Wreck-Defy – Dissecting The Leech

20.02.2026 - Thrash Metal - Massacre Records - 49:58 Minuten

Kanada ist ja für seine Metalbands bekannt und für ihre technischen Fähigkeiten, die die Musiker mit sich bringen, und so ist es auch bei der Band aus Ontario namens Wreck-Defy. Seit dem Jahre 2016 sind sie unterwegs und haben bereits fünf Alben am Start. Letzteres, namens Hybridized, erschien im Jahre 2025 und nun erfolgt bereits ein weiteres Album, obwohl die Protagonisten dieser Band in vielen anderen Combos aktiv sind. Album Nummer sechs namens Dissecting The Leech erscheint am 20. Februar bei Massacre Records.

Die Kanadier nehmen auch kein Blatt vor den Mund und keine Rücksicht auf alte Menschen und feuern gleich mit Under The Sun aus allen Rohren. Ohne Wenn und Aber geht man gleich ins aggressive Riffing und kommt schnell thrashig zur Thematik. Fettes Ding, aber dann bin ich ein wenig aus der Schussbahn genommen worden, denn an den Gesang muss ich mich erst mal gewöhnen. Der dunkle Aggrogesang klingt ein bisschen merkwürdig und die darauf einsetzenden hohen Passagen sind mir eben zu hoch, zumindest für Thrash Metal. Okay, weiter im Text. Nach circa einer Minute nimmt man dann den Fuß vom Gaspedal und liefert einen melodischen, groovigen Part. Hier klingen die cleanen Vocals gut, denn sie passen zur Struktur. Cooler Part, der sofort ins Ohr geht. Ist recht kurz, und man nimmt gleich wieder so richtig Fahrt auf. An die harschen Vocals habe ich mich jetzt gewöhnt, aber diese hohen Screams gehen mir auf den Bereich des unteren Körpers, der das Geschlechtsteil trägt. Wieder den Wechsel in den groovigen und leicht melodischen Bereich. Cool. Langsames Riffing und ein langer Scream leiten einen druckvollen und groovigen Part ein, der schön Köpfe spaltet. Man nimmt erneut Fahrt auf und weiter geht es. Ein hoher Scream leitet das wilde Solo ein, welches natürlich nicht fehlen darf, und weiter geht es. Musikalisch macht das alles Spaß. Hier kommen viele Sachen zusammen und auch technisch ist das alles ganz geil. Ein weiteres Solo und der schon bekannte groovige und melodische Part folgen. Dann reitet man im Midtempo dem Sonnenuntergang entgegen, chillt da aber nicht, sondern knattert noch einmal ordentlich und gibt Gummi. Doch, macht Laune.

Abwechslungsreiches Songwriting

Auch das Riffing beim nachfolgenden Do It Again und die Tempowechsel schocken ohne Ende. Hier ist der Gesang auch nicht ganz so wild und bereitet mir mehr Freude. Wie gesagt, ist natürlich Geschmackssache. Das treibende und groovende Midtempo mit einem Do It Again am Ende ist absolute Weltklasse, auch wenn man dies natürlich so oder so ähnlich schon einmal gehört hat. Aber auch hier zeigen sie, dass sie technisch auf hohem Niveau agieren können. Soli werden mit eingebaut und dann folgt wieder der gerade beschriebene Refrainpart. Herrlich, und nach knappen 200 Sekunden ist der Spaß auch vorbei. Reicht völlig aus, um einen fetzigen Thrash-Metal-Song zu kreieren.

Der groovige Anfang von Millennial Dystopia ist wieder so ein geiles Ding und auch ansonsten treibt der Song ordentlich und auch die Vocals, die teilweise bösartig gedoppelt werden, klingen wild und fett ohne Ende. Das Teil groovt ohne Ende und setzt sich in deinen Gehirngängen fest. Der Sound, der richtig aggressiv aus den Boxen gekrochen kommt, erledigt dann den Rest. Nach ca. zwei Minuten spielt die Gitarre vor und man denkt, es folgt ein wildes Geballer, aber dem ist nicht so, sondern man schiebt ein geiles Solo ein, um dann so richtig das Tempo herauszunehmen und im Midtempo mal so richtig abzuliefern. Der Groove übernimmt erneut die Kontrolle, es erfolgt der Refrainpart und man kann schön Millennial Dystopia mitbrüllen. Gerade der Anfang dieses Parts dürfte Pantera-Freunde ins Verzücken versetzen.

Zu Recht ein Geheimtipp in Sachen Thrash Metal

Man hört und versteht, dass die Burschen schon seit Jahren ein Geheimtipp in Sachen Thrash Metal sind, denn Songs wie Revolt (groovig ohne Ende) oder Dissecting The Leech (geiler Bassanfang mit melodischem Touch, wildem Solo und viel Aggression) gehen absolut geil ins Ohr und bleiben da auch hängen. Die Burschen sind um Abwechslung bemüht und der moderne Sound, der eben nicht zu modern klingt, drückt und ballert ordentlich. Da bleibt kaum ein Auge trocken. Die Herren beherrschen ihre Instrumente und haben auch ein gutes Händchen fürs Songwriting. An den hohen Gesang werde ich mich aber nicht gewöhnen, aber der kommt zum Glück (für mich) nicht so oft vor. Okay, bei der Abrissbirne Another Day kommt er am Anfang noch einmal vor. King Diamond lässt grüßen. Ansonsten ist der Song eine wahre Wonne. Zum Ende hin sind die Songs nicht mehr ganz so stark, aber immer noch mehr als Durchschnitt.

Hier geht es für weitere Informationen zu Wreck-Defy Dissecting The Leech in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Wreck-Defy – Dissecting The Leech
Fazit zu Dissecting The Leech
Die kanadischen Thrasher von Wreck-Defy sind seit dem Jahre 2016 am Start, aber alle vier Musiker zocken noch in diversen anderen Bands. Das ist definitiv spürbar, denn die Burschen sind absolut fit an ihren Instrumenten, und das hört man sowohl im technischen Sektor, als auch beim Songwriting. So klopfen schnelle Nummern und groovige Attacken gemeinsam an die Tür, welche man natürlich bereitwillig öffnet, um sie hereinzubitten. Die Burschen haben sich in den letzten Jahren zu einem Geheimtipp in Sachen Thrash Metal entwickelt und auf ihrem sechsten Album beweisen sie wieder einmal, dass sie es absolut draufhaben. Am Ende verliert man ein wenig an Qualität, aber das ist Jammern auf hohem Niveau, und ich mag diese hohen Screams à la King Diamond nicht, aber auch das ist mein persönliches Problem. Ansonsten kann ich das Album echt jedem Thrasher empfehlen.

Anspieltipps: Millennial Dystopia und Another Day
Michael E.
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