Ronald James Padavona: heute vor zehn Jahren starb der kleine große Mann

Mit seiner vielschichtigen Stimme prägte er den Hardrock und Heavy Metal wie kaum ein anderer

Ganze zehn Jahre ist es schon her, seit eine der größten Stimmen im Hardrock und Heavy Metal für immer verstummte, doch bis heute blieb Ronnie James Dio, der gleich mehreren Bands zu Glanz verhalf, unvergessen.

Am 10. Juli 1942 wurde Ronald James Padavona in Portsmouth, New Hampshire, USA geboren und bereits im frühen Kindesalter spielte Musik eine Rolle in seinem Leben, denn auf Drängen seines Vaters spielte er mit fünf Jahren schon Trompete und Bassgitarre. Ab dem 14. Lebensjahr spielte er in diversen Schulbands, darunter The Vegas Kings, Ronnie & The Rumblers und Ronnie And The Red Caps. Schon ab 1960 benutzte er seinen Künstlernamen Dio, was im Italienischen für Gott steht, aber in seinem Fall auf den Florida-Mafiosi Johnny Dio gemünzt war, den er in der Jugend verehrte. So hieß die nächste Band dann auch Ronnie Dio And The Prophets, mit der erste Singles und das Album Dio At Domino`s (1963) veröffentlicht wurden. Mit dem späteren Hardrock-Sound hatte das natürlich noch nicht viel gemein, man spielte Chart-Hits der 50er und 60er Jahre.

1967 gründete Ronnie Dio die Dixie, Blues und Rock ’n‘ Roll Band The Electric Elves, die neben Sänger und Bassist Ronnie aus Gitarrist David Feinstein, Gitarrist Nick Pantas, Keyboarder Doug Thaler und Drummer Gary Driscoll bestand. 1968 wurde die Band in einen Autounfall verwickelt, bei dem Nick Pantas verstarb und Doug Thaler schwer verletzt wurde und die Band verließ. Auch Dio selbst trug erhebliche Verletzungen davon. In dem späteren Line-Up wurde der Bandname 1969 auf The Elves und 1970 noch einmal auf Elf abgekürzt. Bei einem der zahlreichen Clubauftritte wurden sie 1972 von Bassist Roger Glover und Drummer Ian Paice von Deep Purple gehört, die ihnen direkt einen Plattenvertrag anboten. Zwischen 1972 und 1975 nahm man insgesamt drei Alben auf (Elf (1972), Carolina County Ball (1974), Trying To Burn The Sun (1975)) und begleitete Deep Purple bei mehreren US-Touren, bevor man sich 1975 schließlich auflöste.

Gitarrist Ritchie Blackmore, der gerade Deep Purple verlassen hatte, gründete 1975 das Soloprojekt Ritchie Blackmore`s Rainbow, angelte sich Dio als Sänger und stockte die Band mit Bassist Craig Gruber, Keyboarder Mickey Lee Soule und Schlagwerker Gary Driscoll der gerade aufgelösten Band Elf auf. Noch bevor 1975 das Debüt Ritchie Blackmore`s Rainbow erschien, wurden erst einmal alle Bandmitglieder, mit Ausnahme von Dio, ausgewechselt. Das klassische Rainbow Line-Up mit Drummer Cozy Powell, Bassist Jimmy Bain und Keyboarder Tony Carey kam zum Einsatz. In dieser Besetzung folgte bereits 1976 gemeinsam mit den Münchner Philharmonikern das zweite Album Rising und die Band setzte Maßstäbe. Im Anschluss folgte 1976/1977 die erste Tour mit den noch recht unbekannten AC/DC im Vorprogramm, auf der in Japan das Livealbum On Stage mitgeschnitten wurde. 1978 erschien, wiederum in neuer Besetzung mit Bassist Bob Daisley und Keyboarder David Stone das dritte Album Long Live Rock ’n‘ Roll, welches hohe Chartpositionen erreichte. Noch im gleichen Jahr verließ Ronnie Dio die Band, weil Blackmore die Band Rainbow als sein ganz eigenes Baby und sich selbst als das Zentrum allen Geschehens betrachtete.

