(0) – SkamHan

Surreal, wenn es so etwas gibt

Artist: (0)

Herkunft: Dänemark

Album: SkamHan

Spiellänge: 48:15 Minuten

Genre: Progressive Black Metal, Experimental Metal

Release: 24.04.2020

Label: Napalm Records

Links: https://www.facebook.com/0BandOfficial/
http://0bandofficial.com/
https://www.instagram.com/0bandofficial/

Bandmitglieder:

Gesang – (FJ)
Gitarre – (JU)
Gitarre – (MA)
Bassgitarre – (MC)
Schlagzeug – (JK)

Tracklist:

  1. Tyndere End Hud
  2. Sjælstjæler
  3. Skarntyder
  4. Rød Glorie
  5. Sortfugl
  6. SkamHan
  7. Alle Renses (Instrumental)

Manchmal sollte man das Promosheet erst hinterher lesen. In diesem Falle lag es aber auch daran, dass ich nicht einwandfrei zuordnen konnte, hinter welchem Begriff denn nun der Bandname steckt. Heißt die Band nun (0) oder SkamHan? Der Blick ins Manuskript sollte das dann schlussendlich auflösen. Und da ich schon dabei war, las ich den Pressetext eben gleich mit. Ich muss gestehen, die darin enthaltenen Lobpreisungen machten durchaus Lust, sich das über Napalm Records erscheinende Debütalbum von den Dänen (0) zu Gemüte zu führen. Wenngleich Debütalbum nur einesteils stimmt, denn bereits 2017 veröffentlichten (0) in Eigenregie auf 12″ Vinyl gleichnamiges Album (0).

SkamHan, frei übersetzt aus der Hindi Sprache, bedeutet „ich bin“. Relativ schlicht eigentlich. Nun, ich war durchaus gespannt, ob die vielsagenden Zeilen mit der darzubietenden Musik etwas gemein haben werden. Unseren Lesern enthalte ich die Inhalte des Pressetextes an dieser Stelle jedoch vor, denn so mag es gelingen, sich gänzlich frei davon ein unvoreingenommenes Bild der Musik zu machen.

Ergänzend zum Bandnamen sei noch gesagt, (0) spricht man „Parentes 0 Parentes“ aus.

Das gute Stück beinhaltet sieben Tracks, die zweifelsfrei dem Überbegriff Black Metal zugeordnet werden dürfen. Allerdings nicht so, wie man sich das dann in Reinkultur vorstellen mag. In der Musik von (0) spielen die Post Metal Anteile eine bevorzugte und sehr zentrale Rolle. Das erscheint mir wesentlich, da sich daran schlussendlich die Geister scheiden werden. Damit eben diese Einflüsse zur Geltung kommen, werden die Arrangements überwiegend in ein psychedelisches Gewand gekleidet. Das verleiht der Sache zwar Atmosphäre, nur läuft man auch sehr schnell Gefahr, Bekanntschaft mit dem Überdruss zu machen. So ergeht es mir in großen Teilen mit diesem Album.

Um der gesamten Szenerie noch mehr Opulenz angedeihen zu lassen, verarbeitet man Sludge Elemente. Auch das klingt zunächst interessant, nur leider verlässt man diesen Spirit und gleitet in den vorgenannten Post Metal Flow über. So verliert der Opener Tyndere End Hud zusehends seine Mystik. Was die Nummer rausreißt, ist die Gitarrenheadline – die bleibt durchaus im Gehör hängen. Die Vocals bzw. der durchweg gutturale Gesang ist entsprechend aggressiv moduliert, vermag allerdings keine wirklich großen, kreativen Reize zu setzen. Die Vocals begleiten die Musik lediglich, auch das scheint ein signifikantes Merkmal von (0) zu sein. Will heißen, die Priorität liegt in der instrumentellen Voraussetzung. Dies wird in meinen Augen in Sjælstjæler am deutlichsten aufgezeigt. Das Songwriting dieses Songs bedarf wohl mehr der Hingabe zum Genre, diese fehlt mir offenbar, denn in den sechs Minuten Spielzeit schleicht sich fast unbemerkt eine gewisse Ermüdung ein.

