Das Interview mit Lord Kaiaphas von Thokkian Vortex zum aktuellen Album „Lucifer Lucem Proferens“

Artist: Thokkian Vortex

Herkunft: Norwegen

Genre: Black Metal

Label: Folter Records

Link: https://www.facebook.com/ThokkianVortex

Bandmitglieder:

Gesang, Synthesizer – Lord Kaiaphas
Gitarre – Mantus
Bassgitarre – Sil
Schlagzeug – Asmodevs DD

Time For Metal / René W.:
Hallo Lord Kaiaphas,
der Name Thokkian Vortex beschreibt einen Riss, ein Wurmloch, durch das der Astralkörper in eine parallele Dimension unbekannter Dunkelheit gesogen wird. Wie bist du auf diese Vision gekommen, und wie spiegelt sich dieses Konzept konkret in eurer Musik wider?

Thokkian Vortex / Lord Kaiaphas:
Ich hatte 1994–1995 ein Projekt namens Thokk. Den Namen habe ich aus einem Buch über nordische Mythologie. Ich habe gelesen, dass Thokk Dunkelheit bedeutet. Daher wäre Thokkian Vortex ein Strudel, der einen in eine Dimension absoluter Dunkelheit zieht. Die Idee ist, dass die Musik von Thokkian Vortex eine Atmosphäre wahrer Dunkelheit vermittelt.

Time For Metal / René W.:
Thokkian Vortex
vereint Einflüsse der norwegischen Black-Metal-Tradition mit symphonischen, progressiven und Dark-Ambient-Elementen. Wie gehst du beim Songwriting vor, um diese unterschiedlichen Stile zu einem stimmigen Ganzen zu verschmelzen?

Thokkian Vortex / Lord Kaiaphas:
Nicht alle Stücke von Thokkian Vortex verbinden diese drei Elemente. Die Musik ist eigentlich recht vielseitig und schöpft aus einem breiten Spektrum an Einflüssen, sogar innerhalb des Black-Metal-Genres. Ich habe einige symphonische Stücke geschrieben, aber auch Black ’n‘ Roll. Manche Stücke haben Blackgaze-/Post-Einflüsse. Wir haben auch obskure Songs aus den 70ern von Bands wie Black Widow und Comus gecovert.

Time For Metal / René W.:
Obwohl die Band bereits 2006 gegründet wurde, nahm das Projekt erst 2016 mit Into The Nagual richtig Fahrt auf. Was hat sich in dieser Dekade verändert, sowohl musikalisch als auch in deinem persönlichen Ansatz zur Musik?

Thokkian Vortex / Lord Kaiaphas:
Ich bin ein viel besserer Produzent, Songwriter und Komponist geworden. Meine Musik hat sich seit 2016 stark verbessert. Ich glaube, jedes Album, das ich mache, ist besser als das vorherige. Es gibt noch viel Raum für Verbesserungen, aber ich habe vor, weiter zu lernen und neue Fähigkeiten zu erwerben.

Time For Metal / René W.:
Euer drittes Album ist ein atmosphärisches Werk von 64 Minuten Länge. Welche Hauptideen oder Botschaften wolltest du mit diesem Album vermitteln, die über die reine musikalische Darbietung hinausgehen?

Thokkian Vortex / Lord Kaiaphas:
Keine bestimmte Botschaft. Für mich ist die Musik immer viel wichtiger als die Texte oder irgendeine Botschaft. Das Album hat jedoch so etwas wie ein Thema. In mehreren Songs geht es um Satan oder eine satanähnliche Figur aus der antiken Mythologie. Alle Mythologien stammen entweder aus Mesopotamien, der Levante oder der Bibel.

Time For Metal / René W.:
Viele eurer Songs sind stark von ritueller Mystik geprägt. Wie entscheidest du, welche okkulten oder mystischen Elemente in einen Song einfließen, ohne dass sie zu offensichtlich oder klischeehaft wirken?

Thokkian Vortex / Lord Kaiaphas:
Bei diesem Album habe ich darauf geachtet, nicht Themen aus allen möglichen Richtungen zu nehmen. Stattdessen habe ich mich auf Mesopotamien, die Levante und den Mittleren Osten konzentriert. Auch in den Texten gibt es einige Metaphern. Der Song Fires Of Samum beispielsweise behandelt die Geschichte des Islam aus einer satanistischen Perspektive. Als wäre es Satan gewesen, der Mohammed den Koran überreichte, statt des Engels Gabriel. Blasphemie der etwas anderen Art.