Ab November 1978 schloss Dio sich Black Sabbath an, die einen Ersatz für Ozzy Osbourne suchten. Die Fans waren anfangs skeptisch und wollten Dio als neuen Frontmann nicht akzeptieren, doch gleich mit dem ersten gemeinsamen Album Heaven And Hell (1980) wurde diesen der Wind aus den Segeln genommen. Das Album entwickelte sich, obwohl Bassist Geezer Butler während der Aufnahmen kurzzeitig aus der Band ausstieg und Sänger Dio, Gitarrist Toni Iommi und Drummer Bill Ward zu dritt an den Aufnahmen feilten, zu einem bedeutenden Meilenstein der Bandgeschichte und des ganzen Hardrocks. Während der anschließenden Tour verließ Schlagzeuger Bill Ward die Band und wurde durch Vinny Appice ersetzt. So spielte man das zehnte Black Sabbath Album Mob Rules (1981) ein, das zweite mit Dio als Frontmann. Der Erfolgsdruck wurde ziemlich groß und so entstanden schnell erste Spannungen innerhalb der Band. 1982 wird noch das Livealbum Live Evil veröffentlicht, doch es kommt zum Bruch und die Band wird in zwei Lager mit Iommi/Butler und Dio/Appice gespalten. Letztlich zog Iommi die Reißleine und trennte sich von Dio und Appice, wobei Dio vorgeworfen wurde, ein Kontrollfreak, eine Art Adolf Hitler, zu sein.

Der frühere Deep Purple Frontmann Ian Gillan wurde Dios Nachfolger bei Black Sabbath. Dio dagegen startete im Oktober 1982 gemeinsam mit Schlagzeuger Vinny Appice sein Solo-Ding Dio. Vervollständigt wurde die Band durch Gitarrist Vivian Campbell und Bassist Jimmy Bain. Im Mai 1983 erschien das Debütalbum Holy Diver, welches Gold und Platin einheimste. Anfangs spielte Dio noch selbst Keyboard, doch live auf der Bühne war das nervig und so wurde Claude Schnell als fester Keyboarder in die Band geholt. 1984 folgte The Last In Line, welches ebenfalls Platin-Status erreichte und bereits 1985 wurde Sacred Heart nachgelegt, das wiederum Gold einfuhr.

Nach den großen Vorbildern von Band Aid und USA For Africa brachte Ronnie James Dio 1985 eine ganze Reihe von Hardrock und Heavy Metal Musiker zusammen, um unter dem Banner Hear`n Aid den Song Stars aufzunehmen, der 1986 veröffentlicht wurde und dessen Gewinne an die Hunger- und Entwicklungshilfe gespendet wurden. An dem Benefiz-Musikprojekt der Metalszene waren u.a. Rob Halford, Don Dokken, Geoff Tate, Dave Murray, Adrian Smith, Yngwie Malmsteen, Eric Bloom, Paul Shortino und Neal Schon beteiligt. Das geplante Nachfolgeprojekt Children Of The Night zugunsten weggelaufener Kinder kam nie zustande.

1986 wurde Vivian Campbell aus der Dio Band gefeuert und durch Craig Goldy ersetzt. So wurde Dream Evil (1987) eingespielt, bevor auch Goldy 1988 wieder gehen musste. Die Band brach auseinander und so mussten 1989 auch Schnell und Bain gehen, bevor auch Appice freiwillig ging. 1990 erschien noch Lock Up The Wolves in völlig neuem Line-Up, welches aus Gitarrist Rowan Robertson, Bassist Teddy Cock, Keyboarder Jens Johansson und Drummer Simon Wright bestand.

Danach wurde die Dio Band jedoch zugunsten einer Black Sabbath Reunion auf Eis gelegt. Dio spielte gemeinsam Iommi, Appice und Butler das 16. Black Sabbath Album Dehumanizer (1992) ein – schon während der Aufnahmen kam es erneut zu Unstimmigkeiten, doch man ging noch zusammen auf Tour. Während einiger Konzerte sollte sich Dio zusammen mit Ozzy Osbourne die Bühne teilen, doch stattdessen verließ der kleine große Mann die Band lieber, und wurde für die Konzerte mit Ozzy durch Rob Halford ersetzt.

