Oceanica – One Dark

Ein heißer Anwärter auf mein "Album des Jahres"

Artist: Oceanica

Herkunft: Brighton, England

Album: One Dark

Spiellänge: 52:46 Minuten

Genre: Progressive Rock, Progressive Metal

Release: digital bereits veröffentlicht, Physikalisches Release: 25.10.2019

Label: Progressive Gears

Link: https://www.facebook.com/OceanicaUK/

Produktion:

Mixed by George McKenzie at Small Pond Studios and with additional mixing by Benedict Harris-Hayes at Ethereal Tantrum Studios.
Mastered by Benedict Harris-Hayes at Burly’s Mastering Suite and Ethereal Tantrum Studios, Brighton.

Bandmitglieder:

Gesang und alle Instrumente – Benedict Harris-Hayes
Drums engineered and recorded by Simon “All the best!” Yapp and Benedict Harris-Hayes at Subtown Studios, Brighton.
Guitars, Bass, Piano, Synths, Kazoo and Vocals recorded at Ethereal Tantrum Studios and Bill’s Garage, Brighton.

Tracklist:

  1. Youth
  2. Overcome
  3. All The Cool Kidz R Doin‘ It
  4. Amounting To Nothing
  5. Start From The Start
  6. Oubliette
  7. Got A Feeling
  8. Towards The Sun
  9. 8
  10. Reverence
  11. The Rose, Abloom
  12. The Entangled Roots Of…
  13. The Oblivion Tree

 

Mit ihrem wunderbaren Album Evolution: Creatio Ex Nihilio aus dem Jahr 2010 habe ich die Band Enochian Theory kennen- und lieben gelernt. Im September 2012 durfte ich sie dann auch live erleben, bevor nach dem Folgealbum Life…And All It Entails die Band verkündete, dass sie eine Auszeit einlegen würde. Aber nach langen Jahren des Wartens hat sich der Frontmann von Enochian Theory, Benedict Harris-Hayes mit dem ersten von drei geplanten Soloalben zurückgemeldet. Und was für ein wunderbares Werk hat er da erschaffen!

Mit einer Zeitreise ganz weit zurück in die Kindheit startet das Album. Youth ist denn auch der Titel des Songs. Das Aufziehen der Spieluhr und die folgenden Klänge lassen mich fast die Penaten-Creme riechen, die damals so etwas wie ein universell einsetzbares Hausmittel war. Mit dem drittlängsten Song des Albums kommt dann auch gleich Overcome. Das würde sich, rein instrumental gehalten, auch wunderbar als Post Rock-Song eignen, ruhig und gleichzeitig erhaben kommt er daher. Aber neben sämtlichen Instrumenten, die Ben eingespielt hat, veredelt er die Songs auch noch mit seiner wunderbaren Stimme. Wer den Gesang von Jon Anderson (Yes) oder auch Ashe Austin o’Hara (ex-Tesseract, Voices From The Fuselage) mag, wird auch diesen hier in sein Herz schließen.

Dann kommt auch gleich mein erster Anspieltipp, wobei das ganze Album ein einziger (An-)Spieltipp ist. Aber All The Cool Kidz R Doin‘ It ist so ungewöhnlich selbst für einen sehr experimentierfreudigen Musiker, wie Ben es ist. Irgendwie Indierock, irgendwie ein bisschen Djent, irgendwie tanzbar sorgt der Upbeat-Track, der tatsächlich schon fünf Jahre alt ist und jetzt seine Renaissance erlebt, bei mir sofort für ein breites Grinsen.

Oubliette kommt dann mal sehr elektronisch daher, das Keyboard ist omnipräsent, nur die Gitarre wagt es, ihm den Platz an der Sonne streitig zu machen. Mich erinnert der Song ein wenig an die ganz alten Sachen von Mike Oldfield, als der noch so wunderbare Alben wie Ommadawn oder Platinum rausbrachte. Neofolk hieß das Ganze damals, und das würde auch hier passen.

Got A Feeling ist nicht das erste Stück, bei dem Ben mit sehr vielen Gesangsspuren arbeitet, der Track sticht allerdings dadurch hervor, dass man ihn tatsächlich in die Schublade mit der Aufschrift „Pop“ stecken könnte. Ungemein tanzbare Strophen im schönen Wechsel mit dem so eindringlich vorgetragenen Chorus, ich kenne wenige, die so verwegen sind, wie Ben, aber genau dafür liebe ich seine Musik. Mehr oder weniger durchgängig Pop zelebriert Ben im Übrigen bei The Rose, Abloom, auch da dürfte es kaum jemanden auf seinem Stuhl halten, und ich war froh, dass ich Funkkopfhörer habe.

An eine amerikanische Band muss ich bei 8 denken. Ob Ben die auch im Sinn hatte, weiss ich nicht, aber hier drängt sich tatsächlich der Name Tool, und speziell deren Meisterwerk Lateralus, in mein Hirn.

Ein wenig aufs Glatteis führt Ben den Hörer mit dem Beginn von meinem absoluten Lieblingstrack des Albums, Reverence. Da legt er nämlich tatsächlich mit so was wie Black Metal-Geschreddere los. Nach dieser kurzen Einlage begibt er sich aber wieder auf „sicheres“ Terrain und liefert wieder einmal einen Song, der an Eindringlichkeit kaum zu überbieten ist. Für mich sein absolutes Meisterstück, das mich seltsamerweise an Ghost Ship Octavius erinnert, auch wenn die mit der Musik von Ben erst einmal so gar nichts zu tun haben.

An die letzte Stelle von One Dark hat Ben den längsten Song gepackt. The Oblivion Tree kommt auf etwas über sieben Minuten Spielzeit. Der überwiegend vom Klavier- und Synthesizerspiel getragene Song könnte auch auf früheren Werken von Vangelis seinen Platz finden. Immer in sich ruhend, kommt The Oblivion Tree mal sehr episch und im Breitwandsound daher, um dann wieder sehr reduziert aufzutreten. Die Stille danach ist dann aber fast schon laut…

Auf der Bandcamp-Seite von Progressive Gears kann man sich One Dark anhören, hier ist ein kleiner Teaser, der Euch die Entscheidung erleichtern sollte:

Oceanica – One Dark
Fazit
Mich erinnert das, was Ben hier mit seinem "Soloprojekt" Oceanica macht, an das, was schon Mariusz Duda von Riverside mit Lunatic Soul – und sicherlich noch viele andere Künstler – machen. Das, was mit der Band eher nicht möglich ist, wird "ausgelagert". Wenn man dann überhaupt keine Kompromisse mehr eingehen muss, kommen tatsächlich meist ganz andere Werke ans Tageslicht. Mir gefällt das, womit Ben sich mit Oceanica austobt, richtig gut, und ich bin sehr auf die beiden folgenden EPs gespannt. Unser Punktesystem geht zwar nur bis 10, aber vielleicht wird's ja ein Triple… 😀

Anspieltipps: All The Cool Kidz R Doin' It, Got A Feeling und Reverence
Heike L.
10
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Pro
Contra
10
Punkte
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