Ruhrpott Metal Meeting 2019 am 06.12 und 07.12.2019 in der Turbinenhalle in Oberhausen

Alle Jahre wieder...

Eventname: Ruhrpott Metal Meeting 2019

Bands: Kataklysm, Insomnium, Whitechapel, The Black Dahlia Murder, Fleshgod Apocalypse, Dyscarnate, Queensrÿche, Battle Beast, Kissin‘ Dynamite, Entombed A.D., Carnivore A.D., The Iron Maidens, Necrohobic, Debauchery, Okilly Dokilly, Graceless, Stillbirth

Ort: Turbinenhalle, Im Lipperfeld 23, 46047 Oberhausen

Datum: 06.12 – 07.12.2019

Tickets: Freitag 42,90 €, Samstag 53,90 €, Kombiticket 81,40 €

Genre: (Brutal) Death Metal, Heavy Metal

Veranstalter: Continental Concerts & Management GmbH

Link: https://www.ruhrpott-metal-meeting.de/

Freitag

Schwer haben es die Festival Opener Dyscarnate, als sie um 17:50 Uhr die Bühne betreten. Noch ist die Halle nahezu leer, doch haben sich einige eingefleischte Fans bereits in der ersten Reihe eingefunden. Die Bühnenshow ist noch nicht ausgereift und man sieht ihnen die Nervosität an, die sie nicht nötig haben, denn auf der musikalischen Seite liefern sie bereits ordentlich ab. Deutlich routinierter geben sich  hingegen Fleshgod Apocalypse. Jede Geste, jede kleinste mimische Veränderung sitzt perfekt. Musikalisch legt das Sextett die Messlatte für den Abend sehr hoch an und reißt nicht nur Fans, sondern auch Neulinge mit. Diese Stimmung können The Black Dahlia Murder nur begrenzt erhalten. Die Show, die sie liefern, fällt nicht aus ihrem gewohnten Rahmen, doch kommt noch nicht so richtig die Moshpit Stimmung auf, die ich mir um diese Zeit gewünscht hätte. Die Amerikaner von Whitechapel glänzen jedoch mit ihrem Auftritt. Die Stimmung beginnt nun richtig hochzukochen und schlägt in eine actionreichere Richtung. Die Halle ist mittlerweile gut gefüllt und die Masse tobt, während die Band ihr fast eine Stunde einheizt. Insomnium gönnen dem Konzertbesucher dann noch eine Verschnaufpause, denn im Vergleich mit Whitechapel wirken sie fast ruhig, sind aber qualitativ noch einen Hauch besser. Die Finnen wissen genau, was die Fans wollen und geben es in perfekter Dosierung ab. So gestärkt geht es weiter mit dem Headliner dieses Abends: Kataklysm! Wer hier nicht in Wallung kommt, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Als perfekt brutaler Abschluss dieses ersten Festivaltages schmettern die Franko-Kanadier uns für über eine Stunde einen Kracher nach dem anderen um die Ohren. So wundervoll erschlagen, falle ich müde ins Bett und kann den Samstag kaum erwarten.

