Künstler: Secrets

Vorband(s): Our Hollow, Our Home, The Disaster Area

Ort: Backstage Werk, München

Datum: 05.12.2017

Kosten: 13, 90 € VVK

Genre: Metalcore, Post Hardcore,

Veranstalter: Backstage Concerts GmbH

Die Gründe auf ein Konzert zu gehen können vielseitig sein. In erster Linie geht es natürlich um die eigentliche Headliner Band des Abends, dennoch sind z.B. auch Freunde oder Arbeit Gründe, um gewisse Konzerte aufzusuchen. Ein weiterer Grund könnte ebenso die Vorband sein, wenn man diese unbedingt sehen möchte. So ging es wohl einigen Zuschauern der Headliner Show der amerikanischen Band Secrets am 5. Dezember 2017 im Backstage in München. Die Post-Hardcore-Band aus Kalifornien ist wohl eher dem Core Underground zuzuordnen, so sah man doch häufiger bzw. fast immer verdutzte Blicke von Bekannten, wenn man das geplante Abendprogramm erwähnte. Aber Secrets kommen dabei natürlich nicht alleine und haben mit Our Hollow, Our Home sowie The Disaster Area gleich zwei Supports im Gepäck – immer noch nicht bekannt? Auch nicht weiter schlimm, denn all diese Bands sind eher klein und frisch. Eine Tatsache, die sich jedoch zumindest für Eine wenden könnte. Das Konzert selbst findet im Backstage Club statt und wer bereits die Pforten des Backstages zuvor betreten hat (für mich in den letzten Wochen fast wie ein zweites Zuhause), weiß, dass es sich hier um die kleinste der drei Räumlichkeiten handelt. Ganz passend als Club, gestaltet sich die Bühne sehr klein und auch das Publikum erscheint unglaublich überschaubar. Recht selten ziehen mich Bands in diese kleine Location, dennoch hat man hier die Chance die Bands von Morgen in wahrlich, privater Atmosphäre zu erleben. Die letzte Band, die ich hier gesehen hatte, FVK (Fearless Vampire Killers), hat sich allerdings inzwischen aufgelöst – es kann sich also wohl immer in beide Richtungen entwickeln.

Die erste Band des Abends nennt sich The Disaster Area und ist quasi die deutsche Besetzung des Programms. Als Opener waren sie wohl fast allen Anwesenden unbekannt, macht jedoch nichts. Die Jungs präsentieren einen interessanten Mix zwischen Metalcore und Post-Hardcore, der in seiner Liveversion vor allem mit schönen Breakdowns zu überzeugen weiß. Die Screams wirken dabei recht überzeugend sowie auch die instrumentelle Seite, auch wenn auf beiden Seiten durchaus noch Luft nach oben ist. Zwischenmenschlich schaffen es The Disaster Area durch kleine Witze sowie Star Wars und Guardians Of The Galaxy Shirts zu punkten – ein kleines Statement zum Nerd sein ist schließlich auch immer gerne gesehen. Das sehr überschaubare Publikum lässt sich sogar zu dem einen oder anderen Moshpit hinreißen, was beachtlich ist, wenn man bedenkt, dass sich wohl weniger als 50 Leute im Raum befinden – The Disaster Area liefern einen soliden Auftritt, der allerdings noch nicht etwas Größeres verspricht.

Und wenig später geht es auch schon weiter mit dem Grund der Anwesenheit, zumindest für so manche. Der Merch wird schon fleißig getragen, ja selbst das Drum Set der Gruppe steht schon von Beginn an auf der Bühne (und verlässt diese auch nicht): Our Hollow Our Home betreten die Bühne! Die Jungs kommen aus der UK und liefern einen Metalcore/Post-Hardcore, der definitiv nicht nach einer Band in ihren Anfängen klingt, sondern eher der einen oder anderen Band Konkurrenz machen könnte. Und ja, man denkt durchaus an die vielen, britischen Kollegen wie Architects, While She Sleeps…okay nein, mit Bring Me The Horizon haben sie nun wirklich nichts mehr zu tun. Und auch wenn OHOH (so auch die offizielle Abkürzung) etwas mehr Cleans nutzen, so liefern sie dennoch einen recht harten Sound, der schöne Breakdowns liefert, die zum Headbangen und Moshen nur so einladen.

Hier könnte man durchaus an den Cleans noch etwas arbeiten, aber an Sachen Professionalität und auch Bühnenpräsenz scheinen OHOH schon zu wissen, was sie tun. Und dass bei einer Vorband, die ihre ersten Club Konzerte in Deutschland absolviert, bereits die Texte mitgesungen werden und mehr Merch zu sehen ist als vom eigentlichen Hauptact, sagt bereits so einiges über die Jungs aus. Hier bleibt also nur die Frage, ob es sich um das nächste Architects handelt oder diese Band eher kleiner bleiben wird, wie z.B. ihre britischen Kollegen Bury Tomorrow, die ja vom Stil recht ähnlich sind – die Zeit wird es zeigen.

Und ja, da kommt man auch schon beim Headliner des Abends an. Genau klärt es sich nicht auf, wieso Secrets weiter mit dem Drum Set von Our Hollow Our Home spielen, auch wenn ein anderes links neben der Bühne geparkt ist. Wirklich zu stören scheint es niemanden. Secrets wurden 2010 gegründet und haben auch bereits drei Alben auf dem Buckel. Das Letzte war dabei 2015, was vielleicht der Grund sein könnte, wieso sie mir bisher nicht über den Weg gelaufen sind. Doch auch der Rest des Publikums, welches durchaus sowohl junge als auch etwas ältere Zuschauer aufzuweisen hat, scheint nicht wirklich vertraut mit der Band selbst zu sein. Nur an einzelnen Stellen werden die Texte mitgesungen und auch die Energie in Form von Moshpit etc. hält sich hier noch stärker zurück, als es während Our Hollow Our Home der Fall war. Mit dem Sound der Band hat dies wohl eher weniger zu tun, so präsentieren Secrets doch einen interessanten Mix aus Post-Hardcore mit Metalcore und Pop Punk Elementen, der eigentlich für jeden Zuschauer etwas bieten sollte. Auch hier muss man wieder leicht die Cleans bemängeln, was natürlich auch zumindest teilweise dem Sound des kleinen Clubs geschuldet sein könnte.

Secrets lassen sich jedenfalls von dem doch kleinem Publikum nicht wirklich beeindrucken, spielen eine gute Show, welche sowohl ältere als auch neue Songs bereithält und werfen dabei fleißig Plektren in die Runde. Der Sound hat durchaus noch ein wenig 2000er-Vibes, auch wenn die Zeit der Band später war. Und auch wenn sich das Konzert dann doch noch mit einer Zugabe findet, die recht fleißig mitgesungen wird, so wird man das Gefühl nicht los, dass der Funke nicht zu 100% beim Publikum angekommen ist, den Secrets doch musikalisch zu besitzen scheinen.

Doch auch wenn dies der Fall ist, so hat man dennoch bei diesem Abend nichts falsch gemacht – präsentieren sich doch drei Bands, die durchaus noch alle Potenzial nach oben beweisen und eine interessante Entwicklung machen könnten. Persönlich fällt mein Auge da natürlich etwas stärker auf Our Hollow Our Home, die jetzt bereits eine kleine, aber ordentliche Fanbase um sich wissen können.

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