Nach dem kurzen Black Sabbath Ausflug reaktivierte er die Dio Band wieder, doch nur Vinny Appice kehrte zu ihm zurück. Stattdessen wurden dann Gitarrist Tracy Grijalva, Keyboarder Scott Warren und Bassist Jeff Pilson in die Band geholt, doch mit den folgenden Alben Strange Highways (1993), Angry Machines (1996) und Infero-Last In Live (1998) kann man nicht mehr an alte Erfolge anschließen, da man sich vom Sound der 80er Jahre abwandte. Erst nachdem Craig Goldy und Jimmy Bain zurückgeholt wurden, geht es mit Magica (2000) wieder aufwärts, sodass das Album auch als Comeback-Album angesehen wurde. Es folgten Touren mit Deep Purple durch Europa und mit Yngwie Malmsteen und Doro durch die USA, doch schnell entstanden erneut Spannungen und es kam erneut zu Line-Up-Wechseln. Goldy wurde durch Doug Aldrich ersetzt, mit dem Killing The Dragon (2002) aufgenommen wurde, doch nach einer Tour mit den Scorpions und Deep Purple wechselte er zu Whitesnake und Goldy kam zurück. Dafür verließ Bain die Band wieder. 2004 wurde das zehnte Studioalbum mit Jeff Pilson am Bass eingespielt, der nach den Aufnahmen durch Rudy Sarzo ersetzt wurde. 2005 erschien das Livealbum Evil Or Divine-Live in New York City, welches 2003 bereits als DVD veröffentlicht wurde. Auf der Tour 2005 wurden zwei unterschiedliche Sets gespielt, ein Best of-Programm und eines mit Songs des Debütalbums, ein Mitschnitt des zweiten Sets wurde 2006 als Holy Diver Live veröffentlicht.

2007 gab es nochmals eine Black Sabbath Reunion mit Dio, wobei drei neue Songs entstanden. Anstatt wie geplant auf einem Album, erschienen sie aber auf der Black Sabbath Compilation The Dio Years. Black Sabbath arbeiteten gerade an einer Reunion mit Ozzy Osbourne und so entschlossen sich Tony Iommi, Geezer Butler und Vinny Appice zusammen mit Dio als Heaven And Hell auf Tour zu gehen, wobei die Liveaufnahme Live From Radio City Music Hall entstand. 2009 erschien noch das The Devil You Know Studioalbum und man trat im gleichen Jahr als Headliner auf dem Wacken Open Air auf. Der Wacken Gig wurde später als Neon Nights: 30 Years Of Heaven & Hell – Live At Wacken veröffentlicht. Im November 2009 wurde bekannt, dass Ronnie an Magenkrebs erkrankt ist, er selbst zeigte sich jedoch optimistisch, den Krebs besiegen zu können.

The Devil You Know mit Heaven And Hell sollte das letzte Studioalbum des kleinen Mannes mit der großen Stimme sein. 2010 sang er noch mit The Rods den Song The Code und den Song Metal Will Never Die für das Soloalbum seines Cousin David Feinstein ein. Seine allerletzte Aufnahme, denn am 16. Mai 2010 verstarb Ronnie James Dio im Alter von 67 Jahren an den Folgen des Magenkrebs. Er wurde am 30. Mai 2010 auf dem Forest Lawn Memorial Park in Los Angeles beigesetzt.

Legenden sterben jedoch nie so ganz, denn seine ehemaligen Bandmitglieder gründeten mit dem früheren Judas Priest Fronter Tim „Ripper“ Owens und dem Little Angels Sänger Toby Jepson die Band Dio Disciples und hielten das Erbe aufrecht. Jepson wurde später durch den Lynch Mob Sänger Oni Logan ersetzt, auch Metal Queen Doro Pesch und Black Sabbath/Dio Drummer Vinny Appice traten als Gastmusiker mit der Band auf. Auf dem Wacken Open Air 2016 kehrte dann sogar der Meister selbst zurück auf die Bühne, wenn auch nur in Form eines Hologramms während des Auftrittes der Dio Disciples, was aber sehr umstritten aufgenommen wurde.

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