.