Bands Endstille, Debauchery, Moment Of Salvation, Dysangelium, ETECC, Injection, Vae Tertium

Location:: Pumpe, Kiel

Homepage: http://www.diepumpe.de/

Datum: 12.11.2011

Kosten: VVK: 14 Euro, AK: 18 Euro

Besucher: ca. 400-450

Heute möchte ich meinen Lesern einmal die Pumpe in Kiel vorstellen. Diese Location ist bekannt für Konzerte größeren Kalibers und bietet mehreren hundert Besuchern Platz. In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das Pumpwerk errichtet, welches bis zum Beginn des Krieges aktiv genutzt wurde. Nach längerem Stillstand wurde das Gebäude Anfang der 80er Jahre saniert und so entstanden die heutigen Räumlichkeiten, zu denen nicht nur zwei Konzertsäale zählen sondern auch Büroräume und ein Kino. Die Förderung von jungen Künstlern in Musik und Kunst ist die wichtigste Aufgabe des engagierten Vereins, der die Pumpe verwaltet.

Das heutige Event findet im großen Saal statt, der noch einige alte Pumpwerke als Raumteiler enthält und hinter denen sich die Mischanlage befindet. Zudem findet man zwei Bars links und rechts, also kann der Alkohol fließen. Die Bühne ist weitläufig und bietet eine Menge Platz für das Equipment und Bewegungsfreiheit. Bereits um 17 Uhr wird Einlass gewährt und langsam füllt sich der Ort des Geschehens. Das Licht wird gedämmt und die Stimmung beginnt zu knistern. Bekannte Namen wie Endstille ziehen das Publikum magisch an und man sieht in erwartungsvolle Gesichter. Die Leute prosten sich zu, unterhalten sich und man knüpft neue Freundschaftsbande. Aber es liegt ein straffer Zeitplan vor, denn sieben Bands wollen sich vorstellen und die Besucherschar begeistern und für sich gewinnen.

Die Hessen von Vae Tertium machen den Anfang und warten mit düsterem Black Metal auf. Harte Texte, die von den Missständen der Gesellschaft und der herrschenden Ignoranz der heutigen Menschheit erzählen. Musikalisch wechseln kraftvolle aggressive Parts mit melodisch-atmosphärischen Passagen und erzeugen Unruhe und Wildheit. Doch schon bei den ersten Titeln fällt auf, dass der Sound nicht gut gewählt wurde. Das Schlagzeug überstrahlt alles, während die Gitarren sehr leise sind. Dieses Problem wird sich nicht beheben lassen und die Band muß leider unter diesen Umständen spielen. So wirkt das gesamte Arrangement etwas schräg und unsymmetrisch. Auch der Gesang schließt sich diesem Eindruck an, obwohl er zwischen Scream und Growl wechselt. Die Stimme passt nicht zu der aggressiven Spielweise und klingt nicht ganz ausgereift. Die Truppe gibt sich redlich Mühe, dass kleine Partyvolk zum Bewegen zu animieren, aber der Applaus bleibt mäßig. Das Grundgefühl, welches Black Metal vermitteln will, wird nicht erfüllt und die Darbietung berührt wenig. Nach gut vierzig bis fünfundvierzig Minuten hat das Intermezzo ein Ende und die Band verabschiedet sich.

