Flotsam And Jetsam am 04.09.2025 im Urban Rock Concept, Vitoria-Gasteiz, Spanien

I Live You Die

Eventname: I Am The Weapon Summer Tour 2025

Headliner: Flotsam And Jetsam

Vorbands: Raze, Hidden Intent

Ort: Urban Rock Concept, Vitoria-Gasteiz, Spanien

Datum: 04.09.2025

Kosten: 20 € VVK, 25 € AK

Genre: Thrash Metal

Besucher: ca. 150 Besucher

Veranstalter: ITP Promotions, Suspiria Records

Link: https://www.urbanrockconcept.com/evento/flotsam-and-jetsam/

Donnerstagabend in Vitoria-Gasteiz, kurz nach halb acht. Die Türen gehen auf, das Urban Rock Concept füllt sich langsam. Noch kein Gedränge, aber ein erwartungsvolles Grundrauschen liegt in der Luft. Die ersten Biere sind auf, der erste Soundcheck durch. Draußen ist es heiß, drinnen auch; für Abkühlung sorgen Bier und Kalimotxo.

Raze

Den Auftakt machen Raze – Galizier mit solider Attitüde und einem Faible für klassisch geschliffenen Thrash. Das Rad wird nicht neu erfunden, aber es rollt. Tight gespielt, gut gelaunt, energisch. Die Band macht Laune, obwohl die Reihen noch locker stehen. Man hört ihnen an, dass sie ihre Szene kennen – Exodus, Kreator, Heathen – und das Ganze mit viel Elan durch die Boxen drücken. Auch wenn es für einen Pit oder anderweitige Action vor der Bühne noch nicht reicht, werden die lokalen Thrasher vom Publikum freundlich aufgenommen.

Der nächste Act, Hidden Intent, hat eine deutlich weitere Anreise hinter sich. Das Trio kommt aus Adelaide, ihre Musik bezeichnen sie selbst als Groove Thrash.

Hidden Intent

Was auf der Bühne gespielt wird, groovt aber weniger. Dafür wiederholt es sich etwas, dem Set mangelt es meiner Meinung nach etwas an Abwechslung. Technisch sauber, keine Frage. Aber echte Höhepunkte fehlen. Zudem versucht sich die Band regelmäßig an melodischen Einsprengseln, die so gar nicht zünden wollen. Das Ganze wirkt mehr gewollt als gekonnt. Zwischen den Songs gibt es freundliche Ansagen, der Sänger hat sich sogar ein paar Schnipsel Spanisch zurechtgelegt. Das Publikum nickt höflich und auch schon etwas bierselig, zu einem Circlepit lässt man sich – trotz Aufforderung – dennoch nicht hinreißen. Auch wenn die Australier durchaus motiviert waren, Vitoria haben sie nicht im Sturm erobert. Vielleicht lag’s auch einfach an der Tagesform.

Dann Umbau. Der Laden ist jetzt richtig voll. Fast zu voll. Es wird gedrückt, geschoben, jeder will nah an den Bühnenrand. Nicht, dass man im überschaubaren Urban Rock von hinten nichts mehr sehen würde, der baskische Metalhead will eben auch mitten im Geschehen sein. Ich platziere mich an der Bar. Hier hat man sowohl die Bühne als auch das bunte Treiben davor perfekt im Blick.

Flotsam And Jetsam kommen auf die Bühne und machen keine Gefangenen. Hammerhead gleich zu Beginn – ein Warnschuss, der alles auf Linie bringt. Die Boxen pressen, der Raum vibriert, die Band steht wie eine Wand. Eric Knutson ist sofort voll da, seine Stimme schneidet durch den Mix, klar und aggressiv. Zwischen den Songs streut er launige Bemerkungen ein, trocken, ohne Rockstar-Gehabe. Das Publikum hängt an seinen Lippen.

Flotsam And Jetsam

Die Setlist ist ein Ritt durch vier Jahrzehnte. Klassiker wie She Took An Axe oder No Place For Disgrace brennen sich durch den Raum, während neues Material wie A New Kind Of Hero vom aktuellen Album I Am The Weapon erstaunlich nahtlos danebensteht. Flotsam spielen nicht nostalgisch, sondern gegenwärtig – fokussiert, kraftvoll, mit einem Timing, das nur Bands haben, die wissen, wie man Räume führt.

Die Gitarrenarbeit von Gilbert und Conley ist eine Schau – verspielt, präzise, manchmal fast jazzig im Detail, aber immer mit Druck. Ken Mary am Schlagzeug hämmert das Ganze auf den Punkt, Bill Bodily am Bass hält alles zusammen mit lässigem Groove und fliegender Mähne. Spätestens bei Desecrator kocht der Saal. Der Sound ist klar, der Schweiß echt. Keine Sekunde wirkt das wie Routine. Die Band hat Bock. Das Publikum merkt und honoriert das.

Flotsam And Jetsam

23:15 Uhr – das Licht geht an. Alle sind nass, einige heiser, keiner enttäuscht.

Ein Abend, der zeigt, warum Flotsam And Jetsam nicht einfach irgendeine Old-School-Thrash-Band sind. Sondern eine, die noch immer messerscharf abliefert – und sich dafür nicht zu schade ist, in einem überfüllten Club in Nordspanien alles zu geben. Kein Pathos, keine Showeffekte, nur Musik. Und das verdammt gut.