Samstag

Schon beim Betreten der Turbinenhalle habe ich meinen persönlichen Fangirl-Moment, als im selben Augenblick die Okilly Dokilly zum Meet and Greet erscheinen. Doch für ein ausgiebiges Treffen reicht die Zeit leider nicht, denn auch mit ein wenig Verzögerung, machen sich bereits die Slam-Death Senkrechtstarter Stillbirth für ihren Auftritt fertig. Während die Jungs die noch halb leere Halle zum Beben bringen, kommt es zur ersten unschönen Situation, als ein bereits stark alkoholisierter Gast die Absperrung durchbricht und die Jungs bei ihrer Performance stört. Eine mehr als unnötige Aktion, denn kaum eine Band ist am heutigen Tag so nah an den Fans wie Stillbirth und hätte sich wahrscheinlich mehr über ein gemeinsames Bier nach der Show gefreut, als über diese Störung. Kurz darauf stehen bereits die Okilly Dokilly auf der Bühne, die ihren besonderen Stil Nedal (nach der Simpsonsfigur Ned Flanders) benannt haben. Ebenso wie diese verkleidet, stehen sie auf der Bühne und werfen zur Unterhaltung der Fans aufblasbare Donuts in die Menge „um alles homerartige zu zerstören“. Musikalisch bieten die fünf Amerikaner eine ausgereifte, aber nicht ganz innovative Mischung aus Hardcore und Crust Punk, die aber beim noch dünn gesäten Publikum gut ankommt. Die deutschen selbst bezeichneten Death and Roller von Debauchery kann man heute nur als berechnend bezeichnen. Sie liefern genug, um keine Welle der Empörung loszutreten, aber auch nicht mehr. Eine Show von hunderten, ohne Schnörkel, ohne Besonderheiten, die man auch hätte verpassen können, ohne darüber traurig zu sein. Ganz im Gegensatz dazu stehen Necrophobic, denn auch wenn die Schweden auf eine 30-jährige Karriere zurückblicken können, wirken sie keineswegs müde. Fast eine Stunde bieten sie feinsten Blackend Death Metal der alten Schule, welcher auch müde Besucher wieder weckt und mitreißt. Fast zeitgleich spielt auf der Hauptbühne eine Band, welche für mich verschenktes Potenzial ist und für ihre momentane Darbietung, zu weit oben in der Running Order stehen. Die Rede ist von den Iron Maidens. Das komplett weibliche Quintett beherrscht seine Instrumente und auch die Performance ist so abgestimmt, dass man sich fragt, warum sie lediglich Coversongs spielen. Und dann auch nur von einer Band. Das Publikum trällert die bekannten Hits mit, doch erscheint es mir so, als würden die Damen nicht als vollwertige Musikerinnen geschätzt werden. Darum mein Appell: Mädels ihr könnt mehr! Macht mehr aus euch! Mein persönliches Highlight sind heute Entombed A.D., denn sie sind für mich das, was eine gute Band ausmacht. Routiniert, sicher, aber nicht gelangweilt. Sie arbeiten mit den Fans, aber verschenken keine Zeit an unnötige Witze oder Ansagen. Die kleine Halle scheint fast auseinanderzufliegen und verschafft mir mit ihrer Stimmung eine leichte Gänsehaut. Endlich gönne ich mir eine kurze Pause, welche durch einige Verzögerungen bis zu Queensrÿche reichen wird, doch später mehr dazu. Denn die fast schon als Urgesteine zu bezeichnenden amerikanischen Prog Metaller spalten das Publikum. Einige feiern das Quintett, als gäbe es kein Morgen, während andere den Stilwechsel von Bands wie Entombed A.D. oder Necrophobic nicht ganz so gut verkraften. Doch alles in allem, bieten sie ein würdiges Ende für ein wieder mal gelungenes Festival.

Doch besteht ein Festival nicht nur aus Bands, sondern auch aus dem Drumherum. Dieses Jahr bietet das Ruhrpott Metal Meeting an dieser Front nichts Neues, aber das Altbewährte reicht auch aus für ein Zweitagesfestival. Unangenehm fallen mir nur die Getränkepreise auf, denn für ein kleines Wasser wird die gleiche Summe verlangt, wie für ein Bier und kein einziges alkoholfreies Getränk ist günstiger! Hier herrscht Verbesserungsbedarf. Doch darf ich ein riesiges Lob nicht vergessen auszusprechen, denn die sanitären Anlagen sind so wunderbar gepflegt, wie ich es noch nicht auf einem Metal Event erlebt habe. Verantwortlich hierfür ist Axel, der auf meine Frage, warum er alles mit so viel Liebe herrichten würde, nur sagt, als Vater von vier Töchtern wisse er, was Frauen brauchen. Aus diesem Grund biete er Haarspray, Bürsten und sogar Hygieneartikel an – alles kostenfrei. Die Begeisterung der Damen ist groß und wie mir zugetragen wurde, bei den Herren ähnlich, denn auch hier werden Haarspray und Bürsten für die langen Haare zur Verfügung gestellt. So geht Service wirklich!

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