In der Zwischenzeit hat sich der Laden gut gefüllt und die Menschen strömen in der kurzen Umbauphase zu den Bars. Das Bier schmeckt und auch der Merchandise-Stand wird oft besucht. Wer etwas frische Luft genießen will, trifft sich beim Rauchen vor der Location und findet hier schnell neue Gesprächspartner. Die Menschen aus Kiel und Umgebung sind sehr kommunikativ und man redet über dies und das.
Die nächste Supportband ist Injection aus Schleswig Holstein. Das Quartett zelebriert Death Metal, wobei der Sänger auch gut in eine Grindcore-Formation passen würde. Die Truppe spielt noch nicht lange zusammen, saß aber fleißig im Proberaum, um dem heutigen Publikum ihre neuen Songs vorzustellen. Die Jungs geben Titel wie Curse oder Last Resistance zum Besten und nehmen somit die Leute für sich ein. Harte Riffs, beeindruckende Soli und eine aggressive Stimme, die wie ein Bombenhagel einschlägt, sind Attribute dieser Band. Die Fans moshen ordentlich dazu und auch das Pogen kommt nicht zu kurz. Trotzdem verlieren die Songs an Spannung, denn sie klingen sehr identisch und heben sich wenig voneinander ab. Die kurzen Ansagen sind prägnant und unterbrechen den Fluss der Aggression nicht. Allerdings bleibt die Musik eintönig und auch das tiefe Grunzen wirkt auf mich befremdlich. Die Fans sind noch etwas zaghaft und klatschen ein wenig Applaus.

Doch schon mit der nächsten Band steht eindeutig Spaß und Spielfreude auf dem Programm. ETECC sind extra aus Wolfsburg angereist, um den nordischen Metalheads ordentlich Feuer unter dem Arsch zu machen. Neo Thrash ist ihre Passion, den sie mit viel Herzblut zelebrieren und mit einer geballten Ladung Energie schmücken. Zudem beherrschen sie ihre Instrumente aus dem FF und bringen einfach nur gute Laune. Gerade Sänger Rouven wirbelt mit seinem Bass auf der Bühne herum und das Publikum lässt sich mitreißen. So wird gepogt und gebangt, was das Zeug hält und die Stimmung kocht über. Die Songs sind Up-Tempo-Nummern, die auf höchstem Niveau präsentiert werden und zusammen ein atemberaubendes Gesamtwerk darstellen. Breaklastig und mit Soli gespickt wird rasant Fahrt aufgenommen, die kein Ende findet. Der tiefe Gesang sorgt für die Grundstimmung und der hohe Kreischgesang für eine Menge Brutalität. Die Songs sind lebendig und wild, können aber auch melodischer erklingen. Instrumental sind die Jungs unschlagbar und können auf Platte sowie bei Live- Auftritten überzeugen. Ich fand die Show großartig und denke, es geht dem Publikum ähnlich, denn der Beifall ist laut.

Nach dem guten Auftritt der Wolfsburger beginnt die nächste Umbaupause und die Metalheads lassen sich ihre Getränke schmecken. Mittlerweile kann man schon einige beobachten, die zu tief ins Glas geguckt haben und leichte Schwierigkeiten beim Geradeausgehen haben. Dabei sind die Hauptacts noch gar nicht aufgetreten. Die Stimmung ist ausgelassen und man findet sich langsam wieder Richtung Bühne ein.

Dysangelium sind bekannt in der Kieler Szene und trumpfen mit Black Metal im Urtyp auf. Stilgetreu tritt die Band mit Corpsepaint auf und verstärkt die Glaubwürdigkeit ihrer Show alleine durch die visuelle Komponente. Harter Gitarrensound, ein fettes Schlagzeug und die eindringliche Intonation des Sängers ergeben ein berauschendes Klangerlebnis. Wer auf ruhige, sanfte Töne hofft, wird enttäuscht, denn die Truppe gibt Vollgas und prescht voran. Die Atmosphäre baut sich auf und schlüpft in jeden Winkel des Raumes. Etwas unpraktisch sind die vielen Soundchecks vor einzelnen Songs, die die Stimmung abreißen lassen. Dennoch ist Black Metal im aggressiven Stil das Lebenselixier der Jungs und das kann man spüren. Abwechslung gibt es durch Tempowechsel und zeitweise melodisch angehauchte Passagen sowie einem kurzen Sängerwechsel. Die Stücke sind lang, aber nicht langweilig. Der schlechte Sound im Allgemeinen macht es der Combo allerdings schwer, ihr Können perfekt unter Beweis zu stellen. Die Zuschauer mögen die Machart und gehen extrem ab. Sie haben Spaß und moshen um die Wette. Auf der Bühne herrscht Bewegung , die wie ein Virus auf das Partyvolk überspringt. Die Band liefert eine grandiose Show und dürfte im Großen und Ganzen mit dem Auftritt zufrieden sein. Die Fans sind es mit Sicherheit.