Time For Metal / René W.:
Tracks wie Sethian Aeon eröffnen das Album langsam und atmosphärisch, während andere Songs Midtempo-Passagen oder symphonische Einspielungen enthalten. Wie findest du das Gleichgewicht zwischen klassischem Black Metal, atmosphärischer Tiefe und progressiven Einschüben?

Thokkian Vortex / Lord Kaiaphas:
All die verschiedenen Elemente fügen sich einfach zusammen, während ich einen Track komponiere. Manchmal mache ich absichtlich einen Track mit vielen symphonischen Elementen, wie zum Beispiel At War With Ohrmuzd oder Summoning The Evil Ones Of Ekurra. Der Track The Brazen Vessel Of Solomon wurde bewusst als langer progressive Track mit Flöte und vielen verschiedenen Parts mit zahlreichen Einflüssen konzipiert. Ein epischer Track.

Time For Metal / René W.:
Du bist auch für deine Arbeit bei Ancient bekannt. Welche Aspekte von Thokkian Vortex unterscheiden sich am meisten von Ancient, und welche Elemente deiner bisherigen Erfahrung fließen hier ein?

Thokkian Vortex / Lord Kaiaphas:
Als ich in den 90ern bei Ancient war, hatte ich nicht die Fähigkeiten, meine eigene Musik zu machen. Ich hatte kein Heimstudio. Deshalb schrieb ich hauptsächlich die Texte für Ancient, nicht so sehr die Musik. Bei Thokkian Vortex komponiere ich sowohl die Musik als auch die Texte. Man könnte also sagen, dass Thokkian Vortex mein wahrer Black-Metal-Ausdruck ist. Sicherlich hat Ancient meine Musik ebenfalls beeinflusst.

Time For Metal / René W.:
Lucifer Lucem Proferens hat eine düstere, fast epische Erzählung. Gibt es bestimmte mythologische, literarische oder philosophische Quellen, die dich beim Schreiben inspiriert haben?

Thokkian Vortex / Lord Kaiaphas:
Normalerweise lese ich, bevor ich Texte für ein Album schreibe, in meinen Büchern über Okkultismus, Mythologie und anderen Themen, um Themen oder Inspiration für die Texte zu finden. Für einige der Songs des neuen Albums habe ich einige Grimoires wie The Lesser Key Of Solomon und The Black Pullet zu Rate gezogen. Da es mesopotamische Themen auf dem Album gibt, habe ich auch die akkadische, sumerische und babylonische Mythologie recherchiert.

Time For Metal / René W.:
Thokkian Vortex wirkt stark konzeptionell und atmosphärisch. Wie übersetzt ihr diese komplexe Klangwelt in eine Live-Performance, oder liegt der Fokus bewusst auf Studioarbeit?

Thokkian Vortex / Lord Kaiaphas:
Tatsächlich bin ich gerade dabei, eine Besetzung zusammenzustellen, damit Thokkian in naher Zukunft einige Konzerte spielen kann. Ich werde bald ein Live-Set fertig haben und hoffe, gegen Ende des Jahres einige Buchungen zu bekommen. Auf jeden Fall sollten wir 2027 definitiv einige Gigs spielen.

Time For Metal / René W.:
Wie siehst du die weitere Entwicklung von Thokkian Vortex in den kommenden Jahren? Planst du, die musikalische Richtung weiter zu erweitern, oder liegt der Fokus eher auf der Vertiefung der aktuellen Klangästhetik?

Thokkian Vortex / Lord Kaiaphas:
Es ist schwer zu sagen, wie sich Thokkian Vortex in Zukunft entwickeln wird. Mein Fokus liegt derzeit darauf, Thokkian zu einer Live-Band zu machen. Nachdem wir ein paar Konzerte gespielt haben, werde ich eine bessere Vorstellung davon haben, wie das nächste Album aussehen sollte. Mal sehen, was passiert.

Vielen Dank für dieses Interview und die Unterstützung.