Beinahe berauscht ob der erworbenen Gemütslage, komme ich aus der tief hinunterziehenden Stimmung innerhalb Skarntyder sicher nicht mehr hoch. Das Anfangsriff besitzt Charme – und hier kann ich das erste Mal so etwas wie Authentizität verspüren. Die Dynamik erzeugt Aufmerksamkeit, und ich würde dieser Nummer in der Tat eine vollkommen durchdachte und flüssige Herangehensweise an das Arrangement attestieren wollen. Dem fast zehnminütigen Epos Rød Glorie spreche ich diese Attribute jedoch gleich wieder ab. Nach der Hälfte der Spielzeit hätte man ein Ende setzen können, denn die ab der Mitte des Songs und abermals dominant eingesetzten psychedelischen Parts ziehen die Geschichte nur unnötig in die Länge. Leider passiert musikalisch hier zu wenig. Da kann man die sicher vorhandene Atmosphäre noch so glorifizieren wollen – es ist insgesamt zu uninspiriert. Für mich zumindest.

Auch Sortfugl folgt der offensichtlichen Affinität zum Post Metal. Allerdings wirkt das Songwriting etwas frischer, beinahe stimmungsaufhellend. Das mag an der kreativeren Gitarrenarbeit liegen. Die dissonant anmutenden Töne bleiben zwar stoisch in depressiver Anwandlung gehalten, dennoch kommt hier mehr Abwechslung und wenn man so will, auch ein wenig Progressivität zum Tragen. Zum Ende des Songs hin kommt gar etwas Aufbruchstimmung auf, das Finale wird quasi zum Höhepunkt hin zelebriert.

Der Titeltrack SkamHan offenbart eine Einleitung in Überlänge, ohne dabei irgendwie animierend zu wirken. Bei über neun Minuten Länge schwant mir nichts Gutes. Aus dieser Fülle an Zeit könnte man musikalisch mehr als nur einen psychedelischen Erguss hervorbringen. Sorry, aber hier mache ich die oben bereits erwähnte Bekanntschaft mit dem Überdruss.

SkamHan wird mit einem Instrumental beendet. Alle Renses bietet dabei eine illustre Ansammlung verschiedenster Klangbilder auf. Ähnliche Töne hatte ich schon mal auf CDs zur Entspannung gehört. Das kratzt massiv am Thema Spiritualität. Man kann sich hier sicher reinfallen lassen, nur welche Botschaft transportiert werden soll, bleibt offen. Das darf jeder für sich selbst entscheiden. Im Gegensatz zu den sechs Vorgängern geht Alle Renses als zwangsläufig sanftmütig durch.

(0) – SkamHan
Fazit
Das bestgehütete Geheimnis des dänischen Untergrunds – ein halluzinierendes Progressive Black Metal Arrangement! So wird SkamHan im Pressetext angepriesen. Meiner Meinung nach liegt das Geheimnis dieses Albums in der noch nicht vollendeten Umsetzung dessen, was diese Musiker mit ihrer Idee zum Ausdruck bringen wollen. Das ist zwar sehr unpräzise und kann auch als Unterstellung verstanden werden, letztlich empfinde ich das Werk als unfertig und dazu gemacht, die vorhandenen Potenziale weiter zu verfeinern. Meine geringe Punktzahl bezieht sich daher ausschließlich nur auf die Arrangements. Dort, wo Langatmigkeit einen Song in die Belanglosigkeit treibt, könnte die Entscheidung, einen zu oft untergeordneten Genreeinfluss vehementer voranzutreiben, sehr zur Reife des Produkts beitragen. Womöglich werden die Dänen in Zukunft daran noch arbeiten und eine greifbarere Identität dafür erhalten.

Anspieltipps: Skarntyder und Sortfugl
Peter H.
6
Leser Bewertung1 Bewertung
10
6
Punkte
Weitere Beiträge
Tristwood – Dystopia Et Disturbia