Der Abend ist fortgeschritten und die Hälfte der Bands hatten bereits das Vergnügen, den Fans ihre Musik nahe zu bringen. Die Location ist voll und man muss einige Minuten Wartezeit einplanen, um das nächste alkoholische Getränk zu ergattern. Ein reges Kommen und Gehen ist zu beobachten und für die Abkühlung bleibt der Weg nach draußen offen. Natürlich können sich einige Menschen nicht benehmen und werfen Glasflaschen auf die Straße oder sogar direkt vor Autos. Da stellt sich allerdings die Frage, wo haben sie diese her? Die Security achtet penibel darauf, dass niemand Flaschen mit hinein bringt oder mit hinaus nimmt. Naja. Schlupflöcher gibt es ja bekanntlich immer.

Währenddessen haben Moment of Salvation ihren Soundcheck beendet und starten ihr Programm. Die Kieler Truppe hat ein Heimspiel und eine Vielzahl von Fans mitgebracht. Mit Corpsepaint bemalt und blauen Kontaktlinsen bestechen sie durch ihr Aussehen und geben ihrer Performance das nötige Know-How. Aggressiver Black Metal wird auf der Bühne inszeniert und hervorragend umgesetzt. Gerade der Sänger hat eine einmalige Präsenz und animiert die Fans zum Mitmachen. Die lassen sich auch nicht lange bitten und es werden Haare geschüttelt und manche brüllen die Texte mit. Die langen Songs sind durchzogen von vielen Wechseln in Melodie und Tempo. Die Aura ist gespenstisch und das komplexe Spiel der Instrumente erreicht Herzen. Trotz Härte haben die Songs auch eine Weichheit, die schwer zu beschreiben ist. Grandios ist auch das Wechselspiel des Gesangs, der vorwiegend aus Screams besteht, aber auch kurzes Growling wird eingeschoben. Die Hervorhebung einzelner Instrumente, wie das eine Mal das Schlagzeug oder ein anderes Mal die Gitarre, ist gut gewählt und schafft neue Dimensionen. Die Spielfreude ist den Musikern anzumerken und sie haben sichtlich Spaß an dem, was sie tun. Die Metalheads danken es ihnen mit Applaus und Gegröle. Auch die Truppe hat mit Soundproblemen zu kämpfen, aber man versucht das Optimum herauszuholen.

Der heimliche Headliner steht mit Debauchery an. Über die Hälfte der Besucher sind wegen der Death Metal-Truppe in die Pumpe gekommen. Die Stuttgarter genießen einen ausgezeichneten Ruf und befinden sich derzeit auf Tour. So wird Kiel nicht der einzige Ort sein, wo man die Süddeutschen bewundern kann. Ein langes Intro sorgt für die nötige Spannung, bevor die Musiker die Bühne entern. Das Publikum ist kaum noch zu halten, als die ersten Töne durch die Boxen dröhnen. Rockiger Death Metal in Kombination mit einer powergeladenen Stimme sind Kennzeichen der Band. Auch gibt es Abschnitte, in denen eine sehr klare Stimme zum Ausrdruck kommt, die aber wieder in den Growl zurückfällt. Oft sind die Strophen weicher gespielt und die Explosion gibt’s mit dem Refrain. Das Trio versteht es, die Leute mitzureißen und so flippt das Kieler Publikum komplett aus. Die Musiker wirbeln auf der Bühne umher und sorgen für Wildheit und Abwechslung. Sie leben ihre Songs – das merkt man ihnen an. Gerade der Sänger geht vollkommen auf und bringt die Stimmung zum Überlaufen. Beeindruckende Soli sorgen für Lockerheit, genau wie der kräftige Bass. Das Tempo ist schleichend, dafür besticht das harte Riffing, welches jedem Song seinen Grundcharakter gibt. Blastbeats und eine heftige Doublebass ergänzen die Kompositionen und geben der Stimme die nötige Unterstützung. Die brutale Intonation des Frontmannes erhält viel Gewicht und kann sich komplett entfalten. Es herrscht viel Tumult vor der Bühne und es wird gepogt und gebangt. Die Fans sind auf jeden Fall zufrieden mit der Show der Stuttgarter, die – natürlich mit Kunstblut verschmiert – ihr Bestes geben. Mit einer Zugabe verabschieden sich Debauchery von den Kielern und die Umbaupause für den Headliner beginnt.

