Bands: Timo Wuerz, Disreality, Andi The Wicked, Torments Of Soul, Desaster, Motorjesus, Milking The Goatmachine, The Night Eternal, Hammer King, Insanity Alert, Sic Zone, Ratrotten, Grufflo, Plagueborne, DJ Benne
Ort: Kulturhalle Ochtendung, Langenbergstraße, 56299 Ochtendung
Datum: 01.05. – 02.05.2026
Kosten: Kombi-Ticket Festival & Camping: 91,65 €, Weekendticket (ohne Camping): 69,95 €, Tagesticket (Freitag): 37,50 €, Tagesticket (Samstag): 37,50 €
Genre: Black Metal, Heavy Metal, Thrash Metal, Death Metal, Groove Metal, Power Metal, Alternative Metal, Hard Rock, Speed Metal
Veranstalter: A Chance For Metal (www.acfmf.de)
Link: https://www.facebook.com/events/1532958367661929
Am heutigen Freitag hat der Biergarten bereits um 10:00 Uhr geöffnet und es gibt bis zum Einlass in die Halle ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm. Unter anderem sorgen eine Lesung von/mit Magnus Wagner sowie Metal-Karaoke mit DJ Benne für erste Stimmung auf dem Gelände. Die geplante Signierstunde mit Timo Wuerz musste leider kurzfristig abgesagt werden. Das ist natürlich schade, dass wir den Zeichner unseres Hochzeitsbildes heute nicht treffen. Überhaupt gibt es in diesem Jahr leider auch einige Bandabsagen, die Veranstalter Jan Müller allerdings meisterlich und sehr professionell auffangen konnte. Dazu im Bericht zum morgigen Tag mehr. Wir selbst treffen erst mit dem Opener Disreality in Ochtendung ein.
Disreality (starker, überraschend reifer Opener)
Disreality eröffnen den Tag und liefern deutlich mehr als einen üblichen „Warm-up“-Slot. Ihr Sound ist ein wuchtiger Mix aus Thrash- und Death-Metal, der direkt nach vorne geht: rasende Riffs, präzise gesetzte Breaks und ein kompromissloser Druck nach vorne. Was sofort auffällt: Obwohl die Band erst 2022 gegründet wurde, stehen hier keine Neulinge auf der Bühne. Allen voran Björn Grüne an Gitarre und Background-Gesang, vielen noch bestens bekannt von Warwolf und deren Vorgänger Wolfen. Diese Erfahrung zieht sich durch das gesamte Line-Up: Die Band wirkt eingespielt, souverän und extrem fokussiert.

Die Diskografie ist mit der EP Demolition (2023) und einigen Singles zwar noch überschaubar, doch live entfalten die Songs eine enorme Wirkung. Jeder Übergang sitzt, jede Tempoverschärfung trifft, und die Dynamik innerhalb der Tracks sorgt dafür, dass keine Sekunde Leerlauf entsteht. Gerade als Opener ist diese Durchschlagskraft bemerkenswert. Disreality spielen nicht wie eine Band, die sich erst noch beweisen muss – sie spielen wie eine, die genau weiß, dass sie hierher gehört.
Andi The Wicked (virtuos, konzentriert, atmosphärisch)
Mit Andi The Wicked ist nun Gitarrenmusik der etwas anderen Sorte an der Reihe. Hinter dem Namen steckt Andreas Dötsch, in der Koblenzer Underground-Szene kein Unbekannter, unter anderem durch Stationen bei Steelpreacher, The Wicked Chambers und Wolfen. Und während sich manche vielleicht noch fragen, wer genau hier auf der Bühne steht, wird schnell klar: Andi ist ein echter Gitarrenvirtuose, einer von denen, die gefühlt „next door“ leben und trotzdem wie aus einer ganz anderen Liga wirken. Sein zweites Soloalbum Sexually Transmitted Mojo (2022, ACFM Records) liefert die Basis für den heutigen Auftritt. Live bringt er die Songs gemeinsam mit Jan Hinz am Schlagzeug und Ebi am Bass als Trio auf die Bühne.

Ganz im Sinne von Frank Zappa: „Shut Up And Play Yer Guitar.“ Und genau das passiert hier. Andi konzentriert sich voll auf sein Spiel, arbeitet sich durch seine Kompositionen mit einer Selbstverständlichkeit, die zeigt, wie viel Erfahrung dahintersteckt. Die Stücke wirken wie zusammenhängende Klangreisen, getragen von einer Rhythmussektion, die jederzeit die Balance hält. Vor der Bühne verändert sich die Dynamik spürbar: weniger wildes Chaos, mehr fokussiertes Mitgehen. Viele lassen sich einfach treiben, tauchen in den Sound ein und folgen der Musik ohne große Ablenkung.
Torments Of Soul (düster, erfahren, publikumsnah)
Dann wird es dunkel und gleichzeitig irgendwie vertraut-chaotisch. Torments Of Soul betreten die Bühne und bringen nicht nur ihren Sound, sondern auch ihre ganz eigene Geschichte mit. Die Eifelveteranen um Frontmann Jochen Hamper sind berüchtigt für ihre skandalträchtigen Auftritte und für den legendären „Busdrive Of Death“, der unter Fans längst Kultstatus erreicht hat.
Seit ihrer Gründung 1994 stehen sie für kompromisslosen Death Metal und auch über 30 Jahre später wirkt hier nichts angestaubt. Im Gegenteil: Mit neuem Material im Gepäck, allen voran Songs vom aktuellen Werk Mortuus Est I (erschienen 2024 über A Chance For Metal Records als streng limitiertes rotes Vinyl), zeigen sie, dass sie immer noch genau wissen, wie man eine Halle in ihren Bann zieht.

Mit Tracks wie Schlachthaus, Aus der Erde oder Pandemie demonstriert die Band eindrucksvoll, wie sie ihre rohe Energie auch auf neuem Material bündelt. Die Songs kommen direkt auf den Punkt, entfalten live eine enorme Wucht und werden von der Crowd sofort aufgenommen. Der Sound ist massiv, die Songs wirken wuchtig und direkt, und Jochen Hamper steht wie ein Berserker im Zentrum des Geschehens. Seine Präsenz trägt das Set, während die Band um ihn herum eine dichte, drückende Atmosphäre aufbaut. Dabei wirkt alles erstaunlich eingespielt, fast schon routiniert – aber nie müde.
Was sofort auffällt: Ein großer Teil der Crowd ist hier nicht zufällig. Viele Fans sind gezielt für diese Band gekommen, kennen die Songs, feiern jede Passage und treiben die Stimmung zusätzlich nach oben. Torments Of Soul liefern eine intensive, laute und gleichzeitig überraschend kurzweilige Show, die die Halle richtig gut füllt und die Stimmung deutlich anzieht.
Motorjesus (energiegeladen und Party pur)
Ohne Vorwarnung verwandeln Motorjesus die Halle in eine einzige Partyzone. Schon der Einstieg sitzt: Die Show beginnt mit dem Song Trouble In Motor City, der sofort klar macht, wohin die Reise geht – Vollgas, Heavy Rock und keine Kompromisse.

Es folgen weitere Highlights wie Dead Army, Fist Of The Dragon, Nitro, Destroyer und einige weitere Kracher, die das Set konsequent auf Spannung halten. Der Sound ist druckvoll, dreckig und eingängig: klassischer Heavy Rock mit ordentlich Schub. Frontmann Chris Birx dominiert die Bühne, posiert, animiert, feuert das Publikum an und bekommt genau die Reaktion, die er will: Fäuste gehen hoch, Refrains werden lautstark mitgesungen. Die Band spielt extrem routiniert, jede Bewegung sitzt, jeder Song zündet. Motorjesus liefern ein energiegeladenes Set, das die Brücke zum Finale bildet. Für mich persönlich heißt das jetzt allerdings auch einmal kurz herunterfahren. Denn nach dieser Show folgt das große Finale des Tages mit meinen Freunden von Desaster.
Desaster (brachial, legendär, absoluter Höhepunkt)
Zum Abschluss betreten Desaster die Bühne – und sofort ist klar, dass jetzt keine Kompromisse mehr gemacht werden. Die Koblenzer gelten seit 1989 als eine der Speerspitzen des (deutschen) Black/Thrash Metal und verfügen über eine extrem treue, fast schon eingeschworene Fangemeinde.
Auch personell hat die Band eine bewegte jüngere Geschichte hinter sich: 2018 verlässt der langjährige Schlagzeuger Husky (Asphyx), auch bekannt als Tormentor, die Band. Die Frage, wie es weitergeht, beantwortet die Gruppe schnell mit Hont (u. a. Ex-Jupiter Jones) hinter der Schießbude. Erste Shows, die Single Black Blasphemies und schließlich das Album Churches Without Saints zeigen, dass Desaster nicht nur weitermachen, sondern stärker denn je auftreten.
Mit Kill All Idols, dem Album aus dem letzten Jahr, knüpft die Band konsequent daran an. Genau diese Mischung aus Erfahrung und ungebrochener Aggression steht heute im Mittelpunkt. Das unheilige Quartett (Infernal an der Gitarre, Odin am Bass, Sataniac am Gesang und Hont am Schlagzeug) braucht keine großen Gesten. Hier wird nicht erklärt, hier wird entfesselt.

Und genau das passiert: Ein Höllenfeuer bricht los. Brachial, schnell und kompromisslos spielt die Band mit Tempo, Dichte und der dunklen Seite des Metals. Alles, was die Band in den letzten rund 37 Jahren ausgemacht hat, fließt in dieses Set: Heavy Metal, Speed Metal, Thrash Metal, Black Metal, Death Metal und Punk – alles in einem Strudel aus Energie. Die Halle eskaliert komplett, die ersten Reihen gehen vollkommen unter im Chaos. Gleichzeitig wirkt alles erstaunlich kontrolliert, als würde die Band genau wissen, wie man dieses Chaos steuert, ohne es zu bremsen.
Desaster sind der erwartete und absolut verdiente Höhepunkt eines Abends, der keinen stärkeren Abschluss finden könnte.
Fazit:
Ein perfekt aufgebauter Festivaltag mit steigender Intensität, klarer Dramaturgie und einem Finale, das alles zuvor Erlebte noch einmal übertrifft. Ochtendung lebt – und dieser erste Tag setzt die Messlatte verdammt hoch. 🤘

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