In dieser Zeit schaue ich mich noch einmal etwas um und kann doch mehr Alkoholleichen entdecken. Die Tische dienen als Liegefläche, um ein kurzes Nickerchen zu halten. Der Rest tummelt sich draußen oder an den Bars. Einige torkeln doch schon enorm durch die Massen und brauchen eine Menge Raum, damit sie nicht umfallen. Ein amüsantes Bild, da es Männer wie Frauen sind. Der Merchandise-Stand wird von Debauchery-Anhängern geplündert und die Bassistin gibt fleißig Autogramme auf Plakate und Setkarten.

Doch schon läutet Endstille die letzte Stunde des Abends ein. Die Kieler haben ein Heimspiel und vor der Bühne staut sich der Menschenauflauf. In voller Erwartung gedulden sich die Fans, bis das Konzert endlich anläuft. Black Metal zelebrieren die Jungs seit vielen Jahren, allerdings wechselte der Sänger und man vergleicht die Darbietung mit der alten Formation. Brutale Riffs und ein aggressiver Gesang sind Merkmale von Endstille. Leider kann der neue Frontmann die Metalheads nicht überzeugen, was an deren Reaktion deutlich zu spüren ist. Als man zum Mitmachen aufruft, erfolgt keine Reaktion. Man gibt sich alle Mühe, das Publikum zu begeistern, aber der Plan scheint nicht aufzugehen. Enttäuschung macht sich breit. Cruror sorgt für Stimmung und zeigt sich sehr präsent. Er arbeitet auf der Bühne und rennt von einer Ecke zur anderen und spielt mit seinen Kollegen im Einklang. Die Songs bleiben eintönig und identisch. jedoch ist das Charisma verloren gegangen. Leider sind die Soundprobleme vorherrschend und es überschreit sich öfter. Manche Besucher verlassen während des Konzerts die Pumpe und man hört, dass auch sie wenig angetan sind von der Darbietung. Zeit der Stille oder besser gesagt: das Ende der Stille, sollte das Motto sein. Die Truppe kann nicht an alte Erfolge anschließen und liefert eines ihrer schlechteren Konzerte ab.

Fazit: Der Abend war durchzogen von ständigen Soundproblemen und einem Headliner, der sich schwach präsentierte. Wer nach dem Konzert noch ein wenig feiern wollte, wurde enttäuscht. Unmittelbar nach Ausklingen des letzten Songs begannen die Aufräumarbeiten und die Security forderte die Gäste auf, die Location zu verlassen. Da Kiel nicht viele Ausweichmöglichkeiten zu bieten hat, bleibt nur das „Hot Rot“ übrig, welches ziemlich fix überfüllt war. Im Ganzen war der Abend eher durchschnittlich und war auch für mich nicht sonderlich gewinnbringend. Ich habe einige Leute zum Konzert befragt und sie waren alle enttäuscht und unzufrieden. Das war dann wohl ein Satz